Wie wird bei Euch das Thema Produktionsdaten / Software von Zulieferern gehandhabt? Angenommen ein Zulieferer hat auf Euren Auftrag hin ein Modul X entwickelt (Hardware und Software). Es macht alles was es soll und wird dann von dem Zulieferer eingekauft und in Eurer Hardware mit verbaut und verkauft. Wie ist die Lieferung/Produktion abgesichert für den Fall, dass diese Firma pleite geht oder ein Meteor drauf fällt und alles zerstört? Der Zulieferer wird Euch ja sicher nicht prophylaktisch sämtliche produktionsrelevanten Informationen, Zeichnungen, Sourcecode, eigene Lieferquellen etc. zur Verfügung stellen. Er wäre ja schön blöd, irgendeiner kann es immer billiger.... und sei es nur, um einen neuen Kunden zu erhalten. Aber die gesamten Daten bräuchte man, wenn man (durch Neuvergabe an einen anderen Zulieferer für den Ausfall des bisherigen) sichergehen will, dass die eigene Produktion weiterlaufen kann. Gibt es Standards, Vertragsmuster etc.? Oder Hinterlegung beim Notar? Ich habe hier nichtsdergleichen in der Suche gefunden, aber das Thema wird ja sicher öfter aufkommen. Vielleicht kennt auch jemand ein passendes Buch oder Webseite? Danke! Oli
Oli schrieb: > Gibt es Standards, Vertragsmuster etc.? Oder Hinterlegung beim Notar? Exakt. Bei kleineren Lieferanten durchaus Usus. Auf die Schnelle habe ich z.B. das da: https://www.haufe.de/recht/deutsches-anwalt-office-premium/18-informationstechnologierecht-4-muster-vertrag-ueber-die-hinterlegung-von-software_idesk_PI17574_HI11458910.html gefunden.
Oli schrieb: > Der Zulieferer wird Euch ja sicher nicht prophylaktisch sämtliche > produktionsrelevanten Informationen, Zeichnungen, Sourcecode, eigene > Lieferquellen etc. zur Verfügung stellen. Wenn Ihr das vertraglich so festlegt dann macht er das. Darüber hinaus könnt Ihr projektspezifische Werkzeuge (tools & jigs) explizit bezahlen, so dass die in Euren Besitz übergehen. Dann sind sie im Zweifelsfall aus der Insolvenzmasse raus. Für Elektronik lohnt das kaum, aber Stanz- und Spritzwerkzeuge sind teuer und langwierig zu beschaffen. > Aber die gesamten Daten bräuchte man, wenn man (durch Neuvergabe an > einen anderen Zulieferer für den Ausfall des bisherigen) sichergehen > will, dass die eigene Produktion weiterlaufen kann. Ansonsten ginge die Neuvergabe mit einer Neuentwicklung einher. In diesem Fall (eigentlich generell und immer) brauchst Du ein Pflichtenheft, in dem der Lieferant sein Erzeugnis mit den vereinbarten Schnittstellen und deren prinzipieller Umsetzung beschreibt. Das kannst Du als Lastenheft an Deinen Zweitlieferanten geben. Hält er sich dran, sollten beide Teile dasselbe tun. Auch wenn sie innendrin anders aufgebaut sind.
soul e. schrieb: > Dann sind sie > im Zweifelsfall aus der Insolvenzmasse raus. Für Elektronik lohnt das > kaum, aber Stanz- und Spritzwerkzeuge sind teuer und langwierig zu > beschaffen. Da hat sich schon mancher getäuscht. Ist man nicht schnell genug, hat der Insolvenzverwalter die (eigentlich jemand anderem gehörenden) Werkzeuge kurzerhand der Insolvenzmasse zugeschlagen und rückt die erst mal nicht raus. Ich habe nicht nur einmal (Automobilindustrie) erlebt, daß der Kunde den Laden mal eben gekauft hat, um überhaupt weiterproduzieren zu können.
Es gibt auch sowas wie ein Treuhand fuer Software und andere Materialen, siehe z.B.: https://schiller-trust.com/software-escrow/ Ist mittlerweile eine ganz beliebte Methode. BTW: Das war der erste Google Treffer und soll keine Werbung fuer die Kanzlei Schiller sein!
Danke, das ist ja schon mal ein Ansatz. Hab mir den Link der Kanzlei Schiller mal angesehen. Die wollen ernsthaft 1250 Euro um die Dateien 3 Jahre lang in den Schrank zu stellen. 200 Euro für jedes weitere Jahr, 250 Euro für Datenänderungen, 500 Euro für den Vertrag. Also in 5 Jahren (bei angenommenen 3 Updates/Korrekturen): 2900 Euro. Ich glaube ich arbeite nicht mehr, sondern biete nur noch sowas an.
soul e. schrieb: > Wenn Ihr das vertraglich so festlegt dann macht er das. Oder ganz einfach im Klartext: Wenn die Daten so wichtig sind, dann kauft die vom Zulieferer. Will der die nicht verkaufen, sucht einen anderen. "Kaufen" meint in dem Zusammenhang tatscählich "kaufen": Ware gegen Geld. Oder sucht einen zweiten. Bedeutet doppelte Entwicklungskosten etc. Fazit: Es gibt nix für lau... Oliver
Kommt halt immer daauf an wie wertvoll die entsprechenden Daten sind. Manche Projekte gehen schnell in die 100k€ und dareuber, da geht das bisschen im Rauschen einfach unter. ;-) Ich denke da wird auch noch der juristische Support mit dabei sein. Aber rein technisch gebe ich dir da Recht. Nichts was ein Bankschliessfach auch loesen koennte.
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