Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik BGA oder LQFP


von Geri (Gast)


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Hallo zusammen

Viele Controller gibt es auch in platzsparenden (U)BGA-Gehäusen.

Haben BGA-Bauteile gegenüber (L)QFP-Bauteile im Einsatz z.B., bei 
Vibrationen, hohen Temperaturänderungen (-30°C - 80°C), Salznebel, 
mechanischer Stress oder anderen ungünstigen Umgebungsbedingungen 
wesentliche Nachteile?

Ich könnte mir vorstellen, dass Temperaturänderungen auf Grund der 
kleinen Lötstellen eher ungünstiger sind. Andererseits wegen der 
geringeren Masse bei Vibrationen punkten.

Danke für eure Tipps

Geri

von Sebastian R. (sebastian_r569)


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BGA ist in der Serie nur durch Röngtgen zu inspizieren. LQFP lässt sich 
optisch automatisch kontrollieren.

Die Geräte, die wir in meiner Firma entwickeln, müssen rausten 
Umgebungsbedingungen standhalten (z.B. 0...185°C Umgebungstemperatur, 
starke Vibrationen,...) und wir nutzen kein BGA, eben weil es schwerer 
zu verarbeiten und zu kontrollieren. Mechanisch sicher auch anfälliger.

LQFP mit Exposed Pad hält wunderbar.

von Entenwickler (Gast)


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Im Normalfall wird ma LQFP immer vorziehen. Außer es gibt gute Gründe 
für die BGAs, wie Kosten oder Platzbedarf.

Ansonsten haben sie schon auch Nachteile, speziell die feineren:
- Fallweise höhere Ansprüche an die Leiterplattentechnik (Escapage), 
Dinge wie Stacked Microvias kosten Geld
- Schlecht zu inspizieren und zu testen (wurde ja schon genannt)
- Lötprofil und dergleichen muss auch erst mal beherrscht werden
- Reparatur schwieriger

Bei uns kommen BGAs nur dann zum Einsatz, wenn es nötig ist. Wie 
beispielsweise bei CPUs, eine richtige CPU mit Speicherinterface bekommt 
man nur im BGA.

Ich kann mich nicht erinnern, dass wir bei LQFP jemals Probleme mit 
Vibraionen bekommen hätten. Da sind eher große passive Baueile die 
Problemkinder. Große Elkos waren oft solche.

Ich denke, BGAs könnten sogar eher problematisch sein. Wenn sich die 
Platine leicht biegt, dürfte der Stress auf die Lötstellen höher sein, 
als bei LQFP.

von Sebastian R. (sebastian_r569)


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Wenn es wirklich darauf ankommt, dass ein Produkt extremsen 
Anforderungen widersteht, gibt es noch das MCM (Multi-Chip-Modul). Ein 
Keramik-Substrat mit Wolframleiterbahnen, geklebte passive Bauteile und 
ICs direkt als Die aufgeklebt und gebondet. Das ganze in einer 
Titan-Schachtel. Elektroniken bis 250°C sind damit wohl kein Problem. 
Aber der Spaß kostet natürlich amtlich.

Ansonsten wäre der China-Standard CoB (Chip on Board) mit Die und dem 
schwarzen Globtop-Klecks vielleicht auch eine Methode, robustere 
Platinen zu schaffen. Bonden muss man trotzdem können.

von Marc (Gast)


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Aber auch Bonding hat seine Nachteile, die Qualität des Bondings lässt 
sich nur durch Zerstörung ermitteln. In der Regel wird dafür die erste 
Leiterplatte nach dem Bonding aus dem Produktionslos genommen und die 
Kräfte gemessen welche benötigt werden um das Bonding zu zerreißen. Bei 
den folgenden Leiterplatten geht man wenn alles passt einfach davon aus 
das die Bondings in Ordnung sind wenn optisch unauffällig.

von Geri (Gast)


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Hallo zusammen

Vielen Dank für die Tipps!

Röntgen kostet angeblich etwa 8-10 Euro pro Bauteil. Das wäre ja in 
manchen Fällen noch i.O. doch was nutzt es, wenn man danach auf rohen 
Eiern sitzt.

Leider gibt es halt die sehr leistungsfähigen CPUs mit FPU etc. meist 
nur in großen Packages >=100 Pins und wenn man dann nur ein paar Pins 
benötigt...

Beste Grüße

Geri

von Flo (Gast)


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In meinem Master Studium hatten wir eine Vorlesung zum Thema Packaging. 
Der Dozent war direkt von Infineon und im Packaging tätig.

Wenn sehr große Temperaturbereiche abgedeckt werden sollen, ist ein QFP 
vorzuziehen, da das mould compound einfach etwas mehr Spiel zulässt, als 
die direkte Anbindung beim BGA. Sein Lieblingswort in dem Zusammenhang 
war der Wärmeausdehnungskoeffizent. Silizum und Kupfer unterscheiden 
sich hier massiv.

von Flo (Gast)


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Ach genau, noch was.

Ein Vorteil von BGA ist aber die HF Eigenschaft. Jeder Bond und jedes 
Beinchen wirken wie Antennen bei QFP. Das Problem gibt es bei BGA 
hingegen nicht.

von Frank K. (fchk)


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Geri schrieb:

> Röntgen kostet angeblich etwa 8-10 Euro pro Bauteil. Das wäre ja in
> manchen Fällen noch i.O. doch was nutzt es, wenn man danach auf rohen
> Eiern sitzt.

Im Automotive Bereich findest Du problemlos leistungsfähige 32-Bit 
Microcontroller mit 200 und mehr MHz und zulässigen Chiptemperaturen von 
-40°C bis +150°C in BGA-Packages. Beispiel:

https://www.st.com/en/automotive-microcontrollers/spc58-g-line-mcus.html

Wenn BGA dort ein ernsthaftes Problem wäre, gäbe es diese Teile nicht, 
und man würde da erst recht nichts von "safety" (also funktionaler 
Sicherheit) draufschreiben.

Produktionskontrolle ist ein offensichtliches Problem. Für die 
Beständigkeit gegen Umwelteinflüsse solltest Du mit Deinem Fertiger 
diskutieren, ob für BGA- und CSP-Bauteile Underfill eingesetzt wird, 
z.B.

https://www.panacol.de/kleber-anwendungen/pcb/flip-chip-underfill

Zusammen mit einem anschließenden Conformal Coating ist das in den 
einschlägigen Branchen ein Standardprozess. Solche Boards überstehen 
dann problemlos 20 Jahre im Motorraum eines Autos.

fchk

von Ikke (Gast)


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BGA ist im Automobilbereich ein echtes Problem. Die Kunden wollen 100% 
AOI. Geht mit BGA nicht. Also Röntgen. Röntgen dauert länger, die Kosten 
will keiner zahlen. Also nur Stichproben. Zudem kann man nicht alle 
Fehler beim Röntgen sehen. Bei den runden Pads der BGA erkennt man einen 
Aufflieger noch gut, da sich der Ball bei Kontakt in der Form ändert. 
Bei eckigen Pads wie bei LGA Gehäuse kann man mit Röntgen einen 
Auflieger nicht erkennen.
Mechanischer Stress ist bei BGAs ein viel größeres Thema. Daher muss da 
oft mit Underfiller gearbeitet werden. Will auch keiner in der Fertigung 
machen. Immer die Sauerei mit dem Filler und dann noch die zusätzlichen 
Kosten. Ich hatte mal ein Projekt wo die Definition war, dass der BGA 1 
Sekunde 1000G Beschleunigung standhalten muss. Am Ende wurde der geklebt 
und mit Spangen auf die Leiterplatte gepresst. Gut, dass die Schaltung 
nach den 1000G nur ein eniziges mal funktionieren muss, danach unter 
Garantie nie wieder.
Auch der Pitch ist bei BGA im automobil Bereich ein Problem. Für kleine 
Abstände braucht es anderes Lot und das Risiko für Lötbrücken steigt. 
Ergo potentielle Ausfälle, die man nicht unbedingt erkennt, weil man ja 
nur Stichproben macht, weil sonst zu teuer.
Vorteil ist wirklich bei HF Anwendungen oder im Bereich Security by 
Obscurity. Beim BGA kann man zum Beispiel einen Datenbuss direkt unterm 
Chip in die Innenlage der PCB verpacken. So müsste man zum mitschneiden 
des Busses erstmal die Leiterplatte runterfräsen. Ergo, ja es gibt BGA 
im Automobilbereich. Aber LGA oder QFN mit wetable Flanks wird immer 
bevorzugt.

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