So, der Postmann hat geklingelt...
50mm-Plexiglasrohr, Parfumzerstäuber (den ich wie gesagt eh nicht
verwenden werde) und 30x-Handymikroskop von Amazon
(https://www.amazon.de/gp/product/B07D3RFHJH/ref=ppx_yo_dt_b_asin_title_o00_s00?ie=UTF8&psc=1)
sind eingetroffen.
Gleich einmal das Handymikroskop getestet. Im Originalzustand war nicht
nur das Gesichtsfeld durch das Linsengehäuse stark eingeschränkt,
sondern ich musste für scharfe Abbildungen mit dem Objekt ganz nahe ans
Gehäuse. Für meine Zwecke natürlich weniger geeignet, da der Abstand
Linse-Öltropfen ja um die 25mm betragen wird (es sei denn, ich wandere
mit dem Kondensatoreingang von der Mitte weg näher zum Rand).
Deshalb gleich einmal das Gehäuse bis zur Linse gekürzt. Jetzt ist das
Gesichtsfeld deutlich größer und ich erreiche für scharfe Abbildungen
fast die gewünschte Distanz zum Objekt.
Habe es auch anstelle des Handymikroskops mit einer einzelnen f = 39.5mm
Glaslinse von Astromedia versucht. Diese hatte ich noch vom
TSL1401-Arduino-Spektroskop über. Das Ergebnis und die Abstände zum
Objekt sind mittelmäßig zufriedenstellend. Da ist das gekürzte
Handy-Mikroskop besser.
Ich habe ja noch ein 50-fach Handymikroskop auf ebay bestellt. Mal
schauen, ob das noch besser ist und ich vielleicht dessen Objektiv sogar
verstellen kann. Müsste nämlich mit dem Objektiv näher ans Handy
(kleinere Bildweite), damit die Gegenstandsweite (auf besagte 25mm)
zunimmt.
Ich finde es grundsätzlich schön, wenn Leute sich mit soetwas befassen.
Interessante Sache, das!
Sorry, wenn es aus obenstehendem irgendwie hervorgehen sollte, ich habe
keine Zeit, dass alles jetzt zu lesen aber:
Im Originalversuch wurde (soweit ich mich an meine Schulbildung
erinnere) mit Röntgenstrahlung gearbeitet, um einzelne Elektronen
herauszuschlagen.
Wie planst Du, hier vorzugehen.
@ Marcus: Ja, H.Fletchers Beitrag ist ordentlich untergegangen.
Ärgerlich wenn nur einer die Lorbeeren sammelt. Ist aber öfters in der
Wissenschaft so (vgl. Hubblegesetz und die Beiträge von Lemaitre).
@ M.A.S.: Soviel ich weiß, diente die Röntgenstrahlung nur um die
Ladungen zu ändern. Kann aber gut möglich sein, dass es durch die
Röntgenstrahlung erst überhaupt zu einer Ionisierung kam. Es gibt auch
kommerzielle Millikanapparate mit integrierten Alpha-Strahler.
Soweit ich aber in Erfahrung bringen konnte, brauche ich dies bei den
Mikropartikeln eben alles nicht. Die laden sich beim Zerstäuben
automatisch auf. Müsste beim Öl eigentlich das gleiche sein. Mal
schauen...
Wenn ich einen Alphastrahler dazu benötigen würde, nehme ich einfach
einen meiner Americium-241-Strahler...
Gestern habe ich in meinem Optikfundus noch eine nahezu ideale Linse mit
Halterung finden können. Erstens ist die durch die Halterung einfach am
Handy zu fixieren und zudem ist ihre Brennweite groß genug, um die
geforderten Gegenstandsweiten von rund 2-3 cm einzuhalten. Anbei eine
Aufnahme mit dieser Linse + Handyzoom. Die Skalenstriche sind 1 mm. Zur
Erinnerung: Der Abstand der Kondensatorplatten beträgt geplante 5 mm.
Christoph E. schrieb:> @ M.A.S.: Soviel ich weiß, diente die Röntgenstrahlung nur um die> Ladungen zu ändern.
Jupp!
Christoph E. schrieb:> Es gibt auch> kommerzielle Millikanapparate mit integrierten Alpha-Strahler.
Uji!
Christoph E. schrieb:> Wenn ich einen Alphastrahler dazu benötigen würde, nehme ich einfach> einen meiner Americium-241-Strahler...
Aha, na wenn Du sowas im Schrank hast...
Hier geht es mit Kleinigkeiten weiter. Habe am Wochenende nochmals
überprüft, mit welcher Linse ich die Mitte des 50mm-Plexiglasrohres
scharf und vergrößert bekomme.
Mit dem 30-fach bzw. eben angekommenen 50-fach Handymikroskopen geht es
leider nicht, mit der "Linse 1" schon. Deren Brennweite habe ich mittels
Laserpointer mit rund 31 mm bestimmen können. Mit dieser und dem
manuellen Fokus erziele ich brauchbare Ergebnisse (siehe Bleistift im
Glas).
Kondensator und Zerstäuberkammer sind soweit fertig. Ein Rohr per Hand
genau senkrecht abzuschneiden ist alles andere als leicht. Die
Abweichungen liegen jetzt aber wohl im < 0.5mm-Bereich. Der Abstand d
der Kondensatorplatten geht ja in die elektrische Feldstärke mit E = U/d
ein. Von daher sollte er schon möglichst überall gleich sein...
Ich werde die ganze "Säule" mit drei M4-Gewindestangen von oben
zusammenpressen. Als Dichtungsringe kommt Moosgummi zum Einsatz. So ist
der Aufbau schön zerlegbar, falls er z.B. geputzt werden muss. Das
Eintrittsloch in der oberen Kondensatorplatte hat momentan einen
Durchmesser von 1 mm. Im Internet wurden zwar bei einer Quelle 0.5mm
genannt, ich denke mir aber dass die dadurch bedingten Inhomogenitäten
der elektrischen Feldstärke noch gering sind und zudem genügend
Mikropartikel in den Innenraum driften.
Das Spannungskabel habe ich einmal seitlich an die obere Platte gelötet.
Das Kabel für die untere Platte werde ich dann an der Unterseite
festlöten und seitlich rausführen.
Schön langsam nimmt der Millikan-Apparat Formen an. Das zugeschnittene
Plexiglas habe ich gestern abholen können. Das 6mm-Rohr für den
Kondensatorinnenraum habe ich händisch auf 5 mm abgeschliffen. Die
verstellbare LED-Halterung ist auch fertig.
Jetzt fehlt nur noch der Zerstäuber aus England (jener aus Pakistan kann
nicht geliefert werden :aufsmaul: ) und die Handyhalterung...
Schön langsam treffen die letzten Teile fürs Experiment ein. Gestern ist
der Zerstäuber aus England angekommen. Den schon etwas porösen Schlauch
habe ich gegen einen neuen aus Silikon ausgetauscht.
Als Ersatz für das Handy + Linse habe ich mir quasi als
Weihnachtsgeschenk noch ein Mikroskop mit Bildschirm gekauft. Dieses ist
bereits heute eingetroffen. Für mich ist also am 11.12 bereits
Weihnachten...
Die Verarbeitung ist für den Preis wirklich mehr als ordentlich. Habe
auch gleich die unterschiedlichen Vergrößerungen ermittelt. Diese ändert
man wie schon gesagt durch Veränderung der Gegenstandsweite. Bei
geringem g ist die Vergrößerung höher und vice versa.
Die angegebenen 600-fach schafft es natürlich bei weitem nicht aber für
meine Bedürfnisse dürfte es trotzdem ideal sein. Immerhin möchte ich ja
nur den Abstand der Kondensatorplatten (5 mm) formatfüllend abbilden.
Die Vergrößerung ist im Bereich 6- bis 30-fach variierbar. Der
Strichabstand beträgt in echt 1 mm!
Ich habe mich bewusst für dieses Modell
(https://www.amazon.de/gp/product/B07B6H1K9W/) entschieden, weil ich
dann das Stativ am leichtesten an meine Bedürfnisse (horizontale
Verschiebung) anpassen kann.
So, der Aufbau ist soweit fertig. Jetzt steht dann als nächstes der
erste Testlauf an. Das Mikroskop habe ich nun ausgerichtet. Die
momentane Vergrößerung beträgt ca. 15-fach.
Zum Ausrichten und Fokusieren habe ich einen 1mm Bohrer ins
Eintrittsloch gesteckt. So sind etwa 4mm des 5mm messenden
Plattenabstands einsehbar. Das Mikroskop lässt sich im Stativ ein wenig
bewegen. Dies ist aber insofern von Vorteil, weil ich dann das
Eintrittsloch ins Bild rücken und scharf stellen kann...
Heureka, ich hab's geschafft...
Habe heute den ersten Versuch mit den Mikropartikeln unternommen. Zuerst
sprühte ich die Mikropartikel von oben in die Kammer oberhalb des
Kondensators. Dadurch erhielt ich leider aber viel zu viele Tröpfchen im
Zwischenraum. Daher sprühe ich diese jetzt seitlich in die obere Kammer
und danach driften sie durch die 1mm große Eintrittsöffnung in den
Kondensatorzwischenraum.
Die Mikropartikel sind nicht leicht am Bildschirm auszumachen, aber es
geht. Und zudem darf man sich nur auf jene konzentrieren, die trotz
Spannung nicht nach unten sinken. Beim zweiten Durchlauf habe ich dann
gleich ein Mikropartikel entdeckt, welches bei 273V Kondensatorspannung
in Schwebe gehalten werden konnte.
Daraus errechnet sich eine Ladung von 2.08 * Elementarladung e
Hier das erste Video dazu, wobei oben unten ist und umgekehrt, sprich
die Teilchen kommen von unten ins Bild:
Fühle mich gerade wie Robert Millikan
Habe die 0.25 g Mikropartikel mit rund 14 ml vermischt. Löst sich aber
nur sehr zögerlich auf und bildet kleine Klumpen. Vielleicht gebe ich
eine kleine Metallkugel noch in den Zerstäuber, die mir dann das Pulver
weiter ausflöst...
https://www.youtube.com/watch?v=qg_IeUnfj4c
Habe heute nochmals eine Messserie durchgeführt. Brauchbare Ergebnisse
zu erzielen ist aber wirklich sehr schwierig. Erstens ist der Bereich
scharfer Abbildungen äußerst schmal und zweitens kommen nur sehr wenige,
richtig geladene Mikropartikel in den Kondensatorinnenraum. Passt das
eine, passt das andere nicht und umgekehrt.
Damit möglichst wenig Streulicht ins Objektiv gelangt, habe ich nun die
3 Gewindestangen zur Fixierung der Kammer anders postiert. Jetzt
befindet sich in Sichtlinie des Mikroskops keine Gewindestange mehr
(früher war eine genau auf der Kammerrückseite). Zudem habe ich die
Kammer etwas näher zum Mikroskop gerückt, damit ich noch höhere
Vergrößerungen erzielen kann.
Die großen Tropfen des Zerstäubers decken mir auch öfters die
Eintrittsöffnung ab, sodaß keine Mikropartikel mehr in den Innenraum
gelangen. Dann heißt es die Kammer auseinander nehmen und reinigen. Dies
geht aber mit Hilfe der Flügelmuttern recht flott. Durch die große
Anzahl an Versuchen, habe ich auch schon recht ordentlich
Mikropartikellösung verbraucht. Ich bin am Überlegen, ob ich nicht die
kommerzielle Lösung mit Latexpartikel kaufe. Die hätten 1,02 µm
Durchmesser, kosten allerdings 57 Dollar ohne Versand aus den USA...
Am Ende der Versuchreihe hatte ich dann 4 brauchbare Messungen in der
Tasche. Komisch ist nur, dass ich bisher keine einfache Elementarladung
(q = 1 * e) messen konnte. Bisher ergaben 3 Messungen die doppelte
Elementarladung und eine ca. die 3-fache. Dabei müsste die Einfache am
häufigsten auftreten.
Vielleicht sprühe ich als nächstes die Mikropartikellösung direkt in den
Kondensatorzwischenraum. Dann muss ich diesen zwar sehr oft reinigen,
ich hätte aber deutlich mehr beobachtbare Teilchen. Mal schauen, ganz
zufrieden bin ich mit den bisherigen Ergebnissen eben noch nicht...
Wenn ich den Fokus richtig/gut eingestellt habe, sehe ich die
Micropartikel eigentlich nicht so schlecht. Das größere Problem ist,
dass ich bis jetzt kein einfach elektrisch geladenes Partikel gefunden
habe. Denn dann müsste die Schwebespannung rund 570V betragen. Regle ich
auf diese Spannung hoch, hauen mir sämtliche Partikel ab. Ich habe
bisher den Schwebezustand scheinbar nur für 2-fach geladene Partikel
erzielen können (U = ca. 280V).
Ich werde wie gesagt in den nächsten Tagen einmal die Mikropartikel
direkt in den Zwischenraum zerstäuben, damit ich viel mehr (geladene)
Partikel im Mikroskop beobachten kann. Denn so driften nur sehr wenige
Partikel durchs Eintrittsloch (1 mm Durchmesser) und davon sind dann
nicht alle elektrisch geladen...
Die angezeigte Spannung habe ich mit einem Multimeter überprüft, die
stimmt sehr genau. Wenn Lösungsmittel (verwende normales Leitungswasser)
an den Mikropartikeln hängen bleibt und sie dadurch schwerer werden,
müsste die notwendige Schwebespannung ja noch weiter ansteigen.
Gestern noch eine Versuchsreihe mit seitlich in die Kammer zerstäubten
Partikeln gemacht. Damit erhalte ich logischerweise deutlich mehr
Teilchen aber erstens befinden sich diese unterschiedlich weit weg vom
Objektiv und deshalb sind nicht alle scharf zu bekommen und zweitens
musste ich in den Plexiglasring nicht nur seitlich die Eintrittsöffnung
bohren, sondern auch zum Druckausgleich ein zweites Loch. Dadurch ist
das Ganze aber zum Teil einer seitwärts gerichteten Luftströmung
ausgesetzt und die Teilchen driften nach rechts/links.
Zudem habe ich auch bei seitlich eintretenden Partikeln zum Schweben zu
niedrige Spannungen benötigt. Gehe ich auf die für q = 1 * e notwendigen
Spannungen im Bereich von 600V, so hauen mir sämtliche negativ geladenen
Partikel nach oben ab. Ich erhalte wiederum Schwebespannungen im Bereich
zwischen 55V und 280V, aber eben nie im Bereich 500-600V.
Bei zwei Aufnahmen konnte ich sogar 2 unterschiedlich geladene Teilchen
zum Schweben bringen. Jenes mit größerer Ladung schwebte bereits bei
geringerer Kondensatorspannung, das weniger geladene benötigte dann eine
höhere Spannung, bei der dann das erste bereits nach oben abhaute...
Habe auch nochmals die Spannung mit einem Multimeter überprüft aber die
passt eigentlich sehr gut. Wenn die Mikropartikel anstelle der
angegebenen 1.5 µm nur 1.2 µm Durchmesser hätten, würden eine
Schwebespannung von 280V genau einer Ladung von q = 1*e entsprechen.
Rechne ich aber mit den 1.5 µm, habe ich noch nie die Ladung 1*e
gemessen.
Bzgl. der nicht erhaltenen einfachen Elementarladung habe ich mir noch
gedacht, dass das Eintrittsloch mit 1 mm Durchmesser vielleicht die
Feldstärke in direkter Nachbarschaft des Lochs stark beeinflusst. Aber
wenn ich davon ausgehe, dass das Loch die elektrische Feldstärke
erniedrigt verglichen mit der Kondensatorformel E = U / d, so müsste ich
ja erst recht höhere Schwebespannungen benötigen und nicht zu niedrige.
Ich bin ja wie gesagt mit den bisherigen Ergebnissen noch nicht 100%ig
zufrieden. Daher habe ich mich im Internet weiter schlau gemacht und
u.a. in einem Artikel gelesen, dass niedrige Ladungen (1*e) mit einer
geringen Wahrscheinlichkeit auftreten. Das würde aber der einen
Abbildung widersprechen, wo die Häufigkeiten der jeweils gemessenen
Ladungen aufgetragen sind und eben die größte Häufigkeit bei einfacher
Elementarladung auftritt.
Dann kümmere ich mich noch um den Erwerb einer Latexkugel-Lösung, wie
sie eben bei kommerziellen Produkten zum Teil angeboten wird. Da habe
ich eine Firma in den USA zwecks Kosten angeschrieben. Das Produkt
selbst würde 57 USD kosten. Dann kommen aber noch
Bearbeitungsgebühren/Bankgebühren (42 USD) und Versand (stolze 133 USD
für ein Fläschchen so groß wie ein Nagellack) dazu. Mit Zoll wäre ich
dann für 15ml bei 270 Euro, was einen Literpreis von 18000 Euro macht...
Auf einen Teil eines interessanten Artikels (The physics teacher,
Jahrgang 1971) bin ich auch gestoßen, wo das Problem mit dem Beschlagen
der Glasfenster mit der milchigen Latexkugel-Lösung beschrieben/gelöst
wird...
Habe deshalb meinen Zerstäuber einmal mit Silikonschlauch und
Ballpumpendüse erweitert. Naturlatexschlauch habe ich auch aus China
bestellt, das wird aber mehr als 1 Monat dauern.
Frohe Weihnachten von mir ...