Hallo zusammen,
ich stehe wahrscheinlich gerade etwas auf dem Schlauch.. Hier meine
Problembeschreibung: Ich habe 3 jeweils um 120° versetzte
Sinusspannungen. Die Amplitude ist unbekannt. Wenn ich zu einem
x-beliebigen Zeitpunkt alle drei Spannungen messe, ist es dann möglich
den Phasenwinkel von 0 bis 2Pi zu bestimmen? Kann mir bitte jemand auf
die Sprünge helfen?
Merci,
euer Heiko
Nein - die "Spannungsmuster" der 3 Phasen wiederholen sich alle 120°. Um
die Phasenwinkel innerhalb 0..2 x pi (0..360°) zu bestimmen müsstest du
auch noch die "Nummerierung" der drei Phasen kennen (welche bei 0, 120
oder 240 ° "startet")
Ja Okay, das macht Sinn.. Das kann ich ja aber frei definieren. Auch in
meiner Anwendung.. Messwert AD1 entspricht Phase 1, AD2, Phase 2 und AD3
Phase 3..
Christian U. schrieb:> Nein - die "Spannungsmuster" der 3 Phasen wiederholen sich alle 120°. Um> die Phasenwinkel
Das ist aber nur richtig, wenn die "Muster" genau gleich sind. Das sind
sie aber nicht, wenn eine schnelle Kommutierung mit Regelung der Ströme
vonstatten geht. Da ändern sich die PWM-Verhältnisse von Durchlauf zu
durchlaus und damit auch von Phase zu Phase. Das sind dann keine
Sinusströme / -spannungen.
Anton aus Marjoss schrieb:> Das sind dann keine Sinusströme / -spannungen.
Sondern?
Die Regelung bzw PWM ist schnell im Vergleich zur Grundwelle. Im steady
state (Mir fällt gerade das deutsche Wort nicht ein) sind es sehr wohl
drei Sinusströme / Spannungen.
Gruß,
Wenn das einigermaßen sinusförmig ist, könntest du die Spannungen
komplexwertig mit ihren relativen Phasenlagen summieren und den Winkel
der Summe entnehmen.
Heiko schrieb:> ist es dann möglich> den Phasenwinkel von 0 bis 2Pi zu bestimmen?
Der Begriff "Drehfeld" enthält ja die Lösung. Die gemessenen
Spannungswerte stellen Vektoren dar mit der Richtung 0, 120 und 240
Grad. Addiert man diese Vektoren, ergibt sich ein resultierender Vektor,
dessen Richtung der gesuchte Wert ist. Das ist ja genau das, was
physikalisch mit den Magnetfeldern passiert.
Georg
Es geht wirklich nur um einfache um 120° versetzte Sinusspannungen..
Allerdings ist die Amplitude unbekannt.. und gewünscht ist wirklich nur
der Phasenwinkel zum Zeitpunkt der drei Messungen. Das ist doch, wenn
ich die Phasennummerierung festlege, eindeutig und muss berechnet werden
könne, oder?
Wenn ich die Vektoren der Messwerte addiere, dann kommt beim Sinus
natürlich 0 raus.. Das muss ja so sein.. Daraus bekomme ich dann glaub
keine Infos zur Phasenlage mehr raus..
Heiko schrieb:> Es geht wirklich nur um einfache um 120° versetzte> Sinusspannungen.. Allerdings ist die Amplitude unbekannt.. und gewünscht> ist wirklich nur der Phasenwinkel zum Zeitpunkt der drei Messungen. Das> ist doch, wenn ich die Phasennummerierung festlege, eindeutig und muss> berechnet werden könne, oder?
Um über arcsin den Winkel zu bestimmen, musst du erstmal die einzelnen
Spannungen durch Fallunterscheidungen "grob" winkelmäßig einordnen.
Arcsin gibt ja nur Werte von -90° bis 90°.
Dann hast du einfaches Gleichungssystem zu lösen...
Heiko schrieb:> Wenn ich die Vektoren der Messwerte addiere, dann kommt beim Sinus> natürlich 0 raus.. Das muss ja so sein.. Daraus bekomme ich dann glaub> keine Infos zur Phasenlage mehr raus..
Da machst du was falsch.
Gegeben seien die Messwerte u_1 = 0,714 V, u_2 = 0,208 V, u_3 = -0,951
Wir multiplizieren die Messwerte, sodass sie auf der Gerade deren zu
erwartenden Phasen liegen.
u_1 * e ^ (i * 0°) = u_1 = (0,714 + 0i) V
u_2 * e ^ (i * 120°) = (-0,104 + 0,180i) V
u_3 * e ^ (i * 240°) = (0,476 + 0,824i) V
Die Summe dessen ist (1,086 + 1,004) V.
Das Argument (aka Phase) dessen ist 42,7°
Naja, wie man sieht, sind die Spannungen in dem Bild definitiv nicht um
jeweils 120° verschoben.. Wenn sie das sind und die Amplituden der drei
Spannungen identisch sin, dann kommt in der Addition immer 0 raus..
Muss!!
Heiko schrieb:> Naja, wie man sieht, sind die Spannungen in dem Bild definitiv> nicht um> jeweils 120° verschoben
Doch! Beachte, dass u_3 ist negativ ist.
Heiko schrieb:> Wenn sie das sind und die Amplituden der drei> Spannungen identisch sin, dann kommt in der Addition immer 0 raus..> Muss!!
Das kann bei der Messung (außer durch Fehler) nie auftreten.
Das Problem kann mittels 3 phase PLL gelöst werden.
Das wird zur Netzsynchronisierung bei Solarwechselrichter und in
Windkraftanlagen verwendet.
Da ist zu jedem Zeitpunkt der Winkel bekannt.
Gruß,
Wenn die Amplituden der drei Signale gleich und U₁, U₂ und U₃ die
Momentanwerte der um φ, φ+120° und φ+240° verschobenen Sinussignale
sind, ist
φ = arctan2(U₁√3, U₂–U₃)
Diese einfache Formel basiert darauf, dass die Differenz von zwei der
drei Sinussignale 90° phasenverschoben zum dritten ist, was im
Zeigerdiagramm leicht zu sehen ist.
Da man drei Messwerte, aber nur zwei Unbekannte (Amplitude und Phase)
hat, könnte man den Überschuss an Informationen auch dazu nutzen, den
Einfluss Messfehlern zu reduzieren. Dazu habe ich spontan aber keine
Idee.
Oder tut vielleicht die
turn schrieb:> Clarke-Transformation
genau das? Der Begriff ist mir nicht geläufig, und ich habe gerade keine
Zeit, mich da einzulesen.
Edit:
Ich sehe gerade, dass die Formel für nur zwei Messwerte auch nicht viel
komplizierter ist:
φ = arctan2((U₂+U₁)√3, U₂–U₁) - 60°
Edit2:
Noch einfacher:
φ = arctan2(U₁√3, U₁+2U₂)
Mhhm.. vielleicht ist tatsächlich hier mein Denkfehler.. Aber, wenn ich
3 Sinusspannungen simuliere (mit gleicher Amplitude und jeweils um 120°
versetzt) also so:
phase1(alpha, amplitude) = sin(alpha + 0/3*pi) * amplitude
phase2(alpha, amplitude) = sin(alpha + 2/3*pi) * amplitude
phase3(alpha, amplitude) = sin(alpha + 4/3*pi) * amplitude
und diese Spannungen addiere, kommt immer 0 raus.. Hab ich grafisch hier
simuliert..
Yalu X. schrieb:> turn schrieb:>> Clarke-Transformation>> genau das? Der Begriff ist mir nicht geläufig, und ich habe gerade keine> Zeit, mich da einzulesen.
Die Clarke Transformation führt ein Dreiphasensystem, in dem drei Phasen
um 120 Grad verschoben sind, in ein äquivalentes 2 Phasensystem, in dem
die zwei resultierenden Spannungen um 90 Grad verschoben sind.
Das ist eine rein mathematische Berechnung, um später die Regelung von
Dreiphasenmaschinen zu vereinfachen.
Gruß,