Also ich bin schon länger im Bereich der Softwareentwicklung (Java, eher
"langweilige" Konzern-Software...) tätig und möchte nun gerne in der
IT-Security-Welt Fuß fassen.
Also nicht nur technische Aspekte, sondern auch regulatorische.
Datenschutz, Compliance, Audits etc.
Die Frage ist, wie ich sinnvollerweise als reiner Entwickler in diesen
Bereich vorstoßen kann. Und zwar so, dass man nicht massive
Gehaltseinbußen hat (bspw. bei Junior-Positionen). Das ist für mich
aktuell DIE große Barriere.
Langfristig (irgendwann mit 35+) will ich eh keine Software mehr
entwickeln. Das wird leider immer mehr zum Billiglohnsektor.
Danke.
Sowas habe ich mich letztens auch gefragt (für einen anderen Bereich).
'Drin' ist man, wenn man eine Stelle in dem Bereich hat und die
Probezeit überstanden hat. Wie bekommt man eine solche Stelle? Indem man
irgendwas vorzeigen kann, das einen für die Stelle qualifiziert.
Wenn du an einem Projekt in dem Bereich mitgearbeitet hast und im
Arbeitszeugnis nicht nur 'hat sich stets bemüht' steht, wäre das
schonmal ein guter Pluspunkt. Ansonsten vielleicht Fortbildungen oder
Zertifikate?
Du könntest vielleicht als erstes zu einer Stelle wechseln, bei der
Sicherheit eine größere Rolle spielt. Da würdest du an obengenannten
Projekten mitarbeiten, ohne direkt schon der Sicherheitsverantwortliche
zu sein. Mit der Erfahrung könntest du dich weiter spezialisiert
bewerben (oder in der Firma aufsteigen).
Das ist aber jetzt nur meine Meinung, ohne allzuviel Erfahrung zu haben.
Es hilft, etwas über die Themen der eigenen beruflichen Zukunft zu
wissen. Und der Sicherheitsbereich ist ein ungeliebtes Kind. Niemand
möchte Sicherheitslücken auf einem Papier sehen. Ab dem Zeitpunkt wird
nämlich gehaftet.
Vielleicht suchst du dir eine Firma, die auf Sicherheit zwangsläufig
Wert legt. Werksspionage ist ein beliebtes Feld, resp. der Schutz von
Geheimnissen.
Es geht auch mit pro-aktivem Management, d.h. in die Lieblingssoftware
einbrechen und dann mit dem Eigentümer teilen. Als Einstieg gibt es div.
Ausschreibungen, sogar der EU, in verschiedenen Programmen Fehler zu
finden. Die zahlen sogar Bug Bounty.
Für Sicherheit wird nur dann gern Geld ausgegeben, wenn das Kind bereits
in den Brunnen gefallen ist. So gesehen hast Du 2 Baustellen: eine
fachliche und eine monetäre.
Die IT-Security Typen, die mir im Job über den Weg laufen, sind im
Normalfall Scharlatane. Schlangenölverkäufer, selbsternannte "Experten",
die bestenfalls mal ein Handbuch, aber maximal eins, über IT-Sicherheit
gelesen haben.
Das heißt, fachlich sollte der Wechsel kein Problem sein. Eventuell
vorhandenes Wissen kann man sich notfalls wegsaufen.
Allerdings muss die Persönlichkeit passen. Man braucht das Auftreten
eines Gebrauchtwagenverkäufer oder Anlagebetrüger. Um die eigene
Inkompetenz zu tarnen muss man sich aufführen, als ob man der geilste
Stecher unter der Sonne wäre und alle anderen blöd sind.
Hannes J. schrieb:> Um die eigene> Inkompetenz zu tarnen muss man sich aufführen, als ob man der geilste> Stecher unter der Sonne wäre und alle anderen blöd sind.
Damit kennst du dich ja auch bestens aus, solltest ihn diesbezüglich
beraten. Danach noch einen Aufbaukurs geben wie man Leute in der
Werkshalle verprügelt.
Boris O. schrieb:> Und der Sicherheitsbereich ist ein ungeliebtes Kind. Niemand> möchte Sicherheitslücken auf einem Papier sehen. Ab dem Zeitpunkt wird> nämlich gehaftet.
DAS ist ein wichtiger Punkt. Mit IT-Security kann sich niemand positiv
hervortun. Entweder alles ist ok, dann herrscht schweigen im Walde, oder
die Kacke dampft, dann ist man der Buhmann weil die Probleme benannt
werden und es wird um jede Formulierung gefeilscht. Gegenmaßnahmen
kosten Geld und bringen keine Umsatz.
Google nach Penetrationstest, schau wer aus den top 10 Stellen
ausgeschrieben hat und bewirb dich!
Bin seit 8 Jahren in der Branche und kann das negative Feedback nur bei
Security Typen im Konzern bestätigen. Wer hands-on arbeitet bekommt auf
die Finger wenn die Leistung nicht stimmt.
Die Arbeit ist abwechslungsreich, spannend und fordernd. Man sieht viele
coole Sachen. Bin sehr happy und die Bezahlung ist auch nicht völlig
unfair.
Susi Sorglos schrieb:> Für Sicherheit wird nur dann gern Geld ausgegeben, wenn das Kind bereits> in den Brunnen gefallen ist.
Die DSGVO hat Aufgaben definiert, für die man entsprechend geschultes
Personal benötigt. Ob man will oder nicht.
Hannes J. schrieb:> Die IT-Security Typen, die mir im Job über den Weg laufen, sind im> Normalfall Scharlatane. Schlangenölverkäufer, selbsternannte "Experten",> die bestenfalls mal ein Handbuch, aber maximal eins, über IT-Sicherheit> gelesen haben.
Jene, die mir im Job bisher über den Weg liefen, waren es nicht.
Alles Lug und Trug
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Vor einiger Zeit leistete ich in einem Landesministerium ein
IT-Praktikum ab. Dort gab es einen promovierten und einen anderen MA:
Beide IT-Sicherheitsexperten. Meine Büro-MA waren Quereinsteiger bis auf
eine Ausnahme: Ein FH Absolvent für die schweren Windows-Admin-Aufgaben
war auch noch dabei. In der Morgenrunde zitierte ich das Merkblatt
"Alles Lug und Trug" aus Graz. Inhalt: Betrüger spionieren zunächst eine
Firma aus und schicken dann Rechnungen mit falscher Kontonummer.
Krankenstand war stets hoch und kurze Zeit später war der FH-Kollege
auch noch krank. In einem seiner Krank-Tage kamen falsche Rechnungen an
diesen oder jenen Beamten - bis dann schließlich der Sammelverteiler
feuerte. Am letzten Freitag Mittag meines Praktikums erfuhr ich, dass es
für mich nur noch mit 6 Monaten Befristung weitergehen sollte. Darauf
beschwerte ich mich wegen untreuen Umgang mit Steuergeldern... Sie
machen dann immer "Fahrstuhl" (in meinem Haus fällt einmal in mehrere
Jahren der Fahrstuhl für längere Zeit aus, auch wenn ich mal umgezogen
bin). Eine Runde sozusagen für alle gehbehinderten Nachbarn.
Neuerdings bucht mich die Hochschule RheinMain (angewandte
Wissenschaften) direkt beim Arbeitgeberservice. Das coole daran: Die
Auswahlkommission fragt jedesmal: "Warum haben Sie sich beworben?"
Zuletzt ging es um die Verlegung von LAN-Kabel und um "Ausleuchtung".
IT-Sicherheits-Verantwortlicher dort ist ein Dipl. Physiker den die FH
logischerweise nicht selbst ausbilden kann. Seine E-Mail-Autoresponse
sagte mir dann: "Ruf das Helpdesk an, denn ich bin bis 11.9. (= Ende der
Bewerbungsfrist) nicht erreichbar". (Als Ansprechpartner in der
Stellenaussprechung mit Name, Telefon und Email selbst angegeben). Im
Helpdesk ging um 10:00 Uhr morgens natürlich auch keiner mehr ran.
=== Danke für das Thema als Steilvorlage ===
Ich halte es für ein Gerücht mit IT-Security pauschal besser bzw. mehr
Geld zu verdienen als mit Softwareentwicklung IN einem IGM-Konzern. Eher
das Gegenteil dürfte i.d.R. der Fall sein:
"IT" an sich ist für fast alle Firmen, die nicht gerade Google oder
Amazon heißen, erstmal nur ein "notwendiges Übel", das nichts zur
Wertschöpfung beiträgt. Sie muss halt da sein und funktionieren, genauso
wie die Strom- und Wasserversorgung. Insbesondere Controller haben diese
Sichtweise und lagern alles IT-beziehbare an irgendwelche externen
Dienstleister aus, ähnlich wie Sicherheitsdienste oder Putzkolonnen.
"IT-Sicherheit" wird dabei immer vorausgesetzt. Niemand will unsichere
IT, daher kann man für sichere IT keinen Aufpreis verlangen. Sicherheit
ist zudem ein Prozess, kein Produkt. Damit ist es in einer großen Firma
grundsätzlich eine zähe und bürokratische Angelegenheit ohne
Erfolgsgarantie, die das Gegenteil vom Trend der agilen Methoden in der
F&E repräsentiert und dort daher vor allen als "Bremse" bekannt ist.
Am besten fährt man wohl als externer Berater in einem
IT-Beratungsunternehmen. Dann reist man aber IMMER durch die Welt.
Ansonsten vielleicht noch als Spezialexperte mit AT-Vertrag, für
irgendein Spezialthema, das NICHT der IT untersteht sondern F&E!
Ingenieur schrieb:> Penetrationstester schrieb:> und die Bezahlung ist auch nicht völlig unfair.>> Genaue Zahlen bitte, diese Aussage ist mir zu schwammig.
Einstieg bei ca. 45k. Nach 3 Jahren können es 60k sein. Nach 8 Jahren
auch über 74k fix.
Dafür, dass man unglaublich viel Spaß hat und sehr gute exits in der
Industrie haben könnte (ca. 3 sinnvolle Headhunteranfragen im Monat, die
letzte war 90k, Reisezeit = Arbeitszeit und 36 Tage Urlaub) finde ich
die Bezahlung wie gesagt nicht unfair und wenn man sich doch schlecht
behandelt fühlt gibt es andere Optionen.
IGM-Unternehmen suchen ja auch in dem Bereich.
Diese Zahlen sind übrigens nicht hochgestapelt.
Was ist dein Hintergrund? ITsec Master aus Bochum oder generische
Informatik einer anderen Uni? Was hattest du vorher für Erfahrungen?
CTFs, veröffentlichte Sicherheitslücken, Bug Bounties auf HackerOne,
etc.?
Was passiert, wenn die Firma für eine von dir gefundene Lücke eine Bug
Bounty erhält? Feuchter Händedruck, (Teil der) Bug Bounty wird
durchgereicht?
Penetrationstester schrieb:> Headhunteranfragen im Monat, die letzte war 90k
Das kann auch kleines Schmerzensgeld sein? Man sollte die Bedingungen
kennen. Tag und Nacht und überall macht nicht ewig Spaß.
oszi40 schrieb:> Penetrationstester schrieb:> Headhunteranfragen im Monat, die letzte war 90k>> Das kann auch kleines Schmerzensgeld sein? Man sollte die Bedingungen> kennen. Tag und Nacht und überall macht nicht ewig Spaß.
Eben, das ist dann Schmerzensgeld. Ich lege auch sehr viel Wert auf
geregelte Arbeitszeiten und möglichst keine Dienstreisen.
Carter Karlo schrieb:> Was ist dein Hintergrund? ITsec Master aus Bochum oder generische> Informatik einer anderen Uni? Was hattest du vorher für Erfahrungen?> CTFs, veröffentlichte Sicherheitslücken, Bug Bounties auf HackerOne,> etc.?>> Was passiert, wenn die Firma für eine von dir gefundene Lücke eine Bug> Bounty erhält? Feuchter Händedruck, (Teil der) Bug Bounty wird> durchgereicht?
Bugbounties bekommt man zu 100%. Habe auch schon ein paar Advisories
veröffentlicht.
Vorwissen und Interesse war da, das meiste hab ich aber im Job gelernt.
> Am besten fährt man wohl als externer Berater in einem> IT-Beratungsunternehmen.
Schon falsch, weil:
> Dann reist man aber IMMER durch die Welt.
Als Selbstständiger kann man Aufträge auch mal ablehnen.
Dann arbeitet man ein Vierteljahr und hält den Rest des
Jahres einen geruhsamen Winterschlaf.
Wer nun aber partout den dritten Daimler und noch einen Tesla
in der Garage will, muss halt knüppeln.
> IT ist eine schnell verderbliche Ware
Naja, mal sind die Knöpfe rot und dann wieder blau.
Aber es sind noch immer selben.
Eine gewisse Flexibilität wird natürlich vorausgesetzt.
Und das Wasser bleibt sowieso das selbe womit gekocht wird.
Stimmt es eigentlich, dass einem der Rückweg versperrt ist, wenn man als
Softwareentwickler in die IT-Sicherheit wechselt?
Die Entwickler-Fähigkeiten wendet man ja meist nicht mehr an, sondern
wird eher zum fachlichen Dünnbrettbohrer, der mit Buzzwords jongliert,
wenn ich das so mitbekommen habe.
ellipticline schrieb:> Ich denke dass das technische Niveau von Sicherheitsexperten sehr> hoch ist und auch sein muss. Jedenfalls höher als beim 0815-Entwickler.
Sein müsste. In dieser Branche tummeln sich leider sehr viele
Schwätzer und Blender.
F. B. schrieb:> Ingenieur schrieb:> Sein müsste. In dieser Branche tummeln sich leider sehr viele Schwätzer> und Blender.>> In der gesamten IT tummeln sich die Schwätzer und Blender.>>
Dann muss ich unbedingt in die IT wechseln
> F. B. schrieb:> > Ingenieur schrieb:> > Sein müsste. In dieser Branche tummeln sich leider sehr viele Schwätzer> > und Blender.> In der gesamten IT tummeln sich die Schwätzer und Blender.
Nicht nur dort !
Latschenkiefer schrieb:> Ich halte es für ein Gerücht mit IT-Security pauschal besser bzw. mehr> Geld zu verdienen als mit Softwareentwicklung IN einem IGM-Konzern. Eher> das Gegenteil dürfte i.d.R. der Fall sein:
Natürlich sind Pauschalaussagen nicht einklagbar, aber IT-Sicherheit hat
mehr Zukunft als Vergangenheit, während es bei manchem IGM-Konzern
andersrum sein könnte.
> "IT" an sich ist für fast alle Firmen, die nicht gerade Google oder> Amazon heißen, erstmal nur ein "notwendiges Übel", das nichts zur> Wertschöpfung beiträgt.
Das Thema Sicherheit eignet sich vorzüglich für negative Wertschöpfung.
Sicherheit ist natürlich erstmal "negative Wertschöpfung" wenn man das
so ausdrücken will, aber sie ist essenziell um die Wertschöpfung aus
anderen Bereichen zu wahren!
Glaube inzwischen ist es nicht mehr so schwierig die Verantwortlichen
davon zu überzeugen dass die Investition sein muss. Man sieht ja wie
Medien und Internet auf jedes Unternehmen eindrischt das Daten verliert,
egal wie.
Ok, das war offenbar zu undeutlich formuliert. Das Thema Sicherheit
birgt erhebliches Potential für Rufschaden, Entschädigung, Strafzahlung.
Was mitunter zu erheblichem finanziellen Verlust führen kann. Was ich
kurzerhand als negative Wertschöpfung bezeichnete, wenngleich
potenzielle, also durch fehlende Sicherheit.
Alex G. schrieb:> Glaube inzwischen ist es nicht mehr so schwierig die Verantwortlichen> davon zu überzeugen dass die Investition sein muss.
Eben. Genau das meinte ich.
Was ich aus betrieblicher Erfahrung auch konkret bestätigen kann. So hat
die DSGVO ziemlich durchgefegt und Sensibilität auch ohne vorherigen
Schaden geschaffen.
ellipticline schrieb:> Die Frage ist, wie ich sinnvollerweise als reiner Entwickler in diesen> Bereich vorstoßen kann.
In Bereiche, die, weil vergleichsweise neu, noch keine festgezurrten
Berufswege definieren, kann so ungefähr jeder vorstossen. Man muss
halt jene Leute, die einen bezahlen, davon überzeigen können, dass man
das Geld wert ist.