Hallo zusammen,
kann man ein 74HC165 Input Shift Register mit 3,3V VCC betreiben und an
den Inputs 5V anlegen, ohne dass etwas Schaden nimmt?
Was würde da passieren, hat das hier schon mal jemand so gemacht, oder
ist das sicher Quatsch so ohne Level Shifter?
Im Datenblatt werden unter "High-level input voltage" jeweils nur MIN
Werte genannt, also nicht MAX=VCC oder so.
Ich konnte im Netz dazu nichts finden.
Niclas S. schrieb:> kann man ein 74HC165 Input Shift Register mit 3,3V VCC betreiben und an> den Inputs 5V anlegen, ohne dass etwas Schaden nimmt?
Nein. Im Datenblatt ist klar angegeben, daß die Spannung an einem
Eingang nicht höher sein darf als die Versorgungsspannung.
Du betreibst den Baustein außerhalb der Spezifikation.
Ich habe mal einen D1700 RTU von DGHcorp mit einem MC68HC705 uC drin, in
den Fingern gehabt. Die digital Inputs waren von der Außenwelt
minimalistisch über 100kOhm an die uC Pin gelegt. Die Eingänge sollen
angeblich bis 30V aushalten können. Wie man im Schaltbild sieht sind
dann noch Schutzdioden von Vdd auf Masse in Serie. So ähnlich könntest
Du es auch beim HC165 machen.
Hier ist ab Seite 10 Näheres:
https://www.dghcorp.com/manuals/d1700.pdf
Rufus Τ. F. schrieb:> Niclas S. schrieb:>> kann man ein 74HC165 Input Shift Register mit 3,3V VCC betreiben und an>> den Inputs 5V anlegen, ohne dass etwas Schaden nimmt?>> Im Datenblatt ist klar angegeben, daß die Spannung an einem> Eingang nicht höher sein darf als die Versorgungsspannung.>> Du betreibst den Baustein außerhalb der Spezifikation.
Das ist formal richtig. Noch hilfreicher wäre gewesen, auf die
Schutzdioden hinzuweisen, die die meisten 74HCxxx IC von ihren Eingängen
nach GND und nach Vcc haben. Und daß die Einschränkung aus dem
Datenblatt für den Fall gilt, daß man Spannung niederohmig an die
Eingänge legt.
Denn es ist nicht die Spannung, die die IC beschädigt, sondern der dann
fließende hohe Strom durch die Schutzdioden. Wenn man den Strom
begrenzt, wofür regelmäßig ein simpler Vorwiderstand reicht, dann kann
man von 5V nach 3.3V auch ohne extra Pegelwandler kommen.
Axel S. schrieb:> Denn es ist nicht die Spannung, die die IC beschädigt, sondern der dann> fließende hohe Strom durch die Schutzdioden. Wenn man den Strom> begrenzt, wofür regelmäßig ein simpler Vorwiderstand reicht, dann kann> man von 5V nach 3.3V auch ohne extra Pegelwandler kommen.
Exakt. Bei TI und Nexperia sind da 20mA in den abs. max. Ratings
angegeben.
TI gibt deshalb wohl auch keine Maximalspannung an, Nexperia schreibt
aber trotz der Angabe "max. VCC" auch: "The input and output voltage
ratings may be exceeded if the input and output current ratings are
observed."
Perfekt, genau sowas habe ich gesucht. Danke für die tollen Antworten!
Ein Vorwiderstand wäre natürlich deutlich einfacher umzusetzen und
flexibler als ein Pegelwandler.
Rufus Τ. F. schrieb:> Du betreibst den Baustein außerhalb der Spezifikation.HildeK schrieb:> "The input and output voltage> ratings may be exceeded if the input and output current ratings are> observed."
Da Letzteres als Fußnote bei den Absolute Maximum Ratings steht, müsste
das dann doch Teil der Spezifikation sein. Somit wäre eine
entsprechende Umsetzung (5V Input über Vorwiderstand bei 3,3V VCC, so
dass <20mA fließen) dann eigentlich ebenfalls innerhalb der
Spezifikation, verstehe ich das richtig?
Ich habe meinen aktuellen Aufbau (74HC165 an einem 3.3V ATmega328P) mal
ans Oszilloskop angeschlossen und die Signale CLK, SH, QH und einen
Input am HC165 unter die Lupe genommen.
Außerdem messe ich mit einem Multimeter den Strom, der durch den Eingang
des HC165 fließt. Das ist sehr wenig, im Mikroamperebereich.
Wenn ich die Spannung des Inputsignals erhöhe steigt dieser Strom auch
etwas, aber deutlich weniger als erwartet. Von 2µA auf 5µA bei 4,3V
Signalspannung.
Allerdings steigt die Spannung am QH-Ausgang deutlich von 2,6V auf 3,6V,
was deutlich außerhalb der Spezifikation für die Eingänge am ATmega328P
liegt.
Wenn man nur die Begrenzung des Stroms am Eingang des HC165 ganz simpel
betrachtet, sollten 10kO größzügig ausreichen - die Spannung an QH
steigt dann aber immer noch beträchtlich.
Erst mit einem deutlich größeren Vorwiderstand von 1MO bewegt sich an QH
praktisch nichts mehr.
Wie würdet ihr das bewerten, ist das eine sinnvolle Betrachtung und wie
groß würdet ihr den Vorwiderstand dimensionieren?
Niclas S. schrieb:> messe ich mit einem Multimeter den Strom, der durch den Eingang> des HC165 fließt. Das ist sehr wenig, im Mikroamperebereich.> Wenn ich die Spannung des Inputsignals erhöhe steigt dieser Strom auch> etwas, aber deutlich weniger als erwartet. Von 2µA auf 5µA bei 4,3V> Signalspannung.
Deine Messung ist Mist :)
Du hättest mindestens noch die Betriebsspannung des HC165 messen sollen.
Denn die Schutzdiode geht vom Eingang des IC zu dessen Vcc Pin. Wenn es
keinen Verbraucher an Vcc gibt, der den über die Schutzdiode
eingespeisten Strom an Vcc abnimmt, dann steigt einfach Vcc auf die
Eingangsspannung minus die Flußspannung der Schutzdiode.
> Allerdings steigt die Spannung am QH-Ausgang deutlich von 2,6V auf 3,6V
Ja. Aber nur als Folge davon, daß Vcc des HC165 auf 3.6V angestiegen
ist. Und in kompletter Übereinstimmung zwischen Theorie und Praxis
ergeben sich die 3.6V gerade aus 4.3V - 0.7V.
> was deutlich außerhalb der Spezifikation für die Eingänge am ATmega328P> liegt.
Für diese Eingänge gilt exakt das gleiche wie für die Eingänge des
HC165. Die haben Schutzdioden nach Vcc eingebaut. Bei 3.6V vs. 3.3V
leitet die Schutzdiode aber noch nicht.
> Wenn man nur die Begrenzung des Stroms am Eingang des HC165 ganz simpel> betrachtet, sollten 10kO größzügig ausreichen
Es gibt mehrere Faktoren zu berücksichtigen. Wenn du 10K Vorwiderstand
und 5V Eingangsspannung hast, dann fließen pro derart geschütztem
Eingang des HC165 bis zu (5V - 3.3V - 0.6V) ÷ 10K = 110µA in die Vcc
Schiene. Bei 8 Eingängen also knapp 1mA. Du mußt mindestens 1mA auf 3.3V
verbrauchen, sonst steigt Vcc einfach an.
Außerdem bilden die 10K mit den Eingangs- und parasitären Kapazitäten
einen Tiefpaß. Je schneller du Signaländerungen erfassen willst, desto
mehr stört der Vorwiderstand.
> Wie würdet ihr das bewerten, ist das eine sinnvolle Betrachtung und wie> groß würdet ihr den Vorwiderstand dimensionieren?
Kommt drauf an. Mit einem PISO Scheiberegister wird man ja ohnehin nur
sehr langsame Signale abtasten wollen. Schalter oder Taster z.B. Da kann
man auch 100K oder noch mehr nehmen.
Es gibt auch andere Schutzmöglichkeiten. Z.B. so:
1
…
2
|
3
.-|>|-*
4
| |
5
o--[R]--*-----)---------- IC-Eingang
6
| |
7
.-|>|-´ |
8
| |
9
=== |
10
|
11
.-|>|-*
12
| |
13
o--[R]--*-----)---------- IC-Eingang
14
| |
15
.-|>|-´ Z 3V Zener
16
| |
17
=== ===
Pro Eingang ein Vorwiderstand und zwei Dioden. Eine nach GND, um
negative Eingangsspannungen abzublocken, die andere auf eine 3V Z-Diode.
Für mehrere Eingänge reicht eine einzelne Z-Diode. Ein IC-Eingang sieht
dann höchstens Zenerspannung plus eine Diodenflußspannung.
Niclas S. schrieb:> Da Letzteres als Fußnote bei den Absolute Maximum Ratings steht, müsste> das dann doch Teil der Spezifikation sein. Somit wäre eine> entsprechende Umsetzung (5V Input über Vorwiderstand bei 3,3V VCC, so> dass <20mA fließen) dann eigentlich ebenfalls innerhalb der> Spezifikation, verstehe ich das richtig?
Ja, richtig verstanden. Nur sollte man schon deutlich unter den 20mA
bleiben; die sind auch nicht notwendig.
Für langsame Signale reicht deutlich weniger als 1mA, bei schnelleren
muss man austarieren, aber mehr als 10mA würde ich nicht nehmen, wenn
die Maximum Ratings 20mA max. angeben. Das hängt natürlich auch davon
ab, was der treibenden Ausgang kann.
Niclas S. schrieb:> wie> groß würdet ihr den Vorwiderstand dimensionieren?
Ich habe jetzt nichts gelesen über die Geschwindigkeit des Signals. Die
untere Grenze ist im Bereich von 220Ω-330Ω, anfangen würde ich mit 1k.
Wenn 10k auch noch gehen, dann 5k nehmen :-).
Ich bin mehr für niederohmige Lösungen, wenn keine Batterieversorgung
vorliegt ...
Axel S. schrieb:> Du mußt mindestens 1mA auf 3.3V> verbrauchen, sonst steigt Vcc einfach an.
Kann manchmal das Problem sein. Ein Z-Diode mit 5.1V oder 5.6V über der
Versorgung kann hier schützen, sollte das der Fall sein.
Hat man ein synchrones Schaltnetzteil als Versorgung stellt sich das
Problem nicht, nur bei Linearregleren.
Niclas S. schrieb:> Ein Vorwiderstand wäre natürlich deutlich einfacher umzusetzen und> flexibler als ein Pegelwandler.
Der Pegelwandler kann aber auch ein Spannungsteiler sein. Das ist immer
noch recht einfach, denn dann brauchst du nur noch einen zweiten
Widerstand...
Axel S. schrieb:> Deine Messung ist Mist :)
Hehe, mit Mist lässt sich manchmal auch noch was anfangen ;)
Durch deine Erklärung verstehe ich nun zumindest in etwa was da vor sich
geht.
Die Variante mit der Zener Diode finde ich sehr interessant. Die würde
ich zur Absicherung von externen Eingängen verwenden, gerade auch wegen
des Verpolungsschutzes. Ist gemerkt.
Erich schrieb:> Genau dafür gibt es den 74LV165> https://assets.nexperia.com/documents/data-sheet/74LV165.pdf>> Ist diese Lösung vielleicht zu einfach?
Super Lösung! Das wäre perfekt (von meinem Vorrat an HC165s mal
abgesehen). Ich wusste gar nicht, dass es die gibt. Ich habe bisher vor
allem Softwareentwicklung gemacht und taste mich projektweise an die
Elektro- und Mikrocontrollertechnik heran.
HildeK schrieb:> Ich habe jetzt nichts gelesen über die Geschwindigkeit des Signals.
Das Signal ist der Ausgang eines optischen Unterbrechungssensors. Da
kommt es auf +-100ms nicht an.
Dietrich L. schrieb:> Der Pegelwandler kann aber auch ein Spannungsteiler sein.
Ah ja, das wäre auch sehr einfach. Toll, auf wie viele Arten man ein
Problem lösen kann.
Alternativ kann man auch einen CD4050 oder 74HC4050 vorschalten. Dessen
abweichende Eingangsbeschaltung lässt bis 15V zu, ohne dass dabei Strom
fliesst.
Niclas S. schrieb:> kann man ein 74HC165 Input Shift Register mit 3,3V VCC betreiben und an> den Inputs 5V anlegen, ohne dass etwas Schaden nimmt?
Hallo,
74HC165 nicht. Nimm lieber 74VHC165 oder 74LVC165. Die sind dafür extra
gerechnet, bei niedriger VCC bis 5,5V Vin zu nehmen.