Hallo,
> Tilo R. schrieb:
> Hallo liebes Forum,
> ich habe ein Verständnisproblem bezüglich der Angaben "Schutzklasse I"
> und "Schutzklasse II" bei Netzteilen, das ich auch nicht recherchiert
> bekommen habe.
Grundsätzlich ist es so, dass NT mit Schutzklasse 1 (SK1) nicht für
Verwendung als SK2 zugelassen sind.
Umgekehr geht es schon, Schaltungteile können trotzdem geerdet werden.
> Im konkreten Beispiel geht es um den Vergleich dieser Netzteile:
> 1. Reichelt "MW GST60A15" - Schutzklasse I
> https://www.reichelt.de/tischnetzteil-60-w-15-v-4-a-mw-gst60a15-p171054.html
> 2. Reichelt "MW OWA-60E-15" - Schutzklasse II
> https://www.reichelt.de/tischnetzteil-60-w-15-v-4-a-mw-owa-60e-15-p203067.html
> Ich verstehe, was Schutzklasse I und II bei "normalen" Geräten bedeutet.
SK1 - Anschluss PE-Anschluss ist zwingend!
SK2 - braucht keinen PE!
> Bei I sind metallische Gehäuseteile schutzgeerdet.
Ja, das kann auch im inneren des Gehäuses sein, wie z.B. bei dem NT
"GST60A15", welches ja einen PE-Anschluss hat (3-pol. Kabel).
Da wird dann im Inneren z.B. eine Schirmung oder Trennblech
angeschlossen, weil sonst nicht die Bedingungen für SK2 eingehalten
würden.
-> Luft- und Kiechstrecken nicht weit genug
-> Prüfspannung nur 2,5 kV
Man kann auch absichtlich zwischen Primär und Sekundärteil elektrisch
leitfähigen Teile (Bleche; Leiterzüge, Kupferfolien) auf PE legen, damit
im Falle eines Durchschlages die Primärspannung nicht auf den
Sekundärteil durchgreift, weil sie vorher auf PE abgeleitet wird.
Oft ist es auch so, das Schalttransistoren mit dünnen Folien isoliert an
einem inneren Gehäuseteil befestigt sind, welches auch den Sekundärteil
umschließt.
Auch wenn da noch zusätzlich Isolierfolien zwischen Gehäuse und
Sekundärelektronik eingesetzt sind, können diese nicht als doppelte
Basisiolierung durchgehen, sondern nur als einfache.
> Geräte haben einen Schuko-Stecker,
> ein einfacher Fehler ist für den Nutzer ungefährlich,
> weil das Gehäuse an den Schutzleiter angeschlossen ist. (Und letztlich
> Sicherung oder FI, LS der Hausinstallation abschalten)
So ist es. Wobei das nicht nur für Gehäuseteile gilt, die von außen
direkt berührbar sind. Draußen dran ist ein Hohlstecker, der natürlich
berührbar ist und dashalb ist jeder Teil der Sekundärschaltung praktisch
indirekt berührbar.
> Bei II besteht eine verstärkte oder doppelte Isolation. Geräte haben
> keinen Schutzleiteranschluss (d.h. Euro- oder Konturenstecker). Man geht
> davon aus, dass ein einfacher Fehler im Gerät für den Nutzer wegen der
> doppelten Isolierung immer noch ungefährlich ist.
So ist es.
Man geht aber auch von einer höheren Durchschlagsfestigkeit ausm z.B.
infolge Überspannung aus dem Netzt (auch Blitzschlag).
> Nun haben beide Netzteile ein Kunststoffgehäuse, die
> Metallgehäuse-Argumentation funktioniert nicht.
Die Sache mit dem Metallgehäuse ist auch nicht primär entscheidend.
Wichtig ist, dass im gesamten System für SK2 die Luft- und
Kriechstrecken größer sind und zwischen Teilen mit berührgefährlicher
Spannung und berührbaren metallischen Teilen eine doppelter
Basisisolierung oder verstärkete Isol. vorhanden ist.
Geprüft wird SK2 deshalb auch mit höherer Spannung (ich meine mind. 4kV)
> Relevant für mich ist
> die Sekundärseite, die bei beiden galvanisch vom Netz getrennt sein
> sollte.
Ist sie auch.
Nur wird bein NT mit SK1 nur die elektr. Sicherheit der Sekundärspannung
garantiert, wenn Primär auch der PE angeschlossen ist.
> Irgendwie erwarte ich in beiden Fällen eine ungefährlich berührbare
> Sekundärseite.
Kannst du auch, unter oben genanter Bedingung.
> Konkreter Anwendungsfall ist eine Modelleisenbahn, wo die Sekundärseite
> tatsächlich regelmäßig angefasst wird (Schienen). Analog betrifft das
> aber auch alle anderen Basteleien, z.B. am Raspberry, weil es auch da
> berührbare Teile gibt.
Das betrifft jede erzeugte Kleinspannung, deren Schaltungen irgendwie
berührbar sind (also z.B. auch alle Steckernettzeile)
> Was genau ist denn jetzt der Unterschied?
> Ich vermute, Schutzklasse II ist tatsächlich verstärkt isoliert, d.h.
> ich erwarte bessere Optokoppler (4kV?) und im Übertrager zwei getrennt
> isolierte Kammern.
Ja, zuverlässiges Isolierung, größere Luft- und Kiechstrecken, höhere
Prüfspanung, geringere Ableitströme.
> Wie ist das bei dem Schutzklasse I-Gerät? Eine schutzgeerdete
> Zwischenlage im Übertrager o.ä. kann ich mir schlecht vorstellen.
Doch, genau das kann z.B. sein, dass zwischen den Wicklungen eine
Kupferfolie eingebaut ist.
Oft hat das aber solch ein Aufbau nur den Grund wegen elektrische
Sicherheit, sondern auch wegen EMV oder weger kompakterer Bauweise oder
einfacherer und billigerer Konstruktion.
> Bitte keine Pauschalantworten wie "nimm II
Unter Umständen ist ein SK1-NT sogar sicherer als SK2, sofern der PE
korrekt angeschlossen ist. Diese Maßnahme funktionier auch dann noch,
wenn doch mal aus irgend einem Grund ein Kurzschluss zwischen
Primärspannung und berührbaren metallischen Teilen passiert.
Gruß Öletronika