Forum: HF, Funk und Felder [Review] Funknetzteil K-PO KS28SW


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von Marek N. (bruderm)


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Moin,

nach ca. 16 Jahren hat sich mein /telecom/-Netzteil von einem Tag auf 
den anderen verabschiedet. Sicherung OK, weitere Fehlersuche gestaltet 
sich in dem Staubknäuel schwierig (obgleich Schaltplan vorhanden).
Zeit, sich mal was neues zu gönnen!

Die Wahl fiel auf das Swich Made (sic!) Power Supply KPS28SW, das unter 
der Marke K-PO vertrieben wird, wie vieles andere Funkzubehör.
Zu erhalten ist es bei vielen deutschen Funkhändlern (OK, bei den paar, 
die noch übrig geblieben sind) für ca. 80 €. Mir gefiel das Design, da 
es optisch zum vorhandenen SWR-Meter ALAN KW220 passt.

Was darf man fürs Geld erwarten?
Nun, man erhält ein kompaktes Schaltnetzteil, das eine 100 
W-Kurzwellenstation befeuern kann. Die Ausgangsspannung lässt sich 
umschalten zwischen 13,8 V fix und einstellbar von ca. 9 bis 15 V. Die 
Schalterposition für 13,8 v würde ich aber "unten" anordnen, so kann 
sich die Spannung nicht verändern, wenn mal was auf den Schalter drauf 
fällt oder man aus Versehen dagegen kommt.

Das Messinstrument ist sehr unruhig und schwingt bis zu 1 Sekunden nach 
und über 25 % der Skala. Das sieht zwar beim Senden beeindruckend aus, 
aber die Information über die momentane Stromaufnahme geht verloren, da 
es überhaupt keine Korrelation mit der HF-Leistungsanzeige beim 
Modulieren gibt. Darum sollte man das Messwerk bedämpfen.

Der 60 mm-Lüfter ist im Standby komplett abgeschaltet und wird erst ab 
ca. 50 °C-Kühlkörper-Temperatur hart per Thermoschalter ("Knackfrosch") 
zugeschaltet. Auch dann ist er aber kaum hörbar. Der Lüfter bläst über 
seine Stege und  das externe Schutzgitter und erzeugt im Gehäuse einen 
leichten Unterdruck. Das ist doppelt ungünstig: 1. Durch den Unterdruck 
wird Staub durch jede Ritze ins Gehäuse gesogen. 2. Durch den Unterdruck 
(weniger Gasteilchen) ergibt sich ein höherer thermischer Widerstand 
zwischen Kühlkörper und Kühlmedium. Beim Umbau des Lüfters diesen dann 
auch so einbauen, dass die Anschlussleitungen zu den Ausgangs-Buchsen 
zeigen. Das entspannt die Leitungen deutlich. Außerdem könnte man ein 
Staubfilter vorsetzen (ähnlich wie beim HP3458A).

Alle Schraubverbindungen (PE, Messwerk, Ausgangsbuchsen) sind mit Lack 
gesichert.

Der Hauptübertrager hat einen NTC als Temperatursicherung. Ein weiterer 
NTC fungiert als Einschaltstrombegrenzung. Ich dachte zuerst an einen 
Varistor und wollte über den fehlenden Schrumpfschlauch motzen. 
Auffällig ist der dicke, rote Folienkondensator C9 (2,2 µF / 630 VAC) 
auf der Primärseite, vermutlich als Snubber. Die Gegentakt-Transistoren 
Q1/Q2 haben Silikonkappen und sind auf den geerdeten Kühlkörper 
geschraubt. Auffällig ist auch der kleine Hilfsübertrager T1 mit einer 
Kernhöhe von 30 mm. Entweder als Hilfsflyback oder Lossles Snubber zur 
"Rekuperation" geschaltet. Optokoppler oder Gate-Übertrager konnte ich 
nicht erkennen.

Die Hauptplatine ist Single-Layer, evtl. gibt es SMD-Komponenten auf der 
Lötseite.

Von der Kaltgerätebuchse auf der Rückseite, deren 5 A-Feinsicherung 
etwas klappert läuft die Netzspannung über ein Adernpaar im 
Glasseidenschlauch zum Schalter auf der Frontplatte.
Die spannungsführende Verbindungslasche zum Sicherungshalter liegt frei. 
Hier wäre ein weiterer Schrumpfschlauch über die gesamte 
Kaltgerätebuchse angeraten und ist Industrie-Standard.
Ob die 0,75 mm² (oder weniger) der PE-Leitung einen 16 
A-Leitungsschutzschalter auszulösen reichen, vermag ich nicht zu sagen.

Der Glasseide-Schlauch kommt mit einer selbst-schneidenden Schraube in 
Kontakt, die die Frontplatte halten soll. Der Glasseidenschlauch 
verläuft weiter unter der Schalterplatine, ist aber zu kurz, so dass 
hier nur die Basisisolierung vorliegt. Die scharfkantigen Lötstellen der 
Schalter können diese durchstoßen und so mit Netzspannung in Berührung 
kommen, so dass die berührbaren Ausgangsbuchsen gefährlich aktiv werden 
können.
Die Anschlussleitungen am Schalter sind zwar mit Schrumpfschlauch 
gesichert, dieser hat aber eine ca. 1 mm breite Lücke. Hier wäre 
ebenfalls ein weiterer Schrumpfschlauch über den gesamten Schalter 
notwendig. Die Leitungen laufen vom Schalter zur Platine, wo sie direkt 
in die Leiterplatte gelötet sind, ohne weitere mechanische Befestigung.
Im Bereich der Verschraubung der Frontplatte können diese Leitungen bei 
ungünstiger Verlegung mit ihrer Basisisolierung in Kontakt mit den 
selbst-schneidenden Schrauben kommen.

Nicht akzeptabel sind die Anschlussleitungen der beiden Potis für 
Spannung und Frequenz, da diese nur angelötet aber nicht weiter durch 
Schrumpfschlauch gesichert sind.
Im Bereich der Potis kann es so passieren, dass eine der Leitungen 
abreißt und mit den blanken Anschlüssen des unmittelbar darunter 
liegenden Netzschalters in Kontakt gerät. Teilweise sind diese Leitungen 
schon durchs Löten im Werk angeschmort.

Wirklich sicherheitskritisch ist der Anschluss des Frequenz-Potis auf 
der Reglerplatine: Die Lötstellen sind mit Verlaub nur hingerotzt. Die 
Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass so eine Leitung abreißt und dann 
unmittelbar mit netzspannungsführenden Teilen in Kontakt gerät, z.B. die 
verlängerten Anschlüsse des NTC1. Dies gilt in abgeschwächter Form auch 
für die Leitung zur Instrumentenbeleuchtung.

Goodies:
* kompakt
* leiser Lüfter
* gutes Design (subjektiv)
* Steckverbindungen mit Kleber zusätzlich gesichert
* geschraubte Verbindungen mit Sicherungslack gesichert

Verbesserungsvorschläge:
* Messwerk dämpfen
* Schalterposition 13,8 V unten
* Lüfter soll Überdruck im Gehäuse erzeugen, angesaugte Luft fltern
* Feinsicherung klappert etwas
* Anpassung und Kennzeichnung des Spannungsbereichs auf 230 VAC +/- 10 %

Kritikpunkte:
* Verdrahtung der Potis sicherheitskritisch
* frei-verdrahtete Leitungen, direkt auf Platine gelötet, nicht 
zusätzlich gesichert
* im Bereich der Frontplatte können die Schrauben die 
netzspannungsführenden Leitungen beschädigen
* doppelte oder verstärkte Isolierung teilweise unzureichend oder nicht 
vorhanden
* Eingangsspannung mit 220 V deklariert
* offenbar kein Weitbereichseingang
* Anleitung nur auf Englisch beigefügt trotz CE-Kennzeichnung
* CE-Konfirmitätserklärung nicht beigefügt
* kein Schaltplan verfügbar

Ich überlege noch, ob ich das Netzteil wieder zurückgebe.
Einerseits hat es ein paar gute Lösungsansätze, andererseits bereiten 
mir die Sicherheitsmängel Bauchschmerzen. Wie würdet ihr entscheiden?

Beste Grüße, Marek

P.S. Welche Norm gilt für solche Geräte, da ich beruflich nur nach der 
61010 entwickle (Mess- und Laborgeräte).

von Uwe Evertz (Gast)


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Hallo Marek,

Das ist schön mal solche ein Review zu lesen, vieles davon würde ich als 
Funkamateur gar nicht erwarten, da ich mir auch solche Geräte selber 
bauen kann und darf.
Sicherlich gibt es Normen und Vorschriften für diesen Bereich und diese 
sollten auch eingehalten werden.

Allerdings sehe ich diese Probleme nicht. Alles was 230V ist, ist 
Berührungsschutzsicher (zumindest auf den Bildern) Der Schutzleiter ist 
SEHR gut montiert, hat er neben der Kennzeichnung die eigentlich egal 
ist, da ein Laie das Gerät nicht zu öffnen hat aber eine gecrimpte Öse 
sowie eine Zahnscheibe Ich denke das ist ausreichend. Ich sehe keine 
Gefärdung und die Leistungsmerkmale dieses Gerätes scheinen deutlich 
über dem Marktpreis zu liegen.
Geräte mit einem Laborähnlichen Charakter sind in der Preislage 
sicherlich nicht zu finden.
Ich benutze nur eine einzige Komponente für meine Spannungsversorgung 
der Amateurfunkstation, und das ist ein Ladegerät mit UIUI System zum 
Laden meiner Bleiakkus.
Das CE Zeichen hat eigentlich nichts zu sagen, das kann sich jeder an 
sein entwickeltes Gerät kleben. Hier in diesem Bereich gibt es auch 
keine Kontrollen.
Die Normen die für dieses Gerät zuständig wären, eventuell wohl
DIN EN 60335-1 VDE 0700-1:2012-10.

Zumindest im gewerblichen Bereich müsst nach G701 geprüft werden, das 
wird das "Viech" wohl mitmachen.

Insgesamt sind Deine Verbesserungsvorschläge löblich, als Funkamateur 
kannst Du das ja machen also umsetzen. Der Hersteller wird die Hinweise 
auch aufnehmen, setzt er Sie um, wird das Gerät sicherlich um die 
500Euro kosten.

Viel interessanter im Review wäre aber gewesen wie sich das Gerät 
elektrisch und vor allem im HF Sektor verhält und wie gross der 
produzierte Störnebel ist.

Wie würde ich entscheiden:
Für den Preis hätte ich es auch gekauft, und sämtliche Mängel so wie ich 
das schon kommentiert habe hingenommen. ich hätte es vermutlich nicht 
mal geöffnet. Einzig hätte ich im Vorfeld Bedenken der Störsicherheit 
gehabt.
Ich habe nach wie vor meine Trafonetzteile, und verzichte weitestgehend 
auf Schaltnetzteile, leider ist das heutzutage sogut wie nicht mehr 
möglich. Auch dem muss man Rechnung tragen

Gruss Uwe, DG7BBU

von Ralph B. (rberres)


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Uwe Evertz schrieb:
> Allerdings sehe ich diese Probleme nicht. Alles was 230V ist, ist
> Berührungsschutzsicher (zumindest auf den Bildern)

Hmm sind sie das wirklich?

Wo greifen die Potis ein? auf der Netzspannungsführende Primärseite? 
oder auf der Sekundärseite?

Das entscheidet ja nun mal ob die Potis Netzspannungspotential führen.

Ich finde auch angesichts der EMV Problematik den gesamten Aufbau schon 
grenzwertig.

Man hätte zumindest das eigentliche Schaltnetzteil vollständig in ein 
Abschirmgehäuse bauen können, und ( falls die Potis primärseitig 
eingreifen ) die Potis mit Plastikachsen isoliert montieren können.

Kabel welche Netzspannungspotential führen gehören in der Lötöse 
verdrillt, dann verlötet und die Lötöse samt Kabel vollständig mit 
Schrumpfschlauch versehen, damit sie sich unter keinen Umständen lösen 
können.

Viel wichtiger ist aber noch eine genügend gute Filterung der Ein und 
Ausgänge um den HF Müll des Schaltnetzteil an der Ausbreitung zu 
hindern.


Ralph Berres

von Christoph (Gast)


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Hallo Marek,
meine Einstellung zu Rauschgeneratoren dürftest Du kennen, 
Schaltnetzteile sind bei mir nur selten zu finden, ich bevorzuge noch 
Längsgeregelte Trafobestückte (sauschwere) Netzteile die stören nicht so 
sehr auf Kurzwelle.
Aber Danke für die Präsentation, ich sehe da keine Probleme der "Fuchs" 
sieht so aus wie jedes Computernetzteil und da fragt man sich auch nicht 
ob die Sicherheit gegeben ist, die liegt in der Verantwortung des 
Herstellers und Vertreibers. Ich habe mal Computernetzteile umgebaut vor 
Jahrzehnten mit Erfolg und der schon eingangs erwähnten Ergebnisse.
Gruß auch an Birte
vy 73 Christoph

von RBT (Gast)


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I got a similar power supply toasted by power surge when out power line 
was struck by lightning.

Q1 is shorted and diode D7 is busted beyond recognition. I'm looking for 
any schematic for reference.

TIA

von Radek (Gast)


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Hallo, ich habe dieses Netzteil gebraucht gekauft, aber der Lüfter läuft 
immer noch zu 100% arbeiten beim kalt ist.  Sie können mir hilfen, wo 
das Problem liegt.

73 Radek

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