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Forum: HF, Funk und Felder Verständnisproblem BFO für LSB/USB Seitenbänder bei Superhet


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Autor: Alex (Gast)
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Hallo,

ich schaue mir gerade den Aufbau eines KW Superhet Empfängers mit BFO 
für LSB/USB an. So ganz ist mir in diesem Fall die Geschichte mit dem 
BFO aber nicht, vielleicht kann mir jemand mal auf die Sprünge helfen:

ZF 1
Der Aufbau ist eigentlich ganz einfach, Der erste LO/VFO arbeitet bei 
44,85 - 75 Mhz und mischt die Eingangssignale von 0,150 bis 30 Mhz auf 
die erste ZF bei 45.
Der VFO ist dabei in 5kHz Schritten abstimmbar.

ZF2
Dann gehts weiter zum 2. Mischer der mit dem 2. LO (44,5425Mhz 
(44,545Mhz) 44,5475Mhz) auf 455kHz runtermischt. Der LO ist für die 
kleineren Frequenzschritte zuständig.

BFO
Für LSB/USB sind zwei keramische Resonatoren mit den Frequenzen 451,5kHz 
und 458,5kHz zuständig.


Und hier fängt mein Verständnisproblem an. Um SSB zu demodulieren wird 
mit einem "normalen" BFO die Trägerfrequenz wieder zugesetzt. Ich tune 
also beispielsweise ein CW Signal welches auf exakt 10Mhz ist auf 10Mhz. 
Die ZF arbeitet auf 455kHz, der (fixe) BFO auf 455,8kHz, im Empfänger 
sollte dann ein Ton von 800Hz erzeugt werden. Genau dafür gibt es ja 
anscheinend die 455,8kHz Resonatoren.

Habe ich am Gerät keinen CW Mode aber LSB/USB, stelle ich für ein 10Mhz 
CW Signal auf LSB und tune 0,8kHz höher, dann sollte ich das Signal 
wieder mit 800Hz hören.

Was ich jetzt aber überhaupt nicht mehr verstehe, sind die beiden BFO 
Resonatoren in meinem Empfänger mit 451,5 und 458,5kHz. Zu allem Übel 
wird bei SSB noch zusätzlich je nach Seitenband der VFO1/LO1 um +/- 5 
kHz verstimmt, also um bei den 10Mhz zu bleiben auf 9,995Mhz oder 
10,005Mhz.

Warum diese beiden Frequenzen mit ihren Werten? Warum erfolgt eine +/- 
5kHz Umschaltung?

Autor: A-Freak (Gast)
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Wenn das CW-Signal auf z.B. 10Mhz kommt dann stellst du deine 
Empfangsfrequenz entweder auf

9,9992Mhz USB oder 10,0008MHz LSB um einen Differenzton von 800Hz zu 
bekommen

Autor: B e r n d W. (smiley46)
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Hallo Alex

Normalerweise hat ein SSB-Filter eine Bandbreite von 2,4..2,7kHz. Der 
BFO schwingt für SSB bei 1,5kHz unter- bzw oberhalb der Filtermitte.

Das bei dir verbaute ZF-Filter hat vermutlich eine Bandbreite von 6kHz. 
Um das Nutzsignal von den Nachbarkanälen trennen zu können, wird mit der 
unteren bzw. oberen Filterflanke gearbeitet. Das Filter ist zwar relativ 
breit, die Filterflanken sind trotzdem steil. Im Frequenzplan wird diese 
Filterflanke so positioniert, daß sie den Bereich unterhalb und oberhalb 
des BFOs trennen kann.

Da das ZF-Filter ~6kHz breit ist, muss zwangsläufig der VFO um 5 kHz 
verschoben werden, um die große Differenz zwischen LSB und USB 
auszugleichen. Ansonsten würde die im Display angezeigte 
Empfangsfrequenz nicht mit der Realität übereinstimmen.

Autor: Sven L. (svenl)
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Wenn beide BFO-Resonatoren wie in Deiner Beschreibung 7 kHz auseinander 
liegen, dann kann man ohne LO-Umschaltung bei Seitenbandwechsel nicht 
einfach auf das andere Seitenband umschalten.

Oftmals wird eine LO-Shift genutzt, um Eigenempfangsstellen (Birdies) 
durch unerwünschte Mischprodukte zu verschieben. Ten-Tec hat das bei 
einigen Geräten so gemacht, so gesehen im Corsair II, bei dem einige 
Bänder um +10 kHz verschoben sind.

Ob nun die Frequenzen der Keramikresonatoren das Produkt aus der 
LO-Shift sind oder die LO-Shift wegen der Frequenz der BFO-Resonatoren 
genutzt wird, kann Dir wohl nur der Hersteller beantworten.

Bei vielen Geräten mit klassischen Quarzfiltern zwischen 6 und 10 MHz 
liegen die BFO-Quarze die üblichen 1,5 kHz (bei 2,4 kHz Bandbreite) von 
der Filtermittenfrequenz entfernt. Hier kann man durch einfaches 
Umschalten des BFO-Quarzes direkt auf das andere Seitenband schalten. - 
Dummerweise funktioniert das zum Beispiel bei einem AM-Signal wenig 
intuitiv. In einem solchen Empfänger hört sich dann das untere 
Seitenband in USB ziemlich merkwürdig an.

Was in den meisten kommerziellen Empfängern passiert ist folgendes: Ich 
höre mir das untere Seitenband eines AM-Signals in LSB an, so weit so 
gut. Wechsel ich dann auf USB wird einerseits der BFO umgeschaltet, aber 
auch gleichzeitig der LO um einige kHz verschoben (abhängig von der 
Filterbandbreite), damit man dann genau das obere Seiteband hört. Der 
Empfänger macht quasi "auf der Hacke kehrt".

Üblicherweise liegt die verschiebung des LO um Bereich um 3 kHz, 
seltener mehr, wenn breitere Filter vorhanden sind.

Viele Grüße!

Sven

Autor: Günter Lenz (Gast)
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Alex schrieb:
>Was ich jetzt aber überhaupt nicht mehr verstehe, sind die beiden BFO
>Resonatoren in meinem Empfänger mit 451,5 und 458,5kHz.

Diese beiden Frequenzen sind die Flanken der Durchlasskurve
des 455kHz-Filters. Damit erreicht man Einzeichenempfang
bei CW. Man könnte auch eine BFO-Frequenz von 455kHz benutzen,
die CW-Signale erscheinen dann aber beim Durchstimmen immer
zweimal. Der Ton erscheint mit hoher Frequenz wird dann tiefer,
verschwindet dann wegen Schwebungsnull, und kommt dann zum
zweiten mal wieder.

Autor: W.S. (Gast)
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Alex schrieb:
> Warum diese beiden Frequenzen mit ihren Werten? Warum erfolgt eine +/-
> 5kHz Umschaltung?

Unterscheide mal zwischen dem Empfang von AM und SSB.

Bei AM stellst du normalerweise den Empfänger so ein, daß der AM-Träger 
in der Mitte des ZF-Durchlaßbereiches liegt. Links und rechts davon 
leigen die beiden Seitenbänder und das Filter soll breit genug sein, um 
beide noch durchzulassen.

Bei SSB nimmst du normalerweise ein schmalbandigeres Filter, wo 
idealerweise nur ein Seitenband durchpaßt. Also etwa die knappe Hälfte 
deines AM-Filters. Nun stellst du den Empfänger so ein, daß eben dieses 
Seitenband in den Durchlaßbereich deines Filters paßt. So: je nachdem, 
ob dieses Seitenband nun als onteres oder oberes Seitenband (LSB oder 
USB) gesendet wird, mußt du nun eben den Träger an der richtigen Stelle 
zusetzen, also entweder kurz unterhalb des Durchlaßbereiches oder kurz 
oberhalb. Aber eben immer einen Tick ausßerhalb des Durchlaßbereiches. 
Und die Empfangsfrequenz, die sich rechnerisch daraus ergibt (also die 
des nicht gesendeten Trägers), wäre diejenige, die auf deiner 
Radio-Skale anzuzeigen wäre.

"Was ich jetzt aber überhaupt nicht mehr verstehe, sind die beiden BFO
Resonatoren in meinem Empfänger mit 451,5 und 458,5kHz."

ist doch ganz einfach:
Dein ZF-Filter läßt durch von etwa 452 kHz bis etwa 457 kHz, hat also ne 
Bandbreite von 5 kHz. Wenn du jetzt einen Träger von 451.5 kHz zusetzt, 
dann kriegst du ein NF-Signal im Bereich 500 Hz bis 5.5 kHz zu hören. 
Wahrscheinlich ist dein Filter knapp 6 kHz breit, so daß du so etwa ein 
NF-Spektrum von (geschätzt) 150..200 Hz bis 6 kHz hast.

Und da du den Empfänger auf Mitte des Signales eingestellt hast, muß 
deine Frequenz-Anzeige eben um die halbe Breite der Filterbandbreite 
korrigiert werden, so als ob du ein Filter um deine BFO-Frequenz von 
451.5 kHz herum hättest.

W.S.

Autor: Günter Lenz (Gast)
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Der Ten-Tec 1254, den ich mir schon gebaut habe, benutzt
zum Beispiel nur eine BFO-Frequenz von 455kHz. Das 455kHz-Filter
ist so breit, daß man damit auch AM empfangen kann.
Im SSB-Modus kann er aber die beiden Seitenbänder nicht
selektieren. Man empfängt damit immer beide Seitenbänder.
Bei schmaleren Filtern wird es aber so gemacht, wie "W.S."
es schon beschrieben hat. Und dann hat ein Empfänger ja auch
noch eine Frequenzanzeige. Und da hat man es gerne, daß
genau die unterdrückte Trägerfrequenz angezeigt wird.

http://www.tentec.com/wp-content/uploads/2016/05/1254_schematic1.pdf

Autor: Alex (Gast)
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Vielen Dank für die vielen Antworten!

Ist mir wirklich peinlich, aber jetzt stehe ich noch immer auf dem 
Schlauch. Alleine bei dem Shift um 5Khz habe ich jetzt schon einen 
Knoten.


W.S. schrieb:
> Unterscheide mal zwischen dem Empfang von AM und SSB.
>
> Bei AM stellst du normalerweise den Empfänger so ein, daß der AM-Träger
> in der Mitte des ZF-Durchlaßbereiches liegt. Links und rechts davon
> leigen die beiden Seitenbänder und das Filter soll breit genug sein, um
> beide noch durchzulassen.
Ok, ich möchte 10 Mhz empfangen, noch steht das Gerät auf AM, das Signal 
geht mittig durch den Filter, der VFO schwingt auf seinen erwarteten 55 
Mhz, die 10 Mhz werden also auf 45 gemischt. Der 6kHz Filter ist aktiv 
und würde ein AM Signal komplett (beide Seitenbänder links und rechts 
vom Träger) passieren lassen. Korrekt?

W.S. schrieb:
> Bei SSB nimmst du normalerweise ein schmalbandigeres Filter, wo
> idealerweise nur ein Seitenband durchpaßt. Also etwa die knappe Hälfte
> deines AM-Filters. Nun stellst du den Empfänger so ein, daß eben dieses
> Seitenband in den Durchlaßbereich deines Filters paßt.
Jetzt schalte ich auf USB um, der VFO schwingt nun aber um 5 kHz weiter 
oben bei 55,005kHz. In "Wirklichkeit" bin ich nun mit dem 
Empfänger/Filtermitte dann auf 10.005 Mhz, 55,005Mhz-45Mhz=10,005Mhz. 
Korrekt?

Im Gerät (DX-394 AM/SSB) sind wohl zwei günstige Filter, CFWS455HT 6kHz 
und CFWS455IT 4kHz, die Angaben beziehen sich wie üblich auf 3dB. Der 
letzte Filter dürfte für SSB sein.. Ich schicke nun das Signal durch den 
Filter. Aber dieser ist ja um 5kHz "mitgewandert", seine Mittenfrequenz 
ist bei 10.005 MHz bzw.460kHz auf der ZF2. Ein vorhandenes USB Signal 
bei 10Mhz(unterdrückter Träger)wird doch so durch den Shift schon 
komplett abgeschnitten?

Ich habe mal versucht das mit dem Bild zu illustrieren.
Das eine Bild mit den beiden Seitenbändern/DSB ist mein AM Empfangsfall, 
damit habe ich keine Problme. Bei USB scheint aber mein Signal nicht 
mehr im Durchlassbereich zu liegen, es sei denn, ich verstelle 
absichtlich den Empfänger. Dann würde die Anzeige ja aber nicht den 
unterdrückten Träger darstellen???
Günter Lenz schrieb:
> Und dann hat ein Empfänger ja auch
> noch eine Frequenzanzeige. Und da hat man es gerne, daß
> genau die unterdrückte Trägerfrequenz angezeigt wird.

Mir raucht der Kopf...Ich lasse das alles noch ein wenig sacken.

Autor: B e r n d W. (smiley46)
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Hallo Alex

Das sieht eher so aus.
(Bitte die Position der Linien nicht auf die Goldwaage legen)

Falls du die Möglichkeit hast, dann messe mal bitte nach, ob der VFO im 
Vergleich zu AM um +/- 2,5kHz verschoben wird.

: Bearbeitet durch User
Autor: Alex (Gast)
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B e r n d W. schrieb:
> Das sieht eher so aus.
> (Bitte die Position der Linien nicht auf die Goldwaage legen)

Das verstehe ich :-)Das Signal liegt je nach Seitenband schön in 
Filtermitte, am Rand ist der unterdrückte Träger bzw. der wieder 
zugesetzte "BFO-Träger"...

B e r n d W. schrieb:
> Falls du die Möglichkeit hast, dann messe mal bitte nach, ob der VFO im
> Vergleich zu AM um +/- 2,5kHz verschoben wird.
Gerade nochmal verifiziert: Gegenüber AM ziemlich genau +/- 5kHz (USB +5 
LSB -5)Bei 10Mhz AM sind es eben 55 Mhz, bei 10Mhz USB 55.005 Mhz.

Autor: B e r n d W. (smiley46)
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> Dann gehts weiter zum 2. Mischer
> der mit dem 2. LO (44,5425Mhz (44,545Mhz) 44,5475Mhz)

Im Service Manual befindet sich auf Seite 4 das Blockschaltbild. Da 
steht beim 2. LO: 44,545MHz +/- 2,5kHz. Möglicherweise wird dieser beim 
Umschalten zwischen AM/LSB/USB auch verändert. Ansonsten wäre ein 10kHz 
Sprung zwischen LSB und USB unlogisch da zu weit. Sehr wahrscheinlich 
kann die PLL des VFO nur grobe 5kHz Sprünge.

Vermutlich wird also im Vergleich zu AM mit dem VFO 5kHz nach unten 
gesprungen und mit dem 2. LO wieder 1,5kHz nach oben und umgekehrt. Die 
Differenz zwischen LSB und USB würde dann die benötigten 7 kHz betragen.

: Bearbeitet durch User
Autor: Alex (Gast)
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B e r n d W. schrieb:
> Im Service Manual befindet sich auf Seite 4 das Blockschaltbild. Da
> steht beim 2. LO: 44,545MHz +/- 2,5kHz. Möglicherweise wird dieser beim
> Umschalten zwischen AM/LSB/USB auch verändert. Ansonsten wäre ein 10kHz
> Sprung zwischen LSB und USB unlogisch da zu weit. Sehr wahrscheinlich
> kann die PLL des VFO nur grobe 5kHz Sprünge.

Da hast Du sehr wahrscheinlich recht, bei "Theory of Operation" wird 
eben auch erwähnt, dass der VFO für die 5kHz Schritte verwendet wird, 
der LO ist ebenfalls nicht fix. Werde mir das morgen nochmal von innen 
ansehen.

Autor: Alex (Gast)
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Habe mir nochmal das Service Manual, das Gerät und den Oszi geschnappt 
und mal gemessen. Was Bernd sagt trifft genau so zu. Der LO verändert 
bei den versch. Betriebsarten seine Frequenz.

LSB  44.5434
AM   44.5450
USB  44.5464

Grob mit dem Oszi gemessen 3kHz zwischen den Seitenbändern und 1,5kHz zu 
AM.

Davon ausgehend, dass der Filter für SSB 4kHz breit ist, schneidet 
dieser doch aber schon die mittleren und tiefen Frequenzen ab (Skizze 
3)?  Ich habe das nochmal in einer kleinen Grafik dargestellt.
Habe ich da mit der Kehrlage/Gleichlage oder an anderer Stelle einen 
Denkfehler?

Autor: Alex (Gast)
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Was mir bei der BFO Geschichte auch noch aufgefallen ist: Eigentlich 
müssten/sollten die verwendeten 455 Resonatoren recht genau und stabil 
sein, sonst funktioniert das Ganze ja nicht mehr. Und laut Datenblätter 
sind die verwendeten Resonatoren mit 0,5% Frquenzgenauigkeit doch 
eigentlich recht schlecht und da kommt ja noch der Temperaturdrift und 
Alterung hinzu, da liegt man ja ganz schnell 1kHz und mehr daneben.?

Autor: Alex (Gast)
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Alex schrieb:
> Davon ausgehend, dass der Filter für SSB 4kHz breit ist, schneidet
> dieser doch aber schon die mittleren und tiefen Frequenzen ab (Skizze
> 3)?  Ich habe das nochmal in einer kleinen Grafik dargestellt.
> Habe ich da mit der Kehrlage/Gleichlage oder an anderer Stelle einen
> Denkfehler?

Hat sich geklärt,
hatte da beim zweiten Mischer mit dem LO einen Denkfehler, jetzt geht 
das für mich auch endlich auf und das "Problem" mit der Filterbandbreite 
hat sich auch geklärt. Auch meine Eingangsfrage nach den "krummen" BFO 
Frequenzen ist jetzt für mich nachvollziehbar.

Im Zusammenspiel mit dem BFO und dessen Toleranzen lässt sich damit auch 
für mich der Frequenzversatz bei SSB erklären, DCF77 liegt immer neben 
der eigentlichen Frequenz und das auch noch je nach Seitenband mit 
verschiedenem Offset bis ca 1000Hz. Offenbar wurden von dem Gerät 
(DX-394) verschiedene Versionen gebaut, die neueren haben neben den BFO 
Resonatoren wohl Trimmer-Caps zum Abgleich der Seitenbänder, mein Model 
nicht.

Schwere Geburt :-)

Autor: W.S. (Gast)
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Alex schrieb:
> Temperaturdrift und
> Alterung

Damit muß man bei Keramikfiltern leben. Aber die Sache ist halb so 
schlimm, denn die Alterung geht exponentiell gegen Null. Die größte 
Alterungsrate hat man also direkt nach der Produktion und danach wird 
sie kleiner. Mit der Temperaturdrift kann man auch leben, die ist nicht 
so groß. Allerdings sind solche Filter eben mechanische Bauteile und 
deshalb gibt es bei der Produktion eben einen recht großen Streubereich. 
Das ist aber eine Sache des einmaligen präzisen Ausmessens und dann eben 
Eckfrequenzen im EEPROM merken.

Der AR7030 hat deshalb seine eigenen Filter-Ausmeß-Routinen im Programm 
drin. Wenn man da ein neues Filter einbaut (es sind dort mehrere 
Einbau-Plätze vorgesehen), dann startet man die Ausmeßroutine und 
anschließend ist das Filter wi alle anderen benutzbar.

W.S.

Autor: Alex (Gast)
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W.S. schrieb:
> Damit muß man bei Keramikfiltern leben. Aber die Sache ist halb so
> schlimm, denn die Alterung geht exponentiell gegen Null. Die größte
> Alterungsrate hat man also direkt nach der Produktion und danach wird
> sie kleiner. Mit der Temperaturdrift kann man auch leben, die ist nicht
> so groß.
Was ja eigentlich für "sorgsam" gealterte Quarze und OCXOs sprechen 
sollte. Stimmt schon, im Gerät dürfte die Temperatur auch in keinem zu 
großen Bereich pendeln, zumindest während dem Betrieb nach einer 
gewissen Warmlaufphase.

W.S. schrieb:
> Der AR7030 hat deshalb seine eigenen Filter-Ausmeß-Routinen im Programm
> drin. Wenn man da ein neues Filter einbaut (es sind dort mehrere
> Einbau-Plätze vorgesehen), dann startet man die Ausmeßroutine und
> anschließend ist das Filter wi alle anderen benutzbar.
Das ist ja tricky. So etwas hat der DX-394 nicht, auch keine Plätze für 
andere oder weitere Filter. Soll wohl um 95 herum der günstigste 
Empfänger für das gesamte KW Band mit AM/SSB gewesen sein. An sich schon 
ein nettes und   seht einfaches Gerät mit viel Platz im Innenraum für 
Modifikation. Oh, sehe gerade, dass der AR7030 ja noch teilweise mit 
über 1000 $ gehandelt wird...

Autor: W.S. (Gast)
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Alex schrieb:
> Oh, sehe gerade..

Tja, was dachtest du denn? Solche Kisten wie AR7030 oder AR5000 waren 
schon damals teuer und sind es heutzutage immer noch. Aus gutem Grund.

Ich sehe da schon seit Jahren eigentlich einen Bedarf für selbstgebaute 
Empfänger sozusagen in der preisgünstigen Mittelklasse. Mit all den 
PC-gebundenen SDR sehe ich eher Probleme dahingehend, daß man sich eben 
durch den PC Störungen einhandelt die eigentlich nicht sein müßten, daß 
man im wesentlichen an Orte gebunden ist, wo es ne Steckdose gibt und 
daß die Frontends zumeist recht simpel und lieblos gestrickt sind. Viele 
schwärmen vom Tayloe-Mixer, jaja, ist ja ne gerade für Bastler sehr 
verständliche Technik, aber es ist wieder mal ein Schaltwandler und 
folglich empfängt er auf f, 3f, 5f usw. undbraucht dshalb zwingend ein 
Filter auf HF-Seite.

Und die diversen I/Q-Mixer der einschlägig Verdächtigen (AD, LT, RFMD) 
sind auch Schaltwandler, ebenso ein ach so toller diskreter Ringmischer.

Nee, für KW ist das Prinzip der hochliegenden 1.ZF das Einzige, was man 
als Amateur für einen durchgehenden Empfangsbereich stemmen kann.

Was mich mal interessieren würde, wäre ob die angeblich hochlinearen 
FET-Mischer von Peregrine sich als Frontend-Mischer für LMK eignen 
würden. Die Dinger sind (wie heute üblich....) für die Gefilde von 1..7 
GHz spezifiziert. Ich hab ja noch einige wenige, die aus meinem 
damaligen Wobbler-Projekt stammen.

W.S.

Autor: Alex (Gast)
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W.S. schrieb:
> Tja, was dachtest du denn? Solche Kisten wie AR7030 oder AR5000 waren
> schon damals teuer und sind es heutzutage immer noch. Aus gutem Grund.

Dann scheint AOR schlechtes Marketing gemacht zu haben, ich kann mich 
kaum an AOR Geräte bzw. Werbung von denen erinnern außer für ihren 
Allmode Handscanner. Für mich war AOR immer ein "typischer Scanner" 
Hersteller. Die meisten Hams die ich so kannte, hatten entweder günstige 
Empfänger a la DX-394 oder Lowe oder Geräte von Icom, manchmal R&S wenn 
die bei Behörden aus den Lagern geräumt wurden.

W.S. schrieb:
> Ich sehe da schon seit Jahren eigentlich einen Bedarf für selbstgebaute
> Empfänger sozusagen in der preisgünstigen Mittelklasse.
Aber der Bedarf ist wahrscheinlich eher überschaubar, das Interesse an 
"Funk" ist mit Einführung von Flatrates und mobilem Internet ja spürbar 
gesunken und wer da mal so richtig Funk hören möchte, der holt sich 
einen DVB-T Stick oder nutzt gleich ein Websdr.

W1.S. schrieb:
> Mit all den
> PC-gebundenen SDR sehe ich eher Probleme dahingehend, daß man sich eben
> durch den PC Störungen einhandelt die eigentlich nicht sein müßten, daß
> man im wesentlichen an Orte gebunden ist, wo es ne Steckdose gibt und
> daß die Frontends zumeist recht simpel und lieblos gestrickt sind.
Aber eben verführerisch einfach und günstig/billig. Wenn man mal 
bedenkt, dass so ein Stick gerade einmal um die 30-50 EUR kostet und 
alle Modulationsarten abdeckt, da ist ein herkömmlicher Empfänger in 
Hardware vom Preis schwer zu verkaufen.

W.S. schrieb:
> Und die diversen I/Q-Mixer der einschlägig Verdächtigen (AD, LT, RFMD)
> sind auch Schaltwandler, ebenso ein ach so toller diskreter Ringmischer.
Oh da kann ich kaum mehr mitreden...Wenn ich mich richtig erinnere, sind 
die doch da die Oberwellen und unerwünschten Mischprodukte das Problem 
bei Schaltwandlern?

Alles in allem ein sehr interessante Ausflug in die Empfängertechnik. 
Mein Empfänger war übrigens total fehlabgeglichen was den VCO und die LO 
anbelangt, deswegen hat SSB auch nie wirklich funktioniert. Mit dem 
Frequenzzähler des Oszi konnte ich das jetzt einigermaßen abgleichen und 
bis auf den Versatz durch den BFO funktioniert der Empfang nun 
einwandfrei auf beiden Seitenbändern.

Vielen Dank an alle für die nützlichen Informationen!

Autor: B e r n d W. (smiley46)
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@Alex
> der holt sich einen DVB-T Stick
> Aber eben verführerisch einfach und günstig/billig

Die sind leider qualitativ unterirdisch. Mehr Geisterlinien als echte 
Signale und ein Dynamikbereich <= 45 dB.

@W.S.
> folglich empfängt er auf f, 3f, 5f usw.

Aber dafür sind die sehr großsignalfest! Geradzahlige Frequenzen fehlen 
komplett. Laut Fouriersynthese: f + 3f/3 + 5f/5 ... D.h., 3f wird also 
immerhin mit ca. 10dB unterdrückt, bei einem herkömlichen Mischer sind 
es möglicherweise 20-30dB. Ohne Vorfilter gehts bei beiden nur bedingt. 
Es empfiehlt sich eine galvanische Trennung zwischen PC und Rx. 
Übertrager für die NF-Leitungen und Optokoppler in der Datenübertragung.

Autor: Alex (Gast)
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B e r n d W. schrieb:
> Die sind leider qualitativ unterirdisch. Mehr Geisterlinien als echte
> Signale und ein Dynamikbereich <= 45 dB.
Das ist wohl wahr...Eben ein echtes aber schönes Spielzeug. Direkt an 
einer "großen" Antenne macht er aber echt nicht mehr viel Freude.

Autor: W.S. (Gast)
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Alex schrieb:
> und wer da mal so richtig Funk hören möchte, der holt sich
> einen DVB-T Stick oder nutzt gleich ein Websdr.

Das mit dem Web-SDR empfinde ich als unangenehmen Mumpitz, fast so, als 
ob man sich einfach was bei Youtube anguckt.

Und so ein DVB-T Stick kann keine Kurzwelle, da sind dann Upkonverter 
angesagt. Die Dinger wandeln dann mit m.W. nur 8 Bit und das ist nicht 
gerade viel. Aber für UKW und VHF sind sie brauchbar, z.B. zum Empfangen 
der NOAA Satelliten.

W.S.

Autor: Alex (Gast)
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W.S. schrieb:
> Damit muß man bei Keramikfiltern leben. Aber die Sache ist halb so
> schlimm, denn die Alterung geht exponentiell gegen Null. Die größte
> Alterungsrate hat man also direkt nach der Produktion und danach wird
> sie kleiner. Mit der Temperaturdrift kann man auch leben, die ist nicht
> so groß. Allerdings sind solche Filter eben mechanische Bauteile und
> deshalb gibt es bei der Produktion eben einen recht großen Streubereich.
Hatte ja beim BFO eine Abweichung von ca. 1kHz geschätzt, es scheinen 
nach einer schnellen Messung wohl 1.1kHz und 1.4kHz zu sein.

W.S. schrieb:
> Das mit dem Web-SDR empfinde ich als unangenehmen Mumpitz, fast so, als
> ob man sich einfach was bei Youtube anguckt.
Kann ich nachvollziehen, aber für Viele eben sehr reizvoll weil ohne 
Aufwand und Kosten nutzbar. Aber das ist halt ne Generationsfrage. 
Genauso wie ich Geräte mit Farbdisplay abgrundtief hasse. Für mich ist 
bei WEB-SDR da der "Charme" und Reiz an Funk auch nicht wirklich 
vorhanden, ich habe "Funk" gerne direkt und anfassbar vor mir am 
Schreibtisch stehen, ganz unabhängig von Internet und Rechner.

W.S. schrieb:
> Und so ein DVB-T Stick kann keine Kurzwelle
Gut, die echten DVB-Sticks können das nativ so erst einmal nicht. NOAA 
Empfang habe ich noch nie mit dem Stick versucht, dafür habe ich einen 
älteren Messempfänger von R&S der bis 500 Mhz geht.

Autor: Gästchen (Gast)
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W.S. schrieb:
> Das mit dem Web-SDR empfinde ich als unangenehmen Mumpitz, fast so, als
> ob man sich einfach was bei Youtube anguckt.

Aus welchem Grund denn? Die Dinger sind umheimlich praktisch, um z.B. 
einen Sender zu testen usw. Desweiteren sind sie in Einstellungen sehr 
umfangreich.

Autor: eric (Gast)
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Gästchen schrieb:
> W.S. schrieb:
>> Das mit dem Web-SDR empfinde ich als unangenehmen Mumpitz,
>> fast so, als ob man sich einfach was bei Youtube anguckt.
>
> Aus welchem Grund denn? Die Dinger sind umheimlich praktisch,


Stimmt,

wozu überhaupt Amateurfunk,
wenn mich Siri in Sekundenschnelle
mit jedem Menschen dieser Welt verbindet.

wozu in ein Konzert gehen,
wenn mir das Internet alle Musik dieser Welt
in bester Qualität bringt.

wozu in Urlaub fahren,
wenn mir die Videobrille ein täuschend echtes
Bild von Mallorca liefert.

wozu Liebe, wenn ich mir in China
eine traumhaft schöne und dazu
interaktive Puppe kaufen kann.

wozu überhaupt noch leben ?

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