Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Magisches Auge für GPS-Empfänger


von Bauform B. (bauformb)


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schönen Nachmittag miteinander,

statt per DCF77- nimmt man heute ja GPS-Empfänger. Bei DCF77 hat mich 
schon immer gestört, dass es praktisch keine Anzeige für Feldstärke 
und/oder Empfangsqualität gibt. Mit GPS ist es umgekehrt, ich bekomme 
zuviele Daten. Wie bringt man die am geschicktesten auf eine Anzeige?

PDOP oder GDOP sieht gut aus, aber warum? Nach einem Kaltstart werden 
die langsam immer besser, was aber nicht sein kann, weil Wikipedia sagt, 
dass das (nur) Geometriefehler sind. Würde eine ungünstige Konstellation 
aus 4 Satelliten überhaupt auch die Zeit verschlechtern? Ich brauche 
keine Position, möchte aber die Empfangsqualität(?) wissen.

Es gibt von jeden Satelliten Signal/Noise Werte, aber da müsste ich 
erstmal rausfinden, welche benutzt werden. Und dann? Einfach den 
Mittelwert nehmen? Oder gibt es etwas einfacheres?

Noch eine Bonusfrage: Mal angenommen, der Empfänger liefert heute die 
richtige UTC und demnächst eine aus der Vergangenheit. Dann muss ich 
doch keinen neuen kaufen sondern addiere einfach 7*24*60*60 Sekunden und 
kann ihn noch 1024 Wochen benutzen, oder?

von Harald W. (wilhelms)


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Bauform B. schrieb:

> Bei DCF77 hat mich schon immer gestört, dass es praktisch keine Anzeige
> für Feldstärke und/oder Empfangsqualität gibt.

Die Anzeige der Feldstärke macht bei DCF-Empfängern auch wenig Sinn,
da Empangsstörungen nur selten an zuwenig Feldstärke, sondern meist
an lokalen Störquellen liegt. "Empfangsqualität" dagegen lässt sich
nur schwer definieren, weil diese mit den Aufwand bei der Dekodierung
verknüpft ist.

von Cyblord -. (cyblord)


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Harald W. schrieb:
> Bauform B. schrieb:
>
>> Bei DCF77 hat mich schon immer gestört, dass es praktisch keine Anzeige
>> für Feldstärke und/oder Empfangsqualität gibt.
>
> Die Anzeige der Feldstärke macht bei DCF-Empfängern auch wenig Sinn,
> da Empangsstörungen nur selten an zuwenig Feldstärke, sondern meist
> an lokalen Störquellen liegt. "Empfangsqualität" dagegen lässt sich
> nur schwer definieren, weil diese mit den Aufwand bei der Dekodierung
> verknüpft ist.

Wenn dann wäre ein gutes Maß der Anteil von gültigen und ungültigen/gar 
nicht empfangen Telegrammen pro Stunde.

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


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Auf die GPS Zeit hat die Anzahl der empfangenen Satelltien keinen 
Einfluss, einer reicht schon. Die Qualität der anderen GPS Daten 
korreliert aber recht gut mit der Satellitenzahl, sollte auch schon als 
Kriterium gelten können.
Jedenfalls ist bei null Sats klar, das auch die Zeit nicht gültig ist.

von Cyblord -. (cyblord)


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Matthias S. schrieb:
> Auf die GPS Zeit hat die Anzahl der empfangenen Satelltien keinen
> Einfluss, einer reicht schon.

Das ist falsch. Die GPS Zeit steht in Verbindung mit einem 3D-Fix. Man 
hat entweder beides oder gar nichts. Somit sind 4 Satelliten Minimum.

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


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Cyblord -. schrieb:
> Das ist falsch.

Oder es hängt vom Receiver ab, der erst dann überhaupt Daten liefert. 
Ich habe hier jedenfalls einen, der schon bei einem Satelliten die Zeit 
liefert. ('Scorpion' Chipsatz / Blaupunkt).

von Cyblord -. (cyblord)


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Matthias S. schrieb:
> Cyblord -. schrieb:
>> Das ist falsch.
>
> Oder es hängt vom Receiver ab, der erst dann überhaupt Daten liefert.
> Ich habe hier jedenfalls einen, der schon bei einem Satelliten die Zeit
> liefert. ('Scorpion' Chipsatz / Blaupunkt).

GPS Empfänger haben meist eine normale eingebaute Echtzeituhr. Die 
GPS-Zeit wird aber im Zuge der Positionsermittlung erst berechnet. 
Deshalb werden auch 4 statt 3 Satelliten benötigt. Hätte der GPS 
Empfänger eine Atomuhr an Bord würden 3 Satelliten für ein 3D-Fix 
reichen.

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


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Cyblord -. schrieb:
> Deshalb werden auch 4 statt 3 Satelliten benötigt. Hätte der GPS
> Empfänger eine Atomuhr an Bord würden 3 Satelliten für ein 3D-Fix
> reichen.

Gut, dann ist ja die Anzahl der empfangenen Satelliten ein gutes 
'magisches Auge' - ab 4 Satelliten ists dann brauchbar.

von Crazy Harry (crazy_h)


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Bauform B. schrieb:
> Noch eine Bonusfrage: Mal angenommen, der Empfänger liefert heute die
> richtige UTC und demnächst eine aus der Vergangenheit. Dann muss ich
> doch keinen neuen kaufen sondern addiere einfach 7*24*60*60 Sekunden und
> kann ihn noch 1024 Wochen benutzen, oder?

Wieso sollte er das tun? Wenn, dann zeigt er bereits jetzt das falsche 
Datum. Die Uhrzeit ist immer UTC. Diesen GPS-week-rollover bzw. das 
daraus resultierende falsche Datum interessiert nur, wenn du auch ein 
Datum anzeigen lassen willst und mit den Koordinaten automatisch die 
richtige Sommerzeitkorrektur durchführen willst.
Achja und du mußt 7168 Tage addieren.

von Günni (Gast)


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Die GPS-Signale sind etwas kompliziert. Jeder Satellit sende den 
"Almanach" (die Information, wann welcher Satellit wo aktiv ist) und 
seine genauen Bahndaten (die "Ephemeriden"). Damit reicht auch das 
Signal eines Satelliten, um die Uhrzeit zu erhalten, aber nicht um den 
als eine Art "Zeitnormal" nutzbaren Sekundenpuls.

Für eine Positionsbestimmung braucht man "normalerweise" 4 Satelliten. 
Der Empfänger muss nämlich 4 Unbekannte berechnen, nämlich den Längen- 
und den Breitengrad, die Höhe des Empfängers und die Zeitkorrektur, da 
die Genauigkeit der Zeitbasis im GPS-Empfänger für eine Ortung nicht 
ausreicht.
Die Satelliten befinden sich nämlich 20.000 bis 25.000 km über der Erde. 
Für die Positionsberechnung wird die Laufzeit der Signale ausgewertet. 
Erfolgt diese mit einer Zeitbasis, deren Takt eine Genauigkeit von 1% 
hat, wäre die Position nur 20 bis 25 km genau möglich. In ähnlicher 
Weise kann man ermitteln, wie genau die Zeitbasis sein muss, um eine 
vorgegebenen Positionsgenauigkeit zu erhalten. Da selbst 
temperaturkompensierte Oszillatoren die notwendige Genauigkeit nicht 
liefern, braucht man den 4. Satelliten zur Zeitkorrektur. Damit kann man 
dann die Position berechnen - wenn die aus den Satelliten gewonnene 
Information "mathematisch unabhängig" ist. (Die Bedingung "mathematisch 
unabhängig" kann man sich so vorstellen: Ein Stativ mit 3 Beinen steht 
"normalerweise" sicher. Stehen aber alle 3 Beine in einer Linie, kippt 
das Ganze. Je weiter die Beine auseinander stehen, desto sicherer steht 
das Stativ.

So ähnlich ist das beim GPS. Je weiter die Satelliten auseinander 
stehen, desto genauer lässt sich die Position berechen. Die von den 
Satelliten "aufgespannte Fläche" sollte möglichst groß sein. Dann wird 
der PDOP-Wert klein, was einer genaueren Position entspricht. "PDOP" 
bedeutet ungefähr "Verwässerung der Position".

Wenn man nun so eine Position bekommen hat und damit die Höhe bekannt 
ist, reichen auch 3 Satelliten, um eine Position zu berechen. Dann darf 
sich die Höhe aber nicht ändern, sonst stimmt die Position nicht mehr. 
Diese Position (mit "alter" Höhe) ist ein sogenannter 2D-FIX. Dann wird 
die Genauigkeit der Position statt über den "PDOP"-Wert über den 
"HDOP"-Wert angegeben. Das "H" vor dem "DOP" sagt, dass die Höhe nicht 
erneut berechnet werden konnte. Das "magische Auge" müsste also sinnvoll 
von den DOP-Werten abgeleitet werden.

von Rolf M. (rmagnus)


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Matthias S. schrieb:
> Auf die GPS Zeit hat die Anzahl der empfangenen Satelltien keinen
> Einfluss, einer reicht schon.

Woher weiß der Empfänger dann, wie weit er vom Satellit weg ist, um die 
Laufzeit des Signals zu kompensieren?

von pegel (Gast)


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https://www.u-blox.com/en/product/u-center

Das Bild oben rechts im u-center, ist doch das perfekte
"Magische Auge ins All".

Rote und Grüne Satelliten, das ist sogar Zeitgemäß.

von Crazy Harry (crazy_h)


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Rolf M. schrieb:
> Matthias S. schrieb:
>> Auf die GPS Zeit hat die Anzahl der empfangenen Satelltien keinen
>> Einfluss, einer reicht schon.
>
> Woher weiß der Empfänger dann, wie weit er vom Satellit weg ist, um die
> Laufzeit des Signals zu kompensieren?

Bei einer Uhr wären die paar ms (ok sagen wir mal 80-100) doch egal.

von Pandur S. (jetztnicht)


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Die 4 Satelliten braucht es fuer die Zeitaufloesung von ns, fuer die 
Postion. Die absolute Zeit auf eine Sekunde genau stimmt auch schon mit 
einem Satelliten alleine.

von Wolfgang (Gast)


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Bauform B. schrieb:
> Nach einem Kaltstart werden die langsam immer besser, was aber nicht
> sein kann, weil Wikipedia sagt, dass das (nur) Geometriefehler sind.

Natürlich werden die nach einem Kaltstart besser, allerdings nicht 
langsam, sondern schrittweise.
Nach einem Kaltstart wird dein Empfänger sich wahrscheinlich erstmal auf 
3 Satelliten stürzen und gucken, dass er deren Signale sauber zu fassen 
hat. Daraus rechnet er einen 2D-Fix (mit der letzten bekannten Höhe?) 
aus. Erst wenn er diese Position hat, nimmt er weitere Satelliten dazu 
und kann damit den Positionsfehler weiter verbessern, i.e. die 
Geometriefehler werden durch Auswertung von mehr Satelliten kleiner.

von Wolfgang (Gast)


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Bauform B. schrieb:
> Noch eine Bonusfrage: Mal angenommen, der Empfänger liefert heute die
> richtige UTC und demnächst eine aus der Vergangenheit.

"Demnächst" ist noch eine ganze Weile hin. Wenn er heute die richtige 
UTC ausrechnet, kannst du dich darauf verlassen, dass er das auch noch 
bis einschließlich 19. November 2038 tut. Am 20. September wird es dann 
kritisch.

von Wolfgang (Gast)


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Wolfgang schrieb:
> September

sorry, 20. November

von Rolf M. (rmagnus)


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Crazy H. schrieb:
> Rolf M. schrieb:
>> Matthias S. schrieb:
>>> Auf die GPS Zeit hat die Anzahl der empfangenen Satelltien keinen
>>> Einfluss, einer reicht schon.
>>
>> Woher weiß der Empfänger dann, wie weit er vom Satellit weg ist, um die
>> Laufzeit des Signals zu kompensieren?
>
> Bei einer Uhr wären die paar ms (ok sagen wir mal 80-100) doch egal.

100 ms Abweichung bekommt man aber auch ohne GPS hin.
Und ich hab diese Aussage so interpretiert, dass er die Zeit schon sehr 
genau will:

Bauform B. schrieb:
> Würde eine ungünstige Konstellation aus 4 Satelliten überhaupt auch die Zeit 
verschlechtern?

von batman (Gast)


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Wenn er überhaupt ne Zeit bekommt. Das klappt zuverlässig und genau nur 
im Freien und ist kein wirklicher Ersatz für den Langwellenfunk.

von Wolfgang (Gast)


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Rolf M. schrieb:
> Woher weiß der Empfänger dann, wie weit er vom Satellit weg ist, um die
> Laufzeit des Signals zu kompensieren?

Das kann er doch einfach ausrechnen. Er rechnet die Position des 
Empfängers auf der Erde aus und kann damit dann den Abstand zum 
Satelliten bestimmen.

von oerks (Gast)


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> addiere einfach 7*24*60*60 Sekunden

Damit hast du 1024 Wochen gewonnen.
Danach dann einfach: 2*7*24*60*60 dazuaddieren.
Usw. usf.

Die Navigationsfunktion ist lustigerweise von diesem
Fehler ueberhaupt nicht betroffen.

von Bauform B. (bauformb)


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Cyblord -. schrieb:
> Wenn dann wäre ein gutes Maß der Anteil von gültigen und ungültigen/gar
> nicht empfangen Telegrammen pro Stunde.

Ein schönes Beispiel für theoretisch perfekt und praktisch naja.

Matthias S. schrieb:
> Gut, dann ist ja die Anzahl der empfangenen Satelliten ein gutes
> 'magisches Auge' - ab 4 Satelliten ists dann brauchbar.

Null Aufwand für etwas, was jeder sofort versteht - sehr verdächtig ;)

Crazy H. schrieb:
> Bauform B. schrieb:
>> Mal angenommen, der Empfänger liefert heute die richtige UTC
>> und demnächst eine aus der Vergangenheit.
> Wieso sollte er das tun? Wenn, dann zeigt er bereits jetzt das falsche
> Datum.
Warum sollte er das tun? Manche Empfänger können richtig rechnen. Aber 
1024 Wochen später wird es zweideutig. Auf jeden Fall danke für die 7168 
Tage!

Günni schrieb:
> Das "magische Auge" müsste also sinnvoll
> von den DOP-Werten abgeleitet werden.

Das wäre naheliegend, aber mal angenommen, wir sehen 3 Satelliten im 
Dreieck über uns. S/N ist gut und HDOP knapp bei 1.0. Jetzt bewegen die 
sich so blöd, dass das Dreieck immer flacher wird. HDOP wird deutlich 
schlechter obwohl S/N praktisch gleich bleibt. Nicht mag :(

pegel schrieb:
> https://www.u-blox.com/en/product/u-center
>
> Das Bild oben rechts im u-center, ist doch das perfekte
> "Magische Auge ins All".
>
> Rote und Grüne Satelliten, das ist sogar Zeitgemäß.

Nett :) Mit meiner einen RGB-LED kann ich noch nicht ganz mithalten...

Wolfgang schrieb:
> Nach einem Kaltstart wird dein Empfänger sich wahrscheinlich erstmal auf
> 3 Satelliten stürzen und gucken, dass er deren Signale sauber zu fassen
> hat. Daraus rechnet er einen 2D-Fix (mit der letzten bekannten Höhe?)
> aus. Erst wenn er diese Position hat, nimmt er weitere Satelliten dazu
> und kann damit den Positionsfehler weiter verbessern, i.e. die
> Geometriefehler werden durch Auswertung von mehr Satelliten kleiner.

Überzeugend, danke. Es gibt doch für alles eine natürliche Erklärung.

Wolfgang schrieb:
> Bauform B. schrieb:
>> Noch eine Bonusfrage: Mal angenommen, der Empfänger liefert heute die
>> richtige UTC und demnächst eine aus der Vergangenheit.
> "Demnächst" ist noch eine ganze Weile hin. Wenn er heute die richtige
> UTC ausrechnet, kannst du dich darauf verlassen, dass er das auch noch
> bis einschließlich 19. November 2038 tut.
Ich fürchte, nicht; die Gebrauchsanweisung zum ublox-7 sagt
1
GPS week rollover number; GPS week numbers will be set correctly
2
from this week up to 1024 weeks after this week. Default: 1691
In der Firmware sind also nicht die höchsten Bits der Woche, sondern ein 
Offset gespeichert - oder wie soll ich das verstehen? Vor allem kann es 
bei einem anderen Empfänger natürlich anders sein.

Joggel E. schrieb:
> Die 4 Satelliten braucht es fuer die Zeitaufloesung von ns, fuer
> die Postion. Die absolute Zeit auf eine Sekunde genau stimmt
> auch schon mit einem Satelliten alleine.

Das deckt sich mit meinen Beobachtungen. Allerdings sind die Zeiten in 
den NMEA-Sätzen noch lange nach dem 3D-Fix falsch. Erst, wenn die 
aktuelle Anzahl der Schaltsekunden bekannt ist, gibt es die richtige 
UTC. Das dauert mindestens 12 Minuten. Richtig übel ist aber, dass bis 
dahin alle Flags "valid" anzeigen, obwohl die Zeit um mehrere Sekunden 
daneben ist. Für ein sinnvolles Flag muss man einen der privaten 
ublox-Sätze auswerten.

Rolf M. schrieb:
>> Bei einer Uhr wären die paar ms (ok sagen wir mal 80-100) doch egal.
>
> 100 ms Abweichung bekommt man aber auch ohne GPS hin. Und ich hab
> diese Aussage so interpretiert, dass er die Zeit schon sehr genau will:

Jein, ich bekomme zwar das PPS-Signal, aber meine Hardware geht trotzdem 
kaum genauer als ±2 ms. Der aktuelle Anlass war allerdings der 
Schaltsekunden-Fehler von 2000 ms. Das muss dann doch nicht sein.

batman schrieb:
> Wenn er überhaupt ne Zeit bekommt. Das klappt zuverlässig und
> genau nur im Freien und ist kein wirklicher Ersatz für den
> Langwellenfunk.
Stimmt, das Sommerzeit-Bit fehlt. Aber UTC bekomme ich hier auf dem 
Tisch, 3 Meter von der Dachkante entfernt, durch eine schmale Balkontür, 
problemlos. Ein anderer Empfänger läuft unter einem Netzwerkschrank in 
der Zimmerecke, 4 bis 5 Meter vom Fenster.

von Voodoo (Gast)


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Bauform B. schrieb:
> Jein, ich bekomme zwar das PPS-Signal, aber meine Hardware geht trotzdem
> kaum genauer als ±2 ms. Der aktuelle Anlass war allerdings der
> Schaltsekunden-Fehler von 2000 ms. Das muss dann doch nicht sein.

Falsche Hardware! Was verwendest du?

von Bauform B. (bauformb)


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Voodoo schrieb:
> Bauform B. schrieb:
>> Jein, ich bekomme zwar das PPS-Signal, aber meine Hardware geht trotzdem
>> kaum genauer als ±2 ms. Der aktuelle Anlass war allerdings der
>> Schaltsekunden-Fehler von 2000 ms. Das muss dann doch nicht sein.
>
> Falsche Hardware! Was verwendest du?

Nö, schlechte Firmware oder schlechtes Pflichtenheft oder gute alte 
Tradition. Der Empfänger bekommt die Anzahl der Schaltsekunden vom 
Satelliten, geht ja kaum anders. Allerdings hat dieses Datenbyte nicht 
gerade Priorität und wird nur alle 12 bis 30(?) Minuten gesendet. In der 
Zwischenzeit dürften die NMEA-Sätze mit Zeit oder Datum nicht gültig 
sein - sind sie beim ublox-7 aber.

Der ublox-7 verwendet einen Default von 16 Sekunden, bis er erfährt, 
wieviele es wirklich sind (z.Zt. 18). Deshalb vermute ich, dass das 
NMEA-seitig gewollt ist, und man einen faulen Kompromiss versucht hat.

von Jakob (Gast)


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Das Rollover-Problem musste ich voriges Jahr lösen, da mein
Gerät mit dem alten GPS-Modul sonst noch sehr nützlich ist.

Das Problem betrifft einzig und allein die Datumsanzeige, lässt
sich aber auf die Addition von 20 Jahren und dem Abzug von 137
Tagen reduzieren.
Das ist mit etwas Kalenderrechnung (Monatslängentabelle +
Schaltjahresregeln) lösbar.

Ansonsten:
Die DCF-Laufzeit bringt Fehler von einigen ms (Bodenwelle)
und abhängig von der Tageszeit einigen 10 ms bei Raumwellen-
überlagerung. Dazu kommen noch modellabhängige und Empfangspegel-
abhängige Flankenverschleifungen des Zeit-Pulses. Also muss man
immer mit 100 ms Unsicherheit rechnen.

Ein einzelner GPS-Satellit ist 20.000 ... 30.000 km entfernt.
Das ergibt einen Zeitfehler von etwa 67...100 ms, von dem man
83 ms abziehen könnte, um noch +/- 17 ms Unsicherheit zu haben.

Aber was der Empfänger im Zwischenzustand liefert, bis er mit
4...5 Satelliten vielleicht auf 1 ms genau wird, ist nicht
nachvollziehbar.

Fazit:
Bei DCF kann man Fehler von 100 ms haben, bei GPS ist es
bei schlechtem Empfang manchmal noch schlechter:
Ich kenne GPS-Empfänger, die auch mal 1..2 Sekunden daneben
liegen, bevor sie nicht 5 Satelliten fest im Blick haben!

Meldet der GPS-Empfänger aber im GPGSA-Satz einen 3-D-Fix
(und gibt vielleicht ein PPS-Signal aus) sollte das Zeitsignal
ordentlich konstruierter Modelle Fehler unter 1 ms haben.

von Bauform B. (bauformb)


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Jakob schrieb:
> Das Problem betrifft einzig und allein die Datumsanzeige, lässt
> sich aber auf die Addition von 20 Jahren und dem Abzug von 137
> Tagen reduzieren.

Es betrifft auch nicht die Wochentage, also Sonntags wird trotz Fehler 
nicht geweckt :)

> Das ist mit etwas Kalenderrechnung (Monatslängentabelle +
> Schaltjahresregeln) lösbar.

Normalerweise zählt man ja intern nur Sekunden, insofern muss man nur 
619315200 addieren.

> Ein einzelner GPS-Satellit ist 20.000 ... 30.000 km entfernt.
> Das ergibt einen Zeitfehler von etwa 67...100 ms, von dem man
> 83 ms abziehen könnte, um noch +/- 17 ms Unsicherheit zu haben.

In dem Zustand wird die Ausgabe immer als "ungültig" markiert.

> Aber was der Empfänger im Zwischenzustand liefert, bis er mit
> 4...5 Satelliten vielleicht auf 1 ms genau wird, ist nicht
> nachvollziehbar.

Doch, bis dahin ist immer noch alles klar geregelt, spannend wird es 
danach. Die Position ist dann bekannt und zwangsläufig auch die 
GPS-Zeit. Die stimmt dann auch auf besser als 1 us, oft besser als 100 
ns. Also ist aus der Sicht der Navigation alles bestens. Nur die 
Umrechnung von GPS-Zeit auf UTC ist noch nicht möglich.

> Ich kenne GPS-Empfänger, die auch mal 1..2 Sekunden daneben
> liegen, bevor sie nicht 5 Satelliten fest im Blick haben!

Ja, das ist genau das, was ich gerade gemerkt habe. Nur, es kommt nicht 
auf die Anzahl der Satelliten an, man muss einfach abwarten, bis alle 
Daten runter geladen sind. Und das dauert.

> Meldet der GPS-Empfänger aber im GPGSA-Satz einen 3-D-Fix
> (und gibt vielleicht ein PPS-Signal aus) sollte das Zeitsignal
> ordentlich konstruierter Modelle Fehler unter 1 ms haben.

Schön wär's. Aber ganz so schlimm ist es nicht. Die Position stimmt ja 
wirklich und das PPS-Signal ist überhaupt nicht betroffen, das ist an 
die GPS-Zeit gekoppelt. Außerdem ist UTC immer um ganze Sekunden (±1 us 
oder so) daneben.

von Jakob (Gast)


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Der Zeit-Fehler durch dem Empfänger erstmal unbekannte
Schaltsekunden ist mir als PROBLEM noch nicht so bewusst
geworden.

Wenn selbst die ublox-Module (systembedingt) ähnliches
Fehlverhalten, wie meine billigeren NAVILOCK-Module liefern,
muss ich ja garnicht so traurig über meinen Geiz sein. :-)

Aber für's schnellere Verständnis: Der unbekannte Leap-Second-
Offset bringt keine 1000 ... 2000 ms Fehler, sondern einen
simplen ganzzahligen Sekundenfehler. Der anfängliche Fehler hängt
dann wohl einfach vom Erstellungsdatum der Firmware ab.

Mit jeder folgenden Schaltsekunde dürfte der sich unvermeidlich
ganzzahlig vergrößern.

Gute Nacht,
schöne Ostern!

von Bauform B. (bauformb)


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Jakob schrieb:
> Aber für's schnellere Verständnis: Der unbekannte Leap-Second-
> Offset bringt keine 1000 ... 2000 ms Fehler, sondern einen
> simplen ganzzahligen Sekundenfehler.

Ja, genau, nicht 1000 bis 2000, sondern 1000 oder 2000.

> Der anfängliche Fehler hängt dann wohl einfach vom
> Erstellungsdatum der Firmware ab.
> Mit jeder folgenden Schaltsekunde dürfte der sich unvermeidlich
> ganzzahlig vergrößern.

Davon kann man ausgehen.

> Wenn selbst die ublox-Module (systembedingt) ähnliches
> Fehlverhalten, wie meine billigeren NAVILOCK-Module liefern,
> muss ich ja garnicht so traurig über meinen Geiz sein. :-)

Vielleicht steht Navilock drauf und es ist ublox drin? Ansonsten 
verstärkt sich der Verdacht, dass das so sein muss.

von Jakob (Gast)


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> Es betrifft auch nicht die Wochentage, also Sonntags wird trotz Fehler
> nicht geweckt :)

Das ist klar, weil es ja um den Überlauf vom 10-Bit-Wochenzähler
kommt.

Aber einem einfach gestricktem Geist wie mir, ist (schaltsekunden-
unabhängige) Tagesrechnung naheliegender, als Sekundenrechnung,
die auch nicht ohne Kalenderrechnung auskommen wird.

Besonders, weil das gelieferte Datum vom GPS-Empfänger auch nur
aus der Wochenzahl + Tag in der Woche mit Kalenderrechnung und
vorgegebenem Startdatum ermittelt wird.

von Bauform B. (bauformb)


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Jakob schrieb:
> Aber einem einfach gestricktem Geist wie mir, ist (schaltsekunden-
> unabhängige) Tagesrechnung naheliegender, als Sekundenrechnung,
> die auch nicht ohne Kalenderrechnung auskommen wird.

Naheliegender sicher. Sobald man aber mehr macht, als das Datum nur 
anzuzeigen, sind Sekunden viel einfacher. Da man sowieso für die Anzeige 
umrechnen muss, kann man bei der Gelegenheit einfach 3600 Sekunden 
addieren und hat die Sommerzeit -- ohne die Uhr umzustellen. Das alleine 
ist es absolut wert, es gibt dabei nämlich keine Zweideutigkeit mehr. 
Zeitzonen gehen genauso einfach (von den politischen Problemen mal 
abgesehen).

> Besonders, weil das gelieferte Datum vom GPS-Empfänger auch nur
> aus der Wochenzahl + Tag in der Woche mit Kalenderrechnung und
> vorgegebenem Startdatum ermittelt wird.

Die ublox Module liefern bei Bedarf auch die GPS-Zeit, also Woche und 
Millisekunde der Woche. Damit geht's ohne Kalender. Aber für die 
allermeisten RTC-Chips braucht man die Umrechnung ja auch :(

von Rolf M. (rmagnus)


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Wolfgang schrieb:
> Rolf M. schrieb:
>> Woher weiß der Empfänger dann, wie weit er vom Satellit weg ist, um die
>> Laufzeit des Signals zu kompensieren?
>
> Das kann er doch einfach ausrechnen. Er rechnet die Position des
> Empfängers auf der Erde aus und kann damit dann den Abstand zum
> Satelliten bestimmen.

Hmpf… hier nochmal der von mir zitierte Satz, auf den sich meine Antwort 
bezieht:

Matthias S. schrieb:
> Auf die GPS Zeit hat die Anzahl der empfangenen Satelltien keinen
> Einfluss, einer reicht schon.

Also wie rechnet der GPS-Empfänger mit nur einem Satelliten seine 
Position aus, um den Abstand zu kennen, um damit die Laufzeit des 
Signals zu kompensieren?

von Crazy Harry (crazy_h)


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Ich habe aber irgendwo mal gelesen, daß die Uhren aller Satelliten übers 
Jahr um die 10s falsch gehen und diese dann 1x/Jahr wieder gestellt 
werden. Stimmt das?

von Bauform B. (bauformb)


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Crazy H. schrieb:
> Ich habe aber irgendwo mal gelesen, daß die Uhren aller Satelliten übers
> Jahr um die 10s falsch gehen und diese dann 1x/Jahr wieder gestellt
> werden. Stimmt das?

Eigentlich ist eine Angabe "pro Jahr" sinnlos, weil die Uhren der 
Satelliten ständig überwacht werden und bei Bedarf korrigiert werden. 
Solange dabei nichts schief geht, bleibt der Fehler kleiner als ±20 ns - 
egal, ob über Tage oder Jahre. Dazu kommt der Fehler von UTC(USNO), der 
aber auch langfristig nicht größer wird oder per Definition sogar Null 
ist.

Weil, was ist denn die "richtige" Zeit? Praktisch, also im wirklichen 
Leben, ist es die GPS-Zeit, also UTC(USNO). Theoretisch, also vom Namen 
her, sollte es UTC sein, der gewichtete Mittelwert von vielen Instituten 
wie USNO oder PTB. Aber wie kommt dann TAI ins Spiel?

Ach so, das kann schon sein, dass du sowas gelesen hast. Vielleicht hat 
jemand geschrieben: "Meine RTC ist so gut, die muss ich nur einmal im 
Jahr per GPS stellen. Das letzte Jahr war sie nur um 10 Sekunden 
daneben". Das kann mit einer temperaturkompensierten und abgeglichenen 
RTC schon mal passieren.

von Bauform B. (bauformb)


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Rolf M. schrieb:
> Woher weiß der Empfänger dann, wie weit er vom Satellit weg ist, um die
> Laufzeit des Signals zu kompensieren?

Indem ich ihm sage, wo er angeschraubt ist und dass er sich wirklich 
nicht bewegt, egal, was das Antennensignal meint.

von Günni (Gast)


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GPS ist ein sehr komplexes Thema und da ist viel Halbwissen im Umlauf 
(auch in den Beiträgen oben). Bei den GPS-Signalen handelt es sich um 
künstliches Rauschen, welches durch rückgekoppelte Schieberegister 
erzeugt wird / werden kann. Dabei ist jedem Satelliten eine eigene 
Codefolge zugeordnet, an der die Satelliten auch unterschieden werden. 
Die Codefolgen sind alle gleich lang und haben einen gemeinsamen 
Startpunkt, bei dem alle Bits des Schieberegisters auf 1 sind ("all 
One"). Die Empfänger synchronisieren sich nun auf die Bitfolge der 
einzelnen empfangenen Satelliten und je nachdem, ob der Empfänger etwas 
näher an einem Satelliten oder etwas weiter davon ist, ist im Empfänger 
der "all One" Zustand für jedes Schieberegister verschieden. So kann der 
Empfänger den Laufzeit- bzw. Entfernungsunterschied zu den einzelnen 
Satelliten erkennen und daraus (nicht aus der absoluten Laufzeit) die 
Position berechnen.

Der sehr genaue "Sekundenpuls" kann aus dem zeitlichen Abstand der "all 
One"- Zustände ermittelt werden und auch dafür würde der Empfang eines 
Satelliten ausreichen. ABER: Der Empfänger muss sich ja auf das 
Satellitensignal synchronisieren, was mit einer Regelschleife (Costas 
Loop o.ä.) geschieht. Die Genauigkeit mit der diese Synchronisation 
klappt hängt aber von der (Kurzzeit-)Stabilität des Empfängeroszillators 
ab. Rauschen oder Jitter auf dem Oszillatorsignal macht die Genauigkeit 
zunichte. Und dann muss der Sekundenpuls auch noch ausgegeben werden. 
Dabei sind schon die Anstiegszeit des Ausgangs und das Rauschen auf der 
Flanke bestimmend für die Reproduzierbarkeit.

Das NMEA-Protokoll mit dem die Uhrzeit ausgegeben wird, ist ja ein 
serielles Protokoll ohne "echte" Zeitmarke. Da kann man die UTC-Uhrzeit 
zwar sekundengenau bekommen, mehr ist da aber auch nicht herauszuholen, 
weil das Füllen des Transmit-Buffers und der Bittakt nicht mit hoher 
Genauigkeit möglich sind. Deshalb ist der Vergleich mit dem DCF77 auch 
problematisch, da auch der DCF77 entweder als Zeit- oder als 
Frequenznormal genutzt werden kann. Das ist beim GPS ähnlich, wenn auch 
die Art der Auswertung etwas unterschiedlich ist.

Wer detaillierte Angaben zum GPS haben möchte, kommt um die Quelle 
https://www.gps.gov nicht herum. Da gab es vor ein paar Jahren eine sehr 
anschauliche Zusammenfassung (natürlich in Englisch), aber inzwischen 
wurden die einzelnen Themen auf diverse Unterkapitel verteilt, wie z.B.
https://www.gps.gov/multimedia/tutorials/trilateration/ .
Diese Unterlagen wurden für Schulungszwecke veröffentlicht und sind 
deshalb frei zugänglich.

von Tobias P. (hubertus)


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Bei GPS Timing-Empfängern genügt aber in der Tat ein einzelner Sat, da 
man die genaue Position durch den Survey-in zuvor ermittelt oder auch 
manuell eingeben kann, d.h. von den 4 Unbekannten (x, y, z, t) werden 
auf einen Schlag 3 eliminiert.

Zum Spass habe ich übrigens mit der Gopro kürzlich ein Video gemacht vom 
GPS Sekundenpuls:

https://hb9fsx.ch/files/gpsdo/GOPR2919.MP4

das grüne Signal ist das 1PPS Signal meines GPSDO, rot sind die 10MHz. 
Der 1PPS-Ausgang des Timing-Modules ist das gelbe Signal; die PLL regelt 
die 10MHz so, dass der eigene Sekundenpuls im Mittel mit demjenigen von 
GPS übereinstimmt.
Das blaue Signal im Video ist von einem extenen eBay GPSDO. Das Video 
ist ein Zeitraffer über 2 Stunden.
Eigentlich noch witzig, wie der GPS-Sekundenpuls wie wahnsinnig wackelt, 
und man damit trotzdem was regeln kann.
Das Wackeln rührt nicht nur von atmosphärischen Effekten her, sondern 
ist letzten Endes auch ein Quantisierungsfehler, da die CPU im Empfänger 
mit einem freiaufenden TCXO betrieben wird, bei uBlox glaube ich 48MHz. 
Damit kann die Software im Empfänger den Puls systembedingt nur an einem 
auf 20ns genau aufgelösten Zeitpunkt ausgeben. Da die Software aber den 
"richtigen" Zeitpunkt genauer kennt, kann man bei einem Timing-Empfänger 
sich diesen Quantisierungsfehler in ps Auflösung ausgeben lassen.

von John (Gast)


Angehängte Dateien:

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Bauform B. schrieb:
> Bei DCF77 hat mich
> schon immer gestört, dass es praktisch keine Anzeige für Feldstärke
> und/oder Empfangsqualität gibt.

Mein alter Funkwecker von Conrad zeigt die Empfangsqualität mit einer 
Banlkenanzeige an.

von Günni (Gast)


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Ich sollte mich vielleicht doch noch mal zu Wort melden, um ein paar 
noch bestehende Unklarheiten auszuräumen. Das GPS-System ist sehr 
komplex und ich habe mich bisher auf das beschränkt, was ich für 
notwendig hielt. Speziell beim PPS-Puls muss man daran denken, dass die 
Satelliten nicht geostationär sind, sondern sich um die Erde bewegen. 
Etwa alle 12 Stunden kommen sie wieder vorbei. Für die Signale bedeutet 
das, dass die Dopplerverschiebung berücksichtigt werden muss. Nähert 
sich der Satellit dem Empfängerstandort, wird die Zeit zwischen den 
allONE- Zuständen entsprechend kürzer, entfernt er sich, wird die Zeit 
länger. Nur wenn der Satellit ziemlich genau über dem Empfänger steht, 
"stimmt" diese Zeit. Sehr einfache Empfänger mitteln deshalb die Zeiten 
nach dem Motto: "statistisch gesehen kommen so viele Satelliten auf mich 
zu wie von mir wegfliegen". Das ist natürlich Pfusch und liefert sehr 
ungenaue Ergebnisse. Den Anteil der Dopplerverschiebung muss man 
herausrechnen. Dazu verwendet man die (letzte bekannte) Position des 
Empfängers und die Bahndaten, die der Satellit mit überträgt. Und dann 
stimmt der PPS-Impuls auch wenn nur ein Satellit empfangen wird - 
jedenfalls solange der Empfänger seine Position beibehält. Wenn der 
Empfänger sich bewegt, muss auch das berücksichtigt werden. Dann brauche 
ich so viel Satelliten, dass eine Position korrekt berechnet werden 
kann. Und da die Position bei kleinerem PDOP-Wert genauer wird, hat 
dieser auch Einfluss auf die PPS-Genauigkeit. (Zur Erinnerung: Der 
PDOP-Wert errechnet sich daraus, welche Satelliten gerade empfangen 
werden können und wie diese im Raum zueinander stehen.)

von Wolfgang (Gast)


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Joggel E. schrieb:
> Die absolute Zeit auf eine Sekunde genau stimmt auch schon mit
> einem Satelliten alleine.

Kein Wunder.

Die Satelliten umrunden die Erde in einer Höhe von rund 20200km. Egal wo 
sich der Benutzer auf der Erdoberfläche befindet, ist die Entfernung zu 
jedem Satelliten weit unter 300000 Kilometern, insbesondere auch die 
Entfernungsunsicherheit. Damit ist der mögliche Zeitfehler weit unter 
einer Laufzeitsekunde. Einzig die UTC-Anzeige am Empfänger kann noch um 
ganze Schaltsekungen falsch sein, weil er die entsprechenden 
Almanachdaten noch nicht empfangen hat. Dann steht man dumm da, weil der 
Empfänger darauf baut, dass er diese Differenz zwischen UTC und GPS-Zeit 
mitgeteilt bekommt. Das hat aber nichts mit dem noch unbekannten 
Empfängerort zu tun.

von Jakob (Gast)


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Schön, dass hier gute Erklärungen zusammenkommen, die einem
die Probleme beim Extrahieren einer möglichst genauen Zeitangabe,
oder Referenzfrequenz aus dem GPS-Signal nahebringen.

Aber die simple Tatsache, dass der Empfänger erst den UTC-Offset
(Schaltsekunden) übermittelt bekommen und verdaut (!) haben muss,
hat mir echt eine Rätselei um komische Zeit-Offsets erklärt.

Danke Bauform B. !

Für Astrofotografie habe ich mir aus einem GPS-Modul und einem
µC gebaut, was mir im Sternenpark (Batteriebetrieb) die lokale
Sternzeit und den Polaris-Offset liefert:

Das GPS-Modul (60 mA) soll natürlich so schnell, wie möglich
abgeschaltet werden, weil alles Weitere am selben Ort nur noch
eine Zeitfrage (6 mA / 26 mA) ohne/mit Display-Beleuchtung ist.

- Der 2D...3D-Fix reicht offensichtlich nicht als Abschaltkriterium
für Sekundengenauigkeit.
Gibt es hier jemand, der ohne Klugscheißerei (RTFM...) sagen kann,
wie lange man für den UTC-Offset zeitlich drauflegen müsste?

Wenn nicht,
geht die Astrofoto-Welt mit < 10 s Fehler aber auch nicht unter...

von Tobias P. (hubertus)


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Jakob schrieb:
> - Der 2D...3D-Fix reicht offensichtlich nicht als Abschaltkriterium für
> Sekundengenauigkeit. Gibt es hier jemand, der ohne Klugscheißerei
> (RTFM...) sagen kann, wie lange man für den UTC-Offset zeitlich
> drauflegen müsste?

zumindest die uBlox-Module sagen dir doch in einem der Telegramme, ob 
die UTC-Zeitangabe gültig ist? dafür kannst du NMEA aber nicht verwenden 
sondern das binäre UBX Protokoll.

von Wolfgang (Gast)


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Jakob schrieb:
> Gibt es hier jemand, der ohne Klugscheißerei (RTFM...) sagen kann,
> wie lange man für den UTC-Offset zeitlich drauflegen müsste?

Das kommt drauf an, was du mit deiner Frage meinst.
Geht es dir um den aktuellen Offset oder geht es dir um die 
Übertragungszeit für den Datensatz vom Satelliten?

von Marc V. (Firma: Vescomp) (logarithmus)


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Bauform B. schrieb:
> Rolf M. schrieb:
>> Woher weiß der Empfänger dann, wie weit er vom Satellit weg ist, um die
>> Laufzeit des Signals zu kompensieren?
>
> Indem ich ihm sage, wo er angeschraubt ist und dass er sich wirklich
> nicht bewegt, egal, was das Antennensignal meint.

 "Die Laufzeit des Signals" - lol...
 Übertragen wird meistens mit 9600B, Zeit wird aus NMEA-Sätzen
 berechnet, da dauert das Ganze schon über 60ms.
 Mit GGA hat man zwar FIX und die Anzahl der Satelliten, aber auch das
 hilft nicht besonders viel.
 Mit 10 Sätzen/sec und NMEA kann man sowieso nicht genauer als 100ms
 sein, wozu die ganze Aufregung?

 GPS-Empfänger selbst sind natürlich erheblich genauer, aber die
 NMEA-Sätze, welche GPS-Empfänger rausschicken, haben einen (möglichen)
 Fehler von +/- 50ms.
 Deswegen wird mit GPS nur der (eventuell) vorhandene RTC-Fehler beim
 uC korrigiert, die ev. Abweichung berechnet und in Rechnung genommen.
 Das Gute daran ist, dass die GPS-Abweichung sowohl nach einem Tag als
 auch nach einem Jahr dasselbe bleibt.

von Wolfgang (Gast)


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Marc V. schrieb:
> "Die Laufzeit des Signals" - lol...
>  Übertragen wird meistens mit 9600B, Zeit wird aus NMEA-Sätzen
>  berechnet, da dauert das Ganze schon über 60ms.

Die Übertragungsrate über NMEA0183 hat mit der Laufzeit überhaupt nichts 
zu tun. Per NMEA wird nur der Timestamp geschickt, der Sekundenpuls 
kommt unabhängig davon.

Lol

von Jakob (Gast)


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Ich möchte haben:
Position und UTC, möglichst auf Zeit- und Winkelsekunde genau.

Ich kann mit meinem NAVILOCK-Modul keine uBlox-Telegramme auswerten.
Wäre doch auch Mist, wenn man seine Software ohne Not an ein
bestimmtes GPS-Modul hängen muss.

Mit welcher Rate wird der Schaltsekunden-Offset übertragen?
Wenn ich diese Zeit mit etwas Aufschlag an den bestätigten
3-D-Fix ranhänge, sollte es doch reichen...

Wie gesagt: Auch 10 s Offset sind nur Schönheitsfehler ohne
Auswirkung, wenn man zufällig die sekundengenaue Zeit aus anderer
Quelle vor Augen hat.

Ich dachte ja nur, jemand könnte das ohne Gelaber mal schnell
und nachvollziehbar "aus dem Ärmel" beantworten.

Ansonsten: Schönes Osterfest!

von Marc V. (Firma: Vescomp) (logarithmus)


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Wolfgang schrieb:
> Die Übertragungsrate über NMEA0183 hat mit der Laufzeit überhaupt nichts
> zu tun. Per NMEA wird nur der Timestamp geschickt, der Sekundenpuls
> kommt unabhängig davon.

 Der TO sprach von GPS-Sätzen auswerten, nicht von Sekundenpuls.
 Aber ja, in einem hast du Recht - der Sekundenpuls ist erheblich
 genauer, obwohl selbst PPS einen Fehler von einigen ms pro Tag haben
 kann und das addiert sich dann zu einem Fehler von einigen Sekunden
 pro Jahr.

 Bei GPS-Sätzen bleibt der Fehler aber immer gleich, weil die Zeit
 dauernd von Satelliten korrigiert wird, klar?

von Bauform B. (bauformb)


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Jakob schrieb:
> Mit welcher Rate wird der Schaltsekunden-Offset übertragen?
> Wenn ich diese Zeit mit etwas Aufschlag an den bestätigten
> 3-D-Fix ranhänge, sollte es doch reichen...

Ja, vor allem im Freien mit klarer Sicht bis zum Rand des Universums. 
Die Schaltsekunden werden alle 12.5 Minuten übertragen.

Eigentlich kannst du den richtigen Moment eindeutig erkennen, die Zeit 
ändert sich von einem Satz zum nächsten um mehr als eine Sekunde. Ab da 
wäre die Zeit korrekt. Leider könnte es passieren, dass der 3D-Fix erst 
danach zustande kommt - geht also nicht.

Ich würde mich mehr auf meine RTC verlassen. Die hat ja gefälligst eine 
Temperaturkompensation und lässt sich trimmen. Damit sollte die Drift in 
der Gegend von 0.1s/d sein. Solange es Strom aus der Steckdose gibt 
könnte die dauernd am GPS hängen. Oben auf dem Berg liefert dann die RTC 
die Sekunden und der GPS-Empfänger mit dem PPS die Mikrosekunden. Der 
PPS ist ja praktisch sofort (spätestens nach dem 3D-Fix) genau genug. 
Die RTC kann auch eine Art PPS erzeugen, man kann die Drift also sehr 
gut beobachten.

Ach ja: Das Problem tritt nur bei einem Kaltstart auf, der Empfänger 
könnte eine Backup-Versorgung haben...

Jakob schrieb:
> Ich kann mit meinem NAVILOCK-Modul keine uBlox-Telegramme auswerten.

Bist du sicher? Es gibt solche und solche
https://www.reichelt.de/gps-nl-82022mp-u-blox-neo-m8u-navilock-62755-p199685.html?&trstct=pos_13&nbc=1


Marc V. schrieb:
> Bei GPS-Sätzen bleibt der Fehler aber immer gleich, weil die Zeit
>  dauernd von Satelliten korrigiert wird, klar?

Kommt drauf an, was du unter "gleich" verstehst. Der Offset zur echten 
Sekunde ändert sich ständig, abhängig davon, wie viel der Empfänger 
rechnen muss, mehr gute Satelliten = größerer Offset. Es mag Empfänger 
geben, die das kompensieren, aber es gibt auf jeden Fall welche, bei 
denen es auffällt. Dazu kommt, dass die Länge der Datensätze nicht 
konstant ist.

Mein ublox7 liefert nur einen Datensatz mit konstanter Länge. Trotzdem 
schwankt der Offset um ±8ms (vom PPS bis ich den Satz auswerten kann).

von chris (Gast)


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von Stefan F. (Gast)


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Bauform B. schrieb:
> Es gibt von jeden Satelliten Signal/Noise Werte, aber da müsste ich
> erstmal rausfinden, welche benutzt werden. Und dann?

Mit diesen Infos kannst du praktisch nichts anfangen.

Die einzig nützliche Info ist: Empfängst du von genug Satelliten ein 
ausreichend gutes Signal? 5 cm weiter kann die Situation schon ganz 
anders aussehen.

von Wolfgang (Gast)


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Jakob schrieb:
> Mit welcher Rate wird der Schaltsekunden-Offset übertragen?

Das ist für die Uhrzeitgenauigkeit ziemlich egal, weil der Empfänger nur 
einmal diese Information empfangen haben muss um auf dem Laufenden zu 
sein. Genauso wie seine Uhrzeit mit einer RTC aktuell hält, ist es 
sinnvoll, die aktuelle Information über die Anzahl der Schaltsekunden im 
NV-RAM abzulegen. Neue Schaltsekunden für eine Aktualisierung dieses 
Wertes werden immer rechtzeitig in den vom GPS-Satelliten gesendeten 
Daten angekündigt.
Am 6. Januar 1980 wurde die GPS-Zeit als identisch mit UTC definiert, 
d.h. Differenz 0s. Bis heute hat die UTC 18 Schaltsekunden aufgesammelt.
https://de.wikipedia.org/wiki/GPS-Zeit
Der Datensatz mit den Umrechnungsinformationen von GPS-Zeit in UTC wird 
vom GPS in Page 18 vom Subframe 4 übertragen, d.h. wegen des zyklisch 
rotierenden Dateninhalts im Subframe 4 (insgesamt 25 Pages) müssten die 
Daten alle 750s gesendet werden, falls ich mich jetzt nicht verrechnet 
habe ;-)

von Wolfgang (Gast)


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chris schrieb:
> und hier die Bahnen der unterschiedlichen Systeme:
> 
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b4/Comparison_satellite_navigation_orbits.svg

In der Graphik sind die Orbits das Beidou Systems unterschlagen.
(Höhe 21500 bzw. 35800 km, Umlaufzeit 12.9h bzw. 24h)

von Wolfgang (Gast)


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Marc V. schrieb:
> Aber ja, in einem hast du Recht - der Sekundenpuls ist erheblich
>  genauer, obwohl selbst PPS einen Fehler von einigen ms pro Tag haben
>  kann und das addiert sich dann zu einem Fehler von einigen Sekunden
>  pro Jahr.

Wo hast du denn das aufgeschnappt?
Der 1PPS hängt fest an der Aussendung der Datensätze und damit an der 
Atomuhr des Satelliten dran. Sobald der Empfänger einen sauberen Fix 
hat, kann er die Laufzeit kompensieren. Da addiert sich nichts auf, 
schon gar nicht "einige Sekunden", jedenfall wenn bei der Implementation 
im Empfänger nicht grob geschlampt wurde.

von René H. (mumpel)


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Manche Hersteller von Navigationsgeräten verbauen TMC-Empfänger. Aus 
dessen Daten müsste man doch die genaue Zeit bekommen?

von Bauform B. (bauformb)


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Wolfgang schrieb:
> Jakob schrieb:
>> Mit welcher Rate wird der Schaltsekunden-Offset übertragen?
>
> Das ist für die Uhrzeitgenauigkeit ziemlich egal, weil der
> Empfänger nur einmal diese Information empfangen haben muss
> um auf dem Laufenden zu sein.

Mir, und anscheinend auch Jakob, geht es vor allem um den Kaltstart, da 
ist das überhaupt nicht egal.


Stefan ⛄ F. schrieb:
> Bauform B. schrieb:
>> Es gibt von jeden Satelliten Signal/Noise Werte, aber da müsste ich
>> erstmal rausfinden, welche benutzt werden. Und dann?
>
> Mit diesen Infos kannst du praktisch nichts anfangen.
>
> Die einzig nützliche Info ist: Empfängst du von genug Satelliten ein
> ausreichend gutes Signal?

Naja, und woher bekomme ich einen Wert für "ausreichend gut"? Das wären 
doch genau die dB aus dem GSA-Satz? Aber das Thema hat sich eigentlich 
erledigt. Der Empfänger ist so empfindlich, dass er mitten im Zimmer, 
unter einer Keksdose (dänische Butterkekse) versteckt, auch noch 
funktioniert (z.B. 223s bis zum 3D-Fix). Insofern reicht eine LED "PPS 
vorhanden".


René H. schrieb:
> Manche Hersteller von Navigationsgeräten verbauen TMC-Empfänger. Aus
> dessen Daten müsste man doch die genaue Zeit bekommen?

Von allen anderen Diensten weiß man, dass die schon mal um Minuten 
daneben liegen. Warum sollte das bei TMC besser sein? Nimm eine gute 
RTC.

von René H. (mumpel)


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Bauform B. schrieb:
> Von allen anderen Diensten weiß man, dass die schon mal um Minuten
> daneben liegen. Warum sollte das bei TMC besser sein?

TMC ist m.W. ein "Ableger" vom alten RDS, und RDS liefert eigentlich 
"immer" die exakte Zeit, die Nanosekunden mal nicht berücksichtigt.

von Stefan F. (Gast)


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Bauform B. schrieb:
> Naja, und woher bekomme ich einen Wert für "ausreichend gut"? Das wären
> doch genau die dB aus dem GSA-Satz?

Nein eben nicht. Der Empfangspegel sagt das nicht aus. Es ergibt sich 
eher aus der Differenz von Signalpegel zum Störpegel. Aber auch da kommt 
es sehr stark auf die konkreten Störungen an.

Zum Beispiel zeigt mein Smartphone zu hause und im Büro immer nur 
minimale Empfangsstärke an (1 von 5). Dennoch überträgt es sowohl 
Sprache als auch Daten tadellos mit der erwarteten Bitrate.

von Bauform B. (bauformb)


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Stefan ⛄ F. schrieb:
> Bauform B. schrieb:
>> Naja, und woher bekomme ich einen Wert für "ausreichend gut"? Das wären
>> doch genau die dB aus dem GSA-Satz?
>
> Nein eben nicht. Der Empfangspegel sagt das nicht aus. Es ergibt sich
> eher aus der Differenz von Signalpegel zum Störpegel. Aber auch da kommt
> es sehr stark auf die konkreten Störungen an.

Na gut, erstmal muss es GSV statt GSA heißen. Und was dBHz sind, weiß 
ich auch nicht. Aber was bedeutet denn das?
1
$xxGSV,numMsg,msgNum,numSV,{,sv,elv,az,cno}*cs<CR><LF>
2
cno [dBHz] Carrier to Noise Ratio (Signal Strength)

von Stefan F. (Gast)


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Bauform B. schrieb:
> Carrier to Noise Ratio

Ich denke das ist das von mir gemeinte Verhältnis zwischen Nutz-Signal 
und Stör-Signal.

von Wolfgang (Gast)


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Bauform B. schrieb:
> Aber was bedeutet denn das?

Was genau meinst du? Steht doch alles da oder verstehst du die Angabe 
für den Rauschabstand nicht?

von batman (Gast)


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Lies doch einfach mal den Kontext der Frage.

von Marc V. (Firma: Vescomp) (logarithmus)


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Wolfgang schrieb:
> Marc V. schrieb:
>> Aber ja, in einem hast du Recht - der Sekundenpuls ist erheblich
>>  genauer, obwohl selbst PPS einen Fehler von einigen ms pro Tag haben
>>  kann und das addiert sich dann zu einem Fehler von einigen Sekunden
>>  pro Jahr.
>
> Wo hast du denn das aufgeschnappt?

 Genau da, wo du und die anderen es auch getan haben.
 Oder warst du an der Entwicklung der GPS massgeblich beteiligt und
 weisst etwas, das wir nicht wissen?

> Der 1PPS hängt fest an der Aussendung der Datensätze und damit an der
> Atomuhr des Satelliten dran.

 Da hängt nix an nix dran.
 15-20ns Fehler pro Sekunde sind bei PPS durchaus üblich, den Rest
 kannst du dir selbst ausrechnen.

von Bauform B. (bauformb)


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Marc V. schrieb:
>> Der 1PPS hängt fest an der Aussendung der Datensätze und damit an der
>> Atomuhr des Satelliten dran.
>
>  Da hängt nix an nix dran.
>  15-20ns Fehler pro Sekunde sind bei PPS durchaus üblich, den Rest
>  kannst du dir selbst ausrechnen.

Du verwechselst Kurzzeit- und Langzeitstabilität bzw. Jitter und Drift.

von Marc V. (Firma: Vescomp) (logarithmus)


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Bauform B. schrieb:
> Du verwechselst Kurzzeit- und Langzeitstabilität bzw. Jitter und Drift.

 Nein, ich sprach von PPS als Taktsignal, vielleicht hab ich mich
 falsch ausgedrückt, sorry.
 Synchronisation mit PPS wird diesen Fehler natürlich nicht
 akkumulieren.

von Wolfgang (Gast)


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Marc V. schrieb:
> Da hängt nix an nix dran.
>  15-20ns Fehler pro Sekunde sind bei PPS durchaus üblich, den Rest
>  kannst du dir selbst ausrechnen.

15-20ns ist größenordnungsmäßig die Grundgenauigkeit vom GPS SPS. Viel 
genauer kriegt der Empfänger das Signal und damit seine xyzt-Koordinate 
im Raum nicht zu fassen, insbesondere da die Satellitenposition auch 
nicht beliebig genau ist.

15-20ns ist ansonsten ganz was anderes, als die von dir oben genannten 
"einigen ms pro Tag", die sich angeblich zu "einigen Sekunden pro Jahr" 
aufaddieren können sollen.

Marc V. schrieb:
> Genau da, wo du und die anderen es auch getan haben.
>  Oder warst du an der Entwicklung der GPS massgeblich beteiligt und
>  weisst etwas, das wir nicht wissen?

Was hat das mit der Entwicklung des GPS zu tun. Wie der Empfänger das 
1PPS-Signal aus dem Datentakt des vom Satelliten empfangenen Datenstroms 
ableitet und mit der berechneten Entfernung korrigiert, ist einzig Sache 
des Empfänger-Chips.

von Harald W. (wilhelms)


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Jakob schrieb:

> Wie gesagt: Auch 10 s Offset sind nur Schönheitsfehler ohne
> Auswirkung, wenn man zufällig die sekundengenaue Zeit aus anderer
> Quelle vor Augen hat.

Ja, diesen Schönheitsfehler kenne ich von meinem Fernseher bei Beginn
der 20H-Nachrichten auch. Früher waren Fernseher immer eine Quelle für
atomuhrgenaue Zeitinformation.

von Rolf M. (rmagnus)


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Harald W. schrieb:
> Jakob schrieb:
>
>> Wie gesagt: Auch 10 s Offset sind nur Schönheitsfehler ohne
>> Auswirkung, wenn man zufällig die sekundengenaue Zeit aus anderer
>> Quelle vor Augen hat.
>
> Ja, diesen Schönheitsfehler kenne ich von meinem Fernseher bei Beginn
> der 20H-Nachrichten auch. Früher waren Fernseher immer eine Quelle für
> atomuhrgenaue Zeitinformation.

Oder der Klassiker an Silvester, wenn in jeder Wohnung zu einer anderen 
Zeit gejubelt wird, weil sie alle nach dem Fernseher gehen, der heute 
oft sein Bild per Online-Stream holt.

Übrigens:

Bauform B. schrieb:
> Magisches Auge für GPS-Empfänger

Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, für eine derartige Anzeige ein 
echtes magisches Auge zu verwenden (also die die Anzeigröhre)? Das 
Röhrenradio meiner Oma hatte so eins zur Anzeige der Empfangsstärke, und 
ich war damals total fasziniert davon.

von Harald W. (wilhelms)


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Rolf M. schrieb:

> Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, für eine derartige Anzeige ein
> echtes magisches Auge zu verwenden (also die die Anzeigröhre)? Das
> Röhrenradio meiner Oma hatte so eins zur Anzeige der Empfangsstärke, und
> ich war damals total fasziniert davon.

Meinst Du jetzt ein "echtes" Auge oder nur den später üblichen
"magischen Srich"?

von Jakob (Gast)


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Von zwei Leuten kamen jetzt 12,5 Minuten = 750 s als
Zykluszeit für die Übermittlung des Schaltsekunden-Offset.
Muss ich wohl mit rechnen.

Für Batteriebetrieb ist mir das zu lange.
- Aber gut, bis der mögliche Offset bei mir von derzeit 2 auf
noch tolerierbare 10 s anwächst, dürften > 8 Jahre vergehen.

von Bauform B. (bauformb)


Angehängte Dateien:

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Jakob schrieb:
> Muss ich wohl mit rechnen.

Du Ungläubiger zweifelst an Fakten aus dem Internet? Nimm dieses (pdf)!

von Jakob (Gast)


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Hab es gleich mal selbst getestet!

2 mal Kaltstart eines alten ETEK EB-85A. Der ist von 2007 und
kennt daher 4 Schaltsekunden nicht. Zum Week-Rollover 2019
musste ich der Datumsanzeige auch Krücken verpassen...

Korrektur um -4 s erfolgte um 15:46:07 bzw. um 15:58:37.
Das bestätigt die 12,5 Minuten!

Trotzdem Danke für die PDF. :-)

von Rolf M. (rmagnus)


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Harald W. schrieb:
> Meinst Du jetzt ein "echtes" Auge oder nur den später üblichen
> "magischen Srich"?

Also so richtig wie ein Auge hat es nicht ausgesehen, aber war auch 
nicht nur ein Strich.
Sowas wie hier: https://www.sm5cbw.se/tubes/htm/em80.htm

von Harald W. (wilhelms)


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