Hallo,
ich habe mir eine Lötstation (Maiskolben) mit Weller RT-Spitze gebaut.
Die Station wird versorgt über ein Mean Well EPS-65S-12 Schaltnetzteil.
Funktioniert auch alles super. Bei der finalen Prüfung ist mir jetzt
aufgefallen, das je nach Polung der Netzsteckers, an der Lötspitze
(Masse) eine Spannung von 300 - 350 Vss 50 Hz anliegt. Der Ableitstrom
beträgt je nach Polung ca 60 - 70 µA
Ich wollte eigentlich die Station, wie meine Weller WTCP-20 auch, über
1MOhm mit dem ESD-Anschluss verbinden. Nur dabei habe ich immer noch
eine Spannung von 180 - 220 Vss an der Spitze... Das ist tödlich für
empfindliche Bauteile. Nur wenn ich die Station hart erde ist die
Spannung natürlich weg.
Jetzt meine eigentliche Frage: kann man da etwas ändern (z.B. Netzfilter
mit x,y Kondensaroren, Umbau des Netzteils), oder geht das nur mit
einem "richtigen" Trafo mit getrennten Kammern, Gleichrichtung und
Stabilisierung?
Eine harte Erdung möchte ich gerne vermeiden.
Danke schön mal für eure Antworten
LG Jürgen
Du brauchst wohl ein anderes Netzteil das besser isoliert.
Vielleicht wird dir jetzt klar, warum die namhaften Lötstationen fast
alle mit Transformatoren arbeiten. Oft haben diese sogar eine
zusätzliche Isolation/Schirmung zwischen den beiden Stromkreisen.
Jürgen.D schrieb:> Jetzt meine eigentliche Frage: kann man da etwas ändern (z.B. Netzfilter> mit x,y Kondensaroren, Umbau des Netzteils)
Du könntest den Trafo neu wickeln und etwas Kupferfolie zwischen Primär
und Sekundärwicklung machen. Dabei Aufpassen dass du keine
Kurzschlusswindung erzeugst. Diese Folie legst du dann auf GND von der
Primärseite. Da sollte dann nichts mehr kapazitiv koppeln, den Y
Kondensator darfst du dann auch entfernen/ verkleinern. Für 1-2 Lagen
Folie plus etwas Tape sollte hoffentlich noch Platz sein, wenn der Kern
vergossen ist musst du halt einen neuen nehmen.
Eventuell könntest du auch Y Kondensatoren Sekundärseite GND nach Erde
testen, dürften aber nicht viel helfen.
> oder geht das nur mit> einem "richtigen" Trafo mit getrennten Kammern, Gleichrichtung und> Stabilisierung?
Damit hast du definitiv weniger Kopplung, geht aber auch anders, z.b.
mit einem besseren Netzteil.
Falls es sich um eine Magnastat-Lötstation handelt mit Regelung über
Schaltkontakt handelt, kannst Du die Versorgung mit DC getrost
vergessen: Diese Stationen mögen nur Wechselspannung, ansonsten
verzundern die Kontakte innerhalb kurzer Zeit. Damit habe ich schon mal
ne Bauchlandung erlebt. Was geht: Einen elektronischen Halogentrafo
umwickeln von 12V auf 24Vac. Das funktioniert und es entfallen die
Ableitströme (es gibt hier keine y-Kondensatoren).
voltwide schrieb:> Einen elektronischen Halogentrafo> umwickeln von 12V auf 24Vac. Das funktioniert und es entfallen die> Ableitströme (es gibt hier keine y-Kondensatoren).
Wenns das klassische selbstschwingende ist: ist ungeregelt, braucht
Mindeslast, Störungen koppeln weiter über den Trafo und die
Wechselspannung hat einige 10kHz. Damit müsste der Gleichrichter für die
Regelung erstmal klarkommen
Der Maiskolben sollte mit Mosfet schalten also kein Problem.
voltwide schrieb:> Falls es sich um eine Magnastat-Lötstation handelt
Du hast zwar nicht verstanden, um was es geht - aber nett, dass Du auch
etwas gesagt hast.
https://lmgtfy.*com/?q=maiskolben+l%C3%B6tstationhttps://lmgtfy.*com/?q=weller+rt&iie=1
(den Stern vor com löschen!)
Jürgen.D schrieb:> Eine harte Erdung möchte ich gerne vermeiden.
Du gehörst zu den wenigen Leuten, die ESD-Schutz verstanden haben! Ja,
hart geerdet ist kontraproduktiv, (nur) mit ein paar MegOhm gegen Erde
bist Du korrekt unterwegs.
K. S. schrieb:> Eventuell könntest du auch Y Kondensatoren Sekundärseite> GND nach Erde testen, dürften aber nicht viel helfen.
Das bringt nichts bzw. wäre genauso falsch wie eine harte Erdung. Ich
sehe da auch nur den einen Weg:
Stefan ⛄ F. schrieb:> Vielleicht wird dir jetzt klar, warum die namhaften Lötstationen> fast alle mit Transformatoren arbeiten.
Mein Eigenbau läuft mit einem 60VA-Halogentrafo, das Heizelement fahre
ich an der ungeregelten Gleichspannung.
Es handelt sich nicht um eine Magnastat (die habe ich auch noch als
Backup im Regal stehen) sondern um ein DIY Projekt, siehe hier:
https://github.com/ArduinoHannover/Maiskolben
Ich habe noch irgendwo in meinem Fundus ein Laptop-Netzteil mit 19,5V.
Werde morgen mal messen wie es dabei mit der Kopplung aussieht und
schauen ob ich es öffnen und auf 12V modifizieren kann.
Danke schön mal für die Tipps.
Manfred schrieb:> Mein Eigenbau läuft mit einem 60VA-Halogentrafo, das Heizelement fahre> ich an der ungeregelten Gleichspannung.
So ein paar elektronische Halogentrafos habe ich auch noch in der Ecke
liegen, werde ich mir auch mal anschauen. Danke für die Info.
Jürgen.D schrieb:> Manfred schrieb:>> Mein Eigenbau läuft mit einem 60VA-Halogentrafo, das Heizelement fahre>> ich an der ungeregelten Gleichspannung.>> So ein paar elektronische Halogentrafos habe ich auch noch in der Ecke> liegen, werde ich mir auch mal anschauen.
Wenn ich Trafo schreibe, meine ich Trafo = Transformator, Draht um Eisen
gewickelt.
oszi40 schrieb:> Schau Dir mal den an:> https://de.wikipedia.org/wiki/Transformator#/media/Datei:Trafo-innenleben.jpg
"elektronische Halogentrafos" haben irgendwelche Marketingvollidioten
erfunden, das sind technisch korrekt beschrieben (beschissene)
Schaltnetzteile. Ich bekomme immer Brechreiz, wenn die Internetkiddies
das nicht differenzieren können!
Also: Der Elektronikkack löst Dein Problem nicht, die Halogennetzteile
sind sowieso unbrauchbar, weil sie keine klar definierte Gleichsapnnung
ausgeben.
Wenn Du keinen ordentlichen Trafo hast oder findest, bleibt nur, an
verschiedenen Schaltnetzteilen die Fehlerströme zu messen, vielleicht
findest Du eines, was keine Kondensatoren nach sekundär hat.
Dein Meanwell hat netzseitig keinen Schutzleiter. Chancen auf einen
geringen Fehlerstrom sehe ich nur bei Netzteilen, die primär gegen den
Schutzleiter ableiten könnnen, das wird aber schwierig zu finden sein.
Manfred schrieb:> Wenn ich Trafo schreibe, meine ich Trafo = Transformator, Draht um Eisen> gewickelt.
Ok, war eine falsche Annahme von mir, da es ja heutzutage fast nur noch
elektronische Halogentrafos gibt.
Mal schauen was ich in meinem Keller noch so finde.
Betreibst du deine Station an dem "Eisentrafo" nur mit
Brückengleichrichter und Siebelko? Die Spannung liegt dann ja bei ca.
17V.
Jürgen.D schrieb:> Mal schauen was ich in meinem Keller noch so finde.> Betreibst du deine Station an dem "Eisentrafo" nur mit> Brückengleichrichter und Siebelko? Die Spannung liegt dann ja bei ca.> 17V.
Mit Ladeelko bekommt man 17V im Leerlauf. Unter Last ergibt sich eine
erhebliche Brummspannung, so dass es real eher 14 Volt sein werden. Mir
war es etwas zu viel, ich habe ca. 1 Ohm in Reihe zum Heizelement. Muss
man austesten, ist abhängig vom Trafo und der Größe des Elkos.
Eine andere Idee ist, den Heizkörper hinter dem Brückengleichrichter
ohne Ladeelko zu betreiben, die original Weller fahren angeblich
Wechselspannung per Triac.
Für die Elektronik kommt dann eine einfache Diode (1N400x) hinter die
Gleichrichterbrücke und der Ladeelko hinter die Diode, bevor der 7805
die paar mA für den µC liefert.
Ich habe heute mal meine Bestände durchgesehen und zwei 12 V Trafos
gefunden. Einen normalen Halogentrafo 60 VA und einen vergossenen (IP67)
für Gartenbeleuchtung. Aber auch bei denen habe ich noch eine kapazitive
Kopplung von der Primärseite von gut 10 Vss und ca. 5 µA Ableitstrom. Na
ja, sind ja auch ganz einfache Trafos, Wicklungen direkt übereinander,
sollen ja auch nur ein paar Lampen speisen. Mal schauen wie ich weiter
vorgehe.
Jürgen.D schrieb:> Ich habe heute mal meine Bestände durchgesehen> und zwei 12 V Trafos gefunden.
Gut.
> Aber auch bei denen habe ich noch eine kapazitive> Kopplung von der Primärseite von gut 10 Vss und ca. 5 µA Ableitstrom.
Wenn Du diese 5 µA über 1 Meg nach PE schickst, sind das gerade mal 5
Veff, die in einer realen Schaltung ganz sicher keinen Schaden
anrichten.
Kannst Du sicher sein, dass das reale Meßwerte sind und nicht schon den
Potentialdifferenzen Deiner Elektroinstallation geschuldet sind?
> Mal schauen wie ich weiter vorgehe.
Dazu habe ich eine klare Meinung: Aufhören zu forschen und den Trafo
verwenden.
Manfred schrieb:> Kannst Du sicher sein, dass das reale Meßwerte sind und nicht schon den> Potentialdifferenzen Deiner Elektroinstallation geschuldet sind?
Die Werte stimmen schon, Spannung mit dem Osci gemessen, Ableitstrom mit
VDE-koffer.
So, nun ein Update...
Ich habe mir einen Sicherheitstrafo mit getrennten Wickelkammern
besorgt, Eisenkern auf SL. Nun habe ich nur noch ein Einkopplung von 1,5
Vss und einen Ableitstrom von 1 µA. Damit kann ich gut leben. Da der
Trafo natürlich viel größer als das Schaltnetzteil ist, musste ich im
Gehäuse und an meiner Platine einiges umbauen.
Ich danke noch mal allen die sich an der Diskusion beteiligt haben.
Im Anhang noch ein Bild der fertigen Station.
Jürgen.D schrieb:> Im Anhang noch ein Bild der fertigen Station.
Schön gemacht. Das war letztendlich bestimmt teurer, als fertig zu
kaufen, oder? Naja, manchmal kommt es nicht auf den Preis an.