Kondensator für Wechselstrommotor?

OP #6356480
Liebe Elektronikfreunde,

hier schreibt ein Nicht-Elektroniker - ein Schneider. Ich habe eine 
uralte Nähmaschine mit einem Unterbodenmotor. 60 Jahre alt das Ding und 
kein bisschen leise, aber keine Ersatzteile. Motordaten: 220V 
Wechselstrom, 46/60W (laut Aufdruck am Gehäuse).

Nun brutzelt und schmort es in der kleinen Elektrobox (Foto), und beim 
Reinschauen sehe ich: Ein Bauteil bröselt aus. Der angeklebte Schaltplan 
erhärtet meine Vermutung: Da ist ein Bauteil mit 0,1 Mikrofarad, das 
muss ein Kondensator sein. Kann das stimmen?

Soo, meine Frage nun:

Kann ich statt dem ausbröselnden einen handelsüblichen wie den hier 
nehmen?
https://www.amazon.de/EntstörKondensator-250V-Miflex-KSPpz-5-100nF-grau/dp/B07GLVN6RC/, 
oder muss ich auf irgendwas achten (Hitzefestigkeit, ...)

Beim Kondi ist die Polung egal, oder?

Vielen Dank und herzliche Grüsse (ich nähe dem Antwortenden auch eine 
wunderschöne Corona-Stoffmaske),

Claus
Angehängte Dateien:
(Firma: Funkenflug Industries) #6356487
Da kokelt wieder der übliche Netzfilter ab.

Kann man gegen einen neuen ersetzen oder gegen einen X2 100nF 
Kondensator (Klasse X2 wegen dem Betrieb direkt am Netz).

Edit:
Achte aber drauf, daß da zwei Kondensatoren im Schaltplan sind. Einer am 
Netz und ein zweiter für den Motor. Auf dem Bild ist nicht so gut 
erkennbar welcher von beiden da am Zerbröseln ist.
Gast #6356624
Claus F. schrieb:
> Nun brutzelt und schmort es in der kleinen Elektrobox

Da hängt das Pedal dran , oder ?
Zerleg lieber mal das Pedal, dort ist der Fehler eher zu finden. Die 
Pedale waren damals ganz schlimm. Hab eine orig. Brother aus den 
50ern/60ern.

Und danach (vorher?) solltest mal auf Nähmaschinenmechaniker umsatteln. 
Entkleiden, Putzen, Schmieren, Einstellen, da braucht man bekanntlich 
(noch lange) kein Pedal. Sonst ist und bleibt die Maschine wertlos.
OP #6356847
Danke Euch allen! Ich werde mal den zweiten Kondi suchen gehen, der im 
Schaltplan ist. Und wenn ich den gefunden habe, dann frage ich nochmal 
denn: welche Kapazität? Ich werd' sehen.

Noch eine Frage: Wie lest ihr den Schaltplan? Motor hängt "oben" dran 
oder "unten"?

Vielen Dank!

 Und ja, Pedal: Das ist schon lange neu. Nähmaschinenmechaniker ist 
jeder Schneider ein halber. Das Gerät ist voller Gleitlager, die einmal 
die Woche Öl brauchen, und Flusseln ausgeblasen ... Aber schön, dass es 
noch Geräte gibt, die so pur analog funktionieren. Die modernen Dinger 
sind vollelektronisch. Die Techniker stecken ihre Laptops an, um die 
Diagnose auszulesen. Ich muss nur unten reinschauen und weiß, wo es 
kokelt :-)
Gast #6356979
Ja oben ist das Pedal, in der Mitte der 3-pol-Stecker und unten der 
Motor. Da du das alte Pedal nicht mehr hast, da war sicher ein 
Stelltrafo (oder wie das Zeug heißt) drinnen, wird wohl der zweite 
Kondensator fehlen. Da der mglw -dort- reingebaut war.

Hast D U das Pedal ausgetauscht - oder schon so gekauft oder vom 
Sperrmüll? Die Frage ist also, ob der Kondensator -überhaupt notwendig- 
ist?
Und auch, ob das neuzeitliche Pedal überhaupt zur Maschine paßt!

Ich hab bei meiner Brother jedenfalls keinen. Bestenfalls einen im 
Pedal, aber das mach ich jetzt nicht extra auf. Und auch bei sonst 
keiner Maschine je einen gesehen. Außer er steckt auch hier immer im 
Pedal.
Die Computer-Maschinen haben überhaupt nur einen winzigen 
24V-Antriebsmotor (Carina Professional die Blaue).
Gast #6356989
ob das neuzeitliche Pedal überhaupt zur Maschine paßt!
Gemeint: zum Motor.

Und wenn das mitgelieferte Pedal aus China gekommen ist, das kannst 
sofort wegwerfen. Da hab ich schon mehrere Rezensionen gelesen, die 
brennen einfach alle ab. Die passen zu keiner Maschine. Kannst eh im 
amaZoo nachlesen.
Ich wollt auch mal eines kaufen, bevor ich das Original-Pedal geöffnet 
hab,
war bloßstark verrostet gewesen.
#6356998
Claus F. schrieb:

> Kann ich statt dem ausbröselnden einen handelsüblichen wie den hier
> nehmen?

Da es sich hier um einen Funkentstörkondensator handelt, kann man
den zur Überprüfung der Funktion des Motors auch einfach weglassen.
Man sollte das nur nicht auf Dauer tun, da dann die Maschine starke
Funkstörungen produziert.
#6357001
Hilflos schrieb:

> Da du das alte Pedal nicht mehr hast, da war sicher ein
> Stelltrafo (oder wie das Zeug heißt) drinnen,

Das halte ich für ziemlich unwahrscheinlich. Typisch für
Nähmaschinenmotoren waren sog. Kohledrucksteller. Heutzu-
tage wird man da eher Phasenanschnittsteuerungen verwenden.
Im Pedal ist dann nur ein kleines Steuerpoti verbaut.
Gast #6357011
WS ist wahrscheinlich die Erdung, daneben ein Schutzkondensator. GR+SW 
gehen zum Licht, BL+SW gehen zum Motor. Richtig ?
Dann
sollte der 'BröselKondensator' der Richtige sein.
Wenn der Motor aber von selbst anläuft... alles Roger.
Ohne das Kurzschluß-Pedal.

Ein zuviel von Kondensator kann den Motor auch zerstören. Hab in einen 
14,4V-Akkuschrauber plus 12V/4,5A-Netzteil mal 13.200µF reingebaut, weil 
Netzteil zu schwach. Draufgedrückt- Rausgeraucht!
Mit jetzt 9.900µF geht sichs gerade noch so aus.

Harald W. schrieb:
> Kohledrucksteller

Kann ich nicht sagen, kenn ich nicht. Bei der Brother (Halbindustrie) 
ist im Pedal eine Wicklung/FlachTrafo oder so was und darauf fährt ein 
Uhrzeiger herum.

Aber ohne daß er die Steckerbelegung überprüft, wird er nicht weit 
kommen, soviel sei sicher .
Gast #6357013
Die alten Halbindustrie- und Industrie- Maschinen waren extrem 
"antrittsstark". Die gehen im Schneckentempo durch dickstes Material wie 
Butter. Bei neueren mußtest immer schon mit Vollgas losfahren. 
Vielleicht deshalb der Kondensator.
#6357023
Hilflos schrieb:

> Hab in einen
> 14,4V-Akkuschrauber plus 12V/4,5A-Netzteil mal 13.200µF reingebaut,

...und wozu sollte das gut sein?

>> Kohledrucksteller
>
> Kann ich nicht sagen, kenn ich nicht.

Vielleicht gibt es in diesr Welt auch Dinge, die Du nicht kennst.
Deine Kommentare passen jedenfalls gut zu Deinem Namen.
Gast #6357041
Harald W. schrieb:
> ...und wozu sollte das gut sein?

weil der Motor beim Anlauf 10A aufnimmt, wenns voll reindrückst. Und der 
Motor schon bei 1/4 immer stehenblieb.

Daß du soviel mehr weißt als ich, außer vielleicht über Nähmaschinen, 
ergibt sich wohl aus deinem eBeruf. 'Hilfslosigkeit' kann auch eine 
Tugend sein. Oder um mit Eurer Durchlaucht Baron Münchhausen zu 
sprechen:

...hab ich mich dann selbst an meinen Haaren aus dem Sumpf gezogen.
Gast #6357076
Das ist nicht so ein Glump,
das man mit Blautüüüt einschaltet damits dann herumspinnen kann.

Halbindustrie- Voll-ZickZack. Pur und unverfälscht.
Alles zum Verstellen, einfach alles.
Funktioniert ähnlich Overlock, wo die nackte Fadenspannung allein das 
Stichbild macht. Hier 'eben' Nadelposition und Vorschub..

Hab ich aus 'dem Sumpf gezogen.
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