Hallo zusammen,
Ich schaue mir ab und zu wieder mal Platinendesigns und Platinen an und
habe einige Fragen dazu wo ich gerne wissen würde warum dies so ist. Es
interessiert mich hald einfach warum man als Platinenhersteller sowas
macht
1.) Löchrige Flächen
Auf einigen Platinen sieht man das grosse Kupferflächen mit ganz vielen
Vias auf eine andere Kupferfläche verbunden sind. Die Vias sind ganz
klein.
Wieso macht man sowas? Warum wird icht ein grosses Via (z.b. 2mm)
verwendet? Hat das damit zutun das man grosse Vias nicht mit
Lötstopplack überziehen kann?
2.) Schraffierte Flächen
Ich habe hier ein Display herumliegen, das als GND-Fläche keine gefüllte
Fläche hatt sondern karriert ist, wie ein Schreibblock nur viel kleiner.
Auch habe ich schon Platinen endeckt welche schräge Linien hatten.
Was ist der Hintergrund solcher Flächen?
3.) Freiform Leiterbahnen
Zum einten sehe ich immerwieder Platinen wo die Leiterbahnen nicht wie
normal in graden linien geführt sind, sondern einfach so verbunden sind.
Also wie wenn man auf einem Blatt von Hand die Bauteile mit einem
Bleistift verbinden würde. Wieso macht man das?
4.) Runde Leiterbahnen
Ich hatte mal eine Platine endeckt wellche keine normalen geraden
Leiterbahnen hatte, sondern alle verbindungen über Eck waren als Radius
gezeichnet und auch bei den IC's gingen die Verbindungen alle als Radius
ab. Wieso ist dies so bzw. was bringt das?
5.) Komische Formen
Immer wieder sieht man auf Platinen ganz wirre Formen von Leiterbahnen
z.b. Wellenförmig oder teilweise habe ich auch schon gesehen das Freie
Flächen mit Leiterbahn (in Wellen/ZIGZAG) aufgefüllt wurden anstatt mit
einer Fläche. Werden so z.b. Widerstände direkt auf der Platine
gezeichnet, oder warum macht man das?
Vielen Dank für eure Antworten :)
1)
Das kann viele Gründe haben:
-niederimpedante Verbindung zweier Flächen (zwei oder mehr Vias parallel
haben eine geringere Impedanz als ein einzelnes Via)
-Wärmeableitung (mehr Vias können mehr Wärme transportieren)
2)
Auch das kann viele Gründe haben:
-Leichtbau
-Angeblich niedrigere Kapazität zwischen solchen Flächen und
Leiterbahnen/anderer Flächen
3)
Ist das Ergebnis mancher Autorouter.
4)
Echte Gründe dafür fallen mir nicht ein. Machmal heißt es, daß man damit
Reflexionen unterdrücken will, aber das ist Unsinn.
5)
Widerstände...will ich nicht ausschließen. Oft wird sowas aber auch
gemacht, um mehrere Leiterbahnen auf die gleiche Länge zu bringen um
gleiche Signallaufzeiten zu erhalten. Das ist bei ausreichend schnell
schaltenden Bauteilen manchmal notwendig.
Luki schrieb:> Hallo zusammen,>> Ich schaue mir ab und zu wieder mal Platinendesigns und Platinen an und> habe einige Fragen dazu wo ich gerne wissen würde warum dies so ist. Es> interessiert mich hald einfach warum man als Platinenhersteller sowas> macht>>> 1.) Löchrige Flächen>> Auf einigen Platinen sieht man das grosse Kupferflächen mit ganz vielen> Vias auf eine andere Kupferfläche verbunden sind. Die Vias sind ganz> klein.>> Wieso macht man sowas? Warum wird icht ein grosses Via (z.b. 2mm)> verwendet? Hat das damit zutun das man grosse Vias nicht mit> Lötstopplack überziehen kann?
Um diese Frage eindeutig beantworten zu können würde ich gerne ein
Beispiel sehen.
Viele Vias werden in Mikrowellenlayouts verwendet um Masseflächen
möglichst induktionsarm miteinander zu verbinden
Manchmal macht man das um erzeugte Hitze von Bauteilen besser abführen
zu können.
>>> 2.) Schraffierte Flächen>> Ich habe hier ein Display herumliegen, das als GND-Fläche keine gefüllte> Fläche hatt sondern karriert ist, wie ein Schreibblock nur viel kleiner.> Auch habe ich schon Platinen endeckt welche schräge Linien hatten.>> Was ist der Hintergrund solcher Flächen?
Das weiß ich auch nicht. Es ist möglich, daß das genacht wird um
mögliche Bordverbiegungen (Warpage) zu verhindern bzw zu vermindern.
Mein Bordfertiger hat mich gebeten es nach Möglichkeit nicht zu
praktizieren weil es ihnen angeblich ihre DRC Prüfungen erschwert.
>>> 3.) Freiform Leiterbahnen>> Zum einten sehe ich immerwieder Platinen wo die Leiterbahnen nicht wie> normal in graden linien geführt sind, sondern einfach so verbunden sind.> Also wie wenn man auf einem Blatt von Hand die Bauteile mit einem> Bleistift verbinden würde. Wieso macht man das?
Da wären Photos hilfreich. Keine Ahnung.
>> 4.) Runde Leiterbahnen>> Ich hatte mal eine Platine endeckt wellche keine normalen geraden> Leiterbahnen hatte, sondern alle verbindungen über Eck waren als Radius> gezeichnet und auch bei den IC's gingen die Verbindungen alle als Radius> ab. Wieso ist dies so bzw. was bringt das?
Ohne Photobeispiele ist das schwer zu beurteilen.
>> 5.) Komische Formen>> Immer wieder sieht man auf Platinen ganz wirre Formen von Leiterbahnen> z.b. Wellenförmig oder teilweise habe ich auch schon gesehen das Freie> Flächen mit Leiterbahn (in Wellen/ZIGZAG) aufgefüllt wurden anstatt mit> einer Fläche. Werden so z.b. Widerstände direkt auf der Platine> gezeichnet, oder warum macht man das?
Bei modernen High-Speed digitalen Designs wie sie bei PC Mutterplatinen
üblich sind, müssen serielle Hochgeschwindigikeits Busverbindungen mit
sogenannten Differenzial Transmission Lines miteinander oft laufzeit
synchron miteinander verbunden werden. Da kommt es darauf an, daß beide
Leiter dieser Differenzialdoppelleitung so gleichlang wie möglich sind.
Dann wird auch durch Betechnungen und Simulation darauf geachtet den
Wellenwiderstand zu bestimmen und kontrollieren um z.B. eine 100 Ohm
Differenzial Impedanz von 100 Ohm zu erzielen. (Das wird Dir im
Augenblick möglicherweise nicht zu viel sagen weil das Wissen von HF
Technik benötigt.) Um diese Differenzial Leitungen trotz Biegungen
gleich lang ausfallen zu lassen muß man oft den längeren Leiterzug als
Zig-Zag oder Meanderförmig auslegen. Viele bessere Layputprogramme
machen das automatisch durch explizite design Rule Instruktionen. Oft
müssen einige dieser seriellen Busverbindungen phasengleich zueinander
ausfgeführt werden. Da passiert es manchmal daß man im Zig-Zag die
Leitungen verlängern muß.
Wenn Du da mehr wissen möchtest, versuche mal im Internet zu
recherchieren.
Am besten ist es in Englisch zu suchen.
Suche mal nach:
Differential Transmission Line Layout
Characteristic Impedance
Microstrip Lines + Calculator
Msata, Displayport, PCI Express PCB Layout
Die Datenblätter von ICs für diese Busse geben meist sehr explizite
Application Details bezüglich ihrer Verbindungen zueinander und des
Layouts.
Das sind natürlich Aufgabengebiete für versierte Fachleute mit
jahrelanger Erfahrung in der praktischen Verwirklichung von solchen
Schaltungen.
Hoffe das hilft Dir etwas weiter. Im Internet gibt es diesbezüglich
viele nützliche Informationsquellen der Industrie. Wichtig: Immer zuerst
in Englisch suchen - da wird man viel fündiger.
Dann gibt es natürlich auch viele gelehrte Bücher darüber die oft für
die meisten von uns wegen der akademischen Grundlagen sehr schwer
verdaulich sind.
>>> Vielen Dank für eure Antworten :)
Luki schrieb:> 4.) Runde Leiterbahnen
Waren das alte Platinen? Früher hat man das von Hand so gemacht.
Wenn es neuer war, könnte es das Ergebnis von TopoR gewesen sein.
Luki schrieb:> 1.) Löchrige Flächen
Bei Nutzung als wärme Vias wird die Wärme gleichmäßiger auf der Fläche
verteilt, weil sie nicht nur an einem Punkt eingeleitet wird -> bessere
Kühlung. Für Hochfrequenzerdung ist eine flächig verteilte Anbindung
besser, sonst generiert man leicht antenneähnliche Stukturen, die dann
keine gute Erde darstellen.
> 2.) Schraffierte Flächen
Dadurch wird die Unsymmetie zwischen Leiterbahnen auf der einen Seite
und Fläche auf der anderen Seite aufgehoben und die Platine neigen nicht
zum krümmen (Bimetall-Effekt).
> 3.) Freiform Leiterbahnen> ... Wieso macht man das?
Wieso nicht? Das kann jeder machen, wie er möchte. Der Strom wird den
Weg finden.
4.) Runde Leiterbahnen
Manche Leute wollen damit Hot Spots bei der Stromdichte vermeiden, aber
dafür ist 45°-Verlegung schon sehr wirkungsvoll.
> 5.) Komische Formen
Vielleicht weil es Antennen sind, weil es differentielle Leitungen sind,
die gleich lang sein müssen oder weil das Signal etwas verzögert werden
soll.
Schnörkelinien schwächen auch Probleme mit Übersprechen, die bei langen
parallel geführten Leitungspaaren entstehen.
Als eine Grundregeln um EMV probleme (Störabstrahlung) zu vermeiden wird
oft die Regel aufgestellt, rechtwinklige Leitungsknicke zu vermeiden.
Fpga K. schrieb:> wird> oft die Regel aufgestellt, rechtwinklige Leitungsknicke zu vermeiden
Und dann melden sich gleich wieder angebliche Besserwisser die das für
völligen Unsinn erklären. Aber es gibt auch noch einen anderen Grund:
mit 45-Grad-Verlegung (also 8 Richtungen für Leiterbahnen) braucht man
in vielen Fällen weniger Platz.
Georg
Auch der PCB-Fertiger hat Erfahrung mit schlechten Layouts:
www.elektronikpraxis.vogel.de/pcb-design-regeln-sieben-suenden-beim-leit
erplatten-design-a-356703/
Luki schrieb:> 4.) Runde Leiterbahnen>> Ich hatte mal eine Platine endeckt wellche keine normalen geraden> Leiterbahnen hatte, sondern alle verbindungen über Eck waren als Radius> gezeichnet und auch bei den IC's gingen die Verbindungen alle als Radius> ab. Wieso ist dies so bzw. was bringt das?
Das kann mehrere Gründe haben:
- impedanzkontrollierte Leitungen haben weniger Stoßstellen
- bei Leitungen, an denen höhere Spannungen anliegen, sind spitzige
Ecken zu vermeiden
- viele Layoutprogramme bieten das an - warum soll man es in den
genannten Fällen nicht nutzen?
> 5.) Komische Formen>> Immer wieder sieht man auf Platinen ganz wirre Formen von Leiterbahnen> z.b. Wellenförmig oder teilweise habe ich auch schon gesehen das Freie> Flächen mit Leiterbahn (in Wellen/ZIGZAG) aufgefüllt wurden anstatt mit> einer Fläche. Werden so z.b. Widerstände direkt auf der Platine> gezeichnet, oder warum macht man das?
Das sind Leitungen, die zu anderen Leitungen eine enge Toleranz
bezüglich der Länge haben müssen, z.B. beim Datenbus von DDR-RAMs. Die
Leitung mit dem größten Abstand ist dann gerade geführt, andere, deren
Abstand kürzer ist, werden durch die Mäander künstlich verlängert.
Sie müssen (oft) auch eine bestimmte Leiterbreite haben (wg.
Wellenwiderstand), daher ist eine flächige Ausführung falsch bzw. nicht
brauchbar.
Bei differentiellen Leitungen sind nur sehr kurze Stücke mäanderförmig
ausgeführt und nur an den Stellen, wo zwischen den beiden Leiterbahnen
ein Längenunterschied auftritt, z.B. am IC oder auch an Steckerleisten.
Da muss man sehr genau wissen, was man macht und welche negativen
Einflüsse diese Maßnahme haben kann: einerseits sollen die beiden
Leitungen möglichst gleich lang sein, anderseits sollen sie auch schön
parallel geführt werden. Eine normale Richtungsänderung verursacht nicht
so viel Längenunterschied, dass man das sofort korrigieren muss - da ist
die homogen Impedanz wichtiger.
Da am Anfang oder Ende der Leitung meistens die größte Längendifferenz
auftritt und man dort auch noch nicht schön parallel verlegen kann, wird
man an den Stellen auch die Differenz korrigieren.
Wühlhase schrieb:> Echte Gründe dafür fallen mir nicht ein. Machmal heißt es, daß man damit> Reflexionen unterdrücken will, aber das ist Unsinn.
Das ist allerdings kein Unsinn, sondern tatsächlich der Grund dafür.
Spätestens im zweistelligen GHz-Bereich macht sich der Effekt deutlich
bemerkbar. Da kann es dann auch schnell passieren, dass mehr Signal
reflektiert wird, als auf der anderen Seite ankommt. Daher eben die
runde Leiterführung oder "abgeschnittene" Leiterecken (Stichwort zur
Suche: mitered bends).
Auch weit unterhalb solcher Frequenzen hat die Vermeidung von 90°-Ecken
Vorteile bezüglich Platzausnutzung und Fertigung, dazu findet sich mit
der Forensuche einiges.
https://www.microwaves101.com/encyclopedias/mitered-bendshttps://en.wikipedia.org/wiki/Microstrip#Bends
Luki schrieb:> 1.) Löchrige Flächen
Wärmeleitung von einer Seite zur anderen, z.B. unter PowerPADs.
> 2.) Schraffierte Flächen
kupfersparende Massefläche, Kupfer ist teuer, die Fläche taugt auch mit
kleinen Öffnungen
> 3.) Freiform Leiterbahnen
Die sind per Hand und Kreppapier gemacht, vor allem bei alten Platinen,
oder mit dem Edding gezeichnet.
> 4.) Runde Leiterbahnen
Bei richtiger Hochfrequenz wichtig, sonst egal (vielleicht fand's der
Layouter hübscher).
> 5.) Komische Formen
Entweder der Versuch, mehrere Leiterbahnen auf dieselbe Länge zu bringen
(z.B. bei einem Mainboard, bei USB), oder extreme Hochfrequenz wo es wie
ein Bauelement wirkt (Streukapazität, Streuinduktivität).
Michael B. schrieb:> Luki schrieb:>> 2.) Schraffierte Flächen>> kupfersparende Massefläche, Kupfer ist teuer, die Fläche taugt auch mit> kleinen Öffnungen
Wird das aus den Löchern weggeätzte Kupfer aus dem Ätzbad in
wirtschaftlich sinnvoller Weise zurückgewonnen?
MfG, Arno
Arno schrieb:> Wird das aus den Löchern weggeätzte Kupfer aus dem Ätzbad in> wirtschaftlich sinnvoller Weise zurückgewonnen?
Z.B. Degussa nimmt gesättigte Ätzlösungen zur Kupferrückgewinnung an,
wenn wenigstens ein 800l-Tank angeliefert wird.
Georg
Arno schrieb:> Wird das aus den Löchern weggeätzte Kupfer aus dem Ätzbad in> wirtschaftlich sinnvoller Weise zurückgewonnen?
Umweltgerecht sollte es sowieso entsorgt werden, da ist Rückgewinnung
angesichts der Cu-Preise durchaus sinnvoll. Mir fiele auch nix anderes
ein wie man das sonst entsorgen könnte, thermisch verwerten ist ja nicht
und Cu-Erz wieder in der Erde verbuddeln ist wirtschaftlich fragwürdig.
90° schrieb:> Wühlhase schrieb:>> Echte Gründe dafür fallen mir nicht ein. Machmal heißt es, daß man damit>> Reflexionen unterdrücken will, aber das ist Unsinn.>> Das ist allerdings kein Unsinn, sondern tatsächlich der Grund dafür.> Spätestens im zweistelligen GHz-Bereich macht sich der Effekt deutlich> bemerkbar.
So...ist das so? Ich denke, sofern du beruflich mit solchen Frequenzen
zu tun hast weißt du auch, daß vieles ganz anders ist sobald man mit
Mikrowellen hantiert und daher auch vieles anders gehandhabt werden muß.
Da hat man es z.B. oft nicht mehr mit geschlossenen Stromkreisen zu tun
wie das die meisten hier kennen. Umgekehrt ist es nicht sinnvoll,
Layouttechniken aus der Mikrowellentechnik ohne Weiteres auf niedere
Frequenzbereiche anzuwenden.
Lee Ritchey hat genau diesen Sachverhalt mal untersucht und
nachgemessen, und ich meine daß auch irgendeine nordamerikanische Uni
das mal experimentell untersucht hat. Ergebnis: Nix Reflexion. Nicht nur
wenig und vernachlässigbar, sondern nichts.
Wühlhase schrieb:> Ergebnis: Nix Reflexion. Nicht nur> wenig und vernachlässigbar, sondern nichts.
Das ist ziemlich unglaubwürdig oder falsch wiedergegeben. Das würde ja
voraussetzen dass die Leiterbahnen mit absolut Null Toleranz gefertigt
wurden, was technisch unmöglich ist. Wenig wäre glaubwürdig, nichts gibt
es nicht.
Georg
Arno schrieb:> Wird das aus den Löchern weggeätzte Kupfer aus dem Ätzbad in> wirtschaftlich sinnvoller Weise zurückgewonnen?
Bei grossen Leiterplattenfirmen:
Ja, das macht die günstigen Preise erst möglich.
georg schrieb:> Wühlhase schrieb:>> Ergebnis: Nix Reflexion. Nicht nur>> wenig und vernachlässigbar, sondern nichts.>> Das ist ziemlich unglaubwürdig oder falsch wiedergegeben. Das würde ja> voraussetzen dass die Leiterbahnen mit absolut Null Toleranz gefertigt> wurden, was technisch unmöglich ist. Wenig wäre glaubwürdig, nichts gibt> es nicht.
Mit den Impedanztoleranzen hat es sicher theoretisch berechenbare
Reflexionen gegeben, allerdings nichts was irgendwie sichtbar gewesen
wäre. Der Knick hat sich jedenfalls nicht anders verhalten als der Rest
der Leiterbahnen.
In diesem Test wurde übrigens auch das Verhalten von Vias untersucht.
Vias waren auf dem Oszillogram zu sehen, allerdings mit weitaus weniger
dramatsichen Folgen als gemeinhin angenommen wird.
Mich hat die Beschäftigung mit diesem Thema jedenfalls gelehrt, daß
solche aus der Theorie ausgebrüteten Gewissheiten unbedingt auch mal
nachgemessen werden sollten.
Hier wurde das ganze mal nachgemessen:
https://www.ultracad.com/articles/90deg.pdf
Die Aussage trifft sich mit der von Wühlhase....
90° und 45° sind nicht schlechter oder besser als exakt gerade
Leiterbahnen.
Die Einflüsse von Via's, Steckverbindern, IC Gehäusen sind deutlich
größer.
Wühlhase schrieb:> So...ist das so?
Ja.
> zu tun hast weißt du auch, daß vieles ganz anders ist sobald man mit> Mikrowellen hantiert und daher auch vieles anders gehandhabt werden muß.
Die Physik ändert sich nicht. Der Effekt tritt bei üblichen
Leiterplatten übrigens ab 10 GHz deutlich auf. Wenn wir von
Digitalsignalen mit vernünftiger Flankensteilheit reden, liegen die
Schaltfrequenzen weit darunter.
> Da hat man es z.B. oft nicht mehr mit geschlossenen Stromkreisen zu tun> wie das die meisten hier kennen. Umgekehrt ist es nicht sinnvoll,> Layouttechniken aus der Mikrowellentechnik ohne Weiteres auf niedere> Frequenzbereiche anzuwenden.
Digitalsignale im einstelligen GHz-Bereich sind sicher für einen
Großteil der Leute hier Alltag, das hat nix mit Vodoo zu tun. Ansonsten
haben 90° noch einige Nachteile. 45° oder runde Kanten bringen dabei
keine Nachteile mit sich, auch wenn man sie bzgl Reflexion nicht
braucht.
> Lee Ritchey hat genau diesen Sachverhalt mal untersucht und> nachgemessen, und ich meine daß auch irgendeine nordamerikanische Uni> das mal experimentell untersucht hat.
Da muss man nix aufbauen und nachmessen. Dank Maxwell sind die
relevanten Zusammenhänge bekannt. Kann man natürlich aufbauen und
nachmessen, dann wird man aber feststellen, dass sich das Ergebnis bei
sauberer Arbeitsweise mit der Theorie deckt.
John P. schrieb:> Hier wurde das ganze mal nachgemessen:>> https://www.ultracad.com/articles/90deg.pdf
Da steht nichts, was meinen Aussagen oben widerspricht:
> The radiated emission measurements (up to 1.3 GHz.)
Zu der Zeit hatten Desktop-PCs geringere Taktraten als heutige
Mikrocontroller, das sollte man im Hinterkopf behalten. Natürlich war
der Kreis der Leute, die das beachten mussten, damals geringer. Für den
Röhrenamp tun es auch heute noch 90° Leitungen ;-)
georg schrieb:> Arno schrieb:>> Wird das aus den Löchern weggeätzte Kupfer aus dem Ätzbad in>> wirtschaftlich sinnvoller Weise zurückgewonnen?>> Z.B. Degussa nimmt gesättigte Ätzlösungen zur Kupferrückgewinnung an,> wenn wenigstens ein 800l-Tank angeliefert wird.
Danke (auch den anderen Antwortern) - hätte nicht gedacht, dass der
Kupfergehalt einen nennenswerten Unterschied macht (bzw. dass
tatsächlich für gesättigte Ätzlösung Geld bezahlt wird - wenn mehr
Kupfer weggeätzt wird, wird ja mehr Ätzlösung "verbraucht").
MfG, Arno
@John: Danke für den Link, zum Googeln war ich grad zu faul.
90° schrieb:> Zu der Zeit hatten Desktop-PCs geringere Taktraten als heutige> Mikrocontroller, das sollte man im Hinterkopf behalten.
Wenn ich die technischen Beschreibungen richtig interpretiere, dann wird
z.B. der PCIe-Bus aus LVDS aufgebaut. Schau dir mal an, wann das
entwickelt wurde.
Von den internen Taktfrequenzen von Mikrochips auf Leiterkartenlayouts
zu schließen hat schon ein wenig von Birne vs. Apfel. Du kannst
natürlich mit höheren Frequenzen hantieren wenn du Abstriche in der
räumlichen Ausdehnung machst. Da liegt bei CPUs m.M.n. der größte
Fortschritt: in immer geringeren Strukturgrößen, das wiederum erlaubt
höhere Frequenzen.
Aber du kannst gerne auch neuere Messungen liefern, es ist ja nicht so
daß die Messtechnik auf dem Stand der 90er stehengeblieben ist. Und ich
bin mir sicher, daß es da bestimmt ein Paper oder so etwas gibt, wo
irgendwelche Höchstfrequenztechniker darüber gestolpert sind.
90° schrieb:> Ansonsten> haben 90° noch einige Nachteile. 45° oder runde Kanten bringen dabei> keine Nachteile mit sich, auch wenn man sie bzgl Reflexion nicht> braucht.
Ok...und welche? Wie gesagt, ich hab mich damit auseinandergesetzt und
bin immer neugierig. Der einzige andere Nachteil, der mir noch bekannt
ist, sind Auswaschungen beim Ätzen der Platine. Ich habe mal bei einem
bekannten deutschen Fertiger nachgefragt wie die das sehen. Das Ergebnis
war: Ja, 90° sind nicht schön wg. Auswaschungen, aber auch erst bei
Leiterbahnen 100µm und darunter.
Ach, nein, bei Hochspannung vermeidet man Ecken auch tunlichst da diese
zu Teilentladungen neigen was einem die Isolation mittelfristig
zerstört.
90° schrieb:> Da muss man nix aufbauen und nachmessen. Dank Maxwell sind die> relevanten Zusammenhänge bekannt. Kann man natürlich aufbauen und> nachmessen, dann wird man aber feststellen, dass sich das Ergebnis bei> sauberer Arbeitsweise mit der Theorie deckt.
Tja...kann man so sehen, ich persönlich bin von dieser Einstellung
mittlerweile geheilt. Ich will hier nicht unbedingt von einer Diskrepanz
zwischen Theorie und Praxis reden (die gibt es meiner Meinung nach
nicht, wohl aber unzulässig stark vereinfachte Denkmodelle), es kommt
halt aber oft genug vor daß etwas zwar theoretisch richtig vorrausgesagt
wird, in der Praxis aber absolut keine Rolle spielt da die vorrausgesagt
Wirkung in hoömopathischen Dosen auftritt.
Wühlhase schrieb:> in der Praxis aber absolut keine Rolle spielt da die vorrausgesagt> Wirkung in hoömopathischen Dosen auftritt.
Homöopathisch würde ich nicht sagen, aber tatsächlich nur mit sehr sehr
guten (und auch entsprechend teuren) Meßgeräten feststellbar.
Das Problem ist aber nicht der eine Einzelfall an der einen Leitung.
Der ist egal.
Oder bei den Layouts der hier übliche Designs.
In der Regel treten aber bei Highspeed-Designs Richtungswechsel nicht
einzeln sondern immer im Rudel auf:
* DDR-Rams mit >50 Leitungen.
* Erweiterungsstecker >50 Leitungen.
* Ein paar PHYs.
* PCIe Lanes.
* Ein paar Transceiver-Lines.
* usw.
Alle längenausgeglichen, jeweils mit dutzenden Kurven in den Mäandern.
Wir sprechen also nicht von einem sondern von tausenden
Richtungswechsel auf einem Print.
Wie heißt es so schön: Kleinvieh macht auch Mist.
Und dann noch in Verbindung mit einem besch*** Stromversorgungskonzept
und an GND-Planes gespart merkst du das Ergebnis umgehend in der
EMV-Halle.
Mache wundern sich dann warum sich die Messwerte im gesamten
Frequenzspektrum der Grenzlinie nähern (oder sogar überschreiten), und
nicht wie erhofft nur einzelne Spitzen.
Eine grundlegende Regel bei Highspeed-Designs:
Jede vermeidbare Störstelle ist grundsätzlich auch zu vermeiden.
Aber eigentlich sollte diese Regel auch bei allen Designs angewandt
werden die sich um ARMs & Co drehen...
Aber warum ich eigentlich schreibe.
Wenn ich das lese:
> Echte Gründe dafür fallen mir nicht ein. Manchmal heißt es, daß man damit> Reflexionen unterdrücken will, aber das ist Unsinn.
tut das schlicht und einfach weh, weil es in dieser generellen
Formulierung schlicht und einfach falsch und irreführend ist.
Und nur am Rande erwähnt: Bei Designs >5Ghz werden ja sogar die 45°
Kurven durch Kurven abgelöst.
Auch Unsinn?
90° tuns auch?
Ich für meinen Teil werde jedenfalls nicht deinem Rat, sondern dem
unseres Physikers mit den teuren Meßgeräten folgen ;)
Andi schrieb:> Jede vermeidbare Störstelle ist grundsätzlich auch zu vermeiden.
Genau das denke ich auch.
In der Theorie (egal ob praktisch bewiesen oder nicht) sind 90°
schlechter als 45 und abgerundet ist noch besser.
Und das ganze kostet ja nichts. Die LP wird nicht teuerer oder billiger.
Und moderne Layout tool's machen es den entwicklern auch einfacher.
@90°:
Um dem 90er-PC-vs.µC-heute-Vergleich nochmal nachzutreten:
Signale werden ja üblicherweise eben nicht nach ihrer Schaltfrequenz
klassifiziert, sondern nach ihrer Schaltgeschwindigkeit
(=Flankenanstiegszeit).
Im Link, den John gepostet hat, haben die das mit 17ps-Puls (siebzehn
Picosekunden) getestet. Das dürfte noch deutlich unterhalb dessen
liegen, was auch schnelle Bauteile, die heute verwendet werden, zu
bieten haben. Der Versuch ist nicht annähernd so veraltet, wie es dein
PC-Mikrocontroller-Vergleich nahelegt.
@Andi:
Ratschläge will ich dir hier auch nicht geben da ich der Meinung bin daß
ein Entwickler wissen sollte was er tut. Daher, wenn du so einen
Kollegen auf Arbeit hast dann frag ihn doch bitte mal, ob er einen Plot
hat wo sich ein 90°-Knick auf einer Leiterbahn bemerkbar macht. Auch
wenn es nur sehr wenig ist. Es würde mich wirklich interessieren ob das,
was ich bisher an handfestem Material dazu gefunden habe, tatsächlich so
daneben lag.
Wühlhase schrieb:> Wenn ich die technischen Beschreibungen richtig interpretiere, dann wird> z.B. der PCIe-Bus aus LVDS aufgebaut. Schau dir mal an, wann das> entwickelt wurde.
Ja, damals mit anderen Taktraten als heute. Du kannst dir ja mal Design
Guidelines zu PCIe ansehen, dort wirst du in der Regel einen Punkt zu
90°-Leitungen finden. Zumindest ist das bei dem ersten Ergebnis bei
Google (von TI) so.
Wühlhase schrieb:> Aber du kannst gerne auch neuere Messungen liefern, es ist ja nicht so> daß die Messtechnik auf dem Stand der 90er stehengeblieben ist. Und ich> bin mir sicher, daß es da bestimmt ein Paper oder so etwas gibt, wo> irgendwelche Höchstfrequenztechniker darüber gestolpert sind.
Ich habe oben schon Plots verlinkt. Du erwartest von mir, dass ich für
dich Aufbauten und Messungen vornehme, bleibst aber selbst jeden Beweis
schuldig. Zeig doch selbst mal ein Paper/Messung/etc und zwar nicht
Sachen aus den 90ern mit 1GHz Sinus.
90° schrieb:> Ja, damals mit anderen Taktraten als heute.
...und trotzdem mit gleicher/ähnlicher/oder gar höherer
Flankensteilheit, um die es letztendlich geht, du kannst das ja mal in
eine Frequenz umrechnen. Die Schaltfrequenz selber ist da weitgehend
uninteressant. Als Intel Ende der 90er die erste 1GHz-CPU auf den Markt
brachte, waren solche und weitaus höhere Frequenzen nebst entsprechenden
Beobachtungen anderswo durchaus schon länger gängig.
90° schrieb:> Ich habe oben schon Plots verlinkt. Du erwartest von mir, dass ich für> dich Aufbauten und Messungen vornehme, bleibst aber selbst jeden Beweis> schuldig. Zeig doch selbst mal ein Paper/Messung/etc und zwar nicht> Sachen aus den 90ern mit 1GHz Sinus.
Oh, Flucht? Ich hab leider keine geeigneten Meßmittel dazu, sonst hätte
ich das schon längst selber nachgemessen und hier reingestellt. Und den
Plot, den du da verlinkt hast, stammt nicht aus einer Messung. Sondern
aus einer Simulation. Mit ideal glatten und geraden Leitern und ich
vermute, schön homogenem ε_R. Nichts davon hast du in deiner
Leiterkarte.
Und noch was speziell zur Simulation in deinem Link: Die simulierte
Leiterbahn ist 1,1mm breit. Das ist einerseits nicht mehr dünn im
Vergleich zur Wellenlänge (knapp 4mm bei 25GHz) und ich bin mir ziemlich
sicher, daß die Ergebnisse wieder ganz anders aussehen, wenn man die
Simulation mit gebräuchlicheren Leiterbahnbreiten durchführt.
Das ist natürlich kein Argument für/gegen 90°/45° an und für sich,
dennoch: es gibt nicht allzuviele ICs, die du mit solchen
Leiterbahnbreiten irgendwo in einem Layout unterbringen kannst. Da hast
du selbst bei großen BGAs schon verloren.
Was ich an deinem Link jedoch wirklich fragwürdig finde:
> Time for another Microwaves101 Rule of Thumb!
Meines Erachtens sind Platinenlayouts stets Einzelfallbetrachtungen. Von
allgemeingültige Regeln halte ich so richtig nichts.
Aber ich hab was anderes für dich, es ist ja nicht so daß die
45/90-Diskussion erst in den letzten Jahren losging:
Lee Ritchey:
> If one closely examines a right angle bend, it can be determined that for > a
very short distance the effective width of the trace is wider. However, > for such
a short distance there is no detectable change in either Co or
> Lo, the two variables that have to be affected in order for a reflection > to
occur. So where did this rule come from? Over a long period of time, I > have
investigated this question, and I have determined that the rule
> arose as a result of one particular figure (Figure 7-17) appearing on one >
particular page (page 144), of the Motorola ECL Systems Handbook that was >
published in 1973. This figure shows two traces, side-by-side, one with
> two right angle bends and the other with those bends rounded. Below that >
picture are two oscilloscope traces. The trace for the right angle bend
> example has two small dips in the middle of it while the trace for the> rounded corners has none. This suggests that right angle bends cause a> problem. Backing up to page 140 of the same handbook, Figure 7-14 shows a >
trace with two right angle bends and no disturbance at all from either
> one of the bends. Seems like a conflict. I called the author to question > this
and was told that Figure 7-17 was flawed and should not have been
> published! So, for all this time, engineers have been preventing the use > of
right angle bends based on flawed data. (Note: The Motorola ECL
> Systems Handbook is available as a PDF file from On Semiconductor at> www.onsemi.com.
Soviel zum Thema veraltete Messungen. ;)
Wühlhase schrieb:> 90° schrieb:>> Ja, damals mit anderen Taktraten als heute.>> ...und trotzdem mit gleicher/ähnlicher/oder gar höherer> Flankensteilheit,
Woher nimmst du die Aussage? Ich würde das sehr deutlich anzweifeln.
Gerade wenn man ein langsames System hat, ist es sinvoll, nicht das
Maximum an Flankensteilheit rauszukitzeln, Stichwort EMV
> Die Schaltfrequenz selber ist da weitgehend> uninteressant.
Nö. Aus der Schaltfrequenz folgt direkt, in welchem Zeitraum ein Wechsel
zwischen den Zuständen erfolgen muss, bevor es zu Bitfehlern kommt.
Schau dir mal ein Augendiagramm an, dann sollte klar werden, warum du
bei höheren Taktraten auch höhere Flankensteilheiten benötigst.
> brachte, waren solche und weitaus höhere Frequenzen nebst entsprechenden> Beobachtungen anderswo durchaus schon länger gängig.
Was tut das zur Sache? Es geht nicht um 199x, sondern um heute. PCIe hat
etwa 4GB/s. Jetzt kannst du dir überlegen, welche Frequenzen da
auftreten und was dir Aussagen bei 1GHz weiterhelfen.
> Oh, Flucht? Ich hab leider keine geeigneten Meßmittel dazu, sonst hätte> ich das schon längst selber nachgemessen und hier reingestellt. Und den> Plot, den du da verlinkt hast, stammt nicht aus einer Messung. Sondern> aus einer Simulation. Mit ideal glatten und geraden Leitern und ich> vermute, schön homogenem ε_R. Nichts davon hast du in deiner> Leiterkarte.
Ich finde es schön, dass du einerseits anzweifelst, dass es zu
Reflexionen kommt, andererseits möchtest du jetzt Oberflächenrauhigkeit
mit einbeziehen. Ja, das spielt eine gewisse Rolle, da kannst du dir
anhand der Skintiefe im Vergleich zur Oberflächenrauhigkeit überlegen,
ab wann man das einbeziehen muss. Die Oberflächenbehandlung (Kupfer,
HAL, ENIG) spielt da auch eine entscheidende, wenn nicht größere Rolle.
Wenn wir es jetzt ganz genau nehmen wollen, müssen wir uns auch
überlegen, ob die Leiterbahn parallel zu den Fasern im FR4 verläuft,
etc. All das ändert aber nichts an der Reflexion. Ebenso lassen sich all
diese Effekte bei der Simulation berücksichtigen.
Ich bin übrigens regelmäßig erstaunt, wie gut die Simulation zur Messung
passt. Und das bei deutlich komplexeren Anordnungen bei höheren
Frequenzen.
> Vergleich zur Wellenlänge (knapp 4mm bei 25GHz)
Bitte noch mal nachrechnen. Selbst bei der Freiraumwellenlänge kommt das
nicht hin, wenn man epsiolon_eff berücksichtigt noch weniger ;)
> Simulation mit gebräuchlicheren Leiterbahnbreiten durchführt.
Da stellt sich die Frage, was gebräuchlich ist. Aber ja, für kleinere
Lagenabstände (und damit kleinere Leiterbahnbreiten), wie etwa bei
Mainboards üblich, würde ich da auch eine Entschärfung erwarten.
> Meines Erachtens sind Platinenlayouts stets Einzelfallbetrachtungen. Von> allgemeingültige Regeln halte ich so richtig nichts.
Das ist eigentlih der Punkt, den ich die ganze Zeit versuche
rüberzubringen. Für RF-Leitungen hast du mir ja bezüglich 90°-Ecken
sogar schon Recht gegeben ;) Was die LED-Blinkschaltung angeht, sind wir
sicher acuh gleicher Meinung. Nur irgendwo dazwischen kommen wir
anscheinend noch nicht zusammen.
> Lee Ritchey:> [...]> Soviel zum Thema veraltete Messungen. ;)
Ja, das ist mir bekannt. Aber ein fehlerhafter Plot ist noch lange kein
Beweis dafür, dass das Gegenteil richtig ist. Wie gesagt, Theorie und
Praxis zeigen, dass es zu Reflexionen kommt, was du abstreitest. Ob man
mal falsch gelegen hat oder nicht ändert nix an der Physik ;)
90° schrieb:> Wühlhase schrieb:>> 90° schrieb:>>> Ja, damals mit anderen Taktraten als heute.>>>> ...und trotzdem mit gleicher/ähnlicher/oder gar höherer>> Flankensteilheit,>> Woher nimmst du die Aussage? Ich würde das sehr deutlich anzweifeln.> Gerade wenn man ein langsames System hat, ist es sinvoll, nicht das> Maximum an Flankensteilheit rauszukitzeln, Stichwort EMV
Naja, manchmal hat ältere Fachliteratur auch den Vorteil, mit den damals
aktuellen Daten zu arbeiten. An einigen Stellen hat Ritchey ein paar
Tabellen mit (damals) gebräuchlichen Werten hinterlassen. Die Daten z.B.
für LVDS stimmen mit denen des AD-Wandlers, den ich letzte Woche verbaut
habe und auch über LVDS angebunden wird, bestens überein.
Ich gebe dir Recht, es macht keinen Sinn bei niedrigen Frequenzen das
Maximum an Flankensteilheit haben zu wollen. Manche ICs geben das halt
aber so vor, z.B. LT9006 vs. LT9011. Die wollen dann entsprechend
geroutet werden, auch wenn sie nur mit 100MHz oder so getaktet sind.
Ich habe das "die Schaltfrequenz ist weitgehend uninteressant" übrigens
nur auf die Betrachtung von Reflexionen bezogen. Das mit dem
Augendiagramm ist eine andere Baustelle.
90° schrieb:> Ich finde es schön, dass du einerseits anzweifelst, dass es zu> Reflexionen kommt, andererseits möchtest du jetzt Oberflächenrauhigkeit> mit einbeziehen.
Nun, meine Aussage war nicht "Reflexionen treten in der Theorie nicht
auf", ich hab in meinem ersten Post allerdings auf die Frage geantwortet
warum es auf einer Leiterkarte manchmal so seltsame Strukturen gibt. Für
eine ernsthafte Fachdiskussion (wie jetzt) taugt das natürlich nicht.
Mein Punkt war "Da hat jemand nachgemessen und festgestellt, daß die
Reflexionen an 90°-Knicken nicht mehr im messbaren Bereich liegen". Und
die Folgerung daraus, daß 90°-Knicke auf Leiterkarten eben nicht unter
allen Umständen vermieden werden müssen.
Den ganzen anderen Kram (Oberflächenrauhigkeit, Faserverlauf, ...) hab
ich eingeworfen, daß diese in der realen Messung ja eingeflossen sind.
Die ideale Simulation aber ohne diese auskam.
Mir geht es ja auch nicht darum, 45°-Winkel auszurotten oder so. Aber
andersrum: wenn 90°-Winkel nicht so schlecht sind wie gemeinhin
nachgesagt wird (die Messung legt das ja nahe) sollte man nicht unnötig
dogmatisch auf sie verzichten. An manchen Stellen sind diese deutlich
praktischer zum Routen als 45° oder Kreisbögen.
90° schrieb:>> Vergleich zur Wellenlänge (knapp 4mm bei 25GHz)> Bitte noch mal nachrechnen. Selbst bei der Freiraumwellenlänge kommt> das nicht hin, wenn man epsiolon_eff berücksichtigt noch weniger ;)
Wieso...? Ausbreitungsgeschwindigkeit (ε_R hab ich berücksichigt) durch
die Frequenz...was berechnest du denn da?
(Wobei ich Irrtum aufgrund falschem Fachterminus nicht ausschließen
will, das meiste hab ich aus englischer Literatur.)
90° schrieb:> Für RF-Leitungen hast du mir ja bezüglich 90°-Ecken> sogar schon Recht gegeben ;) Was die LED-Blinkschaltung angeht, sind> wir sicher acuh gleicher Meinung.
Na, und das ist doch schonmal was. :)
90° schrieb:> Nur irgendwo dazwischen kommen wir> anscheinend noch nicht zusammen.
Ich sag mal so: Irgendwo in diesem Forum geistert sicherlich noch der
ein oder andere Post von mir herum, wo ich auch meinte daß 90°-Winkel zu
Reflexionen führen und daher vermieden werden sollten. Und irgendwann
danach hab ich von diesen Messungen erfahren und das mal überdacht. Tja,
und heute stehen wir hier...