Forum: Haus & Smart Home Tresor Alarmanlage mit drei Sensoren


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von Jan M. (tresor-alarmanlage)


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Hallo,

ich möchte euch ein "Corona-Spaßprojekt" vorstellen, dass jedoch mit den 
Wochen und Monaten einen immer größeren Umfang annahm und nun eine Tiefe 
erreicht hat auf die ich etwas stolz bin.

Angefangen hat alles mit meiner Jägerprüfung den ich noch im März ein 
paar Tage vor dem Lock-Down gemacht habe. Ein Tresor der Klasse I wurde 
die Tage vorher angeschafft und der dafür ausgewählte Hobby-Raum wurde 
entsprechend eingerichtet. Der Raum wurde mit einer professionellen 
Gefahrenmeldeanlage ausgestattet über die ich hier nicht weiter Auskunft 
geben möchte.

Also, wie die Zeit im Lock-Down nutzen? Ich wollte schon immer etwas 
meine Tochter für Technik begeistern und wir haben ein paar Schaltungen 
vom Conrad zusammen gelötet. Eine Solartaschenlampe und einen 
elektronischer Würfel. Aber irgendwann war das Löten nach Vorlage auch 
wieder etwas langweilig. Also dachten wir uns: Wieso keine zusätzliche 
Alarmanlage bauen?

Das Konzept stand schnell: Die Alarmanlage sollte die bestehende 
Sicherung nur ergänzen und aus Manipulationsgründen IM Tresor 
untergebracht sein. Das war interessant und so hat sich ein echt nettes 
Konzept ergeben, das auch leicht nachzubauen ist und aus Komponenten 
besteht die auch für Anfänger wie meine Tochter und ich selbst zu 
verstehen sind.

Grundlage sind zwei Körperschallsensoren und ein Abreißmelder. Die 
Alarmanlage hat also drei Sensoren, was auch völlig ausreichend ist. 
Alle Sensoren haben natürlich eine Sabotageschleife die das Öffnen und 
Manipulieren des Sensors melden.

Ein Körperschallsensor reagiert auf Erschütterungen die er der Stärke 
nach beurteilen kann und zusätzlich kann man diese Erschütterungen der 
Anzahl nach auch noch zählen lassen um z.B. nicht auszulösen, wenn 
lediglich die Tresor-Türe etwas stärker zufällt oder der 
Verriegelungsmechanismus einrastet.

Ein Abreißmelder besteht aus zwei Meldeschleifen die ringförmig auf 
einer Platine mit Sollbruchstelle angeordnet sind und an die 
Bolzenverankerung angebracht werden. Versucht ein Einbrecher den Tresor 
aus der Verankerung zu hebeln, reißt diese Platine mit ein und die 
Alarmschleifen werden unterbrochen.

Alarmgeber ist eine günstige aber unglaublich laute Sirene. Ich selbst 
habe noch nie so etwas quitschig lautes gehört. Aber das muss sie auch, 
denn sie sitzt selbst im Tresor. Wer nun meint ein Tresor ist akustisch 
"dicht", der irrt. Tresore sind dick aber für Schall i.d.R. gut 
durchlässig, insbesondere wegen den Türspaltmaßen. Da wir in einem 
Mehrfamilienhaus wohnen ist dies unser Vorteil. Der Alarm schrillt 
selbst bei geschlossenen Türen durch das ganze Treppenhaus. Da bei 
Auslösung der Alarmanlage der Täter sich schon im Gebäude befinden muss, 
hat bereits die Gefahrenmeldeanlage entsprechend gemeldet und 
aufgeschalten. Es macht also keinen Sinn mehr dieses Ziel nochmals mit 
der Alarmanlage im Tresor anzustreben. Hier geht es nur noch um die 
akustische Abschreckung und, sollte er den Tresor mit nehmen, was 
häufiger passiert, darf er gleichzeitig eine Sirene mit auf die Straße 
tragen.

Die Schaltung selbst besteht aus zwei Stromversorgungen. Einmal über 
einen keinen Blei-Gel-Akku und zum anderen über Netz per Netzkabel mit 
im Tresor liegendem Netzteil. Dass dieses im Tresor mit drin liegt ist 
wichtig. Zuerst hatte ich das Netzteil außerhalb. Ansonsten kann man 
mittels einem Labornetzteil die Schaltung von außen manipulieren.

Beide Stromversorgungen laufen auf die Platine für die 
Konstantstromversorgung. So lange Netzspannung anliegt zieht das Relais 
RY1 an und versorgt die Schaltung mit Strom. Reißt die Netzspannung ab, 
fällt das Relais RY1 ab und die Kondensatorenbank C1-5 puffert so lange. 
D2 verhindert, dass das Relais RY1 die Kondensatoren leer zieht. Die 
Batterie übernimmt nach dem Schaltvorgang die Stromversorgung.

Ergebnis ist, dass an der Klemme ST3 immer eine konstante 12V 
Stromversorgung anliegt.

Angeschlossen ist hier ein Timer-Baustein von Conrad der auf 8,2s 
eingestellt ist. Er treibt bei Alarm für 8,2s die Sirene an, wobei diese 
Zeit bei einem Aufbruch-Versuch nicht aussagekräftig ist. Da die 
Sensoren mehrfach hintereinander (Körperschall) bzw. konstant (Abreiß) 
melden, würde sich die Alarmdauer entsprechend erhöhen. Letztlich erhält 
man in der Praxis eine Dauersirene durch diese Einstellung, sofern der 
Einbrecher nicht aufgeben sollte und der Abreißmelder noch intakt ist.

Vor die Sirene ist noch ein Schalter S1 gesetzt um die Sirene 
abzustellen. Die Schaltung selbst bleibt dauerhaft betriebsbereit. Dies 
habe ich extra so gemacht um besser experimentieren zu können und der 
Timer würde bei anschalten der Betriebsspannung erst mal auf "an" 
schalten, d.h. ich hätte bei jedem Anschalten einen Alarm. Daher ist 
dieser An-/Aus-Schalter S1 sehr weit hinten im System. Der Schalter muss 
gegen versehentliches Betätigen geschützt sein, z.B. in etwas versenkter 
Bauweise. Sollten die Täter den Tresor z.B. schütteln oder zur Seite 
legen (meiner wiegt >200kg, daher eher unwahrscheinlich) darf er nicht 
durch umher fallenden Inhalt zufällig betätigt werden können.

Über die Konstantstrom-Platine werden auch noch die beiden aktiven 
Sensoren (Körperschall) mit Strom versorgt. Der Abreißmelder ist ein 
passives Bauelement und braucht keine eigene Stromversorgung.

Die Meldeschleife besteht nun aus den Klemmen S4 bis S9. Hier werden 12V 
einmal durch alle Melder und durch alle Meldeschleifen und durch alle 
Sabotageschleifen geschleift. Die vielen Verbindungen sind etwas 
verwirrend aber letztlich bei genauer Betrachtung eigentlich nicht 
weiter kompliziert. Die Sensoren müssen in Reihe geschalten werden und 
daher ist das eben entsprechend mit Kabelweg verbunden.

Die Kabel für die Melde-/Sabotageschleife sollten, auch wenn sie alle im 
Tresor liegen, sich farblich nicht von der Stromversorgung 
unterscheiden. Das hat den Hintergrund, dass ein Täter, der nicht 
zufällig ein Multimeter mit dabei hat, keine Hilfestellung in der 
Verdrahtung gegeben werden soll, sollte er doch mal dran kommen. Das 
macht die Sache zwar unglaublich unübersichtlich, ist es aber wert und 
dieses Wirrwar an z.B. Rot-/Schwarzen Kabeln darf der Täter ganz ohne 
Schaltplan überschauen.

Die 12V Sabotage-/Meldeschleife selbst versorgt das Relais RY2 auf der 
Konverter-Platine. Hintergrund ist, dass Sensoren für 
Einbruchmeldeanlagen aus Sicherheitsgründen immer Öffner sind. Ansonsten 
könnte man Sensoren einfach durch Trennen der Kabel unwirksam machen 
(ein beliebter Filmfehler in so manchem Hollywood-Streifen). Die 
Timer-Platine braucht aber einen Schließer. Also wird das hier 
konvertiert. Ist die Meldeschleife geschlossen (=Kein Alarm), zieht das 
Relais RY2 an und der blaue Kreis zwischen ST10 und dem Timer ist offen. 
Wird die Meldeschleife unterbrochen, schließt RY2 und der Stromkreis bei 
ST10 schließt.

Der Abreißmelder kommt naturgemäß an die Bolzen-Verankerung. Ein 
Körperschallsensor kommt an die Rückwand mittig und einer an die 
Tresortüre, am besten vertikal mittig und horizontal auf Seite der 
Scharniere (weil auf dieser Seite die Tür nicht direkt beim Schließen 
mit dem Rahmen anschlägt).

Der Stromkreis bei ST10 steuert entsprechend den Timer und dieser 
wiederum steuert die Sirene an.

Das alles in ein Gehäuse gepackt und fertig ist die Alarmanlage.

Bestückungsplan:
V1: SALCAR 72W Netzteil (12V 6A) (oder anderes Modell, völlig egal, 
Hauptsache 12V DC)
J1/J2: Klinkenstecker m/w (optional)
RY1, RY2: Omron Relais 12V DC G2R-1-E
C1-5: jeweils 1.000uF Elko
D1-3: handelsübliche Diode
J3: Tamiya Buchse (um einmal im Halbjahr ein Batterieladegerät 
anzuschließen)
S1: An-/Aus-Wippenschalter
ST1-10: Schraubklemmen, ST3 ggf. mehrfach parallel ausführen um 
entsprechend viele Anschlüsse zu ermöglichen
SIR1: Taikuwu 12 V 120dB Wired Mini Sirene (oder baugleiche andere)
TIM1: Conrad Components 115975 Timer Bausatz 9 V/DC, 12 V/DC
ABR1: Abreißmelder Bosch AM 115
SHOCK1, SHOCK2: Abus Shockgard EM2000W
BT1: Offgridtec 2,2Ah / C10 AGM Solar Batterie

Das Projekt ist für jeden machbar der einen Lötkolben gerade halten 
kann. Ich hoffe ihr habt damit viel Spaß und wenn es jemand nachbaut 
würde ich mich freuen, wenn ich eine Rückmeldung bekomme. Wichtig ist 
mir noch zu erwähnen, dass diese Schaltung natürlich niemals eine 
professionelle Gefahrenmeldeanlage mit Aufschaltung ablösen kann. Sie 
ist lediglich ein zusätzlicher Objektschutz und nicht zuletzt eine 
schöne Lötarbeit (und Verkabelungsaufgabe!). Kabel braucht man viel und 
stetig!

UPDATE: Bitte nur die neuste Version des Schaltplans nutzen, erst hatte 
ich meinen Denkfehler hier beschrieben aber nachher nutzt jemand noch 
das ohne den Text zu lesen. Daher besser so rum mit richtigem 
Schaltplan. Z1&2 sind nicht sinnvoll.

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von wendelsberg (Gast)


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Jan M. schrieb:
> UPDATE: Bitte nur die neuste Version des Schaltplans nutzen,

Welche ist denn das, beide sind in keiner Weise gekennzeichnet?

wendelsberg

von John D. (drake)


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wendelsberg schrieb:
> Welche ist denn das, beide sind in keiner Weise gekennzeichnet?

Jan M. schrieb:
> Z1&2 sind nicht sinnvoll.

Also ist die Version mit 175KB die aktuelle Version.

von Jan M. (tresor-alarmanlage)


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John D. schrieb:
> wendelsberg schrieb:
> Welche ist denn das, beide sind in keiner Weise gekennzeichnet?
>
> Jan M. schrieb:
> Z1&2 sind nicht sinnvoll.
>
> Also ist die Version mit 175KB die aktuelle Version.

Exakt so ist es. Da ich keine Erfahrung mit der Forensoftware habe, 
dachte ich er ersetzt bei gleichem Namen die Datei. Ich werde heute 
Abend, wenn ich wieder am Rechner bin, eine Versionsnummer einführen und 
die hoch laden, so dass es eindeutig ist.

von Ben B. (Firma: Funkenflug Industries) (stromkraft)


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Ungeschützte externe Stromversorgung ist immer praktisch. Da lassen sich 
prima z.B. 2kV aus dem Mikrowellentrafo anschließen, mal schauen ob's 
danach immer noch Alarm gibt...

von Jan M. (tresor-alarmanlage)


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Ben B. schrieb:
> Ungeschützte externe Stromversorgung ist immer praktisch. Da
> lassen sich prima z.B. 2kV aus dem Mikrowellentrafo anschließen, mal
> schauen ob's danach immer noch Alarm gibt...

Na wenn das mal ein Einbrecher zur Hand hat. ;-)

Wenn das Netzteil den Dienst quittiert wäre das nicht weiter tragisch.

Eine Schmelzsicherung könnte ich zwischen J1 und J2 verbauen. Dazu noch 
eine Zenerdiode/Suppressordiode parallel. Würde das schützen?

: Bearbeitet durch User

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