Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Sharp Radio XL-UR14h - kurioser Defekt: kein Radioempfang


Announcement: there is an English version of this forum on EmbDev.net. Posts you create there will be displayed on Mikrocontroller.net and EmbDev.net.
von Hendrik (Gast)


Angehängte Dateien:

Bewertung
1 lesenswert
nicht lesenswert
Hallo Leute,

ich habe hier eine kleine HiFi-Anlage meiner Freundin.
Es handelt sich um das Model Sharp XL-UR14h mit einem ganz eigenartigen 
Problem.
Es funktioniert nämlich kein Radioempfang mehr. CD, USB und Line-In 
machen keine Probleme. Aber bei Radio gibt das System keinen Mucks von 
sich. Auch beim manuellen Einstellen von Sendern nicht. Nicht mal 
rauschen, nix.
Der wirklich komische Part ist aber der, dass das Radio bei Suchlauf auf 
die niedgrigste Frequenz springt und genau gar nichts macht. Selbst wenn 
eine andere Frequenz eingestellt war, es springt nach ganz "vorne" und 
macht nichts weiter. Mir lässt der Sachverhalt keine Ruhe und ich kann 
mir ums verrecken nicht erklären, woran das wohl liegen mag. Wenns 
einfach nur kaputt wäre, hätte ich es längst entsorgt aber der Ehrgeiz 
hatte mich (leider) gepackt und nun hab ich keine Ruhe mehr.

Folgendes habe ich versucht:
für längere Zeit Stromlos machen
per Fernbedienung Senderspeicher resetet
und natürlich Suchlauf

Das hat natürlich nichts gebracht, also hab ich das Gerät geöffnet und 
näher angeschaut (natürlich am Trenntrafo betrieben). Ich konnte nichts 
entdecken, das "offensichtlich" Defekt ist. Keine aufgeblähten 
Kondensatoren oder verbrannten Sicherungen. Durchgangsprüfung 
Antenne-PCB ist auch i.O.
Per Oszi am UART gemessen gibt 3.3v auf RX (Pull-Up?) und 0V auf TX. Das 
Ding teilt also ohne weiteres nichts mit.

Ein paar Bauteile konnte ich Identifizieren:
CD5888CB ist ein Motor-Controller für das CD-Laufwerk
PT2314E ist der Audio-Prozessor
ALi M5675 - kein Datenblatt gefunden. Würde auf µC tippen
CA6818F - kein Datenblatt gefunden
0319 CKMI 207 - kein Datenblatt gefunden, befindet sich nahe der Antenne
YC 16.9344 - Quarz, Zahl in Mhz

Habt ihr eine Ahnung, was das Problem sein könnte?
Software-Fehler? PLL defekt? Quarz im Eimer?
Hat jemand einen Tipp, was man Messen/Betrachten müsste, um das Problem 
einzugrenzen?

Ich freu mich über jeden Hinweis :)

: Verschoben durch Moderator
von Volker B. (Firma: L-E-A) (vobs)


Bewertung
1 lesenswert
nicht lesenswert
Hendrik schrieb:

> Es funktioniert nämlich kein Radioempfang mehr.
(...)
> Ich freu mich über jeden Hinweis :)

Ich kenne das Gerät nicht und und auch den Tuner nicht, hatte jedoch vor 
einiger Zeit ein ähnliches Problem mit einem DAB+/FM-Tuner. Das Gerät 
besteht im Wesentlichen aus einem Empfänger-Modul von Frontier-Silicon, 
welches sich beim Einschalten des Geräts nicht mehr initialisieren 
wollte. Als Ursache entpuppte sich ein Elko an dem Spannungsregler, der 
das Modul versorgte. Ich habe einfach an die Lötbeinchen zwei weitere 
Elkos gelötet. Die ganze Geschichte findest Du auf meiner Homepage:
https://www.dr-bosch.com/volker/reparatur/index.html#DAB_tuner

Grüßle
Volker

von Hendrik K. (subsessor)


Bewertung
0 lesenswert
nicht lesenswert
Volker B. schrieb:

> Ich kenne das Gerät nicht und und auch den Tuner nicht, hatte jedoch vor
> einiger Zeit ein ähnliches Problem mit einem DAB+/FM-Tuner. Das Gerät
> besteht im Wesentlichen aus einem Empfänger-Modul von Frontier-Silicon,
> welches sich beim Einschalten des Geräts nicht mehr initialisieren
> wollte. Als Ursache entpuppte sich ein Elko an dem Spannungsregler, der
> das Modul versorgte. Ich habe einfach an die Lötbeinchen zwei weitere
> Elkos gelötet. Die ganze Geschichte findest Du auf meiner Homepage:
> https://www.dr-bosch.com/volker/reparatur/index.html#DAB_tuner

Vielen Dank für die Informationen, Volker!

Kannst du mir sagen, wie du das Modul identifiziert und anschließend die 
Unterversorgung festgestellt hast?
Ich konnte bisher leider nicht herausfinden, welche Bauteile zum FM 
Betrieb gehören. Aufgrund der Nähe zur Antenne hatte ich aber das 
Bauteil 0319 CKMI 207 im Verdacht. Es wird an allen Ecken mit 3.278V 
versorgt. Ich habe mit Hilfe eines Labornetzteils 3,35V angelegt, das 
Gerät vom Strom getrennt und wieder verbunden und eingeschaltet. Leider 
ohne Änderung.

von [Frank] (Gast)


Angehängte Dateien:

Bewertung
1 lesenswert
nicht lesenswert
> 0319 CKMI 207
das Teil ist ein Silicon Laboratories Si4703. Besorge die mal ein 
Datenblatt/Schaltplan zu dem Teil und messe an den Pins, ob da sinnvolle 
Werte vorhanden sind (auch den Quarz testen/wechseln)

von Volker B. (Firma: L-E-A) (vobs)


Bewertung
1 lesenswert
nicht lesenswert
Hendrik K. schrieb:

> Kannst du mir sagen, wie du das Modul identifiziert

Naja, das war eindeutig, da es an das Mainbord gesteckt war, die Antenne 
in diesem Modul "verschwand" und groß Frontier-Silicon daraufstand.

> und anschließend die Unterversorgung festgestellt hast?

Trial & Error.

>                     Aufgrund der Nähe zur Antenne hatte ich aber das
> Bauteil 0319 CKMI 207 im Verdacht.

Das würde ich auch so sehen.

> Ich habe mit Hilfe eines Labornetzteils 3,35V angelegt, das
> Gerät vom Strom getrennt und wieder verbunden und eingeschaltet. Leider
> ohne Änderung.

Mutig. Das würde ich mich nicht trauen. Wenn auf dem Mainboard nur ein 
IC versorgt wird, können lustige Dinge passieren. Gurgel mal nach dem 
Begriff "Latch-Up".

Da sich in der Nähe des ICs ein Quarz befindet, würde ich mal mit dem 
Oszi "gucken", ob dieses schwingt. Im nächsten Schritt würde ich mir die 
Lötverbindungen an den Pads des ICs mit Lupe oder Mikroskop angucken.

Grüßle
Volker

von Hendrik K. (subsessor)


Angehängte Dateien:

Bewertung
0 lesenswert
nicht lesenswert
Volker B. schrieb:

> Mutig. Das würde ich mich nicht trauen. Wenn auf dem Mainboard nur ein
> IC versorgt wird, können lustige Dinge passieren. Gurgel mal nach dem
> Begriff "Latch-Up".
Naja es war etwas blindlings, aber am Ende kann es nicht "noch mehr" 
kaputt gehen. Versorgt wird das IC übrigens mit einem eigenen 662K 
(3.3V).

> Da sich in der Nähe des ICs ein Quarz befindet, würde ich mal mit dem
> Oszi "gucken", ob dieses schwingt. Im nächsten Schritt würde ich mir die
> Lötverbindungen an den Pads des ICs mit Lupe oder Mikroskop angucken.
Meinst du den Quarz im Bild? Ich wusste nicht mal, dass das einer ist, 
weil ich immer dachte, dass es die nur in der flachen, abgerundeten 
Bauform (SIL?) gibt. Ich hab da mal mit dem Oszi nachgeschaut aber da 
kommt 'quasi nichts' rum.
Sofern häuptsächlich +0,6V mit gelegentlicher, winziger 100MHz-Welle 
'nichts' ist.
Das Oszillogramm sieht aber auf beiden Beinen so aus - spricht das also 
für einen defekten Quarz oder dagegen?


[Frank] schrieb:
> das Teil ist ein Silicon Laboratories Si4703. Besorge die mal ein
> Datenblatt/Schaltplan zu dem Teil und messe an den Pins, ob da sinnvolle
> Werte vorhanden sind (auch den Quarz testen/wechseln)
Oh krass. Wo und wie hast du das gefunden?
Habe mir schon ein Datasheed dazu geholt. So weiß ich schon mal, dass es 
einen 32.768MHz-Quarz braucht, falls der defekt ist. Da der auf dem 
Board nämlich verklebt ist, kann ich nicht lesen, was drauf steht.

von Volker B. (Firma: L-E-A) (vobs)


Bewertung
1 lesenswert
nicht lesenswert
Hendrik K. schrieb:

> Meinst du den Quarz im Bild?

Die "Blechdose" mit den zwei Beinchen.

> Ich hab da mal mit dem Oszi nachgeschaut aber da
> kommt 'quasi nichts' rum.
> Sofern häuptsächlich +0,6V mit gelegentlicher, winziger 100MHz-Welle
> 'nichts' ist.

Ich würde bei dieser Bauform 32kHz erwarten. Die Amplitude sollte ein 
paar 100 mV betragen.

> Das Oszillogramm sieht aber auf beiden Beinen so aus - spricht das also
> für einen defekten Quarz oder dagegen?

Kann sein, muss aber nicht. Der Quarz könnte defekt sein -- was aber 
m.E. eher unwahrscheinlich ist. Ich würde nun alle Lötstellen am IC und 
am Quarz prüfen.

Ich hatte mal sporadische Ausfälle eines Messgeräts. Nach langem Suchen 
fand sich ein SMD-Kondensator am Quarz, der nicht richtig verlötet war.

> dass es einen 32.768MHz-Quarz braucht,

Sicher? In diesem Gehäuse würde ich einen Uhrenquarz erwarten, also 2^15 
Hz.

Grüßle
Volker

von H.Joachim S. (crazyhorse)


Bewertung
0 lesenswert
nicht lesenswert
Hendrik K. schrieb:
> Ich hab da mal mit dem Oszi nachgeschaut aber da
> kommt 'quasi nichts' rum.

Hoffentlich mit Teilertastkopf, mindestens 10:1? Ein normaler 1:1 lässt 
so manchen Oszillator stillstehen.

von Michael U. (amiga)


Bewertung
0 lesenswert
nicht lesenswert
Hallo,

naja, der Si4703 will ja erstmal richtig vom µC initialisiert werden.
Ist also überhaupt Leben auf dem Steuerbus und z.B. Reset des Si4703 im 
richtien Zustand? Quarz kann zwar defekt sein, ist aber relativ 
unwahrscheinlich.

Gruß aus Berlin
Michael

von Volker B. (Firma: L-E-A) (vobs)


Bewertung
0 lesenswert
nicht lesenswert
Michael U. schrieb:

> naja, der Si4703 will ja erstmal richtig vom µC initialisiert werden.
> Ist also überhaupt Leben auf dem Steuerbus und z.B. Reset des Si4703 im
> richtien Zustand? Quarz kann zwar defekt sein, ist aber relativ
> unwahrscheinlich.

Ist denn ohne Takt überhaupt eine Kommunikation über den synchronen 
seriellen Bus zwecks Initialisierung möglich? Das würde ich bezweifeln. 
M.E. müsste der Osziallator zuerst anschwingen. Deshalb würde ich auch 
einen Fehler der Kommunikation mit dem Controller des Mainboards 
ausschließen, wenn wirklich kein Takt am Quarz messbar ist (im richtigen 
Frequenzbereich und, wie schon erwähnt, mit Tastteiler).

Grüßle
Volker

: Bearbeitet durch User
von Michael U. (amiga)


Bewertung
0 lesenswert
nicht lesenswert
Hallo,

Volker B. schrieb:
> Ist denn ohne Takt überhaupt eine Kommunikation über den synchronen
> seriellen Bus zwecks Initialisierung möglich? Das würde ich bezweifeln.

Der erzeugt seine Takte intern alleine. Der Quarz ist nur für die 
Genauigkeit der Abstimmung optional.
Ich weiß aber nicht, wie sich die Abstimmung verhält, wenn der ext. 
Clock eingeschaltet wird und keiner anliegt.
Einen alten Quarzwecker zum Uhren-Quarz auslöten findet doch aber meist 
noch im Haushalt. ;)

Gruß aus Berlin
Michael

: Bearbeitet durch User
von Volker B. (Firma: L-E-A) (vobs)


Bewertung
0 lesenswert
nicht lesenswert
Michael U. schrieb:

> Der erzeugt seine Takte intern alleine. Der Quarz ist nur für die
> Genauigkeit der Abstimmung optional.

OK. Danke für den Hinweis! Wenn's mein Gerät wäre, hätte ich das 
Datenblatt gelesen.

Grüßle
Volker

von kawasakisanyotoshiba (Gast)


Bewertung
0 lesenswert
nicht lesenswert
Volker B. schrieb:

> Sicher? In diesem Gehäuse würde ich einen Uhrenquarz erwarten, also 2^15
> Hz.

Daß die meisten Uhrenquarze diese Bauform besitzen ist ja richtig. Nur 
sollte man sich nicht immer von Äußerlichkeiten leiten lassen.
Irgendwie will mir überhaupt kein sinnvoller Ansatz einfallen, warum zu 
einem 100MHz Tuner ein 32 kHz Quarz gehören sollte. Mit PLL ist ja 
vieles möglich, aber das scheint etwas weit her geholt...

von kawasakisanyotoshiba (Gast)


Bewertung
0 lesenswert
nicht lesenswert
kawasakisanyotoshiba schrieb:

> vieles möglich, aber das scheint etwas weit her geholt...

Schon gut, ich hab jetzt ins Datenblatt geschaut... Was es nicht alles 
gibt!

von Hendrik K. (subsessor)


Bewertung
1 lesenswert
nicht lesenswert
Vielen Dank für den ganzen Input, vor allem von Volker und Michael.

Ich weiß nicht ganz genau, woran es gelegen hat, aber ich hab folgendes 
gemacht:
den Quarz ausgelötet und auf Durchgang geprüft. Mit ausgebautem Quarz 
war das Fehlerbild das gleiche. Ich habe außerdem die Lötspitze kurz an 
die Kontakte von einem der SMD-Kondensatoren gehalten. Einfach auf 
Verdacht - nicht weil die Lötstelle wirklich kalt ausgesehen hätte.

Anschließend am SPI gemessen aber nichts gefunden. Vielleicht habe ich 
wohl die Kontakte kurzgeschlossen. Der Tastkopf ist im Vergleich mit den 
Kontaktflächen aber auch riesig. Da ich kein Signal finden konnte, hab 
ich mir das mit der Lupe noch mal angesehen und das etwas 
runtergedrückte zinn, dass vielleicht den Kurzschluss machte mit der 
feinsten Pinzette in Griffreichweite weggekratzt.
Dann den Quarz erst mal wieder eingelötet (versehentlich falsch herum) 
und noch mal am Oszi geschaut.
Zu meinem Erstaunen war eine solide Schwingung erkennbar. Also Suchlauf 
ausprobiert und voila: es läuft.

Ob es nun eine kalte Lötstelle am Kondensator, eine kalte Lötstelle am 
Quarz, die Brücke zwischen SCLK und SIO oder der andersherum eingelötete 
Quarz war kann ich nicht sagen.

Zum Glück hatte ich keinen Quarz bestellt. Die zwei-drei Stunden, in 
denen ich in alten Geräten nach einem passenden gesucht habe, waren 
Aufwand genug. ;)

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


Bewertung
1 lesenswert
nicht lesenswert
Hendrik K. schrieb:
> den Quarz ausgelötet und auf Durchgang geprüft.

Das ist übrigens sinnlos. Du kannst höchstens messen, ob sich der Quarz 
wie ein kleiner Kondensator im pF Bereich verhält. Durchgang hat er 
keinen - und wenn er welchen hat, was so gut wie nie passiert, ist er 
defekt.

: Bearbeitet durch User

Antwort schreiben

Die Angabe einer E-Mail-Adresse ist freiwillig. Wenn Sie automatisch per E-Mail über Antworten auf Ihren Beitrag informiert werden möchten, melden Sie sich bitte an.

Wichtige Regeln - erst lesen, dann posten!

  • Groß- und Kleinschreibung verwenden
  • Längeren Sourcecode nicht im Text einfügen, sondern als Dateianhang

Formatierung (mehr Informationen...)

  • [c]C-Code[/c]
  • [code]Code in anderen Sprachen, ASCII-Zeichnungen[/code]
  • [math]Formel in LaTeX-Syntax[/math]
  • [[Titel]] - Link zu Artikel
  • Verweis auf anderen Beitrag einfügen: Rechtsklick auf Beitragstitel,
    "Adresse kopieren", und in den Text einfügen




Bild automatisch verkleinern, falls nötig
Bitte das JPG-Format nur für Fotos und Scans verwenden!
Zeichnungen und Screenshots im PNG- oder
GIF-Format hochladen. Siehe Bildformate.
Hinweis: der ursprüngliche Beitrag ist mehr als 6 Monate alt.
Bitte hier nur auf die ursprüngliche Frage antworten,
für neue Fragen einen neuen Beitrag erstellen.

Mit dem Abschicken bestätigst du, die Nutzungsbedingungen anzuerkennen.