Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Netzteil - Unterschied Schutzklasse I / Schutzklasse II


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von Tilo R. (joey5337) Benutzerseite


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Hallo liebes Forum,

ich habe ein Verständnisproblem bezüglich der Angaben "Schutzklasse I" 
und "Schutzklasse II" bei Netzteilen, das ich auch nicht recherchiert 
bekommen habe.

Im konkreten Beispiel geht es um den Vergleich dieser Netzteile:
1. Reichelt "MW GST60A15" - Schutzklasse I
https://www.reichelt.de/tischnetzteil-60-w-15-v-4-a-mw-gst60a15-p171054.html
2. Reichelt "MW OWA-60E-15" - Schutzklasse II
https://www.reichelt.de/tischnetzteil-60-w-15-v-4-a-mw-owa-60e-15-p203067.html


Ich verstehe, was Schutzklasse I und II bei "normalen" Geräten bedeutet.
Bei I sind metallische Gehäuseteile schutzgeerdet. Geräte haben einen 
Schuko-Stecker, ein einfacher Fehler ist für den Nutzer ungefährlich, 
weil das Gehäuse an den Schutzleiter angeschlossen ist. (Und letztlich 
Sicherung oder FI, LS der Hausinstallation abschalten)

Bei II besteht eine verstärkte oder doppelte Isolation. Geräte haben 
keinen Schutzleiteranschluss (d.h. Euro- oder Konturenstecker). Man geht 
davon aus, dass ein einfacher Fehler im Gerät für den Nutzer wegen der 
doppelten Isolierung immer noch ungefährlich ist.


Nun haben beide Netzteile ein Kunststoffgehäuse, die 
Metallgehäuse-Argumentation funktioniert nicht. Relevant für mich ist 
die Sekundärseite, die bei beiden galvanisch vom Netz getrennt sein 
sollte.
Irgendwie erwarte ich in beiden Fällen eine ungefährlich berührbare 
Sekundärseite.
Konkreter Anwendungsfall ist eine Modelleisenbahn, wo die Sekundärseite 
tatsächlich regelmäßig angefasst wird (Schienen). Analog betrifft das 
aber auch alle anderen Basteleien, z.B. am Raspberry, weil es auch da 
berührbare Teile gibt.


Was genau ist denn jetzt der Unterschied?
Ich vermute, Schutzklasse II ist tatsächlich verstärkt isoliert, d.h. 
ich erwarte bessere Optokoppler (4kV?) und im Übertrager zwei getrennt 
isolierte Kammern.

Wie ist das bei dem Schutzklasse I-Gerät? Eine schutzgeerdete 
Zwischenlage im Übertrager o.ä. kann ich mir schlecht vorstellen.


Bitte keine Pauschalantworten wie "nimm II - dann bist du auf der 
sicheren Seite". Ich möchte den Unterschied verstehen.

: Verschoben durch Moderator
von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


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Tilo R. schrieb:
> Nun haben beide Netzteile ein Kunststoffgehäuse, die
> Metallgehäuse-Argumentation funktioniert nicht.

Ausserdem gibt es auch Geräte mit Metallgehäuse und trotzdem Sk II.
SK II schreibt vor, das der 'Berührstrom', also der Strom der zwischen 
berührbaren Teilen des Gerätes und Erde nicht höher ist als 250µA.

Lies das hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzklasse_%28Elektrotechnik%29

Tilo R. schrieb:
> Eine schutzgeerdete
> Zwischenlage im Übertrager o.ä. kann ich mir schlecht vorstellen

Gibts aber natürlich. Ich habe hier ein LNG von Philips, das genau sowas 
hat.

: Bearbeitet durch User
von Georg G. (df2au)


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Tilo R. schrieb:
> bessere Optokoppler (4kV?)

Das wird nicht ausreichen. Die Geräte müssen ohne Ausnahme geprüft 
werden. Wir haben seinerzeit 7kV Gleichspannung zwischen Netz und 
berührbaren Teilen angelegt.

von Tilo R. (joey5337) Benutzerseite


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Matthias S. schrieb:
> Lies das hier:
> https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzklasse_%28Elektrotechnik%29

Danke, das habe ich natürlich schon alles gelesen, auch 250uA kannte ich 
schon.

Mir ist aber immer noch nicht klar, wie Schutzklasse I bei einem 
Netzteil im Kunststoffgehäuse realisiert wird.

Auch Schutzklasse I schützt mich ja besser als eine normale 
Basisisolierung.

Auch schutzgeerdete Zwischenlagen in Trafos kenne ich. Aber darf ich 
sowas tatsächlich in dem o. genannten Schutzklasse-I-Netzteil erwarten?

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


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Tilo R. schrieb:
> wie Schutzklasse I bei einem
> Netzteil im Kunststoffgehäuse realisiert wird.

Die Jungs werden einfach PE auf die Masse des Ausgangs legen.

von U. M. (oeletronika)


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Hallo,
> Tilo R. schrieb:
> Hallo liebes Forum,
> ich habe ein Verständnisproblem bezüglich der Angaben "Schutzklasse I"
> und "Schutzklasse II" bei Netzteilen, das ich auch nicht recherchiert
> bekommen habe.
Grundsätzlich ist es so, dass NT mit Schutzklasse 1 (SK1) nicht für 
Verwendung als SK2 zugelassen sind.
Umgekehr geht es schon, Schaltungteile können trotzdem geerdet werden.

> Im konkreten Beispiel geht es um den Vergleich dieser Netzteile:
> 1. Reichelt "MW GST60A15" - Schutzklasse I
> https://www.reichelt.de/tischnetzteil-60-w-15-v-4-a-mw-gst60a15-p171054.html
> 2. Reichelt "MW OWA-60E-15" - Schutzklasse II
> https://www.reichelt.de/tischnetzteil-60-w-15-v-4-a-mw-owa-60e-15-p203067.html
> Ich verstehe, was Schutzklasse I und II bei "normalen" Geräten bedeutet.
SK1 - Anschluss  PE-Anschluss ist zwingend!
SK2 - braucht keinen PE!

> Bei I sind metallische Gehäuseteile schutzgeerdet.
Ja, das kann auch im inneren des Gehäuses sein, wie z.B. bei dem NT 
"GST60A15", welches ja einen PE-Anschluss hat (3-pol. Kabel).

Da wird dann im Inneren z.B. eine Schirmung oder Trennblech 
angeschlossen, weil sonst nicht die Bedingungen für SK2 eingehalten 
würden.
-> Luft- und Kiechstrecken nicht weit genug
-> Prüfspannung nur 2,5 kV

Man kann auch absichtlich zwischen Primär und Sekundärteil elektrisch 
leitfähigen Teile (Bleche; Leiterzüge, Kupferfolien) auf PE legen, damit 
im Falle eines Durchschlages die Primärspannung nicht auf den 
Sekundärteil durchgreift, weil sie vorher auf PE abgeleitet wird.

Oft ist es auch so, das Schalttransistoren mit dünnen Folien isoliert an 
einem inneren Gehäuseteil befestigt sind, welches auch den Sekundärteil 
umschließt.
Auch wenn da noch zusätzlich Isolierfolien zwischen Gehäuse und 
Sekundärelektronik eingesetzt sind, können diese nicht als doppelte 
Basisiolierung durchgehen, sondern nur als einfache.

> Geräte haben einen Schuko-Stecker,
> ein einfacher Fehler ist für den Nutzer ungefährlich,
> weil das Gehäuse an den Schutzleiter angeschlossen ist. (Und letztlich
> Sicherung oder FI, LS der Hausinstallation abschalten)
So ist es. Wobei das nicht nur für Gehäuseteile gilt, die von außen 
direkt berührbar sind. Draußen dran ist ein Hohlstecker, der natürlich 
berührbar ist und dashalb ist jeder Teil der Sekundärschaltung praktisch 
indirekt berührbar.

> Bei II besteht eine verstärkte oder doppelte Isolation. Geräte haben
> keinen Schutzleiteranschluss (d.h. Euro- oder Konturenstecker). Man geht
> davon aus, dass ein einfacher Fehler im Gerät für den Nutzer wegen der
> doppelten Isolierung immer noch ungefährlich ist.
So ist es.
Man geht aber auch von einer höheren Durchschlagsfestigkeit ausm z.B. 
infolge Überspannung aus dem Netzt (auch Blitzschlag).

> Nun haben beide Netzteile ein Kunststoffgehäuse, die
> Metallgehäuse-Argumentation funktioniert nicht.
Die Sache mit dem Metallgehäuse ist auch nicht primär entscheidend.

Wichtig ist, dass im gesamten System für SK2 die Luft- und 
Kriechstrecken größer sind und zwischen Teilen mit berührgefährlicher 
Spannung und berührbaren metallischen Teilen eine doppelter 
Basisisolierung oder verstärkete Isol. vorhanden ist.
Geprüft wird SK2 deshalb auch mit höherer Spannung (ich meine mind. 4kV)

> Relevant für mich ist
> die Sekundärseite, die bei beiden galvanisch vom Netz getrennt sein
> sollte.
Ist sie auch.
Nur wird bein NT mit SK1 nur die elektr. Sicherheit der Sekundärspannung 
garantiert, wenn Primär auch der PE angeschlossen ist.

> Irgendwie erwarte ich in beiden Fällen eine ungefährlich berührbare
> Sekundärseite.
Kannst du auch, unter oben genanter Bedingung.

> Konkreter Anwendungsfall ist eine Modelleisenbahn, wo die Sekundärseite
> tatsächlich regelmäßig angefasst wird (Schienen). Analog betrifft das
> aber auch alle anderen Basteleien, z.B. am Raspberry, weil es auch da
> berührbare Teile gibt.
Das betrifft jede erzeugte Kleinspannung, deren Schaltungen irgendwie 
berührbar sind (also z.B. auch alle Steckernettzeile)

> Was genau ist denn jetzt der Unterschied?
> Ich vermute, Schutzklasse II ist tatsächlich verstärkt isoliert, d.h.
> ich erwarte bessere Optokoppler (4kV?) und im Übertrager zwei getrennt
> isolierte Kammern.
Ja, zuverlässiges Isolierung, größere Luft- und Kiechstrecken, höhere 
Prüfspanung, geringere Ableitströme.

> Wie ist das bei dem Schutzklasse I-Gerät? Eine schutzgeerdete
> Zwischenlage im Übertrager o.ä. kann ich mir schlecht vorstellen.
Doch, genau das kann z.B. sein, dass zwischen den Wicklungen eine 
Kupferfolie eingebaut ist.
Oft hat das aber solch ein Aufbau nur den Grund wegen elektrische 
Sicherheit, sondern auch wegen EMV oder weger kompakterer Bauweise oder 
einfacherer und billigerer Konstruktion.

> Bitte keine Pauschalantworten wie "nimm II
Unter Umständen ist ein SK1-NT sogar sicherer als SK2, sofern der PE 
korrekt angeschlossen ist. Diese Maßnahme funktionier auch dann noch, 
wenn doch mal aus irgend einem Grund ein Kurzschluss zwischen 
Primärspannung und berührbaren metallischen Teilen passiert.
Gruß Öletronika

: Bearbeitet durch User
von Tilo R. (joey5337) Benutzerseite


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Vielen Dank Öletronika,

deine Antwort hat mir weitergeholfen.

Ich kann dafür also ohne schlechtes Gewissen SK-I kaufen.

Dem Schutzleiter vertraue ich. Hausinstallation und Betriebsmittel sind 
in Ordnung, da achte ich ja eh drauf.

viele Grüße,
Tilo

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