Forum: Projekte & Code Ersatz von Aiwa Schokoriegel durch Lithium /HS-PX101 Reparatur


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von Olaf K. (darkover)


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Hallo Zusammen,

Im folgenden soll gezeigt werden wie man ein japanisches Kulturgut
zurueck ins Leben holt. Es geht dabei um den Aiwa HS-PX101 einer der 
besten jemals hergestellten Walkmans.

Zunaechst mal muss dazu der Walkman selber laufen.

Hilfreich dazu vielleicht das Servicemanual:

https://www.petervis.com/manuals/aiwa-hs-px101/aiwa-hs-px101.html

Wie man in dem Bild sieht ist bei mir alleine nur durch 20Jahre 
rumliegen der Antriebsriemen zu Matsche geworden.
Der Riemen sollen offiziell 0.6x0.6mm haben. Ich habe aber nur 
Sortimente mit 0.7x0.7 gefunden. Der passt auch.

https://www.amazon.de/gp/product/B08BRVP287/ref=ppx_yo_dt_b_asin_title_o05_s00

Ausserdem mussten noch die Tasten, Schiebeschalter und das Poti
gereinigt werden. Sicherheitshalber noch die Andruckrollen VORSICHTIG
einmal mit 1200er Schmirgelleinen abziehen.
Danach funktioniert er wieder. Leider wird man feststellen das die
alten Blei-Schokoriegel von Aiwa alle Geschichte sind. Falls man
den Micro-Adapter hat kann das Geraet natuerlich auch mit zwei
Mikroakkus betreiben. Aber irgendwie ist das nicht so cool. :-)

Also hab ich mir gedacht, auf Lithium umruesten. Das folgende hab
ich zwar ausschliesslich mit dem PX101 getestet, aber soweit ich mich
erinnere wurden die Schokoakkus auch mit anderen Aiwas
genutzt. Eventuell kann man das also auch fuer andere Walkmans
uebernehmen.

Olaf

p.s: Klar, es macht nur wenig Sinn heute noch Kassetten zu hoeren. 
Schliesslich sind wir ja alle auf DAT umgestiegen. :)

Im Ernst, das Teil ist technisch/mechanisch ein Meisterstueck sowas kann 
man nicht verrotten lassen!

von Olaf K. (darkover)


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Als naechstes ein paar Gedanken zur Batterie.

Es soll eine Lithiumzelle werden. Damit steht eine Eingangsspannung
von 2.7 bis 4.2V zur Verfuegung. Gebraucht wird 2.5V/300mA. Damit wird
klar das ein Schaltregler schon nett waere. Eventuell koennte man auch
einen Lowdropregler verwenden. Allerdings wollte ich aus Prinzip nur
verwenden was sowieso schon in der Bastelkiste rumlag.

Die Schaltung besteht aus einem Boostkonverter, einem zweiten Filter
um HF-Stoerungen rauszunehmen und einem LM317 um niederfrequente
Stoerungen zu filtern. Wie man sieht ist die Spannung in der
Simulation selbst bei extremen Lastspruengen sehr sauber.
Das ist wichtig weil der Walkman urspruenglich fuer Batteriebetrieb
gedacht war. Die Entwickler haben vermutlich nur wenig Gedanken
an Stoerfestigkeit auf der Versorgung verschwendet.

Ja, ein LM317 ist hier nicht gerade ein Effizienzwunder. Aber wie
gesagt er lag hier halt rum und man erreicht damit auch noch eine 
Laufzeit
von etwa 10h, etwas das fuenffache von dem das man 1988 hatte.
Wenn etwas verbessern will kann man natuerlich hier einen Lowdropregler
einfuegen und die Ausgangsspannung des Schaltreglers runternehmen.

Olaf

von Olaf K. (darkover)


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Hier nun das Layout. Ich hab es mit Eagle gemacht, allerdings hab ich
die Druckvorlage gleich mitgeliefert.

Ich hab die Platine nach dem aetzen noch versilbert um eine bessere
Kontaktgabe sicherzustellen. Wer die Platine machen laesst sollte
vielleicht ueber Gold nachdenken.

Eine denkbare Verbesserung waere es eventuell den Schalter noch etwas
naeher an den Rand zu setzen. Bei meiner Version ist er etwa 1mm zu
weit im Gehaeuse.

Olaf

von Olaf K. (darkover)


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Hier nun die 3D-Modelle fuer das Gehaeuse.

Lila: Batteriekasten fuer eine 18650. Ausserdem hab ich dort noch
      eine SMD-Sicherung in die Zuleitung der Batterie geloetet.
      Das Loch in der linken hinteren Ecke ist fuer einen zweipoligen
      Pfostenstecker mit 2.54mm. Ja das ist nicht Idiotensicher, aber
      ihr seid ja auch keine Idioten. .-)

Gruen: Das ist der Rahmen der später an den Aiwa angeschoben wird.

Scharzes Mittelteil: Verbindet die beiden Gehaeuse und haelt die
       Platine

Blau: Hier wird spaeter die Platine eingelegt. Das blaue Teil ist ein
      Hilfsteil das ich da eingelegt habe um das Gehaeuse in der Mitte
      mit einer M4-Schraube beim lackieren halten zu koennen.

Gedruckt habe ich mit PLA-Woodfill. Aber das Material sollte relativ
egal sein solange es sich gut kleben laesst.

Denkbar waere es natuerlich das Gehaeuse auch so zu designen das man
die Zelle rausnehmen kann und extern laedt. Aber ich fand es so
besser.

Olaf

von Olaf K. (darkover)


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Das gedruckte und zusammen geklebte Gehaeuse wird jetzt bearbeitet:

1. Mit 240er Schmirgel grob vorschleifen.

2. Mit KFZ-Feinspachtel duenn spachteln.

3. Mit 400er schleifen.

4. Zurueck auf 2 bis alles super aussieht und sich gut anfuehlt.

5. Mit Filler einspruehen.

6. Mit 600er schleifen.

7. Dreimal mit schwarzem Seidenmattlack lackieren.

Danach sollte es so aussehen wie auf dem Bild. Eigentlich sieht das
dann so aus wie 1988 gekauft....

Wie schon gesagt, man koennte sicherlich noch die eine oder andere
Kleinigkeit verbessern, aber es sieht brauchbar aus und funktioniert
gut. Richtigen Aufwand treibe ich erst wenn ich meinen WMD-DT1 oder
den HD-X1 auf Lithium umrueste. .-)

Olaf

p.s: Wer sich fragt wieso der ganze Aufwand, ist hier:

     1. Sowieso falsch
     2. Weiss nicht was ein HX101, TDK MA-XG oder auch XLII-S
        mittlerweile so kosten.

von Jack V. (jackv)


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OT: am meisten beeindruckt hat mich die Doku zu dem Gerät. Sowas gibt’s 
ja heute kaum noch.

Gute Sache, dein Projekt.

von Olaf K. (darkover)


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> OT: am meisten beeindruckt hat mich die Doku zu dem Gerät. Sowas gibt’s
> ja heute kaum noch.

Ja, ohne das Manual haette ich lange gegruebelt wie ich den neuen 
Gummiriemen
einlegen muss. :-)

Die Servicemanuals der alten Sonys waren aber noch besser.

Olaf

von Olaf K. (darkover)


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Mir ist noch eingefallen, vielleicht fragt sich der eine oder andere
mit der gnade der spaeten Geburt wieso die Originalakkus den Spitznamen
Schokoriegel hatten. :-)

Hier mal ein Bild von zwei Akkus. Einer liegt im Originalakkuhalter.

Leider hab ich gerade keine passende Schokolade zu Vergleichszwecken da.

Olaf

von Peter C. (peter_c49)


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Hallo Olaf,

so ein zufall, ich habe heute vormittag meinen "schokoriegel" der total 
ausgelaufen in der Schublade lag, entsorgt.
Mein HS-JX303 funktioniert noch immer mit dem zusätzlichem Batteriefach. 
Das 2Volt Ladeteil hab ich auch noch hier.
Habe gerade überlegt ob irgendein Mensch sowas noch haben möchte, denke 
eBay wird es bald herausfinden.
Ich habe das Gerät vorwiegend für Sprachaufnahmen bzw 
Radio-mitschneiden-benutzt (damals), da es ja einer der wenigen 
Walkman's war der auch von Mikrofon und Radio aufnehmen konnte.
Ca 20-30 Audiokassetten liegen auch schon in der nähe der 
Entsorgungskiste.

mfG
Peter

von Olaf K. (darkover)


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> so ein zufall, ich habe heute vormittag meinen "schokoriegel" der total
> ausgelaufen in der Schublade lag, entsorgt.

Interessant. Ich hab gerade noch so gedacht das es eigentlich 
erstaunlich
ist das meine nicht ausgelaufen sind. Ich hab auch noch zwei dickere 
Bleiakkus aus dem HD-X1 die auch noch nicht ausgelaufen sind. Aber 
natuerlich haben die alle nahe 0V und sind unbrauchbar.

> Mein HS-JX303 funktioniert noch immer mit dem zusätzlichem Batteriefach.

Cool. Den kannte ich noch garnicht. Der kann ja auch aufnehmen.

> Habe gerade überlegt ob irgendein Mensch sowas noch haben möchte, denke
> eBay wird es bald herausfinden.

Geht denn deiner noch? Das kann ich kaum glauben. Bei mir war der 
Gummiriemen wirklich totale Matsche. Wie neues Silikon frisch aus der 
Tube. Fand ich sehr erstaunlich. Ich haette eher erwartet das der Gummi 
hart wird und broekelig.
Und alles was an Schaltern und Kontakten drin ist musste ich auch 
reinigen.

Interessant vielleicht: Die Teile haben nur einen Anschluss fuer die 
ganzen Tasten am Geraet und am Kopfhoerer. Der Controller misst 
verschiedene Widerstande die mit den Tasten umgeschaltet werden und so 
zwischen 0 und 1.5k liegen. Wenn die Tasten durch Alterung einen 
Uebergangswiderstand bekommen dann erkennt er falsche Tasten. Und 
zumindest bei meinem sind das auch sehr spezielle Tasten. Da gibt es 
keinen Ersatz fuer. Und man kann sie auch nicht aufmachen wie bei alten 
Sonygeraeten. Ich musste die Tasten alle abloeten einzeln baden und 
wieder einloeten.

> Ca 20-30 Audiokassetten liegen auch schon in der nähe der
> Entsorgungskiste.

Nicht wegwerfen. Verkaufen. Jedenfalls wenn es gute Baender sind.
Ich staune was dafuer mittlerweile bei Ebay verlangt wird.

Olaf

von Olaf K. (darkover)


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Hier gibt es ein paar Bilder:

http://www.walkman-archive.com/gadgets/series_aiwa_jx_line.html

Sehe ich das richtig das die kein Dolby C hatten?

Olaf

von Max G. (l0wside) Benutzerseite


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Olaf K. schrieb:
> Interessant vielleicht: Die Teile haben nur einen Anschluss fuer die
> ganzen Tasten am Geraet und am Kopfhoerer. Der Controller misst
> verschiedene Widerstande die mit den Tasten umgeschaltet werden und so
> zwischen 0 und 1.5k liegen.

Das ist aus irgendeinem Grund typisch japanisch. Vermutlich stammt es 
aus Zeiten, als Prozessorpins teuer waren, man aber einen mehr oder 
weniger schlechten ADC noch in den µC reingefummelt bekam. Ich habe 
Ähnliches auch schon in anderen japanischen Elektronikbereichen gesehen.

von Olaf K. (darkover)


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> Das ist aus irgendeinem Grund typisch japanisch.

Ich sag mal das ist einfach eine gute Loesung weil man so mit wenigen 
Leitungen zum front-pcb auf der Kassettenklappe auskommt. Das haelt die 
schoen schmal und preiswert. Ausserdem kommt man so mit einer einzigen 
Leitung zur Fernbedienung im Kopfhoererkabel aus und man braucht nur 
Schalter um zwischen FB und Tasten am Geraet umzuschalten. Es ist 
einfach gut. Ich hoffe sehr das wir das auch hinbekommen.

Wenn du etwas typisch japanisches sehen willst dann schau dir im 
Schaltplan mal die ganzen Digitaltransistoren an. Ich sehe die seit 
30Jahren in jeder japanischen Schaltung, man kann sie in jedem 
japanischen Elektronikladen kaufen, jeder japanische Bastler kennt sie. 
Die meisten deutschen Ingenieure oder gar Bastler die das jetzt lesen 
fragen sich gerade was ein Digitaltransistor ist. .-)

Olaf

von Max G. (l0wside) Benutzerseite


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Deine Erläuterung zur Verdrahtung ist absolut plausibel.

Danke auch für den Hinweis zu den Digitaltransistoren. Ich kannte die 
nicht, Googeln hat mich zu dieser fast schon rührenden Seite gebracht:
https://www.rohm.de/electronics-basics/transistors/history-of-transistors
Dort wird auch erklärt, was Digitaltransistoren sind.

@TO: super Arbeit!

von Peter C. (peter_c49)


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Olaf K. schrieb:
> Hier gibt es ein paar Bilder:
>
> http://www.walkman-archive.com/gadgets/series_aiwa_jx_line.html
>
> Sehe ich das richtig das die kein Dolby C hatten?

auf dem Gerät/HS-JX303 steht "Dolby B" playback only.
Ich habe eben mal eine Kassette eingelegt, mit dem FernbedienungsDingens 
und einem Ohrhöhrer einer alten RaidioAufnahme gelauscht. Erinnerungen 
aus langer Zeit....
Egal, ich muss weniger von allem haben. muss weg.
Ach, ich glaub der hat keinen gummi-riemen. beim einschalten kann er 
beide kassettenachsen links und rechts drehen, dass machte er schon 
immer, art selbst-test, egal ob eine kassete drin liegt oder nicht.

mfG
Peter ;-)

von Joachim (Gast)


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Hallo Olaf, kannst du mir bitte ein Bild zur Verfügung stellen bei dem 
man die Lage des Riehmens im Aiwa erkennen kann?

von Olaf (Gast)


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Hm...steht doch im Servicemanual.

Olaf

von GayWin (Gast)


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Was ist der onumnöse Schokoriegel?
Kenn als Ösi nur Beidlgate.

von Achim M. (minifloat)


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GayWin schrieb:
> Was ist der onumnöse Schokoriegel?

Das hatte Olaf hier...

Olaf K. schrieb:
> wieso die Originalakkus den Spitznamen
> Schokoriegel hatten

... schon lange geklärt.
mfg mf

von Joachim (Gast)


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Hi Olaf, danke für das Bild. Das Einspannen hat super geklappt und nun 
läuft mein Aiwa wieder. 🙂
Danach habe ich aber festgestellt, dass das Autoreverse nicht 
funktioniert. Der Tonkopf wechselt nicht die Position, so dass man die 
erste Tonspur rückwärts hört (glaube ich). Hast du eine Idee wie ich das 
Problem lösen kann? Das weicht zwar vom eigentlichen Thread ab, wäre 
aber sehr hilfreich für mich. 😇

von Olaf (Gast)


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> Hast du eine Idee wie ich das Problem lösen kann?

Aufmachen, Servicemanual verwenden und nach dem Fehler suchen.
Was soll man da sonst sagen? Du hast den Schaltplan, er ist schlicht und 
einfach, also solltest du damit zum Ziel kommen.

Pruef als erstes aber mal den Kontaktwiderstand aller Schalter.

Olaf

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