Hallo,
angenommen ich habe eine weitgehend rauschfreie Referenz und
Eingangsspannung (Gleichspannung) an einem ADC, kann ich dann über den
SNR des darauf schliessen, wie viel der ADC am Ausgang rauscht? (Also
wieviel LSB um den Mittelwert normalverteil Streuung zu erwarten ist)
Oder gilt der SNR nur für Sinussignale?
Gefunden habe ich die Formel V_rausch_rms = V_fsr_rms / 10^SNR/20
Mit V_fsr_rms = Vref / (2 wurzel(2)), was ja der rms für Sinussignale
ist
Ich hätte dann einfach für meine Gleichspannung V_fsr_rms = Vref gesetzt
...
Gruss
Unwissend schrieb:> Oder gilt der SNR nur für Sinussignale?
Erstmal nicht. Generell heisst SNR ja nur Signal-to-Noise-Ratio und
schreibt keinerlei Signalformen vor - ausser das 'Noise' im Allgemeinen
für Rauschen steht.
1) Ein A/D-C "rauscht" nicht am Ausgang
2) Aber da Du das digital kodierte analoge Restrauschen meinst: Ja.
Und zwar z.B. 80dB SNR bedeutet genau, was Deine Formel sagt: die
RMS-Werte der Rauschspannung liegen 80dB unter V_FullScale/sqrt(2).
Matthias S. schrieb:> ausser das 'Noise' im Allgemeinen für Rauschen> steht.
Falscher Freund.
"noise" ist "Krach", "Störung", ja, auch "Rauschen".
"Rauschen" ist im Deutschen aber nur "Rauschen".
(Und "control" ist nicht "Kontrolle", sondern "Leitung",
"Lenkung", "Steuerung". Aber der Kampf ist verloren...)
Unwissend schrieb:> Gut, aber warum ist es FSR/Wurzel(2)?
??
> Wiso nicht einfach FSR für ein Gleichspannungssignal?
???
Schon Dein Ursprungsbeitrag gibt keinen Sinn: Wenn man eine
rauschfreie Referenz und eine rauschfreie Gleichspannung
am Eingang annimmt, dann hängt es vom Verhältnis von
Auflösung und Eigenrauschen des ADC ab, ob die gemessenen
Werte überhaupt nennenswert schwanken oder nicht.
Wenn sie nicht schwanken, kann man auch kein SNR ermitteln;
man kann dann nur sagen: "Das SNR ist besser als..."
Bei den von Dir angegebenen Formeln wird es nicht viel
klarer: Das SNR ist das Verhältnis des "Rauschens" zum
Gesamtsignal, wobei man vernünftigerweise Effektivwerte
betrachtet.
Der Effektivwert einer reinen Gleichspannung ist natürlich
diese Gleichspannung -- völlig egal, welcher Blödsinn
irgendwo in den unendlichen Weiten des Internet steht.
Was also ist der Kern Deiner Frage? Ob Du eine willkürlich
und ohne Kontext herausgegriffene Formel missverstanden
hast? Ob irgendwo im Internet irgendwelcher Blödsinn steht?
Es wird mir nicht klar.
Freitag eben.
Unwissend schrieb:> (Also> wieviel LSB um den Mittelwert normalverteil Streuung zu erwarten ist)> Oder gilt der SNR nur für Sinussignale?
Wenn dein Eingangssignal nicht genug rauscht, vergiss das mit der
Normalverteilung. Die bekommst du nur halbwegs vernünftig, wenn das
Quantisierungsrauschen, dass bei einer Gleichspannung zu einem Bias
mutiert, übertönt wird.
Egon D. schrieb:> Wenn man eine> rauschfreie Referenz und eine rauschfreie Gleichspannung> am Eingang annimmt, dann hängt es vom Verhältnis von> Auflösung und Eigenrauschen des ADC ab, ob die gemessenen> Werte überhaupt nennenswert schwanken oder nicht.
Ja, darum ja auch meine Frage, ob ich mit dem SNR Wert des ADC genau
dieses Eigenrauschen (als Code) berechnen kann.
Den Blödsinn habe ich übrigens von TI
https://training.ti.com/ti-precision-labs-adcs-calculating-total-noise-adc-systems
Gruss
Unwissend schrieb:> über den> SNR des darauf schliessen, wie viel der ADC am Ausgang rauscht?
Hmmm... Über welchen SNR? Die Angabe im Datenblatt? Ich nehme es an. Der
"Noise" - das muss nicht reines Rauschen sein - wird als Effektivfwert
gemessen. Über die Spitzenwerte, die Normalverteilung etc. wird mit der
SNR nichts ausgesagt.
Und da muss ich dem Matthias etwas widersprechen und Egon D
beipflichten: Im Deutschen kennen wir für verschiedene Störsignale mehr
Begriffe als im Angelsächsischen. "Rauschen" ist bei uns weißes, rosa,
rotes oder sonst wie im Spektrum geformtes Rauschen, aber z.B. Signale
mit ausgeprägten Maxima im Spektrum oder unregelmäßige Burst o. ä.
würden wir (zumindest ich niemals) als Rauschen bezeichnen, während
unter Noise einfach alles zusammengefasst wird. Für das Wort "Rauschen",
so wir wir es verwenden, scheint es im Englischen gar keine
1:1-Übersetzung zu geben. Wir würden Noise eher als Störspannung oder
Störsignal übersetzen. Wenn's brummt, kann man im Englischen mit gutem
Gewissen von Noise sprechen, wenn aber im Deutschen jemand Rauschen
sagt, wenn es nur summt, pfeift oder brummt, rollen sich mir die
Fingernägel hoch.
Die Fragestellung ist (aus Unkenntnis der Zusammenhänge) unklar
formuliert und so auch schwer zu beantworten. Ich starte trotzdem einen
Versuch:
Ein AD-Wandler mit 10 Bit Auflösung kann 1024 Werte ausgeben und damit
1023 Stufen auflösen. (Wenn man beispielsweise die 3 Werte 0V, 2,5V und
5V erkennen kann, entspricht das 2 Stufen, nämlich der ersten von 0 bis
2,5 V und der zweiten von 2,5 bis 5 V.) Das ist für viele schon die
erste Verständnishürde. Damit das Rechnen einfacher wird, rechne ich für
"meinen" 10 Bit-Wandler als Beispiel nur mit 1000 Stufen und einem
Bereich von 0 bis 5 V. Dann ist jede Stufe 5 mV hoch. Gebe ich auf
diesen Wandler ein ideales Sinussignal (ohne die geringsten
Störspannungen), dann ändert sich der Ausgangswert erst, wenn die
Eingangsspannung sich um diese 5 mV geändert hat.
Wenn ich also die Ausgangswerte wieder in Spannungen verwandle, bekomme
ich (ohne Filterung) eine Treppenspannung mit einer Stufenhöhe von 5 mV.
Aus dem sauberen Sinus ist also eine Treppenspannung geworden. Den
Unterschied zwischen der reinen Eingangsspannung und dem Ausgangssignal
kann man als dem Eingangssignal überlagertes Rauschen bezeichnen. Dieses
hängt von der Auflösung des AD-Wandlers in Bit und dem Aussteuerbereich
ab. Ist der Aussteuerbereich nur zwischen 0 und 3,3V, dann ist die
Stufenhöhe bei 1000 Stufen nur noch 3,3 mV hoch. Ein kleines Sinussignal
würde demnach weniger "gestört". Damit kann man sehen, dass das
Verhältnis zwischen dem Signal und der "Störspannung" auch von der
Amplitude des Eingangssignals abhängt.
Noch spannender wird es, wenn man die Relation zwischen der
Signalfrequenz und der Abtastrate betrachtet. Dann kann der anfangs
erwähnte reine Sinus sich zwischen 2 Abtastungen um mehr als eine Stufe
geändert haben. Das würde das fiktive "Störsignal" (die Differenz
zwischen dem Sinus und dem aus den Ausgangswerten gewonnenen Signal)
natürlich weiter vergrößern.
Bei der Bewertung des durch den Wandler bedingten Signal-Rauschabstandes
muss also erst einmal festgelegt werden, welche Zusammenhänge /
Abhängigkeiten betrachtet werden sollen.
Mehr möchte ich jetzt nicht sagen, um nicht noch mehr Verwirrung zu
stiften. Bei Bedarf kann ich aber noch mehr in Details gehen, wenn ich
weiß, welche Details gewünscht werden.
Mir geht es nicht unbedingt darum was da konkret passiert, ich will nur
abschätzen können mit wie viel LSB +- ich da rechnen muss. Zu wissen wie
es verteilt ist, wäre natürlich ideal aber kein muss.
Unwissend schrieb:> Gut, aber warum ist es FSR/Wurzel(2)? Wiso nicht einfach FSR für ein> Gleichspannungssignal?
Zur Bestimmung von SNR und SINAD ist nunmal Standard, dass man einen
full scale sinus einsetzt und die digitalisierten Werte per FFT in
Signal, Rauschen und Verzerrung auftrennt. Darin sind alle Rauschquellen
enthalten, die bei dieser Messbedingung auftreten (also z.B. auch das
Rauschen der Referenz, das du in deiner Betrachtung wegdefinieren
möchtest). Würde man ein anderes Signal nehmen, dann wäre der
Effektivwert des Signals anders, der SNR bekäme im Datenblatt einen
anderen Zahlenwert, und der SINAD wäre nicht mehr bestimmbar (weil ein
nicht-sinusförmiges Signal von Haus aus Oberschwingungen hat, auch wenn
der ADC selbst nicht verzerrt).
Deine eigentliche Frage ist jetzt, ob der per Sinus bestimmte
Effektivwert des Rauschens auch für andere Signalformen am Eingang gilt.
Eine eindeutige Antwort darauf gibt es imho nicht. Bei hochauflösenden
ADCs, deren Eigenrauschen mehrere Quantisierungsintervalle überdeckt,
dürfte deine Annahme in erster Näherung hinkommen. Der Effektivwert des
Rauschens aus der SNR-Spec sollte dort halbwegs zu der
Standardabweichung des Histogramms der Messwerte bei
Gleichspannungsmessung passen. Zumindest dürfte es noch die am besten
begründete Annahme sein, die man machen kann, wenn der Hersteller einen
SNR spezifiziert aber keine Messwerthistogramme für
Konstantspannungsmessungen zeigt.
Bei niedrig auflösenden ADCs und rauscharmen ADCs dürfte deine Annahme
dann zunehmend schlechter passen. Ist aber nur meine Einschätzung, eine
belastbare Spec dazu dürftest du kaum finden.
Manche Hersteller liefern beides (SNR gemessen mit Sinus und Histogramm
gemessen mit Gleichspannung, siehe z.B.
https://www.analog.com/media/en/technical-documentation/data-sheets/ad7606_7606-6_7606-4.pdf)
Du kannst daran ja mal überprüfen, wie gut deine Annahme zumindest bei
diesem Baustein passt.
Bei einem idealen Signal wäre kein Rauschen zu erwarten, d.h. der
Ausgabewert des Wandlers wäre immer gleich. Wenn man aber - bei meinem
Gedankenbeispiel - 5 V Signalbereich und 1000 Stufen eine Spannung
anlegt, die genau in der Mitte zwischen 2 Werten liegt und dieser eine
Rauschspannung von 5 mV überlagert (reine Wechselspannung ohne
Gleichspannungsanteil), dann liefert der Wandler in 50% der Fälle den
unteren und im Rest der Fälle den höheren Wert. Hier kann man über die
Häufung feststellen, dass die Spannung genau in der Mitte zwischen den
Schwellen liegt.
Aber noch einmal zurück zur ursprünglichen Frage: Der Wandler selbst hat
kein SNR - deshalb meine Erläuterungen. Die SNR-Angabe in einigen
Datenblättern bezieht sich auf genau definierte Anwendungsfälle z.B.
nach dem Motto: "Wenn man bei dem Wandler den maximalen Aussteuerbereich
ansetzt und durch seine Auflösung eine Stufenhöhe von xx mV hat, dann
verhält sich dieses "Quantisierungsrauschen" zur Eingangsspannung wie
..... Das kann man dann auch in logarithmischem Maßstab in dB umrechnen
und ins Datenblatt aufnehmen.
Die Bandbreite spielt auch noch mit. Faustformel: Halbieren der
Bandbreite bringt ein zusätzliches Bit Auflösung, unter bestimmten
Nebenbedingungen.
Wenn ein konkreter ADC genannt wäre, könnte man dem TO das Datenblatt
erklären.
Der Zahn der Zeit schrieb:> Und da muss ich dem Matthias etwas widersprechen
Leute, ich habe auch extra deswegen 'im Allgemeinen' geschrieben. Ich
will jetzt nicht auf die Feinheiten des Wortes 'Noise' eingehen, aber es
gibt im Englischen nicht so viele Wörter, um 'Rauschen' von anderen
Geräuschen zu unterscheiden. 'Pink Noise' z.B. ist das 'rosa Rauschen'.
Mit SNR ist also das Verhältnis vom Nutzsignal zu irgendwelchen
unterliegenden Geräuschen gemeint. Aber diese Geräusche sind in der
Elektronik nun mal meist Rauschen.