Konsequenzen Unterschreitung Abstände nach 60644

Gast #6561905
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Hallo Zusammen

ich stelle mir gerade die Frage was das Unterschreiten der 
Isolationsabstände im Sinne einer Funktionsisolierung aus der 60644 für 
(nicht) technische Konsequenzen bei kommerziellen Produkten hat.


Mir kommen bisher folgende Szenarien in den Sinn:

1) Bei Sicherheitsbetrachtungen muss man bei Unterschreitung annehmen, 
dass hier ein Isolationsversagen (Kurzschluss) NORMAL CONDITION ist und 
kein Fehler.

2) Im Falle einer Gewährleistung (nach 12 Monaten) könnte man hier dem 
Hersteller nachweisen, das sein Produkt nicht dem Stand der Technik 
entspricht und es deswegen einen Defekt gegeben hat. Gibt es sicherlich 
häufig, dass Widerstände verwendet werden, welche zwar im Datenblatt ein 
Betriebsspannung x angegeben haben allerdings aufgrund ihrer 
Kriechstrecke nur <x eingesetzte werden dürfen.

Das ganze ist mir gerade in den Sinn gekommen, da ich eine Schaltung 
entwickle, welche eine Spannung im Bereich 300V schaltet. Hier habe ich 
mir Transistoren nach ihrer Spannungsfestigkeit herausgesucht. Hier 
findet sich alles von SOT-23 aufwärts. Aber selbst D-PAK erfüllt die 
Kriechstreckenanforderung ohne Schutzlack nicht.

Dann habe ich mir einfache Widerstände wie 0402 angeschaut. 
Betriebsspannung 50V Kriechstrecke zwischen Pads 0,35mm. Materialgruppe 
III da unbekanntes Material.
https://www.vishay.com/docs/28705/mcx0x0xpro.pdf

Das würde bei Verschmutzungsgrad 2 noch nicht mal für 10V reichen.

https://mdcop.weidmueller.com/mediadelivery/asset/900_84820?_gl=1*ptaflf*_ga*MTY3MjE2NTIyLjE2MTE1MjQwMjI.*_ga_GDEZ6DHKBZ*MTYxMTUyNDAyMS4xLjAuMTYxMTUyNDAyMS4w

https://www.weidmueller.de/de/produkte/verbindungstechnik/leiterplattenklemmen_und_steckverbinder/luft_und_kriechstrecken.jsp

Ich gehe aber Stark davon aus, das die wenigsten sich darüber Gedanken 
machen. So wie ich bis jetzt.

Wie seht ihr es? Habt ihr schon einmal in dem Bereich Erfahrung sammeln 
können?
Gast #6561923
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Quarksalber schrieb:
> ... Kriechstreckenanforderung ohne Schutzlack nicht.

Für den Schutzlack gilt eine Haltbarkeit von 5J. Daher ist das ein guter 
Grund  ein solches Gerät nach fünf Jahren defekt wird und sich keiner 
mehr findet so etwas zu reparieren, wegen möglicher Haftung. So wird es 
vermutlich weiter laufen. Schweigen ist Gold, reden ist Silber. Aber 
nach dem Namen, den Du hier Dir gabst, weißt Du das sicher selber schon.
#6561926
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Quarksalber schrieb:
> Hallo Zusammen
>
> ich stelle mir gerade die Frage was das Unterschreiten der
> Isolationsabstände ...

Das ist dann der Punkt, wo bedrahtete Bauteile ihr Daseinsberechtigung 
bewahren.

Im Zweifel kann man eine Kriech- zur Luftstrecke machen, in dem ein 1mm 
Schlitz gesetzt wird. Das setzt aber voraus, dass die Kriechstrecke über 
das Bauteil selbst lang genug ist.
Gast #6561929
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Das mit den 5J ist ein guter Punkt.

Dann wird das Unterfangen hier ein ordentliches Produkt in die Welt zu 
setzen noch etwas schwieriger. Bisher habe ich noch gedacht mit einem 
kleinen Obulus fürs Beschichten was ordentliches mit einer 
Gebrauchsdauer größer 10 Jahre hin zu bekommen.

Konsequenterweise müsste man in der Bedienungsanleitung die 
Gebrauchsdauer auf die Haltbarkeit des Schutzlack einschränken wenn 
davon die Sicherheit des Produktes abhängt. Das habe ich aber auch noch 
nirgendwo gesehen, obwohl es das doch zu hauf geben sollte.

Müsste das dann nicht auch der nette Onkel von der UL bei der 
Zertifizierung fordern, wenn man Schutzlacke einsetzt?!?!
#6561949
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Statt eine von Haltbarkeit und Wirkung her fragwürdige Beschichtung 
aufzutragen, bliebe z.B. die Alternative des Vergießens.

Kriechstrecken in kritischen Bereichen der Platine lassen sich z.B auch 
durch Schlitzfräsungen drastisch verlängern, so daß weitere Maßnahmen 
ggf. überflüssig werden.
Das setzt natürlich voraus, daß die verwendeten Bauteile zwischen ihren 
Anschlüssen genügende Kriechstrecken aufweisen.
#6562299
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Quarksalber schrieb:
> Das kuriose ist, das D-PAK und Konsorten eigentlich passen würden, wenn
> die Hersteller den Kollektor-Leadfframe nicht rausgucken lassen würden
> und damit die schöne Kriechstrecke kaputt machen würden.

Ich hab da auch gestaunt, ein MOSFET für 1500V im TO-220 mit <1mm 
zwischen Gate und Drain. Wie soll man den verwenden?

Ich setze jetzt den SCT2750NYTB ein, der hat keinen Stummel zwischen 
Gate und Source. "Long creepage distance with no center lead"
Gast #6562804
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Peter D. schrieb:
> Ich setze jetzt den SCT2750NYTB ein

Es scheint Hoffung zu geben. Muss ich wohl noch weiter suchen. Sind dir 
bei deiner Recherche noch mehr Typen ohne den Stummel über den Weg 
gelaufen?

Bauform B. schrieb:
> Reicht es vielleicht, wenn man das Material berücksichtigt?

Bei den kleinen Spannungen macht die Materialgruppe keinen Unterschied 
mehr.
Bei höheren Spannungen könnte man noch etwas rausholen, aber selbst 
Materialgruppe I mit 1,6mm sind schon hohe Anforderungen an ein 
Transistorgehäuse.

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