Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik wie Masse verbinden bei mehreren Platinen?


von michael (Gast)


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Hallo,

ich würde gerne einen Bonsai-Modellcomputer bauen 
(https://www.hsg-kl.de/faecher/inf/material/bonsai/bau/index.php).
Das Projekt besteht aus 6 Platinen, die sternförmig an eine 
Spannungsversorgung angeschlossen sind. Alle Platinen haben über diese 
Spannungsversorgung also schon eine gemeinsame Masse.

Die Platinen sind über Flachbandkabel miteinander verbunden. In jedem 
Kabel gibt es unbenutzte Leitungen, die an beiden Enden auf Masse gelegt 
sind. So entstehen also große Masseschleifen.

Als Empfehlung beim Platinenlayout ließt man ja manchmal, dass man 
Masseschleifen vermeiden sollte.
Sind diese Masseschleifen im Bonsai sinnvoll oder wäre es besser, sie 
wegzulassen? Warum?

Das Projekt ist eine reine Digitalschaltung, die hauptsächlich aus 
Logik-ICs (74xx) besteht. Es arbeitet mit Taktraten von weniger als 
1MHz.

Vielen Dank und viele Grüße
Michael

von Dunno.. (Gast)


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Vermutlich lassen sich massig Argumente in beide Richtungen finden.

Kommt letztlich drauf an, wie die Querverbindungen aussehen.

Für jedes Signal, das von Platine zu Platine geht, muss ja auch ein 
(möglichst kurzer) Rückpfad vorhanden sein.

Wenn da jetzt die Masse erst quer über die Platine läuft, durch den 
Sternversorgungspunkt wieder quer über die nächste, dann wäre der 
direkte Pfad im Kabel natürlich deutlich schöner..

von MiWi (Gast)


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michael schrieb:

> Das Projekt ist eine reine Digitalschaltung, die hauptsächlich aus
> Logik-ICs (74xx) besteht. Es arbeitet mit Taktraten von weniger als
> 1MHz.

Bei den wenigen Layouts die ich mir von dem Projekt angeschaut habe 
ist`s auch schon egal wie Du verkabelst. Denn das alles ist EMV- und 
Signaltechnisch unter jeder Kritik (ist aber in dem Fall auch nicht 
nötig).

Da bis in die spätern 80er/frühen 90er mehr oder weniger alle digitalen 
Schaltungen so aufgebaut waren wird das funktionieren. Und durch die 
strenge Kammer muß Du nicht, also:

mach es wie angegeben und lerne daran das man es so nicht macht.

Und wenn es feigelt dann lernst Du daran.

Viel Erfolg und Vergnügen

von Achim B. (bobdylan)


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michael schrieb:
> Sind diese Masseschleifen im Bonsai sinnvoll

Mal ne Frage am Rande: Gibt es überhaupt SINNVOLLE Masseschleifen? Ich 
meine jetzt nicht: "iss egal in dem Fall", sondern "hier MUSS eine 
Masseschleife her!"

von W.S. (Gast)


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michael schrieb:
> So entstehen also große Masseschleifen

Ja WIE GROSS sind diese denn?

Das problem bei Masseschleifen besteht ja nicht nur darin, daß durch den 
Strombedarf eines Teilnehmers auf der Masseleitung ein Spannungsabfall 
erzeugt wird, sondern eben auch darin, daß durch die von einer 
Masseschleife aufgeapannten Fläche und den durch selbige gehende 
Wechselfelder (50 Hz und so) Wechselspannungen induziert werden. 
Beispiel: Nulleiter im Haus versus Heizungsrohr.

Aber ich denke mal, daß deine Bandkabel zu den Komponenten nun nicht 
gerade einige Meter lang sind, sondern vielleicht mal eben 20 cm oder so 
- und daß keine der Komponenten nen Betriebsstrom im Amperebereich 
zieht.

Mal abgesehen davon war zu früheren Zeiten die Grund-Konstruktion so, 
daß man eine Rückverdrahtung (bzw. Systembus) mit Steckplätzen hatte. 
Ich war nie ein freund davon, weil das nur eine Menge an wackligen 
Kontakten und viel Blech bei wenig Elektronik war und oftmals zu einem 
Wuchern von Bustreiber-IC's geführt hatte. Intel's Bustreiber in 
Schottky, jeder mit über 100 mA Grund-Betriebsstrom... --> Rechner als 
Zimmer-Heizung.

W.S.

von Michael B. (laberkopp)


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michael schrieb:
> Als Empfehlung beim Platinenlayout ließt man ja manchmal, dass man
> Masseschleifen vermeiden sollte.

Richtig, bei Audio brummt es dann.

Bis bei Digital Störungen auftreten, muss aber schon gewaltig was 
schieflaufen.

Die wohl sinnvollste Art ist die Backplane.

Also eine Platine in die (senkrecht) alle Karten gesteckt werden,
von dort kommt die Betriebsspannung und dort gehen die Datenleitungen 
drüber. Das führt Daten und Masse nahe beieinander parallel 
(optimalerweis noch je ein Pin Daten und 1 Pin Masse so daß es dutzende 
Massepins gibt die auf der Backplane in eine grosse Massefläche münden 
die alle Datenleitungen abschirmt) und vermeidet so grosse Zwischenräume 
zwischen den Leitungen, eben Schleifen.

Deine PLatinen sind nicht für eine Backplane gebaut, aber man kann sie 
ähnlich anordnen und die Flachbandkabel ähnlich führen. Man könnte 
optimalerweise die Masseleitzungen der Flachbandkabel jeweils auf halber 
Strecke noch mit den Masseleitungen der Stromversorung verbinden 
(Sternpunkt, Massefläche) um optimalen Massebezug herzustellen, aber das 
ist mechanisch aufwändig.

Das reicht sicherlich, die anderen Aufbauten funktionieren ja auch.

von Pandur S. (jetztnicht)


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Ich wuerde die Flachbandverbindungen sein lassen und mit Steckkarten und 
einer Backplane arbeiten.
zB mit 41612 b/2

https://www.digikey.ch/product-detail/en/molex/0850400012/WM4350-ND/2421281
https://www.digikey.ch/product-detail/en/amphenol-icc-fci/86092325313755ELF/609-5409-ND/5199745

von michael (Gast)


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W.S. schrieb:
> Ja WIE GROSS sind diese denn?

Ich denke das ganze Projekt wird so etwa 0,5m auf 0,5m. Es geht um 6 
Eurokarten, die mit ein paar cm Flachbandkabel verbunden sind.

Michael B. schrieb:
> Die wohl sinnvollste Art ist die Backplane.

Danke, wieder was gelernt. Eine Backplane möchte ich aber nicht machen, 
da man dann den Aufbau des gesamten Projekts nicht mehr so leicht 
überblicken kann.

MiWi schrieb:
> Viel Erfolg und Vergnügen

Vielen Dank!

von Pandur S. (jetztnicht)


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>Michael B. schrieb:
>> Die wohl sinnvollste Art ist die Backplane.
>
>Danke, wieder was gelernt. Eine Backplane möchte ich aber nicht machen,
>da man dann den Aufbau des gesamten Projekts nicht mehr so leicht
>überblicken kann.

Nun, die einzelnen Module muessen sowieso einzeln die eigenen 
Spezifikationen erfuellen. Jedes einzelne Board benoetigt eine eigene 
Debugging Strategie welche auch so implementiert werden mss.
Und fuer den Verbund benoetigt man dann eben Extenderboards welche eine 
Leiterplatte von der Backplane weg verlaengern.
Wenn man genuegend Pins auf der Backplane hat, kann man alle Signale auf 
der Backplane haben und so die Boards in der Reihenfolge austauschbar 
halten.

Wenn ich mit das Ganze auf der Webseite anschaue, wuerd ich's in einem 
FPGA implementieren. Es ist schon klar, dass ein Programmcounter ein 
einzelner oder mehrere gleiche Bausteine ist (74xx592) ? Und dass ein 
Rechenwerk auch so klein ist (74xx181)

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