Kapazität eines realen Kondensators berechnen

#5786864
Lesenswert?

Hallo zusammen,

ich habe mal eine etwas theoretischere Frage...
Und zwar habe ich einen Kondensator mit einer Kapazität von nominell 370 
F. An diesen Kondensator habe ich einen DC/DC-Wandler (DC2372A von 
Analog Devices) angeschlossen, der mir aus den 3 V des Kondensators eine 
Spannung von 12 V generiert. Den kompletten Entladezustand habe ich mit 
einem Oszilloskop erfasst (siehe Bild).

- VIn ist die Spannung die am DC/DC als Versorgungsspannung anliegt 
(sprich die Spannung des Kondensators)
- VOut ist die Ausgangsspannung des DC/DC-Wandlers
- I ist der Strom durch die Last (hier ein 120 Ohm Widerstand)

In dem markierten Ausschnitt wird eine Energie von 996,3 Ws umgesetzt.

Ist es mit diesen Daten möglich auf die Kapazität des Kondensators zu 
schließen?

Die Energie am Ausgang des DC/DC-Wandlers muss ja der Energie des 
aufgeladenen Kondensators entsprechen (näherungsweise und ohne Abzug der 
Verluste durch den Schaltregler).
Sprich ich müsste doch die Fomel

nutzen können um die Kapazität auszurechnen. Die Parameter wären:
W = 996,3 J
U = 3 V
Damit würde ich auf 221,4 F kommen. Der Kondensator hat aber eine 
Kapazität von 370 F +- 20%, sprich im worst case wären es 296 F.

Wo steckt in dieser Überlegung der Denkfehler? Lässt sich der Ansatz 
überhaupt so verwenden?

Danke fürs Mitgrübeln :)
Angehängte Dateien:
#5786893
Lesenswert?

Tim T. schrieb:
> Das der DC/DC Wandler verlustlos arbeitet.
> Das der Kondensator keine Selbstentladung hat.

Laut Datenblatt vom LTC3121 beträgt der Wirkungsgrad bei 12 V 
Ausgangsspannung und 100 mA Strom umgefähr 90%. Wenn ich diesen 
Wirkungsgrad nun auf die Gesamtenergie aufschlage, komme ich auf eine 
Kapazität von 243,54 F.

Laut Datenblatt des Kondensators 
(https://www.mouser.de/datasheet/2/87/bus-elx-ds-10762-xt-1488793.pdf) 
liegt die Leckstrom bei 0,85 mA. Ich würde daher mal behaupten, dass man 
den vernachlässigen kann, weil es nicht einmal 1% des Lastsstroms 
ausmacht.
#5786916
Lesenswert?

Test schrieb:
> Unter welchen Bedingungen wurde die Kapazität im Datenblatt ermittelt?
> Die ist unter anderem abhängig von der Betriebsspannung.
>
> ESR bedacht? Temperatur und Alterung?

Also das Datenblatt schreibt:
"Capacitance, Equivalent Series Resistance (ESR) and Leakage current are 
measured according to IEC62391-1."
Die Vorschrift sagt mir allerdings nicht viel. Vielleicht kann mich da 
jemand etwas aufschlauen...
Den Kondensator habe ich mit einem Netzteil auf 3 V aufgeladen (hab das 
Netzteil bei einem Reststrom von ~7 mA abgeschaltet, sprich der 
Kondensator dürfte mindestens zu 99% geladen sein).
Der komplette Versuch ist bei Raumtemperatur (24-25°C) durchgeführt 
worden.
Den ESR habe ich noch nicht mit eingezogen. Laut Datenblatt beträgt er 
3,2 Ohm.
Das würde dann bei einem Strom von 100 mA durch die Last und 90% 
Wirkungsgrad einen Gesamtstrom von 110 mA ergeben.
Dadurch hätte ich eine Leistung von P = R * I^2 = (3,2 * (110^2)) * 10-3 
= 3,52*10^-4 W.
Auf die Entladedauer von 1167 s bezogen wären das 0,41 Ws, sodass ich 
eine Gesamtenergie von 996,3 * 1,1 + 0,41 = 1096,34 Ws hätte.
Dies entspricht einer Kapazität von 243,63 F.

Korrekt?
#5786920
Lesenswert?

Dumdi D. schrieb:
> Bist Du sicher, dass der DC DC Wandler die 90% im transienten Zustand
> (Einschalt/Einschwingungsvorgang) hat?
> Was möchtest Du erreichen? Wenn Du die Kapazität messen möchtest, warum
> nicht Entladungskurve über Widerstand?

Nein, da bin ich mir nicht sicher. Das Datenblatt macht da keine Angaben 
zu, aber im Zweifel würde ich sagen, dass es eher nach dem 
Einschaltvorgang so ist.
Das mit der Kapazitätsberechnung war in erster Linie ein 
Gedankenexperiment. Ich wollte mal wissen ob ich die Kapazität so 
bestimmen kann. Als "Notfallplan" hatte ich mir schon die Idee mit dem 
Widerstand zurechtgelegt. Ich wollte einfach nur keine neue Messung 
machen :)
Gast #5786943
Lesenswert?

Ein kleiner Fehler deiner Rechnung besteht darin, dass du die 
Restenergie im Kondensator unterschlägst (er wird ja bis zum Ende deines 
Messbereichs nicht vollständig entladen). Das gibt dir nochmal eine 
kleine Korrektur in die gewünschte Richtung, auch wenn es nicht viel 
ausmacht.

Daniel K. schrieb:
> Als "Notfallplan" hatte ich mir schon die Idee mit dem
> Widerstand zurechtgelegt.

Mach das: mit dem derzeitigen Aufbau baust du dir nur unnötige und 
unbekannte Fehlerquellen in deine Messung ein.

Am Ende deiner Messzeit (beim zweiten Cursor) springt die Spannung des 
Kondensators ein klein wenig nach oben. Aus dem Sprung kannst du den 
ungefähren Wert des ESR abschätzen.
#5789552
Lesenswert?

Daniel K. schrieb:
> Wo steckt in dieser Überlegung der Denkfehler?

Du hast einen Teil der Entladekurve aufgenommen...mag ne blöde Frage 
sein aber warum benutzt du die nicht? Du hast ein dU und sogar ein dI 
und das zugehörige dt. Mehr braucht man zur Kapazitätsbestimmung nicht.

Du hast zwei Unbekannte aber kannst dir aus deiner Messkurve quasi 
beliebig viele Gleichungen zusammenstellen. Ist eigentlich simple 
Schulmathematik.

Dein Denkfehler ist übrigens:

bei

muss auch U konstant sein, ist es aber nicht in deiner Messkurve, daher 
der Fehler ;)
Gast #5792825
Lesenswert?

Wozu soll denn solch eine Berechnung gut sein?

Die Kapazität ist das Aufnahmevermögen für eine el. Ladung.
Am einfachsten bestimmt man sie über U(R, C, t), oder über
I, U, t (C).

Wenn Leck- und/oder äquivalenter Serien-Widerstand diese
Bestimmungsmessungen per Definition (!) zur Raterei werden lassen,
würde ich mich doch lieber auf die für den Schaltungszweck
relevanten Parameter (und deren erwartbare Degradation über die
geplante Betriebsdauer) beschränken, anstatt Erkenntnisgewinn aus
luftig-esoterischen Messwertspekulationen zu erhoffen.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren