Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Magnetisierung in einem Drehstromtrafo nach Ausfall einer Primärwicklung?


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von L. H. (holzkopf)


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Hallo,

bekannt ist zum Betreff, daß ein Drehstromtrafo nach Ausfall einer prim. 
Wicklung mit ca. 2/3 seiner Leistungsfähigkeit weiterläuft.

Mich interessiert aber viel mehr, wie das mit der Magnetisierung des 
Eisenkernes in ihm weiterläuft.

Setzen wir also den hypothetischen Fall, daß im mittleren Schenkel eines 
Drehstromtrafos die prim. Wicklung ausgefallen ist, sowie auch, daß auf 
allen drei Schenkeln die sek. Wicklungen sitzen.

Wie verhält sich das dann mit der Magnetisierung im mittleren Kern durch 
die zwei anderen (in den außenliegenden Kernen angeordneten) Wicklungen?

Läuft dann die Magnetisierung durch sie am mittleren Kern gewissermaßen 
an ihm "vorbei"?
Oder tut sich in dem auch noch etwas bzgl. Magnetisierung, das sich an 
der sek. Wicklung von ihm messen lassen könnte?

Die 2/3-Aussage deutet eher nicht darauf hin.
Ist das aber wirklich so?
Oder fällt das dann eher unter vernachlässigbare Induktion in der sek. 
Wicklung, die nicht ausgefallen ist?

Mir erschließt sich das durch Nachdenken nicht so recht.
Könnte mir deshalb bitte jemand dazu "etwas auf die Sprünge" helfen?

Hier noch ein etwas logischeres Bild zur Trafospulen-Verschaltung mit 
UVW für die Wicklungen:
http://reimerhass.pmbrandt.de/drehstrom.html

Ich meine hier die mittlere prim. Wicklung, 1V1-1V2 mit Totalausfall von 
ihr.
Die mittlere sek. Wicklung 2V2-2V1 sei aber (angenommen) noch intakt.
Kann in die nach Ausfall von 1V1-1V2 gar nichts mehr induziert werden, 
wenn die beiden anderen Spulen (die außenliegenden) immer noch den Kern 
magnetisieren können?

von A-Freak (Gast)


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Die Antwort hängt sehr davon ab welche Schaltgruppe der Trafo hat
Dd0
Dyn5
Yd1
YY0

Welche sekundäre Belastung er hat
Dreieckschaltung symmetrische Last, Dreieckschaltung einzelne Phase, 
Sternschaltung gegen Neutral (nur bei Dyn natürlich)

Wie die Primärseite ausfällt
Eine Wicklung unterbrochen oder eine zugeführte Spannung niederohmig 
null Volt

Dann machen wir gerne mal ein Zeigerbild welche neuen Sekundärspannungen 
und Ströme sich ergeben

von L. H. (holzkopf)


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Danke für Deine Antwort und das Angebot bzgl. Zeigerbild. :)

So umfangreich, wie Du das bedacht hast, tat ich das allerdings gar 
nicht.
Mir ist schon klar, wie das prinzipiell bzgl. Magnetisierung(=M) in 
einem D-Trafo läuft.
Sofern die M so läuft, wie das auch beabsichtigt und normal ist.

Nun interessiert mich aber eher, wie die M im Kern läuft, wenn sie nicht 
mehr normal ist.
Vielleicht konnte ich das eingangs nicht so recht verdeutlichen, weshalb 
ich weiter nach einem Bild mit M-Linien suchte, die das besser 
veranschaulichen können.

Hier fand ich ein m.E. sehr brauchbares dazu, das auch die 
Entwicklung/Reduzierung von drei Einzel-D-Trafos hin zu nur einem 
einzigen veranschaulicht:
http://sick-fm.de/m/3-trafo.html

Wenn wir das Bild rechts unten betrachten, haben wir:
- Prim. und sek. Stern-Verschaltung der Wicklungen.
- Vom Betrag her gegenläufige Imax, die sich zu 0 addieren.
- Grüne M-Linien, die in den beiden Außenschenkeln nach unten laufen.
Und sich im mittleren Schenkel mit dessen an sich gegenläufigen M-Linien 
zusammenschließen.

Insoweit ist alles völlig normal.

Und nun nehmen wir genau in diesem Moment Totalausfall der mittleren 
Prim.-Wicklung an (z.B. durch Leitungsbruch an der Verbindungsstelle 
L2/1V1).
Was gleichbedeutend damit ist, daß die mittlere Prim.-Wicklung keinen 
Beitrag mehr zur M des mittleren Schenkels leisten kann.

Dennoch magnetisieren die beiden Außenspulen weiterhin den Trafokern.
Nachdem ihre M-Linien (unten im E) aber gegenläufig sind, werden sie 
deshalb wohl einander ausweichen müssen und sich gleichläufig weiterhin 
im mittleren Schenkel vereinigen.

Folglich müßte deshalb durch deren M immer noch Spannung in der sek. 
Spule des mittleren Schenkels induziert werden können - auch wenn die 
Prim.-Wicklung dieses Schenkels ausgefallen ist.
Sicher nicht mehr auf dem höheren Niveau, das bei funktionierender 
Prim.-Wicklung möglich war.

Ich bin mir keineswegs sicher darin, daß sich das wirklich so verhält, 
wie beschrieben. ;)
Weiß aber andererseits, daß man Magnetfelder (in ihrer Stärke) beliebig 
"niederdrücken" oder auch verstärken kann.

Wie siehst Du das?
Ist die beschriebene Argumentation nachvollziehbar und schlüssig?

von Schwachstromi (Gast)


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L. H. schrieb:
> gegenläufig
> gleichläufig
> vereinigen.

Die sind ja weder exakt gglfg. (180°...) noch gllfg. (0° verschoben).
Meine Annahme wäre, daß zwar Spannung induziert wird, aber dann eben
180° verschoben zur nicht mehr anliegenden 3. Phase und auch kein
Sinus, eher so etwas wie Rechteck minus Sinus und dabei natürlich
niedriger im (Effektiv-)Wert, evtl. wegen der zwischenliegenden
Streuinduktivitäten sogar in Richtung der Form der allbekannten
"Strom-Arschbacken" bei FUs...?

Aus der idealisierten Betrachtung der Summen/Differenzen heraus,
und ohne jede Ahnung von 3-phasen-Sachen (wollte es trotzdem sagen,
weil ich die Annahme für halbwegs schlüssig halte).

Ich bin gespannt, wie sich das hier entwickelt...

von Lurchi (Gast)


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Im Schenkel mit der ausgefallenen Primärwicklung wird weiter das fast 
unveränderte Feld herrschen. Den Strom für die Magnetisierung übernehmen 
die beiden anderen Wicklungen - für die i.A. doch relativ großen 
Drehstromtransformatoren (kaum unter 100 VA) ist der 
Magnetisierungsstrom aber ohnehin nicht so sehr wesentlich. Das 
Magnetfeld und damit die Spannung der 3. Phase sollte entsprechend fast 
unverändert bleiben.

Wenn die Sekundärseite ohne zugehörige Primarseite belastet wird, weicht 
ein Teil des Feldes ggf. aus. D.h. die Kopplung wird schwacher und die 
Spannung wird entsprechend etwas weicher, mit mehr Serieninduktivität.

von oszi40 (Gast)


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L. H. schrieb:
> Setzen wir also den hypothetischen Fall, daß im mittleren Schenkel eines
> Drehstromtrafos die prim. Wicklung ausgefallen ist

Ausgefallen WIE? Kurzschluss oder nur Unterbrechung?

von L. H. (holzkopf)


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Schwachstromi schrieb:
> Aus der idealisierten Betrachtung der Summen/Differenzen heraus,
> und ohne jede Ahnung von 3-phasen-Sachen (wollte es trotzdem sagen,
> weil ich die Annahme für halbwegs schlüssig halte).

Denke, es bleibt ja kaum etwas anderes übrig als eine Momentaufnahme aus 
der idealisierten Betrachtung herauszugreifen, um sich das mit den 
M-Linien einigermaßen richtig erschließen zu können.
Denn die Spulen magnetisieren in der Realität den Kern permanent um.

> Ich bin gespannt, wie sich das hier entwickelt...

Ich auch, weil jeder Gedanke dazu beitragen kann, Annahmen erhärten oder 
verwerfen zu können. :)

Lurchi schrieb:
> Im Schenkel mit der ausgefallenen Primärwicklung wird weiter das fast
> unveränderte Feld herrschen.

In der Momentaufnahme liegt zwar im mittleren Schenkel Imax vor, aber 
wenn dann die Magnetisierungsleistung seiner Prim.-Spule wegbricht, 
müßte sich doch zwangsläufig dadurch auch das Feld, genauer gesagt die 
Magnetfeldstärke, verändern.

> Den Strom für die Magnetisierung übernehmen
> die beiden anderen Wicklungen - für die i.A. doch relativ großen
> Drehstromtransformatoren (kaum unter 100 VA) ist der
> Magnetisierungsstrom aber ohnehin nicht so sehr wesentlich.

Wie meinst Du das, daß der Magnetisierungsstrom nicht so sehr wesentlich 
sei?

Ich bezweifele auch, daß die beiden anderen Wicklungen den Ausfall einer 
dritten Wicklung ohne weiteres übernehmen/kompensieren können.
Sicher werden die weiterhin den Kern magnetisieren können, aber nur noch 
auf einem niedrigeren Niveau.

> Das
> Magnetfeld und damit die Spannung der 3. Phase sollte entsprechend fast
> unverändert bleiben.

Das scheint mir nicht plausibel zu sein, zumal es auch in Widerspruch 
dazu steht, daß bei Ausfall einer der drei Prim.-Wicklungen die 
Leistungsfähigkeit eines D-Trafos um ca. 1/3 sinkt. ;)

> Wenn die Sekundärseite ohne zugehörige Primarseite belastet wird, weicht
> ein Teil des Feldes ggf. aus. D.h. die Kopplung wird schwacher und die
> Spannung wird entsprechend etwas weicher, mit mehr Serieninduktivität.

In der Momentaufnahme sind die M-Linien im 1. und 3. Schenkel vertikal 
nach unten gerichtet. Hier nochmal das Bild (rechts unten) dazu:
http://sick-fm.de/m/3-trafo.html

Bei den EI-Kernen verhält es sich so, daß der Kernquerschnitt überall 
derselbe ist (der um die Ecken herum sei dabei vernachlässigt).
D.h. wenn die M-Linien in den beiden Schenkeln die Ecken durchlaufen 
haben, werden sie (unten) gegenläufig.

Wäre dabei nicht noch der 2. Schenkel vorhanden, würden sie sich 
komplett zu 0 Magnetfeldstärke neutralisieren.
Durch den vorhandenen 2. Schenkel können sie jedoch ausweichen und sich 
oben herum wieder schließen.

Heißt - ich glaube nicht, daß die M-Linien nur unter Belastung der 
Sek.-Seite ausweichen.
Warum sollten sie das nur dabei tun?
Denke, die werden immer ausweichen - auch im Leerlauf.

oszi40 schrieb:
> L. H. schrieb:
>> Setzen wir also den hypothetischen Fall, daß im mittleren Schenkel eines
>> Drehstromtrafos die prim. Wicklung ausgefallen ist
>
> Ausgefallen WIE? Kurzschluss oder nur Unterbrechung?

WIE ausgefallen hatte ich w.o. noch präzisiert:
Leitungsbruch.
Jedenfalls war von vornherein ein Wicklungs-Ausfall gemeint, bei dem ein 
Trafo unbeschadet davon weiterlaufen kann.

von Lurchi (Gast)


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Das Feld im Trafo ist ein praktisch reines Wechselfeld, wenn da kein DC 
Bias in der Spannung ist. Nur nach dem Ausschalten bleibt ggf. eine 
statische Restmagnetisierung, die dann ggf. den Neustart komplizierter 
macht. Im Betrieb geht die Information dann relativ schnell verloren.

Die Spannung gibt quasi die Magnetisierung vor die erreicht wird. Danach 
richtet sich dann der Strom, der nötig ist um das nötige Wechselfeld (B) 
auch zu erreichen. Bei einem großen Trafo ist der Magnetisierungsstrom 
gering, grob geschätzt im Bereich unter 1 % des Nennstromes. Für die 
Belastbarkeit ist der Teil unwesentlich. Das wird bei kleinen Trafos 
(insbesondere unter 5 VA) anders, weil der nötige Strom linear mit der 
Länge im Kern zunimmt, der zur Verfügung stehende Raum für die 
Wicklungen aber quadratisch mit den Abmessungen hoch geht.

Wenn beim Drehstromtrafo eine der 3 Windungen weg fällt übernehmen die 
anderen Windungen halt dessen Magnetisierungsstrom mit. Die Pfade für 
das Feld umfassen ja jeweils 2 Schenkel mit 2 Primärwindungen.
Die Spannung gibt dass Feld für die beiden Schenkel mit aktiven 
Primärwindungen vor und für den 3. Schenkel bleibt da keine wirkliche 
Freiheit mehr als die Summe im Zeigediagramm, ob mit einer 3. 
Primärseite oder ohne. Die Magnetfeldlinien tun sich schwer den Kern zu 
verlassen und gehen daher den Weg des geringsten Widerstandes. Eine Last 
erzeugt einen Gewissen Widerstand für das Magnetfeld, so dass es dann 
ein wenig mehr versucht die belastete Spule zu umgehen, ein Kern zu 
verlassen ist aber auch ein Hindernis.

Die Belastbarkeit geht um etwa 1/3 zurück, weil halt nur 2 statt 3 
Primärwicklungen genutzt werden können und da nicht wesentlich mehr 
Strom fließen kann.

von Jürgen F. (unterstrom)


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Hallo,
eine ganz wesentliche Frage wurde noch nicht angesprochen: wie wird in 
deinem hypotetischen Fall der Sternpunkt behandelt?
Bei einem Y..-Trafo ist üblicher Weise der Sternpunkt offen. Wenn dann 
eine Phase ausfällt sind einfach die beiden anderen Spulen in Reihe an 
400V geschaltet. Der Fluß den die eine Spule erzeugt wid von der anderen 
in gleicher Höhe "weggesaugt", es bleibt kein Fluss für den offenen Kern 
übrig, die Sekundärspannung wird auf diesem Kern zusammenbrechen. Die 
beiden verbliebenen Spannungen weden auf 1/sqrt(3) zusammenbrechen und 
gegenphasig werden.

Die o.g. Ausführungen treffen nur für den geerdeten (bzw mit dem 
Sternpunkt des speisenden Netzes verbundenen) Sternpunkt zu.

von L. H. (holzkopf)


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Lurchi schrieb:
> Die Spannung gibt quasi die Magnetisierung vor die erreicht wird. Danach
> richtet sich dann der Strom, der nötig ist um das nötige Wechselfeld (B)
> auch zu erreichen. Bei einem großen Trafo ist der Magnetisierungsstrom
> gering, grob geschätzt im Bereich unter 1 % des Nennstromes. Für die
> Belastbarkeit ist der Teil unwesentlich. Das wird bei kleinen Trafos
> (insbesondere unter 5 VA) anders, weil der nötige Strom linear mit der
> Länge im Kern zunimmt, der zur Verfügung stehende Raum für die
> Wicklungen aber quadratisch mit den Abmessungen hoch geht.

Jetzt verstehe ich, wie Du es meintest, daß der Magnetisierungsstrom 
nicht so sehr wesentlich sei. :)

Denn bei dieser Aussage sträubten sich mir die Haare ein wenig als ich 
das las.
Was daran liegt, daß ich bei Spulen, die variabel magnetisieren können 
müssen, immer nur an die Ampere-Windungen von ihnen denke.
Oder - nachdem die Windungen ja nicht variabel sind - an die 
veränderliche Stromstärke in den Windungen.
Denn nur die Stromstärke, die in den Windungen fließt, ist maßgeblich 
für die damit erzeugbare Magnetfeldstärke.

Aus meiner Sicht ist es auch nicht ganz so, daß die U quasi die 
Magnetisierung vorgibt und sich danach der Strom richtet, um (jeweils) 
die nötige Magnetfeldstärke erreichen zu können.

Es ist zwar einerseits richtig, daß U und I immer miteinander verknüpft 
sind und andererseits auch, daß im Leerlauf der Magnetisierungsstrom 
recht gering ist.
Nicht nur bei Trafos, sondern auch z.B. bei Generatoren, bedeutet das 
aber lediglich, daß sie im Leerlauf ziemlich weit unten auf den 
Kennlinien ihrer Dynamobleche o.ä. laufen.

Durchlaufen können müssen sie jedoch den gesamten Bereich der 
Kennlinien.
Vorzugsweise den steil linear ansteigenden, aber notfalls auch bis in 
die Sättigung hinein.

Wie das funktioniert, können wir uns am besten vorstellen, wenn wir 
einen D-Gen. annehmen, der im Inselbetrieb einen intakten D-Trafo 
stellvertretend für das öffentliche Netz versorgt.

Der D-Gen. ist ein nachgeregelter Synchrongenerator und liefert genau so 
wie das Netz 3 x 400V, 50Hz in Sternverschaltung.
Er ist auch groß genug, um den Trafo "locker" versorgen zu können.

Wenn wir den Trafo an ihn anschließen, laufen beide Maschinen mit ihrer 
Leerlaufmagnetisierung.

Und dann belasten wir den Trafo symmetrisch an seinen Sekundärspulen.
Was identisch ist mit einer Stromanforderung an den Trafo UND den D-Gen.
Durch diese Stromanforderung will die Netzspannung tendenziell absinken.

Was aber die Nachregelung des D-Gen. erkennt und sofort die Erregung des 
Gen. hochfährt, wodurch der Gen. (intern) auf einem höheren 
Spannungsniveau als 400V läuft.
Nur durch diese Spannungsüberhöhung kann der Gen. die Stromanforderung 
kompensieren und die Netzspannung konstant halten. ;)
Dadurch erhöhen sich auch die Magnetfeldstärken im Gen. und Trafo, 
wodurch die Stromanforderung abgedeckt werden kann.

Jürgen F. schrieb:
> eine ganz wesentliche Frage wurde noch nicht angesprochen: wie wird in
> deinem hypotetischen Fall der Sternpunkt behandelt?
> Bei einem Y..-Trafo ist üblicher Weise der Sternpunkt offen.

Wenn Du mit offen den unbenutzten N meinst:
Ja, der Sternpunkt wird nicht weiter benutzt.

> Wenn dann
> eine Phase ausfällt sind einfach die beiden anderen Spulen in Reihe an
> 400V geschaltet.

Denke, damit befindest Du Dich im Irrtum.
Vielleicht geleitet von der Verbindung der beiden Wicklungsenden im 
Sternpunkt? ;)

Nimm zum Vergleich z.B. einen Trafo mit 2 Prim.-Wicklungen für jeweils 
115V her.
Wenn Du seine beiden Spulen in Reihe schaltest, kannst Du ihn auch mit 
230V betreiben.
Dabei läuft aber nur EIN sin durch beide Spulen.
Das ist dann eine Reihenschaltung von zwei Spulen.
Verbindest Du die Spulen richtig, addieren sich ihre Magnetfelder.
Anderenfalls heben sie sich auf.

Das liegt aber beim thematisierten D-Trafo so nicht vor.
Viel mehr laufen bei dem ZWEI voneinander "unabhängige" sin durch die 
zwei Spulen.

> Der Fluß den die eine Spule erzeugt wid von der anderen
> in gleicher Höhe "weggesaugt", es bleibt kein Fluss für den offenen Kern

Von welchem offenen Kern sprichst Du?
Das ist ein unverändert geschlossener EI-Kern.

> übrig, die Sekundärspannung wird auf diesem Kern zusammenbrechen. Die
> beiden verbliebenen Spannungen weden auf 1/sqrt(3) zusammenbrechen und
> gegenphasig werden.

Wenn wir den kompakteren Trafokern als bessere Kombination von drei 
Einzeltrafos verstehen:
Meinst Du nicht, daß dann mindestens die beiden äußeren "Einzeltrafos" 
noch als solche funktionieren können und werden?

Ihre magn. Kreise können sie doch über den mittleren Schenkel problemlos 
schließen.
Die konnten sie sogar schließen als die mittlere Primärspule noch intakt 
war. ;)

Warum sollte ausgerechnet nach Ausfall der mittleren Prim.-Wicklung nun 
auf einmal ein magn. Fluß "weggesaugt" werden können, wenn nun viel mehr 
"Ausweichraum" zur Verfügung steht?

> Die o.g. Ausführungen treffen nur für den geerdeten (bzw mit dem
> Sternpunkt des speisenden Netzes verbundenen) Sternpunkt zu.

Ich verstehe nicht, welchen Zusammenhang Du zwischen dem Betreff und der 
Erdung des Sternpunktes bzw. der Verbindung von Sternpunkten siehst.
Was hat das mit der M des Trafokernes zu tun?

von Schwachstromi (Gast)


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Freut mich, daß niemand wg. meines oben eröffneten Mangels an
Qualifikation spontan über mich hergefallen ist. ;) Zum Thema:
Ich habe nicht geringe Schwierigkeiten, zu folgen, möchte aber
einen bestimmten Punkt dennoch herausgreifen:

L. H. schrieb:
> daß im Leerlauf der Magnetisierungsstrom recht gering ist

Das kann sich nicht von 1-Phasen-Trafos unterscheiden, wobei
ich von diesen weiß, daß der Magnetisierungsstrom kaum von der
Belastung abhängt. Und damit nahezu konstant ist, aber, hierbei
der 2. Widerspruch (sozusagen), sogar bei Belastung zurückgeht
(womit natürlich auch die Aussteuerung des Kernes m.o.w. weit
absinkt).

Da bin ich 100%ig sicher, in diesem einen Punkt. Zumindest den
1phasigen Transformator verstehe ich nämlich weitestgehend.

von Schwachstromi (Gast)


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Schwachstromi schrieb:
> bei Belastung zurückgeht

Weil hierbei ein größerer Teil der Erregerspannung am ohmschen
Wicklungswiderstand "hängenbleibt" - und genau betrachtet auch,
wenn auch zu einem vergleichsweise geringen Anteil, sogar diese
Erregerspannung durch den höheren Spanungsfall an der Zuleitung
geringer werden muß, was aber vgl. mit dem erstgenanntem Effekt
normalerweise weniger stark ins Gewicht fallen wird.

von Schwachstromi (Gast)


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(Letzter Satz stimmt nur bei Kleintrafos, wo auch die Zuleitung
wenigstens bis zur Steckdose für z.B. 16A ausgelegt sein wird -
die Wicklung auf Primärseite aber angenommen mal nur für einen
Bruchteil dessen.

Wird von der Zuleitung nur 1 Trafo versorgt (Energienetz), wird's
wohl nicht ganz so zutreffen/der Satz die Gültigkeit verlieren.

Sorry.)

von Schwachstromi (Gast)


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Schwachstromi schrieb:
> Letzter Satz

Herrgott: Letzter Satzteil nach dem letzten Komma.
(Sonst versteht man das gemeinte evtl. gar nicht.)

von Lurchi (Gast)


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Das Magnetfeld im Trafo ist weitgehend unabhängig vom Strom. Es ist 
quasi durch die Spannung vorgegeben. Das Magnetfeld erzeugt eine 
Induktionsspannung die der Externen Spannung weitgehend entgegenwirkt. 
Der kleine Rest ist dann für den Strom mal Ohmschen Widerstand.
Eine Last auf der Sekundärwicklung wirkt dem Magnetfeld entgegen und 
schwächt es sogar ein kleines wenig und die Primärwicklung steuert 
entsprechend entgegen indem der Strom höher wird.

Beim Ausfall einer Wicklung macht die Schaltung schon einen großen 
Unterschied. Als Stern mit Anschluss des Mittelleiters an 0 oder als 
Dreieck bleibt die Spannung an den Primär-windungen gleich. Das ist der 
Fall den ich bisher angenommen habe. Bei Sternschaltung mit frei 
fliegendem Sternpunkt hat man ohne die 3. Wicklung dagegen nur die 
beiden  verbleibenden in Reihe (z.B. 400 V für 2 Windungen und damit 200 
V je Wicklung statt 3x230 V) und quasi einen 1 Phasen Schaltung, mit 
dann reduzierter Spannung und auch anderer Phasenbeziehung. Man dürfte 
noch ca. 200 V statt 230 V haben, aber als 1 Phase mit Mittelabgriff, 
nicht als 2 der 3 Phasen vom Drehstrom.

von L. H. (holzkopf)


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Schwachstromi schrieb:
> Freut mich, daß niemand wg. meines oben eröffneten Mangels an
> Qualifikation spontan über mich hergefallen ist.

Unter vernünftigen Diskutanten besteht keinerlei Veranlassung, 
übereinander herzufallen. :)
Daß jeder eine evtl. andere Sichtweise und unterschiedliche 
Qualifikation hat ist eh klar.
Darum geht es aber letztlich gar nicht.
Sondern viel mehr um die Bereitschaft, überhaupt an der Klärung eines 
Themas mitarbeiten zu wollen.
Was übrigens auch der Grund ist, warum ich jeden konstruktiven Beitrag 
positiv bewerte. ;)

> Zum Thema:
> Ich habe nicht geringe Schwierigkeiten, zu folgen,

Diese Schwierigkeiten hast nicht nur Du, sondern mindestens auch noch 
ich.
Denn das Thematisierte klingt an sich nach nichts Besonderem. ;)

Tatsächlich ist es aber verzwickt und auch ziemlich komplex.
Wüßte ich so genau, wie sich das wirklich verhält, hätte ich es ja gar 
nicht eröffnet.
Auch ich bin somit ein partiell Unwissender (scio nescio) und bat 
deshalb um Hilfe zur Klärung des Sachverhaltes.
Daß wir das klären können, bezweifele ich nicht.

Wir haben derzeit noch unterschiedliche Sichtweisen in manchen Punkten.
Die kann man aber revidieren, um letztlich auf einem gemeinsamen und 
v.a. auch richtigen "Nenner landen zu können".

> möchte aber
> einen bestimmten Punkt dennoch herausgreifen:
>
> L. H. schrieb:
>> daß im Leerlauf der Magnetisierungsstrom recht gering ist
>
> Das kann sich nicht von 1-Phasen-Trafos unterscheiden, wobei
> ich von diesen weiß, daß der Magnetisierungsstrom kaum von der
> Belastung abhängt. Und damit nahezu konstant ist, aber, hierbei
> der 2. Widerspruch (sozusagen), sogar bei Belastung zurückgeht
> (womit natürlich auch die Aussteuerung des Kernes m.o.w. weit
> absinkt).

Das sind alles Vorgänge, die sich erschließen lassen.
Und die auch damit zusammenhängen, was zwischen Versorgungsnetz und 
Trafo abläuft.
Klingt zunächst etwas vage, aber ich komme darauf noch zurück.
Im Zusammenhang mit dem bereits w.o.g. D-Gen. im Inselbetrieb, der den 
Trafo versorgt.
>
> Da bin ich 100%ig sicher, in diesem einen Punkt. Zumindest den
> 1phasigen Transformator verstehe ich nämlich weitestgehend.

Das ist sicher ein Vorteil; denn ein D-Trafo ist nur ein "abgespeckter" 
Trafo von drei einzelnen.
Zwar wird er etwas anders betrieben, was aber auch nichts an den 
grundsätzlichen Magnetisierungen von ihm zu verändern vermag.

Schwachstromi schrieb:
>> bei Belastung zurückgeht
>
> Weil hierbei ein größerer Teil der Erregerspannung am ohmschen
> Wicklungswiderstand "hängenbleibt" - und genau betrachtet auch,
> wenn auch zu einem vergleichsweise geringen Anteil, sogar diese
> Erregerspannung durch den höheren Spanungsfall an der Zuleitung
> geringer werden muß, was aber vgl. mit dem erstgenanntem Effekt
> normalerweise weniger stark ins Gewicht fallen wird.

Sowie:

Schwachstromi schrieb:
> (Letzter Satz stimmt nur bei Kleintrafos, wo auch die Zuleitung
> wenigstens bis zur Steckdose für z.B. 16A ausgelegt sein wird -
> die Wicklung auf Primärseite aber angenommen mal nur für einen
> Bruchteil dessen.
>
> Wird von der Zuleitung nur 1 Trafo versorgt (Energienetz), wird's
> wohl nicht ganz so zutreffen/der Satz die Gültigkeit verlieren.

Sowie:

Schwachstromi schrieb:
>> Letzter Satz
>
> Herrgott: Letzter Satzteil nach dem letzten Komma.
> (Sonst versteht man das gemeinte evtl. gar nicht.)

So ungefähr glaube ich das Gemeinte schon zu verstehen. :)
Es ist auch keineswegs so, daß Gesetzmäßigkeiten ihre Gültigkeit 
verlieren könnten.
Viel mehr ist es eher so, daß man gar nicht mitbekommt, was rasend 
schnell an Wechselwirkungen im Energienetz stattfindet.
Das ist ein ganzer "Rattenschwanz" von Ursache und Wirkung, der jeweils 
in Gang gesetzt wird.

Selbst, wenn man nur einen Kleintrafo ans Energienetz anschließt, 
reagiert es darauf, wie es auf jede Stromanforderung reagiert.
Anhand des w.o.g. Insel-D-Gen. läßt sich das auch ganz einfach erklären.

Grundsätzlich ist die klassische Erregung von D-Gen. zweiteilig 
aufgebaut:
1) Für die Grunderregung, z.B. 400V Leerlaufspannung, wird ein Teil der 
von ihm erzeugten Klemmenspannung so "abgezwackt", daß man ihn damit auf 
der Dynamoblech-Kennlinie sehr weit unten "hinlegen" kann.
(Nach der Abzwackung wird die D-Spannung gleichgerichtet und den beiden 
Schleifringen des Läufers zugeführt.)

Sehr weit unten deshalb, damit er sich bei erforderlicher 
Spannungserhöhung
(zur Kompensation von Stromanforderungen) möglichst im linear (also sich 
proportional verhaltenden) ansteigenden Bereich der Kennlinie "bewegen" 
kann.

2) Die Zusatzerregung wird der Grunderregung überlagert.
Ausgelöst wird sie durch den "gezogenen" Strom bei Belastung des D-Gen.
Dazu werden die 3 Phasen generatorintern, also noch vor seinen drei 
Außen- und der Sternklemme, als Prim.-Wicklungen über drei Einzeltrafos 
"geschleift".
Mit nur ganz wenigen Windungen.
Die Sek.-Wicklungs-Spannungen der Trafos werden gleichgerichtet und 
danach den beiden Schleifringen zugeführt bzw. auf die Grunderregung 
"aufgesattelt".

Wie das im Detail technisch gelöst wird, braucht man nicht unbedingt zu 
wissen.
Es genügt völlig, zu wissen, daß D-Gen. immer z.B. 400V Spannung unter 
allen nur denkbaren Umständen bereitstellen können.
(Insel-D-Gen. natürlich nur im Rahmen dessen, wofür sie ausgelegt sind, 
während das öffentliche Netz annähernd unendlich belastbar ist.)

Zum jetzt Geschriebenen will ich noch ein paar Sachen verlinken.
Meine Bitte an alle Diskutanten:
Gebt mir bitte die Zeit dazu ohne zu antworten. :)

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