Hallo,
neulich hat mir ein chinesischer Geschäftspartner dieses Zeichen
geschickt.
Ich kann zwar etwas Mandarin, aber dieses Ungetüm bekomme ich nicht
geknackt.
Es enthält einige mir bekannte Elemente, aber ich finde es nirgendwo
verzeichnet.
Kann es jemand hier im Forum zuordnen in Bezug auf Bedeutung und
Aussprache?
Böller schrieb:> Krass! Einmal einen Strich vergessen und dann heißt das Zeichen> bestimmt: Ich will den Geschlechtsverkehr mit deiner Frau vollbringen.
Hm, hätte auch auf das getippt.
Ich frage mich ja immer, wie man sowas erlernen kann. Und dass sich
sowas auch durchgesetzt hat.
Komplizierter kann man es in meinen (in dieser Hinsicht sicherlich
beschränkten) Augen nicht machen.
Kauabanga schrieb:> Ich frage mich ja immer, wie man sowas erlernen kann. Und dass sich> sowas auch durchgesetzt hat.
Riesen Land, 1000 Sprachen, viel Handel. Idee, mit Bildchen
verständigen. Kriege, Zersplitterung und ~2000J Gewurstelt. Worla, 500
verschiedene Schriften, 1mio Zeichen.
(Zahlen rein aus dem Daumen gelutscht, bitte Goockel öä.)
Kauabanga schrieb:> Ich frage mich ja immer, wie man sowas erlernen kann. Und dass sich> sowas auch durchgesetzt hat.
Nunja, das System kodiert Sachen und Bedeutungen statt Laute.
Theoretisch ist es also zu einem gewissen grad Sprachunabhängig (Hat
zwar nie wirklich gut funktioniert). Und theoretisch gibt es ja auch ein
System, wie sich die Zeichen zusammensetzen. Wenn es nicht so viele
Zeichen gäbe, das zusammensetzen nicht so un intuitiv wäre, und die
Zeichen in z.B. Japan (Kanji) und China nicht teils andere wären, wäre
das theoretisch doch ein super System.
DPA schrieb:> Theoretisch ist es also zu einem gewissen grad Sprachunabhängig
Chinesen mit verschiedenen Sprachen sollen sich teilweise Schriftzeichen
mit dem Finger in die hand malen, zur Verständigung. So wie wir 3 Finger
zeigen um 3 ? zu bestellen.
Selbst Politiker sprechen kaum im Fernsehen. Kantonesisch versteht kaum
ein Mandarin, deshalb stattdessen die großen Schriftbanner.
Böller schrieb:> Einmal einen Strich vergessen und dann heißt das Zeichen bestimmt: Ich> will den Geschlechtsverkehr mit deiner Frau vollbringen.
Naja, zum einen ist dieses Zeichen eher ein Logo aus einer Beschreibung
(wie z.b. ein M mit "ich liebe es"), zum anderen ist es in deutsch
ähnlich krass:
Wir essen Opa.
Ein fehlendes Komma macht uns zum Kannibalen.
Kauabanga schrieb:> Komplizierter kann man es in meinen (in dieser Hinsicht sicherlich> beschränkten) Augen nicht machen.
Die deutsche Grammatik zu lernen dauert mMn länger als 5000 chinesische
Zeichen zu lernen. Man überschätzt das maßlos. Du ließt ja auch nicht
Buchstaben, sondern Wörter, wenn du ein deutsches Buch ließt.
Die kyrillischen Zeichen lernt man in 2 Tagen, aber die russische
Grammatik in einem ganzen Leben nicht.
Kauabanga schrieb:> Ich frage mich ja immer, wie man sowas erlernen kann. Und dass sich> sowas auch durchgesetzt hat.>> Komplizierter kann man es in meinen (in dieser Hinsicht sicherlich> beschränkten) Augen nicht machen.
Och manche schriften waren so komplex, das die Erfinder es selbst
vergessen haben, was sie da geschrieben haben bspw. maya-schrift.
Und auch mit dem asiatischen schriftkritzeleien kann man es sich
unterschiedlich schwer machen, die Tibeter དབུ་ཅན waren da schon
geschickter und die Koreaner 조선글 haben es tatsächlich geschafft die
Zeichen soweit zu vereinfachen, das man sie lernen kann wie's
lateinische und trotzdem 'chinesisch' daherkommt.
Aber die zeichen sollen auch der Grund sein, warum die Asiaten lange
zeit führend in Computermonitoren und -drucker waren.
Kauabanga schrieb:> Ich frage mich ja immer, wie man sowas erlernen kann. Und dass sich> sowas auch durchgesetzt hat.>> Komplizierter kann man es in meinen (in dieser Hinsicht sicherlich> beschränkten) Augen nicht machen.
Naja, zumindest die Japaner verbringen 13 Jahre damit, die ersten 2500
Zeichen zu lernen. Durch moderne Tipphilfen geschwächt, können
japanische Studenten viele alltägliche Kanji nicht mehr mit Bleistift
und Papier produzieren. Ich habe da mit einfachen Fragen schon viel
Frust ausgelöst bzw. gesehen.
Allerdings ist die Informationsdichte im Text schon sehr hoch. Man
erreicht bei entsprechender Übung sehr hohe Lesegeschwindigkeiten.
Was die Grammatik angeht, würde man wohl für die Reihenfolge abnehmender
Schwierigkeit Deutsch -> Englisch -> Japanisch -> Chinesisch wählen. Die
deutsche Grammatik ist übel.
Wenn jemand sich mit dem Thema mal beschäftigen möchte, dann wären
Stichpunkte zu Sprachbauten "isolierend", "synthetisch" ein guter
Einstiegspunkt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Isolierender_Sprachbau
Ich hänge der Theorie an, dass sich Sprachen im Laufe ihres Bestehens
von "synthetisch" nach "isolierend" entwickeln, mit allen Vor- und
Nachteilen. Die Entwicklung des Englischen in den letzten Jahrhunderten
ist ein interessantes Beispiel für ein Zwischenstadium.
Realistischer schrieb:> Kauabanga schrieb:>> Komplizierter kann man es in meinen (in dieser Hinsicht sicherlich>> beschränkten) Augen nicht machen.>> Die deutsche Grammatik zu lernen dauert mMn länger als 5000 chinesische> Zeichen zu lernen. Man überschätzt das maßlos. Du ließt ja auch nicht> Buchstaben, sondern Wörter, wenn du ein deutsches Buch ließt.> Die kyrillischen Zeichen lernt man in 2 Tagen, aber die russische> Grammatik in einem ganzen Leben nicht.
Im direkten Vergleich würde ich unserem Schriftsystem den Vorzug geben.
Allerdings sind Schrift und Sprache miteinander verwoben.
Und die überwältigende Anzahl von Homonymen verbietet geradezu den
Gebrauch einer reinen Silbenschrift im Chinesischen/Japanischen.
Japanisch hat neben den Kanji noch zwei Silbenschriften, aber sobald es
über Kindergartenniveau hinausgeht, sind reine Kana-Texte sehr
missverständlich.
Meister Federkiel schrieb:> Aber die zeichen sollen auch der Grund sein, warum die Asiaten lange> zeit führend in Computermonitoren und -drucker waren.
Aber dafür nicht bei Tastaturen ;-)
Die umgehen das mit den Tastaturen aber schon geschickt: Einfach als
Lautschrift (Pinyin) tippen und dann korrektes Zeichen auswählen
https://de.wikipedia.org/wiki/Pinyin
Marcus H. schrieb:> ch hänge der Theorie an, dass sich Sprachen im Laufe ihres Bestehens von> "synthetisch" nach "isolierend" entwickeln,
Das passiert m.E vor allem dann, wenn die Verbreitung der Sprache wächst
(zu nicht Muttersprachlern) oder riesig ist. Und beim Chinesischen kommt
ja noch hinzu, dass die Schriftzeichen Flexion nur eingeschränkt
ermöglichen.
Eine Insel von ein paar Tausend Einwohnern erschafft natürlich eine viel
detaillierte Sprache als der gemeinsame Nenner rotten english oder
mittlerweile auch deutsch, während der Wortschatz mit der Größe wächst.
Michael D. schrieb:> Die umgehen das mit den Tastaturen aber schon geschickt: Einfach als> Lautschrift (Pinyin) tippen und dann korrektes Zeichen auswählen> https://de.wikipedia.org/wiki/Pinyin
Ein moderner IME spioniert den Kontext der Eingabe aus, trainiert sich
auf den Benutzer und sortiert die Reihenfolge der vorgeschlagenen
Zeichen.
Bei Komposita wird das Ganze schon recht übersichtlich, einzelne Kanji -
sehr lange Liste.
Christoph db1uq K. schrieb:> "quasi die »Nudel für unterwegs"> ich sag auch immer "coffee to go" bedeutet "Kaffee zum Davonlaufen"> die berüchtigte Bundesbahn-Brühe
Ich dachte immer, Togo steht für das Herkunftsland und dass die das
Monopol für automatentauglichen Kaffee hätten.
Gibt es hier wirklich keine Eingebohrenen (aus chinesischer Sicht) die
das Rätsel lösen können?
Zum Theme to go:
Für mich hat das gleich zwei Bedeutungen.
1. "Go" mach Dich vom Acker bzw. Platz da, der nächst will an den
Automaten. Nachmal auch: "schlag keine Wurzeln".
2. "Go" der folgende (beschleunigte) Gang zum (oft nicht) stillen
Örtchen. Weil der Erfolg halt durchschlagend war.