Guten Morgen,
ich bin mir bewusst dass in "Fahrzeugelektronik" die Rubrik "Avionik"
eigentlich nicht passt. Fahre ich mit meinem Auto über eine Klippe, bin
ich aber auch in der Luft ;-)
So zu meiner Frage:
Warum sind die Kabel bei Avionik immer alle weiß? Wir waren geschäftlich
bei einem Kunden der Radarsysteme für ein bekanntes Strahlflugzeug des
Militärs baut, und dort waren alle Kabel weiß. Egal ob von der
Elelctronic-Bay zum Cockpit, zum FDR oder VDR oder sonst. Die Kabel
haben aber Nummern aufgedruckt gehabt. Diese bekamen die Nummern direkt
bei der Schneidemaschine. Also da war eine Rolle mit weißem Kabel die
dann passende Längen mit Nummern/Zahlen am Anfang und Ende bedruckt
sowie vorab abisoliert hat. Ob die gelötet oder gecrimpt wurden, konnte
ich nicht sehen.
Die Frage warum "weiß" konnte mir auch dort keiner beantworten
(derjenige der es wissen müsste war für mich nicht erreichbar da er zu
tun hatte).
Teflonisolationen (pur) sind meistens weiß und in den Flugzeugen
(mitlerweile) vorgeschrieben. Auch kann man dort besser irgendwelche
Verfärbungen (zu hohe Stromlasten) erkennen.
Helios schrieb:> Teflonisolationen (pur) sind meistens weiß und in den Flugzeugen> (mitlerweile) vorgeschrieben. Auch kann man dort besser irgendwelche> Verfärbungen (zu hohe Stromlasten) erkennen.
Verfärben sich Teflonkabel denn bei Erwärmung?
Harald W. schrieb:> Verfärben sich Teflonkabel denn bei Erwärmung?
Ist doch nur eine Legende oder aus den Fingern gesaugt. Wenn sich ein
Kabel mit Teflonisolation verfärbt, ist es schon LANGE überlastet!
Harald W. schrieb:> Helios schrieb:>>> Teflonisolationen (pur) sind meistens weiß und in den Flugzeugen>> (mitlerweile) vorgeschrieben. Auch kann man dort besser irgendwelche>> Verfärbungen (zu hohe Stromlasten) erkennen.>> Verfärben sich Teflonkabel denn bei Erwärmung?
Also die Teflon-Schläuche, die ich in 3D-Druckern gesehen habe, tun dies
sehr wohl. Die Frage ist, ob das auch bei Kabeln gilt und ab welchen
Temperaturen das geschieht.
MaWin schrieb:> Teflon lässt sich nicht vernünftig einfärben
Hallo,
das ist mal wieder Quatsch!
PTFE (Teflon) lässt sich einfärben. Ist gängige Technik für Kabel,
Schläuche und Folien. Siehe :
http://www.polychromos.net/Produkte/Fluessigpigmente-Liquid-C
Gibt noch andere die die passende Komponenten liefern können. Link war
der erste bei Google.
Salu Hans
Michael N. schrieb:> Wir waren geschäftlich> bei einem Kunden der Radarsysteme für ein bekanntes Strahlflugzeug des> Militärs baut, und dort waren alle Kabel weiß.
Na das ist die Geheimhaltung des Schaltplans...
Nicht nur im Flugzeugbau, auch im Anlagenbau für z.B. Militärschiffe
oder in der Raumfahrt.
Erklärung eines Systemingenieurs: Reduzierung der Stückliste. Die
Leitungen müssen nur in den erforderlichen q Querschnitten vorgehalten
werden, statt auch noch in f Farben. q << q * f
Die Verdrahtung und Kabelbäume werden sowieso zu 100 % stückgeprüft. Der
Verdrahter fädelt eh nur nach Leitunsgliste (LSL), dem ist egal, welche
Farbe und er ist froh, wenn er bei gleichem Querschnitt durcharbeiten
kann, statt ständig auch noch die Farben zu wechseln.
Michael N. schrieb:> Die Kabel> haben aber Nummern aufgedruckt gehabt.
Warum sollten sie farbig sein, wenn sie doch beschriftet sind. Das ist
eine Kostenfrage (Bevorratung, Lagerkosten). In der industriellen
Steuerungstechnik werden die Farben hauptsächlich aus den UVV der BG
abgeleitet.
Gruß Erik
MaWin schrieb:> Teflon lässt sich nicht vernünftig einfärben
Das ist Quatsch!
Teflonlitze gibt es in allen IEC-Farben. Haben wir z.B. für Verdrahung
innerhalb des Vakuums genommen, da es nicht ausgast und wärmebeständig
und hochspannungsfest ist.
Erstbester Treffer:
https://www.mouser.de/datasheet/2/14/Alpha-Wire-1837803.pdf
Jens M. schrieb:> Michael N. schrieb:>> Hier mal ein Bild von einer Cessna 501 aus Wikipedia>> Da steht jetzt nicht ernsthaft "Handle like Eggs" drauf?!?!?
doch steht aber drauf (wahrscheinlich gyroskop)
Michael N. schrieb:> Also da war eine Rolle mit weißem Kabel die> dann passende Längen mit Nummern/Zahlen am Anfang und Ende bedruckt> sowie vorab abisoliert hat.
Und diese Beschriftung ist eben auf weissen Kabel wegen dem hohem
Kontrast am Besten lesbar. Statt gedruckt wäre auch noch Ge-lasert
möglich.
Manchmal werden Kabel zweifarbig übereinander hergestellt, wird die
äusserste Hülle 'angekratzt' oder ist durch häufiges Biegen geschädigt
schimmert eine Warnfarbe durch. So wird das in der Medizintechnik an
kritischen Stellen gamcht.
Hallo MaWin.
MaWin schrieb:> Teflon lässt sich nicht vernünftig einfärben
1) Ich hatte schon im teflonisoliertem Draht zu tun, der fabrikmäßig rot
durchgefärbt war.
2)liesse sich teflonisolierter Draht dann auch nicht, wie vom TO
erwähnt, bedrucken. Es sei man benutzt Schlagzahlen, die Kerben hauen
oder einen Laser, der das Isolationsmaterial ansengt.
Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.l02.de
Schluss gefolgert schrieb:> Das scheint wohl seit Jahrzehnten Standard in der Avionic zu sein:
LOL, danke.
Wobei ein Ei ja relativ robust ist.
Ich hätte da was anderes erwartet. Gelbe Dreiecke und so.
Hallo Marek.
Marek N. schrieb:> Erklärung eines Systemingenieurs: Reduzierung der Stückliste. Die> Leitungen müssen nur in den erforderlichen q Querschnitten vorgehalten> werden, statt auch noch in f Farben. q << q * f
Das war/ist z.B. in der Steuerung der Energieversorgung von
Stahlversorgung seit mindestens den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts
so.
"bunt" mit blau/rot/grüngelb und schwarz/braun war nur für die 50V 235V
Bestandteile so, also für weniger als 1% der Verdrahtung.
grau war für die 24V DC Verdrahtung, braun für 60V DC und schwarz für
110V DC*). Und das in Schaltschrankreihen, wo die Klemmenbezeichnung
vierstellig wurde. ;O)
*) Die zuordnung Farbe zu Spannung muss jetzt nicht stimmen, so aus dem
Gedächnis 25 Jahre zurück......
Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.l02.de
Bernd W. schrieb:> 2)liesse sich teflonisolierter Draht dann auch nicht, wie vom TO> erwähnt, bedrucken. Es sei man benutzt Schlagzahlen, die Kerben hauen> oder einen Laser, der das Isolationsmaterial ansengt.
Ich vermute es war Laser. Die Beschriftung hebte sich vom Untergrund
fühlbar ab. Fasst so als wäre sie tiefer. Jede Ader war auch schmierfrei
"bedruckt".
Michael N. schrieb:> Ich vermute es war Laser. Die Beschriftung hebte sich vom Untergrund> fühlbar ab. Fasst so als wäre sie tiefer. Jede Ader war auch schmierfrei> "bedruckt".
Da ein Kabelkatalog, da findet sich in den Kabelzeichnung ziemlich oft:
"UV Laser markable FEP Lacquer Top coat", also Laserbeschriftung.
https://www.nexans.com/Poland/2007/Aircraft.pdf
Moin, ich arbeite zufällig in dem Bereich und kann vielleicht einiges
klarstellen.
Für die am häufigsten verwendeten "Litzen" (Norm AS22759) stehen viele
verschiedene Isolierungen zur Verfügung, unter anderem FEP, PTFE und
ETFE. Auch mehrschichtige Isolierungen (extrudiert oder gewickelt)
stehen zur Verfügung.
Wir verwenden beispielsweise fast ausschließlich Tefzel-Kabel des Typs
AS22759/16 und AS22759/18 im Avionik-Bereich. Grund für die Wahl dieses
Isolationsmaterials ist vor allem die chemische Beständigkeit, das
Alterungsverhalten, die Temperaturfestigkeit und nicht zuletzt das
Verhalten bei einem Kabelbrand/Schmoren innerhalb der Kabine/Cockpit.
Es gibt auch mehradrige Kabel nach MIL-C-27500, die aus diesen "Litzen"
nach AS22759 zusammengebaut sind und ebenfalls eine Außenisolierung aus
ETFE haben.
Die Litzen sind in allen erdenklichen Farben verfügbar - sogar voll
eingefärbt oder mit Streifen - im Prinzip wie bei Fahrzeugleitungen. Sie
werden auch in größeren Mengen tatsächlich verwendet, und zwar eben
genau in den mehradrigen Kabeln. Die Innenleiter sind nach einem
einheitlichen System eingefärbt: weiß, weiß mit blauem Streifen, weiß
mit orangenem Streifen, weiß mit grünem Streifen, etc.
Fly-by-Wire-Leitungen haben bei manchen Herstellern auch eine andere
Farbe, weil hier nur besonders qualifizierte Menschen dran arbeiten
dürfen. Im übrigen verlangen die Behörden bei den jetzt aufkommenden
"more / all electric aircraft" orangene Kabel für
Hochspannungs-Versorgung. Haben sie sich wohl bei der Autoindustrie
abgeschaut. Hier hatten wir teilweise Beschaffungsprobleme.
Die Beschriftung erfolgte früher nach dem "Hot Stamp"-Verfahren, die
Maschine steht bei uns noch im Keller. Das ist im Prinzip eine
mechanische Schreibmaschine, bei der die Typen geheizt werden und das
Farbband mit Druck und Temperatur in die Isolierung gedrückt wird. Das
Verfahren wurde aber abgeschafft, weil es immer wieder Probleme mit der
richtigen Einstellung der Maschine gab und teilweise die Isolation
vorgeschädigt wurde. Es gab ernsthafte Zwischenfälle deswegen (nicht bei
uns, ich meine jetzt weltweit in der Branche). Das Verfahren hat auch
den Nachteil, dass es eine gewisse Zeit dauert. In der Regel wird alle
30 cm beschriftet (1 Fuß), dabei muss das Kabel immer für eine Sekunde
oder mehr angehalten werden.
Heute benutzen fast alle die Lasermethode und beschriften quasi
kontinuierlich, teilweise auch auf mehreren Stellen des Umfangs. Man hat
nämlich oft das Problem, dass die Beschriftung eines Kabels im Bündel
nicht lesbar ist (weil auf "Rückseite"), außer man packt das auf großer
Länge aus und zieht es auseinander.
Jetzt zum eigentlichen Thema, warum alles (fast) immer weiß ist:
- weil das Material extrem lange Lieferzeiten hat, Luftfahrtkabel im
Vergleich zu anderem Kabelmaterial sehr, sehr teuer ist und deshalb über
Großhändler in großen Mengen eingekauft wird (Hauptgrund). Man muß also
die Anzahl der verschiedenen P/Ns so weit reduzieren wie möglich. Die
Vielfalt ist sowieso schon unübersichtlich - "Litzen" in AWG0 bis AWG24;
ein- bis achtadrig abgeschirmt und nicht abgeschirmt, teilweise noch in
verschiedenen Querschnitten. Wenn man das jetzt alles farbig haben
wollte, gute Nacht. Bedenkt auch, dass Flugzeuge in Zehner- bis
Hunderterstückzahlen pro Jahr hergestellt werden, da ist der
Kostenanteil an der Materiallogistik am Endprodukt ein ganz anderer als
in der Autoindustrie.
- weil es sich so gut beschriften lässt. Wenn man schon die Anzahl der
Farben reduzieren muss, nimmt man halt weiß (Farbcode -9). Eine
Beschriftung ist immer besser in der Prüfung und Reparatur, als eine
Farbcodierung. Man hat bei Farben eine sehr begrenzte Informationsmenge,
eine große Verwechslungsgefahr und muss immer umschlüsseln ("Gear down"
ist mit lila Streifen und "gear up" ist gelb mit violettem Streifen?
Hast du mal 'ne (LED-)Lampe? - ich will's mir nicht vorstellen)
Hallo Carsten.
Carsten Spohr schrieb im Beitrag #6308887:
>> Für die am häufigsten verwendeten "Litzen" (Norm AS22759) stehen viele>> verschiedene Isolierungen zur Verfügung, unter anderem FEP, PTFE und>> ETFE. Auch mehrschichtige Isolierungen (extrudiert oder gewickelt)>> stehen zur Verfügung.>> Hast du mal 'ne (LED-)Lampe? - ich will's mir nicht vorstellen)> Laut deines Arbeitsvertrags bist Du zur Verschwiegenheit Verpflichtet.> Warum Plauderst Du die Dir anvertrauten Informationen hier aus ?
Weil das keine so speziellen Informationen sind. Auch z.B. die Tatsache,
das man "normale" Schrauben rechtsrum anzieht und linksrum löst ist kein
Betriebsgeheimnis.
> Komm sofort ins Personalbüro. Du bist fristlos Entlassen!
Nich wegen so nem Blödsinn. Wenn man Deinen Maßstab anlegt, dürfte man
noch nicht einmals einen "guten Morgen" wünschen, weil das ein Indiez
auf die Uhrzeit gibt. ;O)
Mit freundlichem Gruß; Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.l02.de
Hallo
Carsten Spohr schrieb im Beitrag #6308887:
> Laut deines Arbeitsvertrags bist Du zur Verschwiegenheit Verpflichtet.
Wenn das nicht irgendwie Ironie sein soll (ist ja schriftlich schwierig
herüber zu bringen wenn man nicht gleich den Holzhammer nutzt)- was für
ein ... bist du denn?!
Anstatt froh darüber zu sein das ein sehr interessanter Einblick in
einen ansonsten eher abgeschlossenen, oder zumindest so speziellen
Gebiet das das "gemeine Volk" überhaupt auf die Idee kommt das so was
überhaupt existiert, durch Insider gewährt wird, kommst du mit einen
moralisierenden und schon ins denunzierende gehenden Beitrag?!
Selbst wenn hinter deiner Anschuldigung was stehen würde, was es ja
nicht mal tut, hält man doch einfach die Finger an sich und freut sich
das jemand (mit echter Ahnung und von der Front) solche Informationen
gewährt.
Schon schlimm genug das man bezüglich wirklich interessanten technischen
Hintergründen zu vielen Produkten (selbst wenn es wie ein Flugzeug wohl
kaum ein typisches Konsumer Produkt ist) so gut wie nie was mitbekommt,
dann noch die wenigen Gelegenheiten und Informationen fernab von den
Presseabteilungen oder "geleiteten" TV Beiträgen kritisieren und die
Informationsquelle kritisieren und versuchen zu verunsichern.
Gerade das sind doch die Sachen die einen "Techniker" im weitesten sinne
am meisten interessieren und nicht all das Zeug was man sowieso mit den
richtigen Suchbegriffen und ein ganz klein wenig Fachwissen im Netz und
Fachbüchern herausfinden kann.
Das z.B. in der Luftfahrt die wichtigen Systeme mehrfach vorhanden sein
müssen, das es strenge Regularien nicht nur im technischen Bereich gibt
usw. ist allgemein bekannt, vielfach publiziert und kann auch aus erster
Quelle nachgelesen werden.
Wie das dann aber tatsächlich bei einen bestimmten Produkt (Steuergerät,
Sensor, Aktor...) en Detail gelöst wird ist so gut wie nie in Erfahrung
zu bringen, bzw. wenn dann zu größten Teil Veraltet und nur von
historischen Interesse.
Also gerne mehr davon - vielen Dank an Bernd Wiebus einen Funkamatuer
der Ham Spirit noch wirklich lebt.
Es war einmal,
dass ein indischer Kollege die Senderstation von EDDL besuchte.
Als er die vielen schwarzen Kabel auf den Kabelrosten sah, bekam der
gute Mann fast einen Pfefferminzschlag.
In Indien sind die Kabel weiß, weil -
es keine weißen Schlangen gibt!
>> Laut deines Arbeitsvertrags bist Du zur Verschwiegenheit Verpflichtet.>> Warum Plauderst Du die Dir anvertrauten Informationen hier aus ?
Falsche Annahme. Was ich über meine Arbeit erzähle, entscheide ich
selbst. Zu unseren Betriebsgeheimnissen gehören bestimmt keine "industry
best practices", die überall frei zugänglich veröffentlicht sind.
> MaWin schrieb:>> Teflon lässt sich nicht vernünftig einfärben>> Warum gibt es dann so viele Aderfarben?> Ich würde die durchaus als "vernünftig eingefärbt" bezeichnen:
Ist halt einfach eine falsche Aussage. Die eingefärbten Kabel, die wir
benutzen, sind durchgefärbt - absolut dauerhaft und abriebfest. Da gab
es noch nie Probleme. Die Kabel sind ab Werk außerdem in hellgrün oder
weiß mit Norm, Herstellercode und Chargennummer bedruckt. Das bekommt
man auch nur mit viel Mühe ab, das hält ziemlich gut. Und bei der
Laserbeschriftung gilt das gleiche. Die obige Aussage kann ich nicht
bestätigen.
Gerhard schrieb:> Moin, ich arbeite zufällig in dem Bereich und kann vielleicht einiges> klarstellen.>> ...
Vielen Dank Gerhard!
Hast du noch ein paar Infos mehr bzw. Normen wo man das nachlesen kann?
Auch würde mich interessieren ob die Kabel an die Stecker (ich sehe
öfters auch Sub-D 9) gecrimpt oder gelötet werden. Wenn gelötet, gibt es
da spezielle Vorschriften?
Michael N. schrieb:> Wenn gelötet, gibt es da spezielle Vorschriften?
Zumindest für die Raumfahrt gibt es nur fürs Löten eigens ein
Zertifikat.
Und da wird dann auch nicht mehr jede Lötstation verwendet, es gibt eine
Standardlötstation, deren Temperatur über die Spitzen eingestellt wird.
Also nichts mit Drehknopf auf 400°C drehen, sondern es gibt drei
Lötspitzen (in mechanisch identischer Ausführung, also Meißel,
Bleistift, ...) und jede Lötspitze regelt auf eine andere Temperatur
ein.
> Auch würde mich interessieren ob die Kabel an die Stecker (ich sehe> öfters auch Sub-D 9) gecrimpt oder gelötet werden. Wenn gelötet, gibt es> da spezielle Vorschriften?
Gelötet im Kabelbaum? Nein, das ist bei uns der absolute Ausnahmefall.
Grund ist die bekannte Problematik, dass das Lot durch den
Kapillareffekt eine quasi nicht kontrollierbare Länge in die Litze
hineinzieht und dann dort an dem Übergang "steif" zu "flexibel" eine
unerwünschte Sollbruchstelle erzeugt. Wenn gelötet wird, dann muss auf
eine ordentliche Kabelführung und Befestigung geachtet werden, um bei
Vibrationen Probleme zu vermeiden. Vorkommen tut das in der Praxis
beispielsweise bei den Headset-Buchsen oder bei manchen kleineren
"Accessoires" wie Cockpit-Lampen o.ä.
In der Avionik dominieren die "D-Sub-Stecker" (heißen dann bei uns
MIL-DTL-24308) und die Rundstecker nach MIL-DTL-38999. Hier gibt es zwar
Lötversionen, die vermeiden wir aber. Das bevorzugte Verfahren ist immer
crimpen, wenn auch extrem teuer. Teuer wegen der gedrehten
Präzisionskontakte, wegen des regelmäßig zu kalibrierenden Werkzeugs und
wegen des Zeitaufwandes. Es ist aber definitiv die technisch überlegene
Variante. Und es hat den Vorteil, dass man die Kontakte ein- und
auspinnen kann, was die Fehlersuche und Reparatur vereinfacht.
Nur mal als Beispiel: Ein "Connector Kit" zu einem Avionikgerät für ein
Kleinflugzeug, das die Stecker mit Gehäuse und Zugentlastung sowie genau
die benötigte Anzahl Kontakte enthält, kostet in der Regel zwischen 100
und 500 US$ im Einkauf.
Hier ein Beispiel für einen D-Sub-Kontakt (Norm M39029):
https://de.rs-online.com/web/p/d-sub-kontakte/6809210/
Hier ein Beispiel für ein D-Sub-Steckergehäuse (Norm M24308):
https://de.rs-online.com/web/p/sub-d-steckverbinder-leiterplatte/8856918/
Das typische Crimpwerkzeug für diese Art Kontakte, DMC AFM8:
https://de.rs-online.com/web/p/crimpwerkzeuge/3147607/
Beispiele für Revolver oder Locator, die man als Zubehör für die
Crimpzange benötigt - pro Kontakttyp einen:
https://de.rs-online.com/web/p/positionierer-und-fixierer-steckverbinder/3148414/https://de.rs-online.com/web/p/positionierer-und-fixierer-steckverbinder/3601713/
Die Links zu RS sind rein aus Bequemlichkeit gesetzt, kaufen tut man das
natürlich beim auf Luftfahrt spezialisierten Distributor.
Der Abisolierer "Stripmaster" wurde oben schon erwähnt. Wenn in gutem
Zustand, ein unschlagbares Teil - und nicht mal wahsinnig teuer. Man
muss halt regelmäßig die im Fett festhängenden Isolationsreste
rauspulen, sonst klemmt's. Die Schneiden halten ewig und haben keine
Probleme mit dem störrischen ETFE.
"Normale" Abisolierer zerrupfen nur die Isolierung und den Leiter, die
kann man vergessen.
Noch eine Ergänzung zu den Normen: Es gibt natürlich zahlreiche Normen
für Crimp- (und wahrscheinlich auch Löt-) Verbindungen. Wir haben uns
aber nicht ganz so aufwendige hausinterne Verfahren gebastelt, die
gleich alle relevanten Aspekte abfrühstücken, inklusive
Werkzeugkalibrierung und Stichproben-Tests. Die Behörde besteht nicht
auf der 1:1-Anwendung aller Normen, sondern nur darauf, dass die dort
formulierten Ziele erreicht werden.
Die Qualitätssicherung funktioniert nach dem gesunden Menschenverstand:
Beim Abisolieren wird beispielsweise auf die korrekte Länge getestet und
darauf, dass keine Litzen angeritzt, abgebogen oder abgeschnitten sind.
Bei einer Crimpverbindung testen wir in Stichproben durch einen
Zugversuch, dass der Kontakt in sich zerreißt, bevor das Kabel
rausgezogen wird.
Gerhard schrieb:> Die Schneiden halten ewig und haben keine> Probleme mit dem störrischen ETFE.
Wenn die Zange das problemlos abisoliert bekommt ist sie, seltsames oder
gar primitives Aussehen hin oder her, 99% aller anderen Abisolierzangen
überlegen und ihren Preis wert.
LG Armin
Armin X. schrieb:> primitives Aussehen
Ich persönlich mochte dieses Werkzeug nicht besonders, aber primitiv
würde ich es trotzdem nicht nennen. Die Zange hat z.B. extra Haltebacken
um das Kabel festzuhalten, bevor sich die Schneidklingen anlegen.
Was ich ziemlich mistig fand: Die Zange hat ein paar Plexiglasteile dran
(nicht auf dem Bild zu sehen), um die Länge des freizulegenden
Leitungsstücks einstellen zu können. Das Teil ist mir Schrauben
befestigt die erstmal recht unkomfortabel einzustellen sind, und die
sich ständig wieder losrattern. Alle drei Male muß man die wieder
nachziehen.
Und ja, daß die Isolationsreste die Zange auch rasch unbrauchbar machen
bzw. diese dauernd gereinigt werden muß, mach auch keine Freude. Wenn du
ein paar 15-polige Sub-D-Stecker verdrahten willst und alle drei Knapse
meldet die Zange irgendwelche Befindlichkeiten an - das nervt einfach.
Da gefällt mir die Abisoliere von Weidmüller weitaus besser.
Das NASA-Papier SP-5002 hatte ich mal runtergeladen, schon in der ersten
Ausgabe 1963 wurde diese Abisolierzange lobend erwähnt. Meine dürfte
inzwischen auch schon die 50 überschritten haben.
Wenn Interesse besteht, kann ich die 20MB mal hochschaufeln.
Im angehängten File ist sie noch immer enthalten.
Für einige bestimmt interessanter Lesestoff:
Die moderneren Standards gibt es unter
https://standards.nasa.gov/nasa-technical-standards
oder
https://workmanship.nasa.gov/lib/insp/2%20books/frameset.html
Arno