Hallo Leute, in einer Kleingartenanlage wurde vor Jahren vom uralten
zweiphasigen System (2x115V) auf einphasig 230V/Nullleiter umgebaut.
Dabei wurde einfach das Kabel der einen früheren Phase abgeklemmt, es
blieb anschließend ungenutzt. Sprich, zu den Parzellen führt nun
tatsächlich nur noch die eine Phase, 230V. Der Nullleiter wird von jeder
Parzelle am Wasserrohr abgenommen. War das zulässig, fraglich, oder
verboten?
Problematisch wurde das erst jetzt, da das Frischwasser teilweise auf
PE-Leitung umgerüstet wurde. Diese Lauben haben jetzt eine grottige
Nullung, nur über das Stück Metallrohr, das bis zur Wasseruhr führt.
Bei hoher Last gibt es jetzt bis etwa 80V auf dem "Nullleiter"...
Daß das so aktuell richtig übel ist weiß ich selbst, mich interessiert
allein, ob die damalige Umrüstung überhaupt korrekt war. Habe noch nie
irgendwo gesehen, daß man an der Grundstücksgrenze allein die Phase
"geliefert" bekommt.
Paule, Bademeister schrieb:> Habe noch nie irgendwo gesehen, daß man an der Grundstücksgrenze> allein die Phase "geliefert" bekommt.
Bei HGÜ ist so etwas durchaus zulässig und üblich:
https://de.wikipedia.org/wiki/Baltic_Cable
Allerdings verwendet man dafür einen "etwas" niederohmigeren Erder.
Zulässig ist das nicht, aber von welchem „uralt“ sprechen wir hier? 50
Jahre, 75 Jahre?
Ich möchte eine Debatte vermeiden, wie es gemacht sein sollte, denn das
würde eine komplette Neuinstallation bedeuten.
Ich vermute mal schwer dass der Übergabepunkt vom EVU irgendwo im
Gemeinschaftsgebäude der Kleingartenanlage ist, und dann einfach auf
eigene Faust verteilt wurde, nach allerbester Heimwerkermanier... Weiter
vermute ich schwer, dass keines der Lauben einen Fundamenterder hat...
Da hat vermutlich jemand nach einer Notlösung gesucht.
Es ist also eine zweiadrige Leitung zur Parzelle verlegt. Was spricht
dagegen die ungenutzte Ader als PEN anzuschließen und danach eine
Unterverteilung mit einem RCD nachzuschalten? Treibt zusätzlich einen
Erdspieß tief ins Erdreich, so wird das auf Baustellen auch gemacht.
Nennt sich TNC system und ist in vielen alten Häusern aus der
Nachkriegszeit vorhanden, man kann nur das Beste daraus machen...
Bitte zerfleischt euch nicht in den nachfolgenden Posts :-D
Gruß Toby
Paule, Bademeister schrieb:> War das zulässig, fraglich, oder verboten?
Es ist aktuell auf jeden Fall unzulässig.
Und es war nie zulässig für N, nur für PE.
Dabei lag bei euch ja eine zweite Ader, wie dumm sie nun unbenutzt zu
lassen.
Es gibt aber nichtmal für PE 'Bestandsschutz'.
"Eine weitere in DIN VDE 0100 enthaltende interessante
Anpassungsforderung ist das seit März 2002 geltende Verbot der Nutzung
von Wasserrohrnetzen als Erder, Erdungsleiter oder Schutzleiter"
Paule, Bademeister schrieb:> Hallo Leute, in einer Kleingartenanlage wurde vor Jahren vom uralten> zweiphasigen System (2x115V) auf einphasig 230V/Nullleiter umgebaut.
Wo gibt es den noch diese Spannungen?
Gruß Frank
Toby schrieb:> Es ist also eine zweiadrige Leitung zur Parzelle verlegt. Was spricht> dagegen die ungenutzte Ader als PEN anzuschließen und danach eine> Unterverteilung mit einem RCD nachzuschalten? Treibt zusätzlich einen> Erdspieß tief ins Erdreich, so wird das auf Baustellen auch gemacht.> Nennt sich TNC system und ist in vielen alten Häusern aus der> Nachkriegszeit vorhanden, man kann nur das Beste daraus machen...
Die Verwendung eines Leiters als PEN setzt einen Mindestquerschnitt von
10 mm² voraus! Nur dann ist ein TNC-System überhaupt möglich.
Die einzige sicherheitstechnisch machbare Lösung ist hier ein TT-System
bei jeder Verbraucheranlage.
So machen es die Amis und auch andere Länder auf der Welt.
Jede Laube bekommt einen geeigneten Erder. Dazu gibt es ein RCD, das
nach dem Erdübergangswiderstand dimensioniert wird.
Fertig.
Wie wurde der Zähler vom Energieversorger angeschlossen? Müsste nicht
der Energieversorger einen Nullleiter bis zum Zähler zur Verfügung
stellen? Oder ist dieser am Pfusch beteiligt?
Frank W. schrieb:> Paule, Bademeister schrieb:>> Hallo Leute, in einer Kleingartenanlage wurde vor Jahren vom uralten>> zweiphasigen System (2x115V) auf einphasig 230V/Nullleiter umgebaut.>> Wo gibt es den noch diese Spannungen?
In Deutschland wurden die letzten solcher Netze in den 1920ern
abgeschaltet, die Amis (u.a.) nutzen sowas heute noch.
Er wird aber eh ein 133/230V Drehstomnetz meinen (ehemals 127/220V), und
sowas gabs in Deutschland noch bis vor wenigen Jahren. In anderen
europäischen Ländern findet man die bis heute.
Frank W. schrieb:> Wo gibt es den noch diese Spannungen?
Hier in Berlin zuletzt noch in Mahlsdorf. Das wurde erst vor
einstelligen Jahren umgestellt, der Wahnsinn! Keineswegs schon 1920, das
kann ich zu 100% bestreiten.
(Habe zufällig zwei Kontakte mit diesem bescheuerten System gehabt)
Der damalige Anschluss wurde übrigens durch eine Fachkraft getätigt,
wenn ich es richtig verstanden habe, sogar durch einen Elektriker direkt
von einem der damaligen, großen Energieversorger. Das war so kurz nach
der Wende.
Fahre jetzt erstmal wieder raus zur Kleingartenanlage, ein Elektriker
ist auch bereits vor Ort. Melde mich abends wieder etwas ausführlicher.
Paule, Bademeister schrieb:> Frank W. schrieb:>> Wo gibt es den noch diese Spannungen?>> Hier in Berlin zuletzt noch in Mahlsdorf. Das wurde erst vor> einstelligen Jahren umgestellt, der Wahnsinn! Keineswegs schon 1920, das> kann ich zu 100% bestreiten.> (Habe zufällig zwei Kontakte mit diesem bescheuerten System gehabt)
Ihr hattet dort aber nicht 115/230V, sondern 133/230V.
hinz schrieb:> Ihr hattet dort aber nicht 115/230V, sondern 133/230V.
In Mahlsdorf waren noch vor sehr kurzer Zeit 115 und 115V, um 180°
phasenverschoben. Kein Nullleiter, nur Schutzerdung.
Das Problem in der KGA wurde heute durch Vattenfall gelöst. In der Tat
war seitens wohl noch der Bewag keinerlei Erdung angeklemmt. Allerdings
Null- und Schutzleiter jeder Parzelle einzeln bis zur gemeinsamen
Masseschiene im Hauptverteiler gelegt, und dort verbunden. Nur eben
gemeinsam nicht geerdet. Kurioserweise sogar mit Vorsatz, denn im
Sicherungskasten der Hauptsicherungen kam Grün/Gelb mit (glaube 10mm²)
zwar an, aber wurde nicht an die Nullschiene angeschlossen. Das
ankommende Kabelende wurde sauber waagerecht in der Luft hängend,
passend ins Gehäuse "verlegt", also keineswegs ein Versäumnis oder
sowas. Ganz offensichtlich war der damalige Elektriker der Meinung, die
Parzellen würden sich ihre Nullung ja sowieso über die Wasserrohre
holen. Das klappte so auch etwa 25 Jahre lang, nur jetzt durch die
Kunststoffrohre fiel das auf. Und zwar drastisch, heute hatten wir an
der (nicht durch den Versorger geerdeten) Masseschiene bis knapp 140V
gegenüber einem Staberder gemessen! Was sich jederzeit erheblich
änderte, je nachdem, wer an welcher Phase gerade was eingeschaltet
hatte.
Die Parzellen bildeten praktisch einen Verbund aus eigenen, viel zu
kleinen Erdern, und das waren ihre letzten noch verbliebenen Stückchen
Metall-Wasserleitungen, z.B. vom Haus bis zur Wasseruhr.
Da alle drei Phasen auf die betroffenen Parzellen verteilt wurden,
konnte dieser schwammige Nullpunkt je nach Belastung praktisch beliebige
Werte gegen den Staberder annehmen. Bei einem brach also die Spannung
weit zusammen, weil er grad die Kaffeemaschine laufen ließ. Die Phase
brach nicht zusammen, aber sein Null-(und Schutzleiter!) hob sich je
nach Last drastisch an. Andere Parzellen, die gerade kaum belasteten,
hatten währenddessen bis über 300V an der Steckdose.
Dieses "System" hätte nur dann funktioniert, wenn alle drei Phasen
absolut gleichmäßig belastet worden wären. Bei insgesamt nur 5 Parzellen
natürlich fast nie...
Besonders "belebend" an der Geschichte war natürlich, daß auch z.B.
Kühlschrank- oder Mikrowellengehäuse unter reichlich Spannung standen!
Jetzt vielleicht grad nicht, aber gleich, und nachher auch immer wieder
mal... Zwei Leute hatten inzwischen tatsächlich auch eine gewischt
bekommen.
Die einzige Frage jetzt noch ist, welchen Grund man haben kann, alle
Null- und Schutzleiter der Parzellen zusammen zu führen, aber dann doch
nicht zu erden. Vergessen schließe ich aus, niemand legt sich diesen
Leiter so akkurat ins Gehäuse, wenn er ihn eigentlich noch anschließen
will. Das ist Elektrotechnik par excellence, nur eben grob falsch...
Wo der eigentliche Erder jetzt liegt, weiß ich natürlich nicht, nur daß
es nun ohne Verschiebung des Nullpunkts funktioniert.
Ist z.B. denkbar, daß dort ein z.B. Ring-oder Fundamenterder ist, der
anderweitig schon stark genutzt wird? So daß der Elektriker diesen Erder
nicht noch zur Erdung weiterer Kreise nutzen wollte? Dagegen spräche ja,
daß weitere angeschlossene Verbraucher einen gemeinsamen Erder
theoretisch kaum stärker belasten, durch gleichmäßige Aufteilung der
drei Phasen. Sprich, bei nur 3 Abnehmern (mit unterschiedlichen Phasen)
muss die (gemeinsame) Erdung oft den vollen Strom eines Abnehmers
ableiten, wenn grad nur dieser daheim ist. Bei 3000 Abnehmern müsste ein
gemeinsamer Erder beileibe nicht 1000x so groß sein. Weil niemals nur
die 1000 Abnehmer der einen Phase grad den Wasserkocher anschmeißen...
Vermutlich führt das dicke Erdungskabel ja eh nur zur nächsten dicken
Stahl-Wasserleitung. Nur, was kann dann noch der Grund sein, warum der
Elektriker bewusst die Erdung nicht angeklemmt hat?
Nachtrag: der fehlende Anschluss fiel eindeutig in den Bereich des
Versorgers, es war nicht die Bastelei irgendeines
Kleingarten-Möchtegern-Elektrikers.
Vattenfall hat logischerweise auch keine Rechnung gestellt.
Paule, Bademeister schrieb:> hinz schrieb:>> Ihr hattet dort aber nicht 115/230V, sondern 133/230V.>> In Mahlsdorf waren noch vor sehr kurzer Zeit 115 und 115V, um 180°> phasenverschoben. Kein Nullleiter, nur Schutzerdung.
VDGN schrieb 2010:
"In diesen Tagen hat die Umstellung des teilweise veralteten, noch
vorhandenen Netzes der Bewag mit einer Spannung von 3 x 230 V im
Berliner Stadtteil Mahlsdorf-Süd begonnen: Es wird schrittweise auf
230/400 V umgestellt, weitere Siedlungsgebiete werden folgen. "
hinz schrieb:> sondern 133/230V.
Jetzt verstehe ich, was du meinst. Ja, das wird es gewesen sein. Mir war
nur bisher nicht bekannt, daß das 2 Phasen eines Drehstroms niedrigerer
Spannung waren. Weil mir selbst der Hausbesitzer sagte, er hätte 2x115V.
hinz schrieb:> Paule, Bademeister schrieb:>> Weil mir selbst der Hausbesitzer sagte, er hätte 2x115V.>> Laie halt.
Hi,
Die Hölländer haben in Küstenregionen 127/220V gehabt.
Auf dem Spannungswähler des Radios sind sogar 127V angegeben.
ciao
gustav