Hallo zusammen, ich habe eine Frage zu einigen Herstellerangaben bzgl. der Genauigkeit ihrer Produkte. Hier gibt ein Hersteller z.B. eine Genauigkeit als Intervall ±10° zum wahren Wert an. Ein anderer Hersteller trifft die Aussage: <5% RMS, also als prozentuale Abweichung des quadratischen Mittelwertes zum realen Wert. Prinzipiell würde ich die Variante eins doch der Angabe zwei vorziehen, weil ich hier sichergehen kann, dass mein Sensorwert in diesem "±10°-Schlauch" liegt. Währenddessen macht Angabe zwei ja nur Aussagen über stochastische Werte des Sensors, also unter der Voraussetzung vieler Messwerte, oder? Gibt es eine Möglichkeit diese Messwertabweichungen vergleichbar zu machen? Vielen Dank!
Ben T. schrieb: > Hier gibt ein Hersteller z.B. eine Genauigkeit als Intervall ±10° zum > wahren Wert an. Sicher, dass das harte Grenzen sind und nicht 1/2/3 Sigma?
Danke für die Antwort. Das habe ich bisher zumindest vermutet. Es findet sich keine weitere Angabe hierzu. Es wird neben der Nennung des gültigen Messbereichs nur eben die ±10° angegeben. Nach deiner Aussage müssten dann bei 2 sigma ca 95 % der Messwerte eine Abweichung von ±10° einhalten? Wie sind diesbezüglich denn die Konventionen?
Ben T. schrieb: > Nach deiner Aussage müssten dann bei 2 sigma ca 95 % der Messwerte eine > Abweichung von ±10° einhalten? Nein, wenn dann müsste das so dastehen. Eine Toleranz von +-10% ist eine worst case Angabe, und die gilt für die Kalibrierung des Sensors, nicht für Messreihen. Sigmas kommen da keine ins Spiel. Wenn dein Sensor also 9% danebenliegt, dann tut er das bei jeder Messung, und es ist noch zulässig, damit musst du also rechnen. Wenn das zuviel ist musst du selber nachkalibrieren oder einen besseren Sensor kaufen. Georg
mh schrieb: > Sicher, dass das harte Grenzen sind und nicht 1/2/3 Sigma? Wenn der Hersteller das als harte Grenzen angibt, ist das so. Es gibt keinen Grund, dass die Verteilung einer Normalverteilung entsprechen muss. Und nur dann ist eine Angabe von 1/2/3 Sigma sinnvoll. Wenn der Hersteller ein bisschen Stolz hat, fliegen schlechtere Teile vom Band, bevor sie ein Gehäuse bekommen oder gar im Warenausgang aufschlagen.
georg schrieb: > Wenn dein Sensor also 9% danebenliegt, dann tut er das bei jeder > Messung ... Nein, die Abweichung kann genauso gut von weiteren Umgebungsparametern abhängen. Ein Sensor der am Rande seines Temperaturbereichs bei jeder Messung 9% daneben liegt, kann bei 20°C durchaus auch nur 1% daneben liegen.
georg schrieb: > Nein, wenn dann müsste das so dastehen. Eine Toleranz von +-10% ist eine > worst case Angabe, und die gilt für die Kalibrierung des Sensors, nicht > für Messreihen. Sigmas kommen da keine ins Spiel. Wieso Toleranz es war von Genauigkeit die Rede. Und die besteht nunmal aus Präzision und Richtigkeit. Und da ist die Angabe von ±10% nicht wirklich Eindeutig. Ich würd ohne weitere Infos davon ausgehen, dass es die Richtigkeit ist. Wolfgang schrieb: > Es gibt keinen Grund, dass die Verteilung einer Normalverteilung > entsprechen muss. Nein die gibt es nicht, aber es wäre ungewöhnlich, wenn der Messvorgang ohne jede Form des Zufalls stattfindet. Ben T. schrieb: > Ein anderer Hersteller trifft die Aussage: <5% RMS Die Angabe ist allerdings auch nicht sehr eindeutig.
Okay , vielen Dank! Also nehme ich das als harte Grenzen, die meinen worst case enthalten, in dem alle möglichen kumulierten (Einzel-)Messungenauigkeiten maximal werden. Also weiter weg als 10° liege ich nie... Eine weitere Frage, zu der ich online keine Antwort finde und die sich mit dem beliebten Begriffen von Genauigkeit und Auflösung beschäftigt. Verstehe ich das richtig, dass ein Quantisierungsfehler (der ja maximal gleich des halben Auflösungswertes bei linearer Kurve wird) immer noch auf die Genauigkeit daraufaddiert werden muss, um dann die endgültige Messabweichung zu erhalten? Oder anders formuliert: Bezieht sich die Genauigkeit noch auf den analogen Messwert, von dem dann digital anschließend (mit bis zum halben Auflösungswert) digitalisiert wird? Kennt ihr da entsprechende Literatur? Im vorliegenden Fall entspricht nämlich die Auflösung exakt der Genauigkeit des Sensors.
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