Hallo,
Wieso wird eigentlich überall die PID Architektur für Regler benutzt?
Hat das mathematische Gründe? Hohe Stabilität? Einfach?
Würde mich wirklich mal interessieren, dem selbst bei richtig komplexen
Sachen finde ich immer wieder PIDs.
Wer nicht die 3 Parameter P , I und D beeinflussen kann, hat Probleme
die üblichen Regelstrecken schnell aber ohne (Über)schwingungen
einzuregeln.
Ein on/off Regler beispielsweise trifft den Sollwert nie genau schon
schwingt drumherum, wie beim Backofenthermostat.
Es gibt aber Regelprobleme, bei denen nichtmal PID reicht.
Es ist auch nicht überall ein PID. Viele Regler sind einfach PI oder PD
das kommt ganz auf das System an. Zur Stabilitätstheorie findet sich
online Recht viel. Beispielsweise das Kriterium nach Nyquist.
Joe schrieb:> Wieso wird eigentlich überall die PID Architektur für Regler benutzt?
der erste Fehler ist stets eine falsche Annahme!
1. Fehler: "überall PID" ist falsch.
Die meisten Regler denke ich sind 2 Punkt z.B. in Kühlschränken oder
P-Regler.
PID doch nur dort wo es gebraucht wird.
Ich hatte P und PI jetzt Mal auch unter PIDs subsumiert, da ist dann
halt der fehlende Anteil Null. Meine Frage ging eher in die Richtung,
wieso Fuzzy Regler oder prediktive Regler selten sind.
Joe schrieb:> Fuzzy Regler
war das nicht mal ein kurzer Hype?
Jeder schrieb der optimale Regler, selbstlernend und heute?
In der Versenkung verschwunden, man liest fast nichts mehr darüber.
Hat irgendwas mit KI zu tun, nur wer soll die machen wenn Resourcen,
Speicher, CPU und NI (natürliche Intelligenz) begrenzt sind?
Joe schrieb:> Ich hatte P und PI jetzt Mal auch unter PIDs subsumiert, da ist dann> halt der fehlende Anteil Null. Meine Frage ging eher in die Richtung,> wieso Fuzzy Regler oder prediktive Regler selten sind.
Das lässt sich in dieser Weise und so allgemein meiner Meinung nach
nicht sagen.
Vielmehr muss man davon ausgehen, dass verschiedene Regler für
verschiedene Zwecke und unter verschiedenen Randdbedingungen in
unterschiedlichem Maß geeignet sind.
Deswegen meine Frage, was Du von Reglern weißt.
So wie Du die Frage stellst, müsste man zunächst die Reglertheorie
aufarbeiten und dann die Regler vergleichen. Das ist ein wenig viel
verlangt; oder was meinst Du?
Selbstlernend ist garnicht so verkehrt. Ziel ist es doch, so schnell als
möglich den Sollwert zu erreichen und diesen so genau wie möglich
einzuhalten.
Dafür müssen die Koeffizienten für P, I und D sehr genau festgelegt
werden oder es wird eben nicht das mögliche Optimum errreicht. Wenn das
System die Parameter selbst immer besser anpasst, ist das doch ideal ...
Natürlich ist das mit einem gewissen elektronischen Aufwand verbunden,
aber der ist wohl in Zeiten, in denen 32-Bit-Controller einstellige
Euro-Beträge kosten, kaum noch erwähnenswert.
Frank E. schrieb:> Selbstlernend ist garnicht so verkehrt. Ziel ist es doch, so schnell als> möglich den Sollwert zu erreichen und diesen so genau wie möglich> einzuhalten.
Z.B. bei Temperaturregelungen ist das nicht möglich, da man zu viele
Einflußfaktoren hat. Man legt daher die PID-Parameter so fest, daß die
Regelung unter allen Bedingungen stabil arbeitet. Ob sie dann etwas
länger zum Einregeln braucht, ist oft nebensächlich.
Frank E. schrieb:> Dafür müssen die Koeffizienten für P, I und D sehr genau festgelegt> werden oder es wird eben nicht das mögliche Optimum errreicht.
Was nützt das Optimum, wenn die Regelung dann schnell instabil wird.
In der Praxis sieht es so aus, dass man kein genügend präzises Modell
seiner Strecke hat. Damit ist es nicht möglich, z.B. einen
Zustandsregler mit gängigen Methoden zu parametrieren.
Einen PID-Regler kann man basierend auf bekannten Streckeneigenschaften
schätzometrisch auslegen und dann "live" die PID-Parameter tunen, was
mehr oder weniger intuitiv einfach geht. Bei komplexeren
Reglerarchitekturen geht das nicht mehr.
Adaptive Regler haben einen riesigen Haken: Wie weist man Stabilität
nach? Wie stellst Du sicher, dass der Fluglageregler nicht Amok läuft,
wenn irgend ein Sensor (sagen wir Anstellwinkelsensor) seltsame Werte
liefert?
Joachim B. schrieb:> PID doch nur dort wo es gebraucht wird.
Naja, die meisten käuflichen Regler werden wohl schon PID sein. Nur wird
eben bei Bedarf der P/I/D Anteil ausgeschaltet. Nur weil einer verbaut
ist, muss er ja nicht so parametriert sein.
Ingo Less schrieb:> Mal ne Suchmaschine bemüht?Theor schrieb:> Was weißt Du über Regelungstechnik und Regler?
Mal ne Gegenfrage gestellt, um auch etwas sagen zu können und so zu tun
als ob ihr Ahnung hättet, obwohl ihr keinen blassen Schimmer hast, was
"Regler" und "PID" überhaupt bedeuten?
Theor schrieb:> Das lässt sich in dieser Weise und so allgemein meiner Meinung nach> nicht sagen.> Vielmehr muss man davon ausgehen, dass verschiedene Regler für> verschiedene Zwecke und unter verschiedenen Randdbedingungen in> unterschiedlichem Maß geeignet sind.>> Deswegen meine Frage, was Du von Reglern weißt.>> So wie Du die Frage stellst, müsste man zunächst die Reglertheorie> aufarbeiten und dann die Regler vergleichen. Das ist ein wenig viel> verlangt; oder was meinst Du?
ICH meine: halt die Klappe und schreib einfach "it depends"
So kannst du dich auch an jeder Diskussion beteiligen, wirkst dabei, als
ob du Ahnung hättest, alle anderen müssen nur 2 Wörter von dir lesen
statt 2 Absätze Müll, und trotzdem erkennt jeder sofort: Theor hat
nichts beizutragen, ist aber sehr geltungssüchtig.
>Wieso wird eigentlich überall die PID Architektur für Regler benutzt?>Hat das mathematische Gründe? Hohe Stabilität? Einfach?
Eine lineare Strecke 1. Ordnung regelt man mit einem P-Regler. Du kannst
damit das System Regler+Strecke so verändern, dass du im Prinzip jede
gewünschte Geschwindigkeit hin bekommst. *1
Eine lineare Strecke 2. Ordnung regelt man mit einem PD-Regler. Du
kannst damit das System Regler+Strecke so verändern, dass du im Prinzip
jede gewünschte Geschwindigkeit und Dämpfung hin bekommst. *1
Man kann diesen PD Regler auch als 2 P-Regler sehen. Der erste P-Regler
wirkt auf die Ausgangsgröße, der zweite auf die Zwischengröße (zb. die
Bewegungsgeschwindigkeit).
Eine lineare Strecke 3. Ordnung würde man mit einem PDD-Regler regeln.
Aber DD macht in der Praxis keinen Sinn. Die Signale wären zu
verrauscht. Um bei einem System 3. Ordnung an die Zwischengrößen zu
kommen gibt es andere Methoden (Beobachter)
Den I-Anteil brauchst Du bei allen Strecken, wenn du keine bleibende
Regelabweichung willst. Er macht aber alles etwas langsamer.
Im Prinzip geht es also darum, jede Strecke durch eine Strecke 1.
Ordnung (dann mit P oder PI) oder 2. Ordnung (dann mit PD oder PID)
anzunähern.
Will man schneller regeln, ist die Näherung auf 2. Ordnung oder die
Annahme , dass die Strecke linear ist unzureichend. Dann kommt man mit
einem Zustandsregler weiter. Der ist aber komplizierter. Für Strecken
mit Totzeit nimmt man nur nen I-Regler
*1 In der Praxis wird das durch die endliche Ausgangsgröße (-spanung)
des Reglers begrenzt.
Joe schrieb:> wieso Fuzzy Regler oder prediktive Regler selten sind
Das ändert doch nichts an der zugrundeliegenden Mathematik - ich habe
bereits erfolgreich prediktive Regler gebaut, aber das ist letztendlich
auch ein PID-Regler, nur eben einer, der nicht die aktuelle Temperatur
regelt, sondern die für die Zukunft in z.B. 1 Minute vorausberechnete.
Warum? Weil die Heizung entsprechend verzögert wirkt. Aber das kann man
natürlich nicht diskutieren wenn man nicht mal PID versteht.
Georg
Georg schrieb:> Aber das kann man> natürlich nicht diskutieren wenn man nicht mal PID versteht.
Na du hast PID-Regler definitiv nicht verstanden wenn du Werte im Voraus
berechnest. Das ist ja eben der Trick am PID, man muss sich weder um die
Zukunft sorgen, noch in der Vergangenheit verweilen.
Joe schrieb:> Wieso wird eigentlich überall die PID Architektur für Regler benutzt?
PID-Regler sind die Königsdisziplin bei Reglern, sie sind schnell,
genau, zuverlässig aber auch entsprechend aufwendig. In der Regel werden
sie auch nur als Marketing-Schlagwort benutzt, dabei sinds dann oft nur
PI oder PD Regler da der dritte Teil eh zu 0 gewählt wurde...oder bei
unserer tollen Heizung, wird mit PID groß beworben, ist aber tatsächlich
nur ein Zwei-Punkt-Regler drin.
M. K. schrieb:> Na du hast PID-Regler definitiv nicht verstanden wenn du Werte im Voraus> berechnest.
Hat er ja auch nicht mit einem PID Regler gemacht, sondern mit einem
prädiktiven Regler. :)
M. K. schrieb:> oder bei> unserer tollen Heizung, wird mit PID groß beworben, ist aber tatsächlich> nur ein Zwei-Punkt-Regler drin.
Diesen Eindruck habe ich auch.
Aber man sollte hier auch die Ventilunterteile mit ihrer zumeist
ungeeigneten Ventilkennlinie beachten.