max schrieb:> Umsatz 800 Millionen, als Entwicklungsdienstleister. Portokasse.
Scherz, oder?
Bei 800Mio bleiben vielleicht 80-150Mio Gewinn. Davon 35 Mio Strafe
zahlen ist was anderes als Portokasse.
J. Wissenwasser schrieb:> max schrieb:>> Umsatz 800 Millionen, als Entwicklungsdienstleister. Portokasse.>> Scherz, oder?>> Bei 800Mio bleiben vielleicht 80-150Mio Gewinn. Davon 35 Mio Strafe> zahlen ist was anderes als Portokasse.
Milchmädchenrechnung: 35 Millionen zu 800 Millionen (Umsatz IAV) ist
ungefähr das gleiche wie 10 Milliarden zu 230 Milliarden (Umsatz VW).
Das heißt die Strafe ist in ähnlicher Größenordnung wie die für VW war
(auf den Umsatz skaliert). IAV wird also kaum gleich Pleite gehen,
gespart wird aber evtl. schon an manchen Stellen.
also wer noch bei Verstand ist sollte die Automobilindustrie meiden:
nicht nur Abgasskandal wird weitere Kreise ziehen, es ist jetzt schon
bekannt, dass durch die Automatisierung und e-Mobilität bis zu 2/3 der
Stellen wegfallen werden.
Wenn ich eine Bank wäre, würde ich weder für Getriebe- noch für
Verbrenner-Motorentwicklung das Kapital bereit stellen ...
Jetzt nur mal überlegen welche Bereiche von den Streichungen betroffen
sind.
Als Maschinenbauer, oder Bandarbeiter würde ich mir mehr sorgen machen.
Powermanagement/Antriebsregelung E-Motor zu Motorsteuergerät Verbrenner
kann ich allerdings schlecht abschätzen ... die ganze Abgassoftware
fällt halt weg.
Dafür kommen aber ja auch neue andere Elektronische Features dazu. Hier
in der Umgebung werden im Automotive Bereich Primär nur noch
Elektroingenieure, Informatiker und der ein oder andere Mathematiker
eingestellt, vor allem wenn man die Stellenausschreibungen zu dem
Stellen Ist Stand vergleicht.
Es werden sich in der Autobranche die Strukturen und Prozesse ändern
müssen, die Elektroautoproduktion ist weniger komplex in der Mechanik
und viel mehr Möglichkeiten durch komplexes Software-Engineering.
Das eröffnet die Möglichkeit, viel mehr Vielfalt und Variabilität in den
Features und kundenspezifische Fahrzeuge zu bauen bis zur Möglichkeit,
dass ein Kunde sein eigenes Auto aus der Plattform zusammensetzt.
Tesla und andere werden das nutzen, was die Deutschen natürlich in der
Zwangslage bringen wird, nachzuziehen.
Konkret heißt das, dass weniger Autos so rund aussehen, dass sie als
Massenware durch die Prozesse passen, als vielmehr individuelle
Kompositionen.
Dafür müssen Entscheidungen schnell und pragmatisch fallen,
Entwicklungen viel schneller und stringent vorangehen.
Ob da noch die alten Autobauer folgen können.
H.B. schrieb:> Ob da noch die alten Autobauer folgen können
Grad die deutschen OEMs haben die Artenvielfalt perfektioniert.
Schau mal alleine beim Golf was du da für Möglichkeiten hast. Kaum ein
Golf gleicht dem anderen.
Andere Hersteller bieten eher Autos von der Stange mit wenigen
Wahlmöglichkeiten.
H.B. schrieb:> Konkret heißt das, dass weniger Autos so rund aussehen, dass sie als> Massenware durch die Prozesse passen, als vielmehr individuelle> Kompositionen.
Sorry, selten so etwas Realitätsfernes gelesen. Es geht immer um das
Package und das Zusammenspiel der Komponenten. Das wird auch auch in
Zukunft nicht ändern, eher im Gegenteil.
Nun…
Ich bin mir sicher, dass nach dem bekanntwerden der Dieselaffäre, IAV
damit begonnen hat Rückstellungen zu bilden, um eben mögliche
Strafzahlungen leisten zu können.
Deshalb, denke ich nicht, dass aufeinmal brutal gespart werden muss.
H.B. schrieb:> Es werden sich in der Autobranche die Strukturen und Prozesse ändern> müssen, die Elektroautoproduktion ist weniger komplex in der Mechanik> und viel mehr Möglichkeiten durch komplexes Software-Engineering.
Genau so ist es. Und sobald die Entlassungswelle in den nicht weiter
benötigten Bereichen beginnt, werden die Gewerkschaften alles daran
setzen, den Status Quo zu erhalten. Entweder werden sich die
Autohersteller dem Druck beugen und bis zum Sanktnimmerleinstag das
nicht benötigte und qualifikationsresistente Personal durchfüttern und
zwischendurch mehrmals pleitegehen, oder sie werden dann eben komplette
Standorte schließen und im Ausland neue Tochterunternehmen gründen.
Wie hat Martin Herrenknecht neulich völlig zutreffend zitiert:
"Ein Chinese hat mir mal gesagt: wenn du ein lebendes Museum anschauen
willst, dann fahr nach Deutschland." (*)
> Tesla und andere werden das nutzen, was die Deutschen natürlich in der> Zwangslage bringen wird, nachzuziehen.
Zunächst muss eine Kommision gebildet werden, die darüber berät, welche
weiteren Beratungstermine sich hinreichend kommod mit Urlaubszeiten und
Feiertagen vereinbaren lassen. Nach nur zwei Jahren stehen dann zwei
Termine zur Auswahl. Man beschließt, zunächst eine Bestandaufnahme
durchzuführen. Sobald das erste Zwischenergebnis vorliegt, befindet sich
ein Drittel der Kommisionsmitglieder schon in Rente. Ein weiteres
Drittel unterhält sich über die möglichen Vorruhestandsregelungen. Die
freien Posten werden nach Parteizugehörigkeit, Golf-Handicap und
Spendenhöhe an Rotary verteilt. Das dritte ursprüngliche Drittel tritt
nun auch in den Ruhestand, so dass nur noch die nachgerückten
jung-dynamischen Sechszigjährigen nachrücken. Dann wiederholt sich das
Spiel.
> Dafür müssen Entscheidungen schnell und pragmatisch fallen,> Entwicklungen viel schneller und stringent vorangehen.
Ein übereifriges Mitglied der dritten Nachbesetzung in der o.a.
Kommision veröffentlicht versehentlich einen Vor-Vorabentwurf eines
Positionspapiers, in dem solch eine Notwenigkeit nicht explizit
ausgeschlossen wird.
> Ob da noch die alten Autobauer folgen können.
Nein.
Zu (*):
http://www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/de/mediathek/interviews/dr-ing-e-h-martin-herrenknecht-interview/
Fahrzeugtechniker schrieb:> ich bin gerade im Bewerbungsprozess bei iav in einer Abteilung, die> autonomes Fahren bearbeitet. Nun lese ich zufällig, dass iav im> Abgasskandal 35Mio Strafe zahlen muss:
Mach aus deinen 50kEuro nun 75kEuro und sag denen dass es peanuts sind
im Gegensatz zu der Strafe die sie zahlen müssen wenn die nächste
Sauerei rauskommt die du vorher beheben könntest....
Andreas S. schrieb:> H.B. schrieb:>> Es werden sich in der Autobranche die Strukturen und Prozesse ändern>> müssen, die Elektroautoproduktion ist weniger komplex in der Mechanik
Aber nur was den Motor anbelangt, also keine 10% vom Fahrzeug.
>> und viel mehr Möglichkeiten durch komplexes Software-Engineering.
Das ist richtig, die freiwerdenden Kapazitaeten, werden anderswo
eingesetzt. Autos sind naemlich noch nie billiger geworden, trotz
enormer Produktivitaetssteigerungen. Vielmehr sind die Autos besser und
komfortabler geworden. Man vergleiche mal die Ausstattung eines Corsa
aus den 90ern mit heute.
> Genau so ist es. Und sobald die Entlassungswelle in den nicht weiter> benötigten Bereichen beginnt,
So abrupt geht das nicht. Auch in 50 Jahren werden noch Verbrenner vom
Band laufen. Die Zahl sinkt, aber es gehen auch jeden Tag Entwickler
etc. in den Ruhestand. Gefaehrlich fuer die Belegschaft und
Volkswirtschaft ist vielmehr, wenn in falscher Torschlusspanik alles
umgekrempelt wird, um dann festzustellen, dass man mit der E-Mobilitaet
auf das falsche Pferd gesetzt hat.
> "Ein Chinese hat mir mal gesagt: wenn du ein lebendes Museum anschauen> willst, dann fahr nach Deutschland." (*)
Ein Deutscher hat mal gesagt: Wenn du die Reinform des Kapitalismus
sehen willst mit Betonwuesten, versmogten Landschaften, verseuchten
Aeckern, dann fahr nach China. So Fortschritt, much Wow.
Andreas S. schrieb:> Entweder werden sich die Autohersteller dem Druck beugen und bis zum> Sanktnimmerleinstag das nicht benötigte und qualifikationsresistente> Personal durchfüttern und zwischendurch mehrmals pleitegehen, oder sie> werden dann eben komplette Standorte schließen und im Ausland neue> Tochterunternehmen gründen.
Falsch. Du vergisst eine Tatsache: In Deutschland gehen die
Babyboomer-Generationen in den nächsten Jahren ohnehin in Rente. Die
deutschen Hersteller brauchen also gar nicht zu kündigen, sondern
besetzen die Positionen dann eben einfach nicht nach. Leiharbeiter
werden nicht verlängert. Dann hat der Staat das Problem, der die
Hersteller durch die restriktiven Umweltvorgaben dazu zwingt mit der
Produktion von Verbrennern aufzuhören.
Zählt man in Deutschland 2015 noch 43 Millionen Erwerbstätige, werden im
Jahr 2033 nur noch rund 37 Millionen Menschen arbeiten und ihre Beiträge
in die Rentenkassen zahlen. Dem würden dann weiterhin fast 39 Millionen
Menschen gegenüberstehen, die nicht oder nicht mehr erwerbstätig sind.
Seit 2016 ist es öffentlich (Zukunftspakt). Der Autobauer VW will ca.
30.000 Mitarbeiter abbauen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen
ausgeschlossen sein. Der Personalabbau soll altersbedingt über die
Altersteilzeit erfolgen. Eine neuer Altersteilzeitvertrag regelt die
Modalitäten. Nicht jeder von VW muss in die vorzeitige Rente gehen.
In einer Nachrichtenmitteilung des Fernsehsenders N-TV vom 12.10.2016
teilte der Betriebsratsvorsitzende von VW Herr Osterloh mit, dass in
einem Zeitrahmen von ca. 10 Jahren jährlich ca. 2000-3000 Mitarbeiter
freigesetzt werden sollen.
Deutschland ist auf dem systematischen Weg zur Verkleinerung, jedenfalls
was kapitalistisch geprägten Lebensstandard angeht. Ein guter Teil wird
aus Rentnern bestehen und ein weiterer Teil ebenfalls nur so wenig Geld
haben, der Bewegungsradius wird abnehmen und auch die Einfuhr von
Elektronik aus Asien.
Man wird sich auf Essen, Trinken, Dach überm Kopp und Abwasser
konzentrieren.
Gut für die Umwelt ist es ja.