Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Welchen Anlauf- / Betriebskondensator benötige ich?


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von Robert (Gast)


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Servus zusammen.

Ich habe einen defekten Druckluftkompressor geschenkt bekommen. 
Offensichtlich ist der Anlauf- oder Betriebskondensator 
(Kunststoffgehäuse) geplatzt. Leider fehlen mir die Teile des Gehäuses, 
auf dem der Wert stand. Es handelt sich um einen 1,5 kW 220 Volt Motor 
von 1985. Der Wert des zweiten noch intakten Kondensators ist im 
angehängten Bild ersichtlich. Der Schaltplan war dabei, aber leider auch 
keine Werte drauf ...


Wie kann man den Wert errechnen? Oder gibts Erfahrungswerte? Wenn ihr 
noch Infos braucht lasst es mich wissen!

Vielen Dank für Eure Hilfe.
Robert

: Verschoben durch Moderator
von H.Joachim S. (crazyhorse)


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Tja, ist die Frage ob es sich um einen Drehstrommotor in 
Steinmetzschaltung oder um einen sog. Kondensatormotor handelt, der für 
Schweranlauf einen zus. Kondensator benötigt.

Ich denke, es ist ein echter Drehstrommotor -> schaust du 
Steinmetzschaltung, Berechnung Betriebs- und Anlaufkondensator.

Mach mal ein Foto vom Typenschild des Motors.

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


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Bei Steinmetzschaltung rechnet man mit etwa 70µF/kW, also bei einem 
1,5kW Motor ca. 100-110µF. Wenn das Grössenverhältnis von den Italienern 
zwischen den Kondensatoren so einigermassen richtig gezeichnet ist, 
könnte das hinkommen.
V2 (weisses Kabel) ist dann die Phase, die mit dem Hilfskreis verschoben 
wird und kriegt beim Anlaufen noch den Kick vom kleinen Kondensator oben 
drauf.

von H.Joachim S. (crazyhorse)


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und für den Zusatzkondensator noch mal das doppelte, also 140µF/kW.
Von der Zeichnung her (6poliges Klemmbrett) muss es ein reinrassiger 
Drehstrommotor sein.
Also brauchst du 100µF + 200µF.

von Robert (Gast)


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Vielen Dank für die Antworten! Ein Typenschild ist keins drauf. Aber 
hier noch ein Bild vom Klemmbrett. Hilft das noch weiter? Was wird vom 
Typ her benötigt?

von michael_ (Gast)


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Was soll denn das mit dem Steinmetz?
Sowas wurde niemals im Jahre 1985 in ein Seriengerät eingebaut!
Das hat man höchstens 1950 in der größten Not gemacht.

Hat der Motor selbst ein Typenschild?
Da steht oft auch der Wert drauf.

von hinz (Gast)


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Robert schrieb:
> Was wird vom
> Typ her benötigt?

Motorkondensator mit 100µF/450VAC. Und achte auf die Haltbarkeitsklasse, 
da gibts deutliche Unterschiede.

von hinz (Gast)


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michael_ schrieb:
> Was soll denn das mit dem Steinmetz?
> Sowas wurde niemals im Jahre 1985 in ein Seriengerät eingebaut!
> Das hat man höchstens 1950 in der größten Not gemacht.

Ach wo.


> Hat der Motor selbst ein Typenschild?
> Da steht oft auch der Wert drauf.

Bei einem Drehstrommotor kaum.

von H.Joachim S. (crazyhorse)


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Und nicht von den Grössenverhältnissen täuschen lassen, der 
Anlaufkondensator ist/war oft ein bipolarer Elko. Also trotz höherer 
Kapazität kleinere Bauform und billiger.
Nimm nicht den billigsten MKP-Kondensator, geht sonst schneller wieder 
kaputt und kann sogar den Motor kosten.

von hinz (Gast)


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H.Joachim S. schrieb:
> Und nicht von den Grössenverhältnissen täuschen lassen, der
> Anlaufkondensator ist/war oft ein bipolarer Elko. Also trotz höherer
> Kapazität kleinere Bauform und billiger.

So stehts ja auf dem Beipackzettel.


> Nimm nicht den billigsten MKP-Kondensator, geht sonst schneller wieder
> kaputt und kann sogar den Motor kosten.

Kann man nicht oft genug sagen.

von H.Joachim S. (crazyhorse)


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hinz schrieb:
> So stehts ja auf dem Beipackzettel.

Stimmt :-)
Da meine Italienischkenntnisse gegen Null gehen habe ich nicht mal 
versucht das zu entziffern, aber dafür braucht es in der Tat kein 
italienisch.

von hinz (Gast)


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H.Joachim S. schrieb:
> hinz schrieb:
>> So stehts ja auf dem Beipackzettel.
>
> Stimmt :-)
> Da meine Italienischkenntnisse gegen Null gehen habe ich nicht mal
> versucht das zu entziffern, aber dafür braucht es in der Tat kein
> italienisch.

Und wenn man weiß, dass Carta Papier ist...

von H.Joachim S. (crazyhorse)


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Nicht der schlechteste Hersteller, Comar. Da würde ich sogar Pollin 
riskieren:
https://www.pollin.de/p/motorbetriebskondensator-comar-mka450-100-f-450-v-200848

von hinz (Gast)


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H.Joachim S. schrieb:
> Nicht der schlechteste Hersteller, Comar. Da würde ich sogar
> Pollin
> riskieren:
> https://www.pollin.de/p/motorbetriebskondensator-comar-mka450-100-f-450-v-200848

Ist nicht besonders billig.

von MaWin (Gast)


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hinz schrieb:
> Motorkondensator mit 100µF/450VAC.

Bei einem 125-160uF Anlaufkondensator kommt mir ein 100uF 
Betriebskondensator zu gross vor. Halber Wert sagt man, 63-80uF, mehr 
wird grössenmässig eh nicht reinpassen.

von H.Joachim S. (crazyhorse)


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Die 70µF/kW Betriebskondensator sind eigentlich immer ein guter Wert, da 
würde ich nicht ohne guten Grund von abgehen.
Der Anlaufkondensator wiederum kann rel. weit varieren und muss ja nicht 
auf das max. mögliche  Anlaufmoment ausgelegt sein. Jedenfalls würde ich 
dessen Kapazität nicht als Berechnungsgrundlage für den Hauptkondensator 
nehmen, macht auch keinen Sinn.

von Robert (Gast)


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Na das klingt doch alles sehr vielversprechend. Dann werde ich mal einen 
bestellen. Ich berichte dann woeder wenn es funktioniert. Vielleicht 
finde ich sogar noch einen in meinem Sammelsurium :D

Vielen lieben Dank für die zahlreichen Antworten!

von Harald W. (wilhelms)


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H.Joachim S. schrieb:

> Tja, ist die Frage ob es sich um einen Drehstrommotor in
> Steinmetzschaltung oder um einen sog. Kondensatormotor handelt,

Die Option "Steinmetzschaltung" gibts wohl ab Werk so gut wie nie,
weil solche Motore einfach zu teuer sind. Mein Motor für den Verti-
cutierer hatte eine ähnliche Leistung und einen Kondensator mit ca
20µF. Eigentlich sollte die Kapazität ja wohl auch auf den defekten
kondensator draufstehen.

von H.Joachim S. (crazyhorse)


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Falls du Drehstrom hast, macht es evtl. Sinn, darauf umzubauen.
Musst mal schauen, ob der Druckschalter 3polig ist. Oft waren die das, 
aber nur einer benutzt.

von Harald W. (wilhelms)


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H.Joachim S. schrieb:

> Falls du Drehstrom hast, macht es evtl. Sinn, darauf umzubauen.

Bei Kondensatormotoren macht das m.E. keinen Sinn,
da diese ca. 90° Phasenverschiebung brauchen, und
keine 120°. Man kann das zwar per Trafo machen,
aber ein solcher Spezialtrafo ist möglicherweise
teurer als der ganze Kompressor.

von H.Joachim S. (crazyhorse)


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Harald W. schrieb:
> Mein Motor für den Verti-
> cutierer hatte eine ähnliche Leistung und einen Kondensator mit ca
> 20µF.

Was zum Kondensatormotor passt (12µF/kW). Der hat aber eine ganz andere 
Wicklung als ein Drehstrommotor.

von Harald W. (wilhelms)


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H.Joachim S. schrieb:

> Was zum Kondensatormotor passt (12µF/kW). Der hat aber eine ganz andere
> Wicklung als ein Drehstrommotor.

Nein, er hat zwei Wicklungen. :-) Ein Drehstrommotor brauch drei,
aber warum sollte man einen solchen, wesentlich teureren Motor
nehmen, wenn von vornherein klar ist, das der Motor an Wechsel-
strom angeschlossen werden soll?

von H.Joachim S. (crazyhorse)


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Schau dir das Klemmbrett an, das ist ein Drehstrommotor. Und auch die 
Grösse des noch erhaltenen Anlaufkondensators lässt darauf schliessen.

Warum so gebaut? Eine Möglichkeit wäre, dass der Kompressor fast 
baugleich in einer Wechselstrom- und in einer Drehstromvariante gebaut 
wurde. Deshalb vermute ich auch, dass der Druckschalter 3polig ist.

von hinz (Gast)


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Harald W. schrieb:
> H.Joachim S. schrieb:
>
>> Was zum Kondensatormotor passt (12µF/kW). Der hat aber eine ganz andere
>> Wicklung als ein Drehstrommotor.
>
> Nein, er hat zwei Wicklungen. :-) Ein Drehstrommotor brauch drei,
> aber warum sollte man einen solchen, wesentlich teureren Motor
> nehmen, wenn von vornherein klar ist, das der Motor an Wechsel-
> strom angeschlossen werden soll?

Sono pazzi questi Italiani.

von michael_ (Gast)


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Harald W. schrieb:
> Mein Motor für den Verti-
> cutierer hatte eine ähnliche Leistung und einen Kondensator mit ca
> 20µF.

Es kommt da sicher auf die Bauart an.

Ich habe hier gerade einen Motor von einem Kompressor.
Baujahr 2008, 1,5KW und einen Kondensator von 30µF.

Alte Motoren so 1975 haben bei 0,8KW 40 - 60µF.

Ich würde hier mit 40µF anfangen und probieren.

von Robert (Gast)


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Update:

Ich hab jetzt einen 70µF ausprobiert. Der Motor brummt, es bewegt sich 
aber nichts.

Doch ein 40µF?

Viele Grüße

von H.Joachim S. (crazyhorse)


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Ist der Anlaufkondensator noch in Ordnuung? Wie sind die 
Anlaufbedingungen? Hat das Ding einen Keilriemen? Motor selbst 
leichtgängig?

von michael_ (Gast)


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Kann es sein, dass du erst mal zum Anlaufen ein Ventil öffnen mußt?
Starten sollte er eigentlich mit dem Anlaufkondensator.

H.Joachim S. schrieb:
> Hat das Ding einen Keilriemen?

Wenn, dann trenn den Motor erst mal.

von Harald W. (wilhelms)


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michael_ schrieb:
> Harald W. schrieb:
>> Mein Motor für den Verti-
>> cutierer hatte eine ähnliche Leistung und einen Kondensator mit ca
>> 20µF.
>
> Es kommt da sicher auf die Bauart an.
>
> Ich habe hier gerade einen Motor von einem Kompressor.

Da hast Du ja auch eine Last mit Schweranlauf.

von H.Joachim S. (crazyhorse)


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Was auch gut möglich ist: der Motor ist schon hinüber. Wicklungsschaden 
durch defekten den Kondensator.

von Robert (Gast)


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Update!

Motor läuft wieder. Zum Einen war der Anlaufkondensator ebenfalls defekt 
und zum Anderen waren die 70µF für den Betriebskondensator ein wenig zu 
viel. Habe einen 40µF bestellt. Der hatte dann auch die gleichen 
Abmessungen wie der geplatzte Kondensator. Kurzum, die Maschine läuft 
wieder. Ich danke allen hier für die tatkräftige Unterstützung.

von Harald W. (wilhelms)


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Robert schrieb:

> Motor läuft wieder. Zum Einen war der Anlaufkondensator ebenfalls defekt
> und zum Anderen waren die 70µF für den Betriebskondensator ein wenig zu
> viel. Habe einen 40µF bestellt.

Dann ist es wohl doch kein Drehstrommotor, wie oben behauptet.

von hinz (Gast)


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Harald W. schrieb:
> Dann ist es wohl doch kein Drehstrommotor,

Der TE hätte einfach mal ein Widerstandsmessgerät einsetzen können.

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