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Forum: Offtopic Altreifen als "Baumschutz" ?


Autor: L. H. (holzkopf)
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Hallo,

zwischen zwei Bäumen in unserem Garten will ich ein Drahtseil spannen, 
an dem ich eine Nestschaukel o.ä. für die Enkel aufhängen können will.

Die beiden Bäume sind tragfähig genug dazu, und wie sowas auszulegen und 
(sicher) zu bauen ist, beherrsche ich sowohl praktisch, als auch 
theoretisch.

Damit es im Thema - wie leider meistens - nicht ausufert:
Meine ausdrückliche Bitte, mir dazu keinerlei Ratschläge geben zu wollen 
oder das zu diskutieren. :)

Denn es geht hier ausschließlich darum, im Umschlingungsbereich des 
Drahtseiles an den Bäumen einen Baumschutz anbringen zu können.
Damit das Drahtseil ihre Rinde nicht beschädigen oder "aufarbeiten" 
kann.

Kurz gesagt, um einen geeigneten "Puffer", der "einschneidende" 
Wirkungen eines Drahtseiles in die Baumrinde kompensieren kann.

Dabei dachte ich an die Zwischenlage von Teilen eines Altreifens 
zwischen Seil und Rinde.

Dabei ist mir aber nicht so ganz klar, wie sich das mit den EPI und 
(vergleichsweisen) TPI verhält.
Zunächst las ich mich dazu bei Fahrrad- und MTB-Reifen ein, wobei etwas 
im Bereich von 50 bis 70 EPI "normal" zu sein scheint:
https://www.schwalbe.com/de/reifenaufbau.html

Danach bei Autoreifen:
https://www.kfztech.de/kfztechnik/fahrwerk/reifen/reifenaufbau.htm

Es fällt mir nun etwas schwer, das alles richtig einordnen zu können, 
weil ich nicht genau weiß, wie stark jeweilige Lagen einer 
Reifenkarkasse bei nicht bestimmungsgemäßer Beanspruchung auf Verschleiß 
(Durchscheuern) "durchhalten" können.

"Gefühlsmäßig" könnte die Lauffläche eines PKW-Reifens schon alleine 
deshalb, weil sie dicker ist, besser geeignet sein, Druck-Spitzen eines 
dünnen Drahtseiles besser in Richtung Rinde "verbreitern" zu können als 
ein Fahrrad- oder MTB-Reifen.
Zumal auch noch eine Stahlgeflecht-Zwischenlage integriert ist.
Denkbar wäre dabei auch, daß ich von einem Altreifen Ring- und 
Seitenwulst entferne, um nur die Lauffläche nutzbar machen zu können.

Denkbar wären auch noch mehrere Umwicklungen des Stammes mit einem 
Kletterseil in das ein U-förmiges Stahlteil mit eingewickelt wird, an 
dem dann das Drahtseil angehängt wird, ohne den Baum zu umschlingen o.ä.

Kann mir insgesamt dazu bitte jemand etwas sagen?
Oder vielleicht noch andere Ideen dazu nennen?

Die Kindernestschaukel hat eine Tragkraft von max. 150kg.
Wodurch eine Kraft von max. 1500N am Seil entstehen kann.
Mit SF von 2 eine von 3000N angenommen.
Im Extremfall - Seil waagrecht gespannt und bei mittiger Belastung von 
ihm - kann an den beiden Aufhängungen an den Bäumen eine Kraft von 1500N 
auftreten.

Mit Kletterseilen kenne ich mich überhaupt nicht aus.
Kann mir bitte jemand sagen, wo bei denen die SF liegen?
(Normalbelastbarkeit/Grenzbelastbarkeit (Abreißen).)
Und auch, wie es mit der UV-Beständigkeit von ihnen aussieht?

Grüße

Autor: Matthias B. (turboholics)
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Hi!
In den Autoreifen ist eine Stahlkarkasse drin. Besorg dir in der 
nächsten Werkstatt einen möglichst schmalen Reifen, schneide ihn halb, 
zusätzlich die Stahlverstärkung am Felgenring einschneiden, die Hälften 
um die Bäume schnallen, dein Stahlseil spannen, fertig.

Keine Wissenschaft draus machen!

VG

Autor: Thomas F. (igel)
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Ich habe zwei Obstbäume und dazwischen eine Hängematte:

Um den einen Stamm habe ich ein dickes Kunststoffseil (~18mm) zweimal 
herumgeschlungen und verknotet. Daran dann ein Karabinerhaken an dem die 
Hängematte hängt.

Am anderen Baum habe ich eine Stahlkette mehrmals stramm um einen dicken 
Ast geschlungen und dann "zugemacht". Das war so nötig da der Ast nicht 
rechtwinklig zum Seil steht. Am freien Ende wieder ein Karabiner für die 
Hängematte.

Das funktioniert jetzt seit 10 Jahren. Die Rinde der Bäume wird nicht 
beschädigt. Schaukelbewegungen bleiben auf die freien Enden beschränkt 
und kommen nicht an den Baum.

Teile einer Reifenkarkasse mit Stahleinlage würde ich nicht verwenden 
wollen. Die eingelegten Stahldrähte fangen an zu rosten, stechen heraus 
und man kann sich übel daran verletzen.

Autor: Stefan M. (derwisch)
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Geh mal in einen sog. Hochseilgarten.
Die Stahlseile, Strickleitern, etc werden in den Bäumen mit breiten 
Spanngurten ( Ladungssicherung für LKW ) befestigt.
Die Spanngurte werden ein- oder mehrmals um den Baumstamm gewickelt und 
daran dann die Stahlseile befestigt.
Die Auflagefläche der Gurte am Stamm ist sehr groß und für die Bäume 
dadurch stressfrei.
Autoreifen sind da eine eher unelegante Lösung.

Autor: Michael B. (loetmichel)
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Ich würde auch eher breite Spanngurte oder Last-"Schlupps" enpfehlen zum 
Umschlingen der Bäume und an die Enden dann (mit Karabiner) die 
Stahlseile einhängen. Die Autoreifen sind IMHO zu hart um die Last 
optimalm zu verteilen UND schwierig zu Verarbeiten/Anzubringen.

Autor: Yalu X. (yalu) (Moderator)
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Stefan M. schrieb:
> Geh mal in einen sog. Hochseilgarten.

Die, die ich schon besucht habe, verwenden mehrere Holzleisten, die
zwischen Drahtseilschlinge und Baumstamm liegen. Sie verteilen die Kraft
auf eine wesentlich größere Fläche, als dies mit einem Autoreifen
möglich wäre.

Hier noch ein Bild zur Verdeutlichung:

  https://www.hochseilgarten-eckernfoerde.de/wp-content/uploads/2017/11/P1040892-1024x685.jpeg

: Bearbeitet durch Moderator
Autor: Stefan M. (derwisch)
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Yalu X. schrieb:
> Die, die ich schon besucht habe, verwenden mehrere Holzleisten, die
> zwischen Drahtseilschlinge und Baumstamm liegen.

So geht es natürlich auch, aber der Aufwand ist verdammt hoch.
Mit den LKW Gurten sieht es vielleicht nicht so schön aus...

Autor: Bernd W. (bewe)
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L. H. schrieb:
> Mit Kletterseilen kenne ich mich überhaupt nicht aus.
> Kann mir bitte jemand sagen, wo bei denen die SF liegen?
> (Normalbelastbarkeit/Grenzbelastbarkeit (Abreißen).)
> Und auch, wie es mit der UV-Beständigkeit von ihnen aussieht?

Zum Thema „Belastung von Kletterseilen“ gab es mal eine interessante 
Beitragsreihe bei https://www.bergundsteigen.at/

http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2005/3/48-53%20(spannende%20seile).pdf
https://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2006/2/print/36-40%20%28spannende%20seile%202%29.pdf
https://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2006/3/print/24-28%20%28spannende%20seile%203%29.pdf

Dort findest du nicht nur das Beispiel „waagerecht gespanntes Seil bei 
mittiger Belastung“, sondern auch Hinweise zur Alterung von solchen 
Seilen.

L. H. schrieb:
> Meine ausdrückliche Bitte, mir dazu keinerlei Ratschläge geben zu wollen
> oder das zu diskutieren. :)

Dann ist das Folgende nicht für dich bestimmt, sondern für alle anderen 
interessierten Leser :-)


L. H. schrieb:
> Die Kindernestschaukel hat eine Tragkraft von max. 150kg.
> Wodurch eine Kraft von max. 1500N am Seil entstehen kann.
> Mit SF von 2 eine von 3000N angenommen.
> Im Extremfall - Seil waagrecht gespannt und bei mittiger Belastung von
> ihm - kann an den beiden Aufhängungen an den Bäumen eine Kraft von 1500N
> auftreten.

Beim Lesen der oben verlinkten Artikel wird man feststellen, dass sich 
beim TO ein kleiner Gedankenfehler in seine Vorüberlegungen 
eingeschlichen hat.
Die auftretenden Reaktionskräfte im waagerechten Seil und an den 
Ankerpunkten sind bereits durch die statische Last (also bei still 
sitzenden Enkelkindern) deutlich höher, als man zunächst denkt 
(Stichwort „Kräfte-Parallelogramm“, siehe Teil 1 der oben verlinkten 
Artikel).

Dazu kann man auch ein keines Experiment durchführen:
Oma und Opa halten jeweils ein Ende eines Seils, so dass es waagerecht 
gespannt ist. Dann hängt sich ein Enkelkind an die Mitte des Seils. Oma 
und Opa versuchen weiterhin, das Seil waagerecht (!) gespannt zu halten. 
Das wird den beiden älteren Herrschaften ansatzweise nur dann gelingen, 
wenn sie sehr kräftig sind und das Enkelkind ein Leichtgewicht ist.
Etwas leichter wird es schon, wenn man das Seil durchhängen lässt (dann 
müssen Oma und Opa aber auf einen Stuhl steigen). In der Summe wird aber 
auch auf diese Art und Weise mehr Kraft benötigt, als die reine 
Gewichtskraft.
Lösungsansatz: Wenn es möglich ist, könnte man die Befestigungspunkte in 
den Bäumen möglichst weit oben wählen und das Seil eben nicht waagerecht 
spannen, sondern es so weit wie möglich durchhängen lassen. Damit ergibt 
sich ein Kräfte-Parallelogramm mit geringeren Reaktionskräften.

Bei einer Schaukel und lebhaften Enkeln ist aber nicht nur vom 
statischen Lastfall auszugehen… ;-)

Fazit: Das waagerechte Seil und die Ankerpunkte müssen entsprechend 
dimensioniert werden, damit die Geschichte für die Bäume und die Enkel 
gut ausgeht.

Autor: Joe F. (easylife)
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Autor: Christian R. (supachris)
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Im Kindergarten meiner Tochter ist das auch mit den Autoreifen gemacht. 
Und da muss es ja sogar irgendwie zugelassen/geprüft sein. Von daher: 
Einfach machen.

Autor: L. H. (holzkopf)
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Vielen Dank für Eure hilfreichen Antworten und alle Anregungen. :)

Bernd W. schrieb:
> L. H. schrieb:
>> Die Kindernestschaukel hat eine Tragkraft von max. 150kg.
>> Wodurch eine Kraft von max. 1500N am Seil entstehen kann.
>> Mit SF von 2 eine von 3000N angenommen.
>> Im Extremfall - Seil waagrecht gespannt und bei mittiger Belastung von
>> ihm - kann an den beiden Aufhängungen an den Bäumen eine Kraft von 1500N
>> auftreten.
>
> Beim Lesen der oben verlinkten Artikel wird man feststellen, dass sich
> beim TO ein kleiner Gedankenfehler in seine Vorüberlegungen
> eingeschlichen hat.

Damit hast Du natürlich recht:
Die Werte waren etwas "aus den Rippen geschwitzt", und sie halten einer 
näheren Überprüfung nicht stand.

Bernd W. schrieb:
> Lösungsansatz: Wenn es möglich ist, könnte man die Befestigungspunkte in
> den Bäumen möglichst weit oben wählen und das Seil eben nicht waagerecht
> spannen, sondern es so weit wie möglich durchhängen lassen. Damit ergibt
> sich ein Kräfte-Parallelogramm mit geringeren Reaktionskräften.

Ja, ist möglich.
>
> Bei einer Schaukel und lebhaften Enkeln ist aber nicht nur vom
> statischen Lastfall auszugehen… ;-)

Momentan ist es nur ein Enkel (2 Jahre alt, ca. 12kg Gewicht).
Der zweite Enkel wird demnächst geboren.
>
> Fazit: Das waagerechte Seil und die Ankerpunkte müssen entsprechend
> dimensioniert werden, damit die Geschichte für die Bäume und die Enkel
> gut ausgeht.

Die Kerlchen wachsen heran, können irgendwann selbst schaukeln und 
fangen natürlich dann auch an, herumzutoben. :D

Der Lösungsansatz wird ein gemischter aus all den guten Anregungen sein.
Die Spannweite liegt bei ca. 6m.

Auf 2m Höhe werde ich erst mal an den Bäumen (mit dem 
Latten-Anspannprinzip) ein verzinktes Wasserrohr befestigen.
Das nur Schaukel-Bewegungen (federnd/sie dämpfend) entgegenwirken soll.

In 4m Höhe wird das Stahldrahtseil an beiden Bäumen mit Gurten so 
befestigt, daß es nach der Kettenlinie
https://de.wikipedia.org/wiki/Kettenlinie_(Mathematik)
durchhängt.

Im Tangentialbereich an das Wasserrohr wird es fest mit ihm verbunden.
Falls erforderlich, können noch weitere (vertikale) Verbindungen 
zwischen dem Wasserrohr und dem Drahtseil hergestellt werden.

Falls auch noch erforderlich:
Durch ein weiteres Querseil zwischen den Bäumen (auf ca. 3m Höhe), das 
mit dem Tragseil verbunden werden kann, ist sicherstellbar, daß die 
Steigung des Tragseils in seinen Anhängepunkten bei ca. 1 (= 45°) liegt.

Stahldrahtseil 6mm, verzinkt, drallarm, spannungsfrei mit den Daten:
Tragkraft: 4,2 kN
Bruchlast: 21,1 kN
Dehnung: 2%

Mit meinen 80kg werde ich die Gebrauchs-Tauglichkeit der Konstruktion 
testen.
Und bis meine Enkel mal so schwer sind wie ich, werden sie längst ganz 
andere Interessen haben, als zu schaukeln. :D

Nochmal vielen Dank für Eure Anregungen:
Wir werden "das Kind schon schaukeln". ;)

Grüße

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