Hallo!
Bei diversen physikalischen Experimenten wie etwa der Messung der
Wärmestrahlung mittels Thermosäule kommen immer wieder einmal sehr
geringe Spannungen im µV-Bereich vor.
Um diese messen zu können, habe ich mir zunächst einen
nicht-invertierenden Verstärker mit dem AD8551 bzw. MAX4238 (sollten
laut Datenblatt um die 1 µV input-offset-voltage haben). Dies
funktionierte nicht perfekt, da bei sehr geringen Eingangsspannungen von
z.B. 1 µV die Ausgangsspannung höher bzw. versetzt war z.B. 6 mV.
Die geringen Eingangsspannungen habe ich über einen gewöhnlichen
Spannungsteiler (1kOhm / 1 GOhm) gelöst. Sicherlich nicht ideal, aber
ich habe nichts anderes zur Hand. Also wenn ich an den Teiler 1.4V
anlege (ist das Minimum meines Selbstbau-Netzteils), so erhalte ich 5-6
mV am Ausgang. Nur wenn ich das Netzgerät abklemme und den Eingang zum
OPV kurzschließe, geht die Ausgangsspannung auf 0.3 mV zurück.
Spielen mir hier Thermospannungen etc. mit rein oder Störungen vom
Netzteil?
Um diesen offset zu beseitigen, habe ich nach dem Verstärker einen
Differenzenverstärker (ebenfalls mit dem AD8551 bzw. MAX4238) mit gain =
1 angebaut in der Hoffnung, mir eben diesen offset im Bereich von 5mV zu
eliminieren.
Funktioniert nur bedingt. Im "höheren" Bereich ab ca. 5µV stimmen nun
Ausgangsspannung und Eingangsspannung recht gut überein (Verstärkung =
1000). Nur im ganz unteren Bereich bleibt mir ein (nun zwar geringerer)
offset von ca. 2mV (Ausgang 3.5 mV bei 1.5µV Eingang).
Sind etwa die von mir gewählten 10kOhm Widerstände für den offset zu
gering?
Daher meine Frage, ob ich (wohl) mit diesen Unzulänglichkeiten leben
muss oder ob es eine andere/bessere Variante gibt, Spannungen im
µV-Bereich zu messen?
Danke im voraus für eure Anmerkungen/Hinweise.
Christoph E. schrieb:> funktionierte nicht perfekt, da bei sehr geringen Eingangsspannungen von> z.B. 1 µV die Ausgangsspannung höher bzw. versetzt war z.B. 6 mV.> Funktioniert nur bedingt. Im "höheren" Bereich ab ca. 5µV stimmen nun> Ausgangsspannung und Eingangsspannung recht gut überein (Verstärkung => 1000).
hab mir die Destillation erlaubt. IMO streuen Elementarspannungen
ein,pH-Messgeräte z.B. haben Platinelektroden - nur so eine Idee am
Rand, kann natürlich falsch sein, ist ja nur ein Lügenforum ;)
für solche Anwendungen würde ich die OPVs nicht rail to rail betreiben.
Gib denen was leicht negatives (-1V?) an deren NegativSupply,
oder einen Virtuellen GND leicht über deinen derzeitigen GND
Christoph E. schrieb:> Die geringen Eingangsspannungen habe ich über einen gewöhnlichen> Spannungsteiler (1kOhm / 1 GOhm) gelöst
Nimm lieber 1 Ohm, 1MOHm
Und ein POTI in der Rückkopplung ? Willst du messen oder spielen ?
Reduziere den Spannungsteiler auch um den Faktor 100, und nutze einen
Festwiderstand.
Christoph E. schrieb:> so erhalte ich 5-6 mV am Ausgang.
Normal, der Ausgang kann bei 20kOhm Belastung (10k) nicht weniger als
4-10mV liefern laut Datenblatt.
Will man exakt auf 0V, muss man eine leicht negative Betriebsspanung an
V- klemmen.
Thermospannungen sind immer ein Problem, auch das Biegen der
Leiterplatte führt zu Abweichungen. Ein Gain von 1000 macht die Sache
nicht besser.
Um Effekte durch Netzteile auszuschliessn, versorge es zum Test aus
Batterien.
Michael B. schrieb:> Nimm lieber 1 Ohm, 1MOHm
Und etwas Schirmung durch Metallfolie um den Eingangsbereich sowie 1uF
MKP bzw. MKC parallel zu den 1 Ohm sind hilfreich,
um Störungen von aussen weiter zu reduzieren.
Die geringen Eingangsspannungen habe ich über einen gewöhnlichen
> Spannungsteiler (1kOhm / 1 GOhm) gelöst. Sicherlich nicht ideal, aber> ich habe nichts anderes zur Hand.
Eine Option wäre noch hier doch noch mal genauer hinzuschauen, was für
Widerstandsmaterialien es denn tatsächlich sind.
Dickschicht oder bessere Metallschichtwiderstände? Was ist das für ein
Potimaterial? etc
Noch weniger thermisch bedingtes Eigenrauschenen vlt mit
Metalldrahtwiderstände, aber die sind wahrscheinlich wieder zu gross und
du hast dann wieder neue Probleme. Metallfolienwiderstände wären ideal,
wirst Du wohl aber als Hobbyelektroniker schwer ordern können ...
Viel Erfolg
zum Verständnis sh. hier:
https://www.eetimes.com/strategies-for-minimizing-resistor-generated-noise/#
Christoph E. schrieb:> Spielen mir hier Thermospannungen etc. mit rein oder Störungen vom> Netzteil?
BTW: Du hast da Du Steckfassungen/Adapter-PCB verwendet hast durch die
dortigen Materialien ebenfalls bereits Thermospannungen im uV Bereich.
Das wird dann kritisch.
Bei µV-Verstärkern nimmt man normalerweise chopperstabilisierte Typen,
evtl. mit AC-Bypass, je nach Anforderungen.
Abschirmungen (Gehäuse) und Erdungen an der richtigen Stelle sind
wesentlich für wenig Störeinfluß von außen.
Die uralten Kompensationsschreiber mit 1 mV Vollausschlag auf 25 cm sind
auch Mikrovolt-Verstärker. Das thermospannungsarme Lot für den
Eingangsbereich ist cadmiumhaltiges Lötzinn.
Vielen Dank einmal für die vielen, wertvollen Tipps.
Zur negativen Spannungsversorgung: der pin 4 des Max4238 ist dezidiert
mit GND bezeichnet. Da werde ich wohl keine negative Spannung
anschließen können oder?
Beim AD8551 ist das anders, bei dem ist die pin-Bezeichnung eben V-.
Maximale Versorgungsspannung ist bei beiden OPV nur 6V, da muss ich
natürlich auch aufpassen...
Christoph E. schrieb:> der pin 4 des Max4238 ist dezidiert mit GND bezeichnet. Da werde ich> wohl keine negative Spannung anschließen können oder?
Woher soll er wissen, dass die negativ ist ?
Danke für die Hinweise...
Was ich nicht ganz verstehe: warum ist pin 4 vom Max4238 dann nicht ganz
normal mit V- oder Vss bezeichnet wie bei anderen auch?
Nachteil einer symmetrischen Spannungsversorgung wäre halt der halbierte
Messbereich.
Aber ich werde es einmal wie vorgeschlagen mit -0.1V an Vss probieren...
@MaWin: Das weiß er natürlich nicht, aber nachdem meine Eingangssignale
auf GND bezogen sind und der pin eben auch mit GND bezeichnet ist,
dachte ich mir, dass ich dort nicht tiefer gehen kann.
Ich bin ja mal gespannt, wann die Leute kapieren, das R2R-OPs NICHT bis
an die Betriebsspannung oder die Masse rankommen, sondern nur FAST.
Wird dieses FAST dann noch mit einem Faktor 1000 versehen, so wird
daraus - OH WUNDER - ein Etwas.
Bei einer "normalen" Anwendung wird das ja auch kein Problem sein,
aber...
Bei so geringen Spannungen würde ich auch den Randeffekten, die beim
Betrieb eines OP mit asymmetrischer Betriebsspannung entstehen, aus dem
Weg gehen. Und +5V (oder was auch immer) und -0,1V sind mächtig
asymmetrisch.
Und noch was: Wenn ich sowieso eine zweite Spannung brauche, so kann ich
auch gleich eine "richtige" erzeugen.
Danke, Sebastian!
Da ich ja den 7805 schon habe, werde ich ihn dann wie abgebildet für
+/-2.5V verwenden. Oder gäbe es mit dieser Versorgungsart Probleme?
Christoph E. schrieb:> Da ich ja den 7805 schon habe, werde ich ihn dann wie abgebildet für> +/-2.5V verwenden
Unsinn.
Du erzeugst mit einem 7805 ja die 5V aus einer höheren Spannung, z.B.
9V.
Da kannst du auch gleich negative -0.7V draus machen:
1
+----+
2
+----|7805|-- 5V
3
+| +----+
4
9V |
5
-| 1N4001 |
6
+--|<|---+--- 0V GND
7
|
8
+------------ -0.7V
Passende Abblockkondensatoren dazudenken.
5.7V sind für den MAX auch nicht zu viel.
Wäre schön, wenn das so einfach ginge!
Eine Batterie mit Dauerlast, in Form von Widerständen, ist von
vornherein mittelprächtig.
Auch wird das mit den (2X) 100K wohl so nicht gehen. Nett für die
Batterie - mies als Vorwiderstand.
Ich würds mal damit versuchen, differentiell Eingang ist immer besser
als gegen Masse:
https://de.wikipedia.org/wiki/Instrumentenverst%C3%A4rker
Den negativen Eingang dann z.B. hochohmig auf virtuelles GND bei 2.5V
mittels Spannungsteiler.
Der Max4328 hat 1,5 µVpp Input Noise, das ist nicht wenig. Die
Eingangsoffsetspannung ist nicht von großer Bedeutung, die kann man
tarieren oder wegdrücken. Wichtiger ist die Input Offset Drift.
Ich möchte für einen erfolgreichen Einstieg in die Thematik einen
Vorschlag machen:
Als ersten Verstärker einen PGA204. Die Verstärkung kann man per Jumper
einstellen zwischen 2/10/100/1000. Die Input Voltage Drift ist
akzeptabel, das Rauschverhalten auch und die Gain Drift ist sehr
kurzzeitstabil. Leider nicht billig, kostenloses Muster anfordern. Evtl.
AD8422 o.ä. nehmen.
Der zweite Verstärker ist schon unkritischer, da ist reichlich Auswahl.
Beide Verstärker mit ± 9 V aus Batterien speisen.
Während des Messens die Schaltung vor Zugluft schützen. Karton
drüberstülpen.
Um eine kleine Eingangsspannungsquelle zu generieren, reicht eine
Spannungsreferenz (aus den +9 V speisen) und ein Spannungsteiler, der
nicht zu hochohmig ist wegen Widerstandsrauschen.
Nach dem Einschalten thermisches Gleichgewicht abwarten:
Thermospannungen.
Damit kannst du in den Mikrovolt - Mikrokosmos vordringen.
1µV Offset ist eine Marketing-Aussage.
In der Praxis hast du Thermospannungen auf der Platine oder den
Anschlussleitungen, die höher sind.
Außerdem musst du dich von der Vorstellung lösen, dass es die Null Volt
gibt. Du wirst sehen, dass dein Nullpunkt nie konstant bleibt, auch wenn
du oft abnullst.
Als einzige Abhilfe müsste die gesamte Platine in einen Temperatur
geregelten Alublock!
Der AD8551 hat ein hohes Rauschen. Da müsstest du die Grenzfrequenz der
Verstärkung extrem niedrig machen.
Wenn es um die Auswertung einer Messbrücke geht, gibt es die Methode der
AC-Speisung. Dann eliminieren sich Offset und Thermospannungen von
selbst.
So machen es auch Lock-In-Verstärker.
Gerade mit Spannungen nahe null kann die Spannung auch mal negative
sein, und sei es auch nur vom Rauschen. Da sollte man schon eine
negative Spannung oder Virtuelle Masse nutzen. Die Version mit dem
einfachen Widerstandsteiler geht, man muss aber ggf. aufpassen mit der
Belastung, etwa vom Teiler für die Verstärkung. D.h. die 2x100 K sind
schon grenzwertig hoch. Bei Versorgung aus einem Netzteil wären 2x10 K
passender. Eine alternative sind ggf. 2 dioden oder eine LED an der
negativen Seite - da hat man bei gleichem Strom eine niedrigere
Impedanz. Dass die virtuelle Masse mit dem Temperatur etwas variable ist
stört i.A. nicht.
Die auto-zero OPs mögen eine gute Abblockung der Versorgungsspannung,
denn in den Schaltphasen geht es recht schnell zu, auch wenn die
Bandbreite der OPs klein ist.
Der Eingang sollte etwas Schutz und HF Filter haben. Manche der OPs
reagieren auf eine Veränderung der Kapazität am Eingang, vor allem wenn
die Signalquelle nicht so niederohmig ist.
Die sicherlich beste Möglichkeit: Nimm einen differentiellen 24Bit-ADC
mit einem PGA / 128-fach Buffer/Vorverstärker!
Den -Eingang (Mess-GND) hängst du auf Uref-halbe.
Da kommst du selbst bei 5V Referenz auf eine Auflösung von 5nV!
UND er hat auch gleich einen digitalen Teifpass drin.
Z.B. AD7190: 9nVeff Rauschen!
Oder ADS1235 mit 42nVpp Rauschen...
PS:
>> Die geringen Eingangsspannungen habe ich über einen gewöhnlichen
Spannungsteiler (1kOhm / 1 GOhm) gelöst...
So wird das eh' nix!
Entweder du nimmst sau teure, schwer zu beschaffende
höchst-Präzisionswiderstände (TK 0,2ppm)
ODER du kaskadierst matched Widerstandsnetzwerke
(in einem Gehäuse) z.B. mehrere LT5400-3 (1/41) hintereinander.
Aber auch dabei hast du die Thermospannungen!
Mit einem digitalen Funktionsgenerator kannst du noch recht stabil
100mV ausgeben - wenn er auch DC macht.
Vielen Dank für die vielen, konstruktiven Hinweise und Vorschläge...
Ich probiere das einmal mit der Diode im GND-Pfad des 7805 aus und
berichte dann. Mit den bisherigen Ergebnissen kann ich dann euren
Schilderungen zufolge eh schon glücklich sein. Wie gesagt, so schlecht
funktioniert das Ganze eh nicht bis auf den nicht zu eliminierenden
offset bei Spannungen < 5µV.
So, habe nun die Spannungsversorgung der beiden OPV abgeändert und bin
mit dem Ergebnis nun eigentlich zufrieden. Ausgangsspannung in mV folgt
sehr schön der Eingangsspannung in µV.
Das Multimeter am Ausgang stelle ich aber lieber auf V mit 1mV
Auflösung, dann ist die Anzeige stabil. Im mV-Bereich mit 0.1mV
Auflösung schwankt sie doch deutlich stärker. Aber wirklich kleinere
Spannungen als 1µV habe ich eh nicht vor damit zu messen.
Vielen Dank nochmals für eure Unterstützung...