Hallo,
hat jemand belastbare Informationen zur Parallelschaltung von
Schmelzsicherungen? Mich würde interessieren, wie sich das
Schmelzintegral und die maximale Impulsbelastbarkeit in
Parallelschaltung verändert. Ich könnte mir vorstellen, dass eine
unsymmetrischen Verteilung der Ströme berücksichtigt werden muss.
Evtl. gibt es dazu allgemeingültige Abhandlungen oder Angaben von
Herstellern?
Vielen Dank
Ralf
Ralf schrieb:> hat jemand belastbare Informationen zur Parallelschaltung von> Schmelzsicherungen? Mich würde interessieren, wie sich das> Schmelzintegral und die maximale Impulsbelastbarkeit in> Parallelschaltung verändert. Ich könnte mir vorstellen, dass eine> unsymmetrischen Verteilung der Ströme berücksichtigt werden muss.
Sicherungen parallel schalten? Origineller Gedanke. Würde ich nie
machen.
Ralf schrieb:> Schmelzintegral
bei n parallelen Sicherungen:
i2tn = i2t * n^2 (durch jede Sicherung fließt nur i/n. Ausgelöst wird
aber durch i^2*R)
Ralf schrieb:> maximale Impulsbelastbarkeit
Impulsbelastung wäre ja wiederum das Schmelzintegral.
Dauerstrom kannst du aber n mal soviel (-einige % derating wegen der
Toleranzen)
Gesehen habe ich es zwar noch nie aber könnte es mir bei Anwendungen
vorstellen wo die Pulsbelastungen viel höher als der zu sichernde
Dauerstrom ist.
-> Strom nur linear, Schmelzintegral aber Quadratisch mit n
Machen würde ich es aber auch nie!
Ralf schrieb:> Ich suche allerdings noch etwas fundierteres.
Ohm.
Ralf schrieb:> hat jemand belastbare Informationen zur Parallelschaltung von> Schmelzsicherungen? Mich würde interessieren, wie sich das> Schmelzintegral und die maximale Impulsbelastbarkeit in> Parallelschaltung verändert. Ich könnte mir vorstellen, dass eine> unsymmetrischen Verteilung der Ströme berücksichtigt werden muss.
Das tut man deshalb nicht, weil es Probleme mit der Symmetrierung geben
wird. Schau in das Datenblatt einer beliebigen Sicherung. Beispiel:
https://www.schurter.com/en/datasheet/typ_FST_5x20.pdf
Beim Spannungsabfall liegt man z.B. in einem Toleranzbereich von +-40% -
ablesbar auf S3. Das zu symmetrieren setzt dann hohe Serienwiderstände
voraus.
Wenn du es aus welchen Gründen auch immer tun willst:
Musst du halt nachrechnen, wie hoch dein Serienwiderstand sein darf, um
z.B. 2x80% Nennstrom verwenden zu können.
Es wird ziemlicher Blödsinn herauskommen.
Darum nimmt man Sicherungen mit passenden Nennstrom. Sicherungssysteme
gibts wie Sand am Meer, da ist für jede Anwendung etwas dabei.
Bei 2 8A-Sicherungen parallel musst du grundsätzlich davon ausgehen,
dass die Kombination die schlechten Eigenschaften einer 8A und einer 16A
Sicherung vereint.
c r schrieb:> Bei 2 8A-Sicherungen parallel musst du grundsätzlich davon> ausgehen,> dass die Kombination die schlechten Eigenschaften einer 8A und einer 16A> Sicherung vereint.
Frag doch einfach mal den netten China-Wechselrichter-Entwickler. Der
hat kein Problem mehrerer (>2) KFZ-Flachsicherungen parallel zu
schalten, weils die kleinen Dinger wohl nur bis 35A gibt und er gern
100A oder mehr für seinen schicken Wechselrichter braucht...
Dem
temp schrieb:> netten China-Wechselrichter-Entwickler ist völlig klar, dass das Pfusch ist, es
ist nur nicht sein Problem.
Es wird keiner nachweisen, dass über die improvisierte 100A-Sicherung
schon bei 60A geflogen ist.
temp schrieb:> Frag doch einfach mal den netten China-Wechselrichter-Entwickler. Der> hat kein Problem mehrerer (>2) KFZ-Flachsicherungen parallel zu> schalten, weils die kleinen Dinger wohl nur bis 35A gibt und er gern> 100A oder mehr für seinen schicken Wechselrichter braucht...
Für hohe Ströme (und vor allem bei DC) kann man das keinesfalls machen.
Denn egal wie viele Sicherungen parallel sind, eine ist die letzte die
auslöst. Und die kann nicht den vielfach stärkeren Lichtbogen löschen.
Viele vergessen, dass eine Sicherung neben dem Auslösestrom auch einen
maximal zulässigen Strom hat, bei dem der entstehende Lichtbogen
gelöscht werden kann.
Was ist bei der Parallelschaltung mehrerer Sicherungen zu beachten?
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Die Sicherungen müssen von gleichem Widerstand sein und auch die Stromzuführungen zu den Sicherungen müssen gleiche Impedanzen aufweisen. Dies erfordert, dass die Sicherungen gleichen Bemessungsstromes aus der gleichen Fertigungscharge stammen. Der kleinste Ausschaltstrom beträgt etwa das 8fache des Gesamt- Bemessungsstromes. Es müssen unbedingt alle an einer Abschaltung beteiligten Sicherungen gewechselt werden.
MiMa schrieb:> Für hohe Ströme (und vor allem bei DC) kann man das keinesfalls machen.
In Katalogen findet man die Erwähnung paralleler Anordnung gerade bei
hohen und höchsten Strömen. Aber im Bereich bis einigen dutzend Ampere
und Spannungen mit wenigen hundert Volt ist das unüblich. IdR. findet
sich das passende Schutzelement und man kommt selten in Verlegenheit,
von daher stellt sich das Problem erst garnicht.
Und beantwortet die Eingangs gestellte Frage nat. in keiner Weise. ;()
Ich hatte so etwas auch schon mal vorgefunden.
Nachdem die Daten der Sicherungen ja bekannt sind sollte es doch möglich
sein mit einem Simulator wie Spice diese Sonderfaelle zu berechnen.
Oder mit Mathlab.
Chris schrieb:> Auf Seite 14, "Fuses in Parallel".
Auch einmal gesehen, sogar bei Kleinspannung in Unterhaltungselektronik
als zwei gleiche Feinsicherungen 1AT nebeneinander und zwar von Fabrik
aus.
Same part number. The fuses must be mounted to allow equal current and
heat flow to the connections. In large installations, best practice is
to install parallel fuses as close as possible with equal cold
resistance values.
Der Kaltwiderstand soll gleich sein. Milliohmmeter.
Auch wenn der Thread etwas älter ist. Sicherungen parallel Schalten ist
vorallem in der Energietechnik nicht ganz unüblich.
Da kommen dann vom Trafo Abgang mehrere Einzeladern auf mehrere Trenner
z.B. 2x 500A und ann den Trennern steht der Hinweis: "nur gemeinsam
betätigen".
Es ist also nicht immer alles Unsinn, was man sich nicht gleich erklären
kann.
Stefan ⛄ F. schrieb:> So eine unsinnige Idee! Hast du sonst nicht besseres zu tun?
In der Luft- und Raumfahrt werden aus Sicherheitsgründen oft mehrere
Sicherungen verwendet.
Beispiel:
Wenn eine Sicherung korrodiert ist oder einen Wackelkontakt hat wäre das
übelst.
Nur die wenigsten Sicherungshersteller sind qualiziert für die Luft- und
Raumfahrt.
Die Fa.Schurter ist hierfür qualifizier und empfielt insbesonders
Parallelsicherungen.
https://ch.schurter.com/de/Landing-Page/Industrie/Luft-und-Raumfahrt
Diese Sicherungen sind symmetriert durch die parasitaeren
Leitungsinduktivitaeten. Daher geht das.
Bei Gleichstrom symmetrieren ohmsche Widerstaende. Der Widerstand
begrenzt den Kurzschlussstrom, so dass eine Sicherung verloeschen kann.
Stoert der Abfall im Nennbetrieb, schaltet man mehrere parallel.
Si 50A kann 1kA. U ist 24 V. Rv mind habe 33mOhm. Die 1,65V
Spannungsabfall waeren zu viel. Dann nimmt man halt 5 Si 10A kann 1kA,
je Rv 33mOhm. Spannungsabfall nur noch 0,33V.
siehe auch oben.
Zitat:
Wenn eine Anwendung einen höheren Nennstrom verlangt, als von einer
einzigen Sicherung abgedeckt werden kann, ist eine
Parallel-schaltung von zwei oder mehreren Sicherungen möglich. Durch
den Strom-/Temperaturaus-gleich zwischen den Sicherungen ist
ein gleichzeitiges Abschalten gewährleistet. Es ist zu beachten,
dass die Sicherungen den gleichen Wert aufweisen und sich mit ihrer
Betriebs-temperatur nicht gegenseitig beeinflussen.In der
Raumfahrtindustrie gelten sehr hohe Ansprüche, Kunden verfügen
über ein fun-diertes technisches Wissen und erwarten eine
entsprechende Unterstützung. Mit der MGA-S ist SCHURTER nicht nur im
Besitz eines tech-nisch ausgereiften Produkts, welches bei ESCC
qualifiziert ist, sondern ist auch bereit, sich diesen komplexen
Herausforderungen zu stel-len und Lösungen für die Kunden zu
erarbeiten.
Chris schrieb:> Eaton/Bussmann haben dazu was in ihrem "Protecting Semiconductors With> High Speed Fuses" Dokument geschrieben.Fehlerfall schrieb:> Ich hatte so etwas auch schon mal vorgefunden.>> Nachdem die Daten der Sicherungen ja bekannt sind sollte es doch möglich> sein mit einem Simulator wie Spice diese Sonderfaelle zu berechnen.
Was gibt's da zu berechnen. Ihr habt was nicht verstanden
In 18V Makita Werkzeugakkus findet man des öfteren zwei parallel
geschalte 30A Sicherungen. In Cisco Netzteilen (von Astec hergestellt)
sind zwei parallele Systeme am Werkeln deren Zwischenkreis mit je zwei
parallel aufgelöteten 15A SMD-Sicherungen in der Größe 6,25x2,5x2,5mm.
MfG
Betrachten wir das doch mal technisch, statt ideologisch ;-)
Ob sich der Strom auf die beiden Sicherungen aussymmetriert, hängt vom
TK ab, und den Widerstandswerten der Sicherung.
Eine asymmetrische Stromverteilung ist ja gift für die Sache, weil sie
dazu führt, dass eine Sicherung früher auslöst (also die Belastbarkeit
reduziert).
Haben die Sicherungen einen großen Unterschied beim Widerstand oder ist
die Einbausituation unterschiedlich, wird eine der beiden stärker
belastet.
Andererseits haben sie (möglicherweise) einen positiven TK, der dem
entgegenwirken könnte.
Resultat:
Der Strom, bei dem die Sicherung fliegt, liegt also zwischen dem maximal
zulässigen Dauerstrom einer Sicherung und der Summe beider.
Wo genau, hängt von Fertigungstoleranzen der Sicherungen und der
Einbausituation ab.
Sicherungen sind aber auf das Auslöseverhalten optimiert, und nicht auf
einen exakten Widerstandswert.
--> Das Verhalten einer solchen Schalutung ist schlecht vorhersagbar
--> Solche Situationen versucht man zu vermeiden. Bei Sicherungen gibt
es eine große Anzahl von Bauformen und Nennströmen, was das leicht
macht.
Warum, glaubst du, benötigst du das?
Grundsätzlich sollte das natürlich vermieden werden, da es für die
meisten Fälle eine passende Sicherung gibt. In den letzten Wochen habe
ich aber gelernt dass es Ausnahmen gibt, wo eine solche
Parallelschaltung eine legitime Lösung darstellt.
In meinem konkreten Fall geht es um ein Gerät mit einer
Leistungsaufnahme von 2050W das UL zertifiziert werden soll. Zusätzlich
zum Amerikanischen Markt solle es in Europa verkauft werden und muss
deshalb mit einem weiten Versorgungsspannungsbereich funktionieren (110V
- 230V).
Für die Zulassung muss die verwendete Sicherung UL recognized sein und
dem IEC 60127-2 Standard entsprechen. Wegen der hohen Leistungsaufnahme
wird für den Betrieb an 110V ein Nennstrom von 20A und ein
Ausschaltvermögen von mindestens 1500A bei trägem Auslöseverhalten
benötigt.
Diese Voraussetzungen dünnen das Angebot gewaltig aus und ich bezweifle
inzwischen dass eine solche Schmelzsicherung existiert. Ich lasse mich
aber gerne vom Gegenteil überzeugen, falls jemand hier einen Vorschlag
hat :) .
Roland E. schrieb:> Mehr als 2000W in US-Land sollte auf 220V ausgelegt werden. Das spart> Ärger mit der UL...
Da wird der Ami dann aber auch schon vor Hochspannung gewarnt
Also AC von 110 bis 230. Fuer USA muss das aber auch die Phasen zu
Phasenspannung von 110*sqrt(3) als Andchluss absichern.
Probiere es doch mit 400V 3kA Sicherung.
Bei uns werden große Anlagen auch parallel eingespeist. Soll heißen
2x3x400A, da sind dann die Sicherungen und Leitungen so auf ein ander
Abgestimmt, dass man in beiden Strängen die gleichen Widerstände hat.
Wichtig ist, dass bei Parallelspeisung/Absicherung eine Kennzeichnung
erfolgt.
Ralf schrieb:> Mich würde interessieren, wie sich das Schmelzintegral und die maximale> Impulsbelastbarkeit in Parallelschaltung verändert.
Welchen Vorteil soll so ein Konstrukt gegenüber einer entsprechend
ausgelegten Einzelsicherung bringen?
Fakt ist, dass es, sobald die erste Sicherung geflogen ist, einen
Lawineneffekt gibt. Statt einer Einzelsicherung muss man also garantiert
alle tauschen.
Wolfgang schrieb:> Welchen Vorteil soll so ein Konstrukt gegenüber einer entsprechend> ausgelegten Einzelsicherung bringen?
Bei 2x400A kann man ggf noch mit 4x240mm² Kabeln arbeiten. Mit 800A weis
ich nicht ob es da noch geeignete Kabel gibt. Ich denke aber eher, dass
dann auf Einzeladern ausgewichen werden muß.
Bei uns in der Firma wird generell nur max 185mm² verlegt.
Wolfgang schrieb:> Fakt ist, dass es, sobald die erste Sicherung geflogen ist, einen> Lawineneffekt gibt. Statt einer Einzelsicherung muss man also garantiert> alle tauschen.
Da reicht auch nur die "erste" Sicherung.
Rest ist Geldverschwendung.
https://ibkastl.de/wiki/Sicherungen
Man beachte, bei uns sind es 6kA. Und das schon fuer
Sicherungsautomaten.
Dort fragen und kaufen. Das waere die Empfehlung fuer den TO.