Hallo zusammen,
ich experimentiere gerade mit Cadence und der Impedanz ein wenig rum.
Ich habe einen symmetrischen Stack, 3 Layer, in der Mitte GND.
Außen habe ich zwei Signallagen.
Wieso ist die Impedanz beider Signallagen unterschiedlich?
Auf TOP brauche ich für 50 Ohm 90u und auf BOTTOM 54u. Das verstehe ich
nicht.
Und sehe ich es aktuell richtig:
Single ended 50 Ohm ergeben in erster Näherung 100 Ohm differentiell?
Dass das nicht ganz hinhaut, weil sich beide parallel gerouteten Leiter
gegenseitig beeinflussen bei differentiellen Signalen habe ich hier mal
nachvollzogen:
https://www.eeweb.com/tools/edge-coupled-microstrip-impedance
Aber im Cadence habe ich nur single ended Angaben und muss mich dann auf
die 2*SE = DIFF verlassen?
Vielen Dank!
> Wieso ist die Impedanz beider Signallagen unterschiedlich?
Zu deinem eigentlichen Problem möchte ich mich nicht auslassen. Nur
soviel: niemand wird dir eine Dreilagenplatte anfertigen.
Hallo,
Wenn man nicht an einen PCB Pool gebunden ist, gehen auch 3-lagige
Platinen.
Es wird auch kein low-cost Projekt. Die Kosten sind an der Hochschule
dennoch sehr relevant, aber wenn man impedanzkontrolliert über ein Flex
führen muss, hat es leider seinen Preis. Zudem brauche ich <80u line
width und <100u Bohrungen. Das bietet eh kein Pool an.
3ML U-2F3R (Unsymmetrisch 2Flex- bei 3Rigid- Lagen)
https://www.multi-circuit-boards.eu/leiterplatten-design-hilfe/lagenaufbau/starrflex-leiterplatten.html
Es gibt also auch durchaus Hersteller, die derartige Stacks im
Standardportfolio haben.
Vielen Dank!
Wühlhase schrieb:> kann ich das Ergebnis für die> Leiterimpedanzen nicht nachvollziehen.
Na hoffentlich (ich übrigens auch nicht). Wenn das Ergebnis einer
Berechnung physikalisch nicht sein kann, dann ist eben die Berechnung
falsch, so einfach ist das.
Man sollte mehr Vertrauen in die Naturgesetze haben.
Georg
Arthur schrieb:> aber wenn man impedanzkontrolliert über ein Flex> führen muss, hat es leider seinen Preis. Zudem brauche ich <80u line> width und <100u Bohrungen. Das bietet eh kein Pool an.
hmmm, bei den 50 Ohm differentiell bist du dir Sicher? Normal sind eher
90 oder 100. Hast du Zdiff mit Z0 verwechselt?
Ansonsten ist ein LP Fertiger, sofern es für ihn technisch machbar ist,
zu nahezu jeder Schandtat bereit, solange sie entsprechend vergütet
wird. Bei derartigen Platinen ist aber einiges ringsherum zu beachten
(am wichtigsten: Vias und möglichst auch Leiterzugknicke sollten
mindestens 1mm Abstand zur Biegekante haben), hoffentlich ist es nicht
deine erste Flex Platine.
Hallo zusammen und Danke für die Antworten!
> Wieso hat das Kupfer eine Dielektrizitätskonstante von 4,5?
Das ist Standard von Cadence. Habe ich nicht weiter überprüft bei dem
Kupfer. Nur den Core habe ich auf 3.4 angepasst.
> Wenn das Ergebnis einer Berechnung physikalisch nicht sein kann, dann ist> eben die Berechnung falsch, so einfach ist das.
Genau deswegen meine Frage hier, weil ich bei symmetrischem Aufbau auch
symmetrische Ergebnisse erwarte.
> hmmm, bei den 50 Ohm differentiell bist du dir Sicher? Normal sind eher> 90 oder 100. Hast du Zdiff mit Z0 verwechselt?
Genau darauf bezieht sich ja der zweite Teil meiner Frage. Ich brauche
50 Ohm single ended und 100Ohm diff.
Ich bin bisher davon ausgegangen, dass Cadence nur Single Ended
Impedance verwendet und man daher für den + und für den - Teil des
differentiellen Signals jeweils 50 Ohm angibt. Zusammen ergibt sich dann
bei unendlich voneinander entfernten Paaren 100Ohm. Wie dick/breit genau
und wie weit auseinander bei paralleler Leiterführung habe ich ja dann
extern bestimmt. Aber ich muss Cadence ja Constraints mitgeben, so dass
ich dann über diese Rechnung "gestolpert" bin.
Und doch, es ist leider mein erstes Flex ^^
Arthur schrieb:> Zusammen ergibt sich dann> bei unendlich voneinander entfernten Paaren 100Ohm
Das ist auch mein Kenntnisstand, je geringer der Abstand und je grösser
die Höhe über GND desto mehr weicht das Verhältnis von 2:1 ab. Leider
gibt es darüber hier im Forum sehr unterschiedliche Ansichten und
Diskussionen führen wie üblich zu keinem Ergebnis. Halt dich da besser
raus, sonst weisst du nach 50 oder 100 Posts garnicht mehr was ein
differential pair überhaupt ist.
Ich rechne das mit externen Tools, Cadence habe ich sowieso nicht.
Meistens verwende ich zur Sicherheit 2 Tools und vergleiche die
Ergebnisse.
Arthur schrieb:>> Wieso hat das Kupfer eine Dielektrizitätskonstante von 4,5?> Das ist Standard von Cadence
4,5 gilt für das übliche FR4. Cadence:
"The value for the dielectric constant on the copper layers in the cross
section form is the value of the pre-preg material that flows around the
copper traces. I.e. the dielectric of the parts of the layer that
aren't copper."
Ein Füllmaterial, das die Lücken zwischen Leiterbahnen füllt gibt es in
deinem Stack garnicht. Die Dielektrizitätskonstante von Cu ist übrigens
laut Internet unendlich.
Ausser für die Berechnung frage ich mich sowieso, wie der Aufbau ohne so
etwas wie eine Schicht Kleber zusammenhalten soll.
Georg
Vielen Dank Georg!
Ich habe mich an dieser Anordnung orientiert:
https://www.multi-circuit-boards.eu/leiterplatten-design-hilfe/lagenaufbau/starrflex-leiterplatten.html
Der Kleber usw wird im Polymide mit drin sein.
Ich werde den Lagenaufbau dann eh erstmal noch mit einem/dem Fertiger
abstimmen. Wäre ja cool, wenn man sich nicht auf immer an einen Fertiger
bindet, sondern der Stack auch generisch produziert werden kann.
> Ich rechne das mit externen Tools, Cadence habe ich sowieso nicht.> Meistens verwende ich zur Sicherheit 2 Tools und vergleiche die> Ergebnisse.
Welche Tools verwendest du?
Ich habe schon erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen
Onlinetools gefunden.
Am Ende zählt eh das, was der Fertiger nachrechnet, aber man will sich
ja auch nicht die Blöße geben und komplett daneben liegen, so dass man
dann das Layout komplett nochmal überarbeiten muss.
Arthur schrieb:> Genau darauf bezieht sich ja der zweite Teil meiner Frage. Ich brauche> 50 Ohm single ended und 100Ohm diff.
Mit 80µm Leiterzug (und vermutlich 80µm Abstand) und 50µm Dicke kommt
man aber eher bei 50Ohm Zdiff und 35Ohm Z0 heraus, deshalb meine Frage.
Du musst also nicht so schmale Leiterzüge verwenden. Dicker machen geht
ja nicht, wenns ein Flex Aufbau werden soll, da das sonst zu starr wird.
So könnte ich mein Design starten, oder sind diese Werte wenig
nachvollziehbar?
Ich würde die Asymmetrie im Cadence jetzt einfach mal ignorieren und die
Contraints entsprechend symmetrisch für TOP und BOTOM setzen
entsprechend der externen Rechnung.
hmmm, wenn ich deine Werte ins Saturn PCB Design tool eingebe komme ich
auf Zdif 67,8 und Z0 40,7Ohm. Das Saturn deckt sich zumeisst halbwegs
mit dem, was LP Fertiger nachher ausrechnen. Es ist kein Polar, aber
dafür kostet es auch nichts und für ne schnelle Lösung ist das
akzeptabel. du musst sehr viel breitere Leiterzüge erstellen um auf die
angestrebten 100 Ohm zu kommen.
Das würde mir nur gelingen, wenn ich die 80µm Line 300µm Space gegenüber
stelle. (Für Kleber und Pi-Coverlay hab ich jetzt auch die 3,4Er
angenommen und gehe davon aus, daß die Innenlage die
Impedanzkontrollierte wird. Andernfalls wird das nicht zu machen sein
mit dem geringen Abstand.
Arthur schrieb:> Welche Tools verwendest du?> Ich habe schon erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen> Onlinetools gefunden.
Saturn und ZCalc, aber das ist nur die halbe Miete. Wenn du eine
Leiterplatte mit den gewünschten Werten haben willst, musst du sie beim
Fertiger mit "kontrollierter Impedanz" bestellen, dann garantiert der
dafür und liefert normalerweise auch gedruckte Messprotokolle mit. Der
Hersteller wird daher alles tun damit auch aus der Fertigung die
richtige Impedanz rauskommt, dazu muss er meistens auch die Werte im
Layout wie etwa die Breite leicht modifizieren - sind sie ganz daneben
wird er sich melden.
Das kostet natürlich Geld, aber ohne kontrollierte Impedanz ist alles
unverbindlich und wenn deine Berechnungen nicht stimmen produzierst du
halt für die Tonne.
Arthur schrieb:> Der Kleber usw wird im Polymide mit drin sein.
Was verstehst du unter "mit drin"? Bei FR4 ist es so dass das Prepreg
sowohl als Kleber dient als auch zum Ausfüllen der Lücken im Kupfer als
auch als Lage zwischen den Kupferlagen. Auch bei normalen Leiterplatten
muss die Tatsache, dass die Lücken zwischen den Kupferleitungen gefüllt
werden müssen rechnerisch berücksichtigt werden! Dadurch wird die Lage
dünner.
Bei Polyimid kann das Ausgangsmaterial nur aus einer Polyimid-Folie
bestehen mit einer Kleberschicht darauf. Dass die die gleichen
Eigenschaften hat wie das Polyimid glaube ich nicht so ohne weiteres,
und auch in dem Fall muss man berechnen wieviel vom Kleber zum
Lückenfüllen gebraucht wird - in deinem Fall nicht an der GND-Plane,
weil die ja keine Lücken hat, aussen aber schon. Das kann übrigens dazu
führen, dass die beiden äusseren Lagen unterschiedliche Impedanzwerte
ergeben, weil die prozentuale Kupferbedeckung verschieden ist. Dass das
dein Problem mit Cadence ist glaube ich aber nicht, dazu müsste Cadence
eben das reale Leiterbild in die Berechnung mit einbeziehen.
Georg
Arthur schrieb:> So könnte ich mein Design starten, oder sind diese Werte wenig> nachvollziehbar?
Man kann so starten. Mein PCB-Kalkulator rechnet für die differentielle
Microstrip allerdings nur 90Ω aus.
Hast du n solcher Programme, so erhältst du auch n verschieden
Ergebnisse. Ist leider so und wurde im Forum auch schon mehrfach
diskutiert.
Auch speziell zu der Berechnung der differentiellen Impedanz gibt es
offenbar verschiedene Ansätze und auch Behauptungen.
Oft wird Zdiff = 2* Zodd berechnet - aber das ist nicht durchgängig in
allen Tools. Zumindest ist 2*Z0 (also die Impedanz einer
Single-Ended-Leitung) nicht gleich Zdiff.
Mit deinen Daten für die single-ended MS (w=102µ) rechnet mein Programm
Z0=49Ω aus.
Mit den Leiterbreiten der diff. Leitung (110µ) sind es für die
Microstrip dann Z0=48Ω.
Die 18µ Kupferdicke stimmt aber auch nur dann, wenn in der Leiterplatte
keine Vias enthält. Denn dann wird aufgekupfert und die 18µ werden
schnell zum doppelten.
Grundsätzlich sind Z-Leitungen auf Außenlagen nicht besonders genau zu
bestimmen, es wird bei der Berechnung quasi davon ausgegangen, dass die
zweite GND-Lage unendlich weit entfernt ist, mit Isolation durch Luft
mit epsr=1.
In der Realität gibt auch das schon eine Ablage.
Ähnlich gibt es auch Ablagen durch die Toleranzen, mit der ein Fertiger
die Leiterbreiten und die Isolationsdicken fertigen kann. Selbst der
Aufbau bei FR4 - es gibt unterschiedliche Glasfasergewebe - hat
zumindest Inhomogenitäten zur Folge. Bei einer Flexleiterplatte mag das
anders sein, da habe ich keine Erfahrungswerte.
Anderseits sind Abweichungen vom idealen Z-Wert selten richtig kritisch.
Kritisch ist es dann, wenn Forderungen nach einer
Mindestreflexionsdämpfung vorhanden sind. So z.B. bei
GBit-Ethernetleitungen.
Geht es 'nur' um Signalintegrität innerhalb einer kurzen Distanz und
innerhalb einer Leiterplatte / eines abgeschlossenen Systems sind
erfahrungsgemäß auch mal 10% Ablage kein Beinbruch.
Arthur schrieb:> Ich würde die Asymmetrie im Cadence jetzt einfach mal ignorieren und die> Contraints entsprechend symmetrisch für TOP und BOTOM setzen> entsprechend der externen Rechnung.
Die Unterschiede, die Cadence hier an den Tag legt, sind mir auch nicht
einleuchtend. Wie aber auch weiter oben schon erwähnt wurden: jedes Tool
liefert ein anderes Ergebnis, teilweise deutlich anders. Speziell bei
Offset-Striplines nehmen die einen Programme einfach die mittlere Höhe,
andere berücksichtigen tatsächlich den Offset.
Größtes Vertrauen in genaue Ergebnisse hätte ich in die Polar-Toolkette,
aber die ist unbezahlbar im nicht professionellen Umfeld.
Meine Zahlen stammen aus dem Programm "ci PCB" (controlled impedance
solver for PCB), ein Open-Source Projekt.
Vielen Dank für den umfangreichen Input!
Ich habe jetzt direkt bei einem potentiellen Fertiger angefragt.
Der müsste ja ohne weiteres mit seinen Folien und Datenblättern den
Stack "vorgeben" können und dann auch die entsprechende Leiterbreite.
Das kann ich ja dann nochmal mit den diveresen Rechnern vergleichen und
dann weiß ich, welchen ich für diesen Fertiger nehmen muss.
Zum initialen Cadence Problem habe ich im Cadence Forum einen Post
eröffnet und wenn nicht, muss ich mal an den Support herantreten. Muss
ich mal schauen, ob die helfen bei einer Hochschullizenz. Aber wieso
auch nicht...
Vielen Dank an alle!
Arthur schrieb:> Zum initialen Cadence Problem habe ich im Cadence Forum einen Post> eröffnet und wenn nicht, muss ich mal an den Support herantreten.
Auch wenn ich das Tool nicht nutze: die Antwort/Erklärung dafür würde
mich schon interessieren.
HildeK schrieb:> die Antwort/Erklärung dafür würde mich schon interessieren.
Programmierfehler.
HildeK schrieb:> jedes Tool liefert ein anderes Ergebnis, teilweise deutlich anders.
Sind auch nicht immer die selben Programmierer.
Arthur schrieb:> Das kann ich ja dann nochmal mit den diveresen Rechnern vergleichen und> dann weiß ich, welchen ich für diesen Fertiger nehmen muss.
Du weißt dann, welche Software dieser Fertiger zur Impedanzberechung
nimmt... ;-)
Der Witz am Ergebnis ist dann: es funktioniert trotzdem. Denn schon,
dass man dran denkt, die Leitungen halbwegs sinnvoll verlegt, keine
Stubs und sonstwas reinmacht und andere Signale entfernt hält, ist der
eigentliche Schlüssel zum Erfolg.
Arthur schrieb:>> Wenn das Ergebnis einer Berechnung physikalisch nicht sein kann, dann ist>> eben die Berechnung falsch, so einfach ist das.> Genau deswegen meine Frage hier, weil ich bei symmetrischem Aufbau auch> symmetrische Ergebnisse erwarte.
Der Aufbau ist doch eben nicht symmetrisch (Kupferlagen der
Aussenlagen sind unterschiedlich dick).
Hast du die "width" Daten eingegeben?
Wenn nein, liegt der Fehler vermutlich darin, dass das Programm nur bei
Layer 1 eine Aussenlage erkennt, und bei Layer 3 die Aufkupferung
"vergisst".
Generell würde ich mal nachfragen, ob ein 4 Layer PCB nicht u.U.
günstiger ist, da das eher "Standard" ist.
Lothar M. schrieb:> HildeK schrieb:>> die Antwort/Erklärung dafür würde mich schon interessieren.> Programmierfehler.
Ja, könnte im Einzelfall schon vorkommen.
> HildeK schrieb:>> jedes Tool liefert ein anderes Ergebnis, teilweise deutlich anders.> Sind auch nicht immer die selben Programmierer.
Und jeder macht andere Fehler? Welcher SW kann man dann noch trauen?
Nein, ich denke, viele verwenden vereinfachte Näherungsformeln, aber
welche SW nimmt die Theorie der Felder und Wellen ernst?
Joe F. schrieb:> Der Aufbau ist doch eben nicht symmetrisch (Kupferlagen der> Aussenlagen sind unterschiedlich dick).
Wie kommst du darauf? Alle Cu-lagen sind 18 µ dick. Was weisst du was
wir nicht wissen?
Georg