Hallo Leute,
ich habe ein paar Fragen bezüglich Common Mode Chokes (Strom
kompensierende Drosseln) an LVDS. Ich möchte diese vorsorglich in ein
neues Design einplanen (großes Messsystem mit schnellen ADCs) um
potenzielle Probleme zu vermeiden. Meine Transceiver sind direkt die aus
den FPGAs von Xilinx (Serie 6 & 7 und Lattice) und auf dem System sind
in maximaler Ausbaustufe bis zu 10 FPGAs und bis zu 100 LVDS
Verbindungen vorgesehen.
1. Sollte man diese überhaupt von Anfang an vorsehen, oder erst dann,
wenn man Probleme erwartet?
2. An welche Seite gehören sie? An den Sender und/oder den Empfänger?
Meine Herleitung wäre, da ja "nur" der Empfänger davon profitiert, diese
auch nur vor den Empfänger zu platzieren. - Richtig?
3. Am Empfänger, kommen sie vor den Terminierungswiderstand, oder
dahinter?
Da bin ich mir unschlüssig! Vor dem Widerstand fließt Strom (3,5mA) und
dahinter der Empfänger reagiert auf Spannungsdifferenz... Ich hätte sie
vor den Terminierungswiderstand gesetzt, da es auch div. Empfänger mit
integriertem Terminator und Biasing gibt (also sowohl bei FPGAs aus auch
bei externen Transceivern). - Da hätte ich ja nur die eine Möglichkeit:
davor - Heißt ja auch "stromkompensierte Drossel", weil sie da wirkt?
4. Wie wählt man sie am besten aus?
Wenn ich z.B. diesen (WE-CNSW HF
https://www.we-online.de/katalog/datasheet/744233121.pdf) Typ ansehe,
der auf LVDS optimiert ist und 100-400Mbit über die LVDS-Verbindung
versuche zu übertragen, wird dann mein Nutzsignal bereits soweit
abgeschwächt, das es nicht mehr richtig interpretiert wird? Die Impedanz
wird bei diesem Typ mit 120Ohm @100MHz angesetzt. Die "Diff Mode
Insertion Losses" sind aber in dem Bereich <0,5dB
5. Ich hoffe ich habe mit dem "Analogforum" das richtige gewählt? Geht
ja eher um elektrische Verträglichkeit als um digitale Signale ;)
Erwartetst du denn Probleme ? Problemquellen koennen zB mehrere
Leiterplatten in einem Verbund sein.
Wenn ich einen guten durchgaengigen GND sicherstellen koennte wuerde ich
keine vorsehen.
Du musst mit beiden Eingaengen im Differentialbereich sein, zwischen den
Speisungen. Weshalb sollten die verlassen werden koennen ?
Joggel E. schrieb:> Erwartetst du denn Probleme ? Problemquellen koennen zB mehrere> Leiterplatten in einem Verbund sein.
Und die habe ich... Jedes FPGA sitzt auf einem eigenen PCB mit eigener
Stromversorgung.
LVDS schrieb:> Und die habe ich... Jedes FPGA sitzt auf einem eigenen PCB mit eigener> Stromversorgung.
Und was für Steckverbinder / Kabel sind dazwischen?
Wie lang sind die Leitungen?
Leitungen/Kabel gibt es nicht, nur Leiterplatten die übereinander
gestapelt werden. Stecker wären Samtec LSHM Serie. Gesamtlänge maximum
wäre 12cm.
Ich habe halt Angst, das die ganzen FPGAs mir in die einzelnen PCBs
einkoppeln - Da schwingen ja nun einmal eine ganze Menge Gatter
Zeitgleich um. Für Schirmbleche o.Ä. ist zwischen den PCBs kein Platz.
Wenn die Masseführung auch über die Steckverbinder ordentlich ist und
der Lagenaufbau/Impedanzen passen, bringen die Drosseln bei den relativ
kurzen Leitungen vermutlich nicht sonderlich viel.
Wenn Kabel involviert wären sähe es anders aus aber bei Platine zu
Platine ist das wesentlich unkritischer.
Heisst nicht, dass es keine Probleme geben könnte... aber das ist bei
sowas komplexem schwer vorab zu sagen.
1. Wenn möglich (Platz, Geld) zum Vornherein zumindest den Footprint
vorsehen. Ggf. nebendran/drunter Längswiderstände (Footprint) zum
alternativen Bestücken mit 0R.
2. Nahe am Empfänger
3. Ich würde den externen Abschluss vor die CM setzen (also Richtung
Sender, aber Nahe CM choke) weil
a) Mit dem Abschluss im Empfänger hast du die Möglichkeit beide
Varianten zu testen.
b) Du hast weniger DM insertion losses / wenn Punkt 2 eingehalten fängst
du dir nach der CM drossel keine CM mehr ein.
4. Hängt auch von dem Empfänger aufbau etc. ab. Die die du angegeben
hast ist doch gar nicht schlecht.
Alles in allem scheint die Sache aber auch ohne CM Drossel zu
funktionieren, wenn wie meine Vorredner schon erwähnt haben, das
Layout/Verbindung & GND Konzept vernünftig ist.
LVDS schrieb:> wird dann mein Nutzsignal bereits soweit abgeschwächt, das es nicht mehr> richtig interpretiert wird? Die Impedanz wird bei diesem Typ mit 120Ohm> @100MHz angesetzt.
Das ist die Common-Mode-Impedanz, also das, was Störsignale sehen. Die
LVDS-Signale sehen nur Z(diff).
Michael X. schrieb:> Wenn dann gehören die CM an den Sender.
Wegen den Reflektionen? Wenn der Sender schon für die Störungen die
Ursache ist, dann stimmt doch etwas nicht. Der Gestörte ist doch
eigentlich immer der Empfänger.
mfg Klaus
LVDS schrieb:> Ich habe halt Angst, das die ganzen FPGAs mir in die einzelnen PCBs> einkoppeln - Da schwingen ja nun einmal eine ganze Menge Gatter> Zeitgleich um.
Deswegen setzt man ja auch LVDS ein. Man sollte nur auch die
Mindesabstände zu benachbarten Differenziellen Paaren einhalten.
Üblicherweise sind das 50 mil. Dann sollte man zusehen, daß der Abstand
der Leiterbahnen möglichst eng ist, je enger desto störungssicherer. Man
sollte bei der Ermittlung der Leiterbahngeometrie etwas mit
Leiterbahnbreite und Leiterbahnabstand spielen und auch vielleicht eine
gewisse Abweichung von den 100 Ohm ZDiff inkauf nehmen, um den Abstand
enger auszulegen zu können. A&O für LVDS ist natürlich ein sauberer
Signal Return Path. Das wird Dir jedes Layout-Design-Guide so empfehlen.
mfg Klaus
Common Mode Drosseln sind im Endeffekt auf der Leiterplatte verbaute
Klappferrite. Und so sind sie auch zu verbauen und auszuwählen.
Die common Mode Drossel kommt also "in die Leitung", eventuelle
Terminierung ist immer beim IC. Also vor den Stecker.
Wichtig für die Signalqualität für dein Nutzsignal ist nur das Verhalten
bei differentiellen Signalen.
Bei deiner Drossel:
https://www.we-online.de/katalog/datasheet/744233121.pdf
Kann man sehen, dass die differentielle Impedanz bei 1GHz bei 40Ohm ist,
wenn die Terminierung jetzt 50Ohm hat, verlierst du schon fast den
halben Pegel.
Das wird sich schwer verantworten lassen. Wieviel Impedanz man sich
erlauben kann, ist schwierig zu sagen, ich sag mal, mehr als 10 Ohm eher
nicht.
Entsprechend musst du das halt auswählen. Umso größer die Spreizung der
Impedanz zwischen common und differential Mode in dem von dir genutzten
Frequenzbereich, umso besser ist das Teil allgemein.
Das Problem mit den Dingern:
- Nichtbestücken wenn sie nicht gebraucht sind: Unmöglich
- Layout reißt dir dein differentielles Päärchen auf, und macht das
Signal damit etwas schlechter
Sie können aber sinnvoll sein, weil sie billiger als Klappferrite sind.
Tipp:
Es gibt bei Murata Common Mode Ferrite Beads in der gleichen Bauform wie
Widerstandsarrays. Die kann man, wenn man sie nicht braucht, durch
0E-Arrays ersetzen, welche viel billiger sind.
Parallele Widerstände vorsehen ist bei LVDS-diff-pairs keine gute Idee.
Jedes Pad hat sein pF, das schon mal weh tun kann.
Normalerweise kommt die Choke erst mal an den Sender, um
Gleichtaktsignale, die durch den Sender verursacht werden, zu
unterdrücken. Damit verhindert man, dass die Gleichtaktsignale aufs
Kabel kommen und dort herum funken (EMV). Die Gleichtaktsignale
entstehen durch Asymmetrien im Diff-Pair, die sich nie 100% vermeiden
lassen.
P. S. schrieb:> Die Gleichtaktsignale> entstehen durch Asymmetrien im Diff-Pair, die sich nie 100% vermeiden> lassen.
Bei vielen Ethernet-PHYs, insbesondere älteren für 1000BASE-T, wird die
Ausgangsstufe nur zum Senden eingeschaltet und verursacht dann auf allen
Leitungspaaren einen recht großen und steilflankigen Spannungssprung.
Solche PHYs ziehen dann kurzzeitig um die 2 A, die sehr niederohmig
abgeblockt werden müssen. Um 2000 hielt ich ein solches PHY-Evalboard in
der Hand und mir fielen die Unmengen an hochkapazitiven
Abblockondensatoren auf. Das waren insgesamt mehr als 100 µF. Als ein
Kunde von mir etwas später einen kleinen Gigabit-Switch in sein Gerät
integrierte und die vielen Abblockkondensatoren trotz meines
ausdrücklichen Hinweises für völlig übertrieben hielt, ging das auch
prompt in die Hose.
Recht fies ist übrigens USB, da die eigentliche Datenübertragung
differentiell läuft, aber der sog. SE0-Zustand (single-ended zero) eine
wichtige Funktion hat.
Klaus R. schrieb:> A&O für LVDS ist natürlich ein sauberer> Signal Return Path.
Das darfst du mir gerne etwas näher erklären. Damit meinst du doch einen
GND?
Die beiden Leitungen bilden doch schon den Stromkreis. Sie sind ja am
Ende auch über den Terminierungswiderstand miteinander verbunden.
Dass man auch GND haben muss/soll, liegt lediglich an der Tatsache, dass
man Beim Empfänger im Common-Mode-Bereich bleiben will.
Das Problem bei üblichen 4-fach SMD-choke arrays ist, dass man für 8
Leitungen zwei separate arrays einsetzen muß. Diese sind nicht
magnetisch gekoppelt infolgedessen haben wir es mit der
Parallelschaltung von zwei Impedanzen zu tun - also halbiert sich die
resultierende Gleichtakt-Impedanz. Mit mehr Kanälen entsprechend weitere
Verschlechterung der Dämpfung. Für Kabelverbindungen mit vielen Strängen
bleiben eigentlich nur noch passende Kabelferrite als wirkungsvolle
Dämpfer mit minimalen Differentialdämpfung übrig. Das mag zwar teurer
sein als Ferrit-Hühnerfutter, kann aber außerhalb des PCB-Layouts auch
nachträglich festgelegt werden.
Blumpf schrieb:> Kann man sehen, dass die differentielle Impedanz bei 1GHz bei 40Ohm ist,> wenn die Terminierung jetzt 50Ohm hat, verlierst du schon fast den> halben Pegel.
Natürlich richtig, aber man verliert eben nur den halben Pegel des
Frequenzanteils, der 1GHz hat (oder eben noch mehr bei höheren
Frequenzen).
Das muss also noch lange kein Problem sein. Da spielen halt nur noch
viele andere Faktoren mit rein (Grundtakt, Sample-Zeitpunkt, ...).