Forum: PC Hard- und Software Nachhilfe Lipo in Headset und anderen Geräten


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von Jakob S. (jakob_s551)


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Hallo Liebe Forengemeinde,

eines vorweg: in der Regel reicht mir die Suchfunktion aus und ich muss 
keine neuen Themen erstellen. Ich hoffe ich habe hier das richtige 
Unterforum gewählt, in den anderen hätte das Thema meiner Ansicht nach 
weniger gepasst.
Falls es einen ähnlichen Beitrag bereits gibt, tut mir das leid, da war 
ich wohl leider zu blöd den zu finden.


Kurz zu mir, was dann auch gleich zum Thema führt:

Wir haben eine verhältnismäßig große Familie, 3 Kinder im Teenie-Alter 
bzw. halb erwachsen, einen Nachzügler und einen technikaffinen Papa 
(mich). Dementsprechend viele Elektronikgeräte flattern bei uns im Haus 
rum. Da ich den Nachhaltigkeitsgedanke schätze, kaufen wir vieles 
gebraucht und nicht neu, daher ist für uns die Garantie oft nicht 
nutzbar. Ich bin kein Fachmann, aber über die Jahre ist es mir gelungen 
mir einiges an Leien-Wissen anzueignen, wenn es darum geht Dinge zu 
reparieren. Das bleibt leider nicht aus, da auch immer wieder mal was 
kaputt geht. Es macht mir spaß Dinge zu repariere... ich mache bestimmt 
auch viel falsch wo ein Wissender die Hände über dem Kopf 
zusammenschlägt. Aber sei es drum :). Ich teste mich durch, probiere, 
lese usw.

Nun kommen wir zum brandheißen Eisen Lipos:

Bis her habe ich mich da nicht rangetraut, da ich mir der Gefahren 
durchaus bewusst bin. Nur ist es leider so, dass immer mehr tote Geräte 
auf meinem Tisch landen bei denen ich stark davon ausgehe, dass das was 
mit dem Akku zu tun hat. Ich habe nicht vor irgendwelche toten Akkus 
wiederzubeleben und unser Haus abzufackeln. Mir geht es mit diesem 
Beitrag eher darum die Thematik zu verstehen, um die Fehler zu finden. 
Und sollte mal etwas passieren, achte ich im Vorhinein penibel darauf, 
dass kein Brand entstehen kann oder es für mich gefährlich wird.

Auslöser dieses Beitrags sind zwei identische Wireless Headset, welches 
ich gerne wieder flott machen würde. Da es mir echt in der Seele blutet 
diese in die Tonne zu werfen würde ich die Thematik Lipo gerne etwas 
besser verstehen.

Folgender Sachverhalt hat sich eingestellt:

Beide sind komplett tot. Sowohl am Kabel als auch ohne Kabel. Keine 
Reaktion. Nehmen wir für folgende Fragen mal an die Hauptplatinen haben 
keinen Defekt.

Diese Headsets haben (wie fast alles andere was ich irgendwann mal 
geöffnet habe) einen 3,7V Lipo Akku.
Drei Kabel gehen weg. Plus, Minus, und Temperatur. An dem Akku selber 
ist immer noch eine kleine Platine gelötet.

Ich stelle mal ein paar grundlegende Fragen die, sofern sie beantwortet 
werden vielleicht zur Lösung des Problems führen und Missverständnisse 
meinerseits aufdecken.

1)
Welchen Zweck hat diese Platine wirklich? Dient diese nur dem 
Tiefenentladungsschutz?
Kommuniziert das Headset mit dem Akku oder greift das nur irgendwelche 
Daten read only ab?  (Ich gehe davon aus, dass jeder Hersteller das 
änderst löst und man nur schwer eine pauschale Aussage treffen kann, 
aber da es wirklich oft sehr ähnlich aussieht denke ich, dass es da ein 
paar Grundgedanken dazu gibt die mir helfen die Thematik zu verstehen)

2)
Ist die Ladeelektronik in der Platine des Headsets oder am Akku? (Falls 
man das so pauschal sagen kann)

Ich hab den Akku abgesteckt, die Spannung gemessen und 0 Volt abgelesen. 
Dies würde für mich bedeuten, dass der Tiefenentladungsschutz greift 
(oder andere Defekte) und der Akku für mich als defekt einzustufen wäre. 
Nun habe ich einen winzigen Schnitt ins Kapton gemacht um direkt am Akku 
zu messen. Einmal 3,52 und einmal 3,4 Volt. Das sind zwar keine 3,7V 
aber für mich ist das keine Tiefenentladung. Ist das Korrekt?

Mir ist beim werkeln ein Fehler passiert (da ich beide parallel auf dem 
Tisch hatte) als ich  testhalber versucht habe ein Headset über mein 
Labornetzteil zu bestromen. (um zu erfahren ob es irgendeine Reaktion 
zeigt) Dabei hatte ich vergessen den Akku abzustecken. Also denke ich, 
dass ich ein Stück geladen habe.
Lustigerweise zeigt dieser nun am Stecker wieder eine Spannung von 3,6V 
an. Auch an der Platine liegt Spannung an, alles bleibt aber tot. Um 
sicher zugehen, dass ich nichts gegrillt habe, habe ich den Akku und 
Platinen durchgetauscht. Immer noch tot.


Um den Fehler etwas einzugrenzen habe ich interessehalber einen anderen 
Lipo genommen (anderes Gerät) und diesen mit Krokodilklemmen bzw. Kabeln 
and das Headset geklemmt. Dieser hat ebenfalls 3,7V und laut Aufdruck 
auch einen Pin 3 für Temperaturinfos. Leider blieb das Headset immer 
noch tot. Ich konnte aber an der Platine des Headsets ebenfalls wieder 
diese Spannung abgreifen. Das führt mich zu frage 3)



3)
Für den Fall, dass ich den Akku tausche, muss ich exakt den gleichen 
Kaufen?
Leider kann ich weder in Europa noch in Asien einen Ersatz-Akku finden.
Wenn ich einen ähnlichen finde, mit den selben Daten und einem 
Temperatur-Pin,(wie oben beschrieben) kann ich davon ausgehen, dass das 
funktioniert?

4)
Wo in dem System ist ein "Akkufehler" gespeichert. Wird sowas überhaupt 
gespeichert? Ich hatte schon öfters Geräte, die 0V am Akku angezeigt 
haben, wo ein Akkutausch aber nichts gebracht hat. Macht es überhaupt 
Sinn den Akku dann zu tauschen oder sind solche Geräte dann 
totprogrammiert?


5) Wäre es möglich (unter Berücksichtigung der Gefahren), die Platine 
welche am Akku hängt an einen anderen Lipo zu löten um Kompatibilität 
herzustellen? Bringt das überhaupt etwas, weil an sich sagt ja gerade 
diese Platine, dass ein Defekt vorliegt.

6) Eine technische Frage abseits der Lipo-Thematik: Ich habe die Kabel 
im Bügel durchgemessen um Kabelbruch oder scheuernde Kabel 
auszuschließen.
Bei der Durchgangsprüfung ist mir aufgefallen, dass ich an der Platine 
von Plus zu Ground zu Temp-Signal Durchgang angezeigt bekomme. 
Allerdings nur, wenn ich die Prüfspitzen verkehrt an die Kontakte 
bringe. Woran liegt das?


7) Wie würdet Ihr an solche Probleme rangehen?


Ich danke euch für jede konstruktive Antwort und jeden konstruktiven 
Input.
Ich wiederhole es zum Abschluss nochmal: Ich bin mir der Gefahr bewusst 
:-)

von Jens M. (schuchkleisser)


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1)
Kuck die Platine an. Da ist zu 99% ein DW01 im SOT23-6 und ein TSSOP8er 
FET drauf, das ist nichts weiter als ein Tiefentladeschutz mit 
Überladeschutz und Überstromschutz.
Standard-Akkuschützer für 3ct, aber nur als absolute Notbremse.

2)
Normal sollte der Lader im Headset sein. Es gibt sparwütige 
größenwahnsinnige Hersteller, die stumpf 5V (mit Glück mit einem 
Widerstand) an den Akku anlegen und den Brandschutz von 1) die Arbeit 
machen lassen.

Die 0V am "Batterieanschluss" sagen dir, das der Tiefentlade- oder 
Überstromschutz angeschlagen hat.
Die 3,xV am Akku sagen dir, das die Zelle wohl noch was kann, und 
richtig erkannt: durch kurzes anladen wird der Schutz wieder 
zurückgesetzt.
Wenn das Headset trotz 4V vom Netzteil am Akkuanschluss nix macht ist es 
allerdings im Eimer.

3)
Größe, Entladerate und Kapazität sollten etwa passen.
Du kannst eine nackte ungeschützte Zelle mit ähnlichen Maßen kaufen und 
den Akkuschutz transplantieren, dann hast du auch gleich den passenden 
Stecker.
Bzgl. der Entladerate kann die geschätzte Batteriedauer und die 
aufgedruckte Kapazität ein Anhaltspunkt sein.

4)
Gibt's so und so.
Wenn du den NTC simulierst und 4V aus dem Netzteil dransteckst weißt du 
Bescheid.

5)
Ja, siehe oben.

6)
Wer misst, misst Mist.
Du testest in einen IC-Eingang oder so, und der hat Dioden gegen die 
Betriebsspannung, als ESD-Schutz.
Verfolge die Leiterbahn auf der Akkuplatine, dann weißt du was die 
Schaltung sehen will.

7)
- Netzteiltest
Wenn positiv, also Stromaufnahme und Funktion OK:
- Ersatzakku nach Maß kaufen
- Schutz transplantieren
- Yaaay

von Jakob S. (jakob_s551)


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Super. Danke für die schnelle Antwort.

Funktioniert der Netzteiltest immer trotz leerem Datenpin?

Habe vor Jahren mal, als ich noch kein Labornetzteil hatte, einen Lipo 
nachgekauft.
Dieser hatte nur +-. Hat nicht geklappt. Mit dem originalen Ersatz hats 
dann aber funktioniert.

von Jens M. (schuchkleisser)


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Das ist in der Regel ein NTC, manchmal auch einfach als Fake 10k 
Festwiderstand gegen GND.
In den seltensten Fällen ist das tatsächlich was "Datiges".
Kann auch sein, das es ein 2S-Akku ist und der dritte ist der 
Mittelabgriff, aber in deinem Fall wohl nicht.

Und am Geräteende gibt es auch beides.
Manche wollen den Widerstand sehen ("Der Akku ist nicht zu heiß/zu 
kalt"), manchen ist es egal, man hat einfach einen Akku genommen den der 
Chinese gerade loswerden wollte.

Von daher:
Der Netzteiltest der den Akku simuliert muss gehen, spätestens wenn der 
dritte Pin passend beschaltet wird.
Wie, kann man am besten sehen wenn man die Akkuplatine mal unter der 
Lupe ansieht.
Ganz hart kann man die Zelle ablöten und dem Schutzdings 4V aus dem 
Netzteil geben, allerdings muss man dann vermutlich einmal kurz anladen, 
damit die Sicherung gegen Tiefentladen zurückgesetzt wird.
Der "Akku" hat dann ~4V an seinem Stecker, der dritte Pin ist original, 
das muss gehen.

von Nano (Gast)


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Jakob S. schrieb:
> Ich danke euch für jede konstruktive Antwort und jeden konstruktiven
> Input.
> Ich wiederhole es zum Abschluss nochmal: Ich bin mir der Gefahr bewusst
> :-)

Quick & Dirty aber relativ sichere wieder Inbetriebnahme geht so:
LIPO + deren Ladeelektronik abtrennen und das Gerät mit der Spannung und 
dem Strom aus NiMH Akkus oder per USB Angeschlossene PowerBanks 
versorgen.

Dazu also nach dem Abtrennen des Lipos ein Kabel mit Spannungs- oder 
Stromregler anlöten, das entweder zu AA Batterihaltern führt oder die 5 
V von USB erwartet.

Der Nachteil ist dann halt, dass die nicht mehr so ergonomisch sind, 
wenn jetzt plötzlich ein paar schwere NiMH Batterien um den Gürtel 
geschnallt werden müssen und ein Kabel rumbaumelt.

Netzstrom würde ich bei Kopfhörern nicht verwenden. Die InEar Knopf 
Kopfhörer können durchaus Strom führen, wenn die selber schon etwas 
kaputt sind und meistens sind sie das nach jahrelanger Nutzungszeit.

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