Hallo,
habe hier eine Applikation, bei der ein großer Teil der Betriebszeit im
Sleep verbracht wird.
Batterie / Akkuspannung liegt bei 6V
Controller wird mit 3V arbeiten
Ist es nun günstiger, einen LDO ein zu setzen, oder einen Schaltwandler?
Die Active-Time wird bei ca. 2% der Betriebszeit liegen.
Wandler schrieb:> Hallo,>> habe hier eine Applikation, bei der ein großer Teil der Betriebszeit im> Sleep verbracht wird.>> Batterie / Akkuspannung liegt bei 6V> Controller wird mit 3V arbeiten>> Ist es nun günstiger, einen LDO ein zu setzen, oder einen Schaltwandler?
Du meinst einen Linearregler. LDO ist ein spezieller Typ von
Linearregler.
> Die Active-Time wird bei ca. 2% der Betriebszeit liegen.
Linearregler.
https://www.mikrocontroller.net/articles/Versorgung_aus_einer_Zelle#Vier_Mignonzellen_mit_LowDrop-Linearregler
...kann man das denn pauschalisieren?
Also ab Duty Cycle kleiner X-Prozent lohnt sich der Linearregler mehr
als der Schaltregler, oder ab Y% Spannungsdifferenz ist ein LDO besser
als ein StepDown-Regler...?
Ich meine bei 4 Batterien bzw. 4 Akkus lande ich bei 4,8V bis 6V und
möchte eigentlich bei 3V arbeiten.
Faktisch vernichte ich ja damit zwischen 37% bis 50% der zur Verfügung
stehenden Spannung, was ja letztendlich 37% bis 50% der verfügbaren
Energie entspricht...
Ich meine, wenn ich im Fall mit 4 Zellen und Nutzung von Batterien 50%
der Leistung verbrate um von 6 auf 3V zu kommen, dann könnte ich ja
genau so gut nur 2 Zellen verwenden und einen Step-Up-Wandler einsetzen,
der die Zellen dann möglichst leer lutscht... oder mache ich mir das zu
einfach?
Ich glaube, du vergisst bei deiner Betrachtung den Eigenverbrauch des
Schaltreglers bzw. Linearreglers. Tendenziell (aber nicht immer) kann
ein spezialisierter Linearegler leichter auf niedrigen Eigenverbrauch
getrimmt werden als ein Switcher, denn der muss ja nicht takten. Dafür
gibt es andere Probleme, aber das sein hier mal für diese Betrachtung
egal.
Wandler schrieb:> Ist es nun günstiger, einen LDO ein zu setzen, oder einen Schaltwandler?> Die Active-Time wird bei ca. 2% der Betriebszeit liegen.
Das hängt auch von der Stromaufnahme in den beiden Betriebszuständen ab.
Wolfgang schrieb:> Wandler schrieb:>> Ist es nun günstiger, einen LDO ein zu setzen, oder einen Schaltwandler?>> Die Active-Time wird bei ca. 2% der Betriebszeit liegen.>> Das hängt auch von der Stromaufnahme in den beiden Betriebszuständen ab.
Genau!
Ein Beispiel:
1 Jahr sind 31536000sec, bei 2% Aktivität 630720sec ON, 30905280sec OFF
Sagen wir weiterhin Eigenverbrauch LDO 10uA, Switcher 1mA (100%
Effizienz)
CPU(3V) im Idle 1uA, im Betrieb 20mA
Energie LDO in 1 Jahr
30905280sec*(1uA+10uA) + 630720*(20mA+1uA) = 12955As * 3V = 38865Ws
Energie Switcher in 1 Jahr
30905280sec*(1uA+1000uA) + 630720*(20mA+1mA) = 44181As * 3V = 132542Ws
Es ist schon spät, verzeiht bitte wenn Fehler drin sind... aber das
Prinzip dürfte nun einleuchten, oder?
——-
Ich sehe gerade, das Beispiel hinkt etwas: Die Rechnung beinhaltet
natürlich noch nicht die Verluste durch die Spannungsdifferenz am LDO.
Man müsste eigentlich beide Wirkungsgrade mit einrechnen. Man erkennt
jedoch, das im Idle die Effizienz des LDOs besser sein kann.
Dabei ist 1mA für einen Low Power Schaltregler sehr mies. Inzwischen
gibt es welche im zweistelligen nA Bereich:
http://www.ti.com/product/TPS62840
Es bleibt somit eine reine Kostenfrage. Der LDO wird günstiger sein - in
den seltesten Fällen effizienter.
avr schrieb:> gibt es welche im zweistelligen nA Bereich:> http://www.ti.com/product/TPS62840> Es bleibt somit eine reine Kostenfrage.
Das ist vor allem eine Bschaffungsfrage. Nett dass es die Dinger gibt,
aber erstens ist das Gehäuse regelmäßig bescheiden, und zweitens bekommt
man sie kaum, wenn man nicht Großabnehmer ist. Lieferzeit bei Mouser 11
Wochen, na danke.
Karl K. schrieb:> avr schrieb:>> gibt es welche im zweistelligen nA Bereich:>> http://www.ti.com/product/TPS62840>> Es bleibt somit eine reine Kostenfrage.>> Das ist vor allem eine Bschaffungsfrage. Nett dass es die Dinger gibt,> aber erstens ist das Gehäuse regelmäßig bescheiden, und zweitens bekommt> man sie kaum, wenn man nicht Großabnehmer ist. Lieferzeit bei Mouser 11> Wochen, na danke.
Ich gehe davon aus, daß es auch von anderen Herstellern Switcher mit
geringem Eigenbedarf gibt. 65nA sind ja nicht zwingend nötig. Schon mit
1µA Eigenbedarf würde ein Switcher einen LDO vermutlich schlagen.
Am Ende muß man es einfach einmal durchrechnen. Das Prinzip hat Harald
oben ja gezeigt. Man betrachtet die beiden Betriebszustände (idle und
aktiv) mit den jeweiligen Strömen an 3V und berechnet den dazu nötigen
Strom aus der Batterie. Dann wichtet man beide Werte entsprechend der
zeitlichen Verteilung der Betriebszustände.
Ich rechne nochmal mit etwas realistischeren Zahlen. Batterie sei 4x
Alkali Primärzelle mit im Mittel 1.2V, also 4.8V mittlere
Eingangsspannung. Der µC sei zu 98% im Idle mit 1µA und 2% aktiv mit
20mA.
Linearregler MCP1700 mit Iq=1.6µA. Switcher MCP16311 mit Iq=44µA und
einem Wirkungsgrad von 85%.
Idle: Linearregler braucht 1.6µA + 1µA = 2.6µA. Switcher braucht 44µA +
1µA × (3V÷4.8V) ÷ 85% ~= 44.75µA.
Aktiv: Linearregler braucht 1.6µA + 20mA = 20.0016mA. Switcher braucht
44µA + 20mA × (3V÷4.8V) ÷ 85% ~= 14.75mA.
Gewichtet mit 98% zu 2% gibt die mittlere Stromaufnahme an der Batterie;
Linearregler: 403µA vs. Switcher: 339µA
Guck mal. Hätte ich nicht gedacht. Das ist praktisch Gleichstand. Jetzt
kommt es darauf an, alle Schätzwerte nochmal kritisch zu hinterfragen.
Man sollte die Rechnung für verschiedene Wirkungsgrade des Switchers und
verschiedene idle/aktiv Verhältnisse wiederholen.
Wandler schrieb:> dann könnte ich ja> genau so gut nur 2 Zellen verwenden und einen Step-Up-Wandler einsetzen,> der die Zellen dann möglichst leer lutscht... oder mache ich mir das zu> einfach?
Gib bitte mal die ganze schaltung. Wenn man der uP direct von batterie
speisen kann und nur step-up benutzt wenn noetig (oder uP mit
eingebauter flexibeler step-up), ist man viel energie-guenstiger.
Brauchst du die 6V fuer etwas anders ?
Patrick
Wandler schrieb:> Wäre es nicht richtigerweise so:
(schnipp)
Nein, alles falsch. Beim Linearregler fließt der Ausgangsstrom auch auf
der Eingangsseite, vollkommen unabhängig davon, wieviel größer die
Eingangsspannung ist als die Ausgangsspannung. Und der Eigenstrombedarf
des Reglers kommt noch dazu.
Beim Schaltregler sind theoretisch Eingangs- und Ausgangs leistung
gleich. Bei doppelter Eingangsspannung braucht er also nur den halben
Strom. In der Praxis ist die Ausgangsleistung etwas kleiner, weil der
Wirkungsgrad unter 100% liegt.
Karl K. schrieb:> Das ist vor allem eine Bschaffungsfrage. Nett dass es die Dinger gibt,> aber erstens ist das Gehäuse regelmäßig bescheiden, und zweitens bekommt> man sie kaum, wenn man nicht Großabnehmer ist. Lieferzeit bei Mouser 11> Wochen, na danke.
Das Bauteil ist halt neu. Du kannst es aktuell direkt bei TI kaufen. Das
Gehäuse lässt sich mit wenig Übung mit Heißluft löten. Bei
hochfrequenten Schaltregler ist ein kleines Gehäuse übrigens förderlich
für ein gutes Layout.
Ansonsten gibt es auch den TPS62740 mit etwas höherem Iq.
Harald A. schrieb:> Es ist schon spät, verzeiht bitte wenn Fehler drin sind... aber das> Prinzip dürfte nun einleuchten, oder?> ——-> Ich sehe gerade, das Beispiel hinkt etwas: Die Rechnung beinhaltet> natürlich noch nicht die Verluste durch die Spannungsdifferenz am LDO.> Man müsste eigentlich beide Wirkungsgrade mit einrechnen. Man erkennt> jedoch, das im Idle die Effizienz des LDOs besser sein kann.
Bis auf Wirkungsgrad und weltfremde Werte ist das Prinzip richtig
erklärt.
Ein LTC3642 zieht einen Ruhestrom von 12µA und Digikey hat über 3000 auf
Lager, die sie sogar in Einzelstückzahlen verkaufen würden.
Bleibt die Frage, wieviel Strom auf der 3V-Seite geliefert werden muss?
Wolfgang schrieb:> Bis auf Wirkungsgrad und weltfremde Werte ist das Prinzip richtig> erklärt.
Da hast du Recht, die Werte waren übertrieben, bei meiner ersten
Beispielrechnung kamen zu gute Werte für den Switcher raus, daher musste
ich etwas an den Werten schrauben. Sollte ja nur das Prinzip zeigen,
dass LDO für Schaltungen mit viel Standby besser sein kann (aber nicht
muss)
Habe gerade gesehen, dass der von mir in letzter Zeit häufig verwendete
TPS54202 auch einen sehr kleinen Eigenverbrauch hat. Dazu SOT23-6, mit
grober Technik gut lötbar. Mit einer kleinen 4x4mm Spule und keramischen
Cs sehr klein aufbaubar. Dazu noch kostengünstig.
https://lcsc.com/product-detail/Others_Texas-Instruments_TPS54202DDCR_Texas-Instruments-TI-TPS54202DDCR_C191884.html
OT: Es macht übrigens Spaß mit der parametrischen Suche bei LCSC mal zu
schauen, welche Schaltregler man für <5 Cent bekommen kann (bei
Stückzahl 1). Gleiches Spiel bei Power-Induktivitäten und MLCCs. Für 50
Cent und weniger kann man schon komplette Powerlösungen hinbekommen.
Wohlgemerkt, bei sehr kleiner Stückzahl! Der hier z.B. für 9,3ct@10Stk.,
braucht auch nur 100uA für sich selbst:
https://lcsc.com/product-detail/DC-DC-Converters_Silergy_SY8113BADC_SY8113BADC_C78989.html
...ok danke, glaube mir ist jetzt einiges klarer.
Bei einem Step-Up-Wandler sähe es dann wie folgt aus:
Quelle 6V
Ausgang 12V
Wirkungsgrad 90%
Leistung am Ausgang: 2W
Daraus folgt: Leistung am Schaltwandler 2W / 90% = 2,22W
korrekt?
> dass LDO für Schaltungen mit viel Standby besser sein kann (aber nicht> muss)
Es hat in den letzten 5-10Jahren sowohl bei den LDOs wie auch den
Schaltreglern eine enorme Entwicklung Richtung geringen Eigenverbrauchs
gegeben. Man kann also immer nur Teile die ungefaehr gleich alt sind
vergleichen.
Die neueren Typen haben aber auch oft (nicht immer) einen Nachteil.
Wegen modernerer Herstellungsverfahren haben die nur noch einen
kleineren Eingangsspannungsbereich als alte Teile. Aehnlich wie auch bei
OPs.
In der Praxis wenn einem jedes mW wichtig ist muss man auch jedesmal zum
Taschenrechner greifen!
Olaf