TQFP144 Gehäuse : Leiterplatte JLCPCB HASL oder ENIG

Gast #6576450
Hallo,
ich möchte bei JLCPCB eine Leiterplatte bestellen, auf die u.a. ein MCU 
im TQFP144 Gehäuse mit 0,5mm Pinabstand gelötet werden soll.
Handlöten !

Ist das bei HAL (verbleit) möglich oder sollte ich besser die wesentlich 
teurere ENIG Version nehmen?

LG Dirk
Gast
Ich habe tausende solcher Dinger verlötet und seit über 30 Jahren nicht 
eine einzige Leiterplatte in ENIG fertigen lassen.
Das scheint also zu gehen. Gleich kommt natürlich jmd um die Ecke, der 
dir sagt, dass du auf gar keinen Fall HAL machen darfst.
Die Entscheidung bleibt also voll bei dir hängen.
Gast
Dirk F schrieb:
> Gehäuse mit 0,5mm Pinabstand gelötet werden soll.
> Handlöten !

Genau das habe ich kürzlich mit einem ATmega3209 gemacht, der hat zwar 
96 Pins weniger aber das macht es am Ende auch nicht mehr schlimmer. 
0,5mm Rastermaß, Platine mit PB HAL von JLC. Handgelötet mit Hohlkehle, 
0,8mm Lot und Flussmittel-Gel, einwandfrei!
Ich nutze dazu auch die ganz normalen Footprints für den SMD Reflow 
Prozess, also keine besonders langen/breiten "handlöt-freundlichen" 
Pads. Damit hatte ich nämlich bisher mehr Probleme als ohne.
Gast
Beim Handlöten ist HAL völlig unproblematisch, auch bei Finde Pitch. 
Beim maschinellen Bestücken kann es zu erhöhter Nacharbeit führen, 
weshalb es die meisten Dienstleister nicht so gerne sehen. Grund ist, 
dass beim HAL Verfahren die Oberfläche leichte Unebenheiten aufweist. 
Spätestens BGAs gehören aber auf eine glatte Oberfläche, chemisch Zinn 
oder Gold.
Gast
> Beim maschinellen Bestücken kann es zu erhöhter Nacharbeit führen,
Bei mir funktioniert es tadellos.

> dass beim HAL Verfahren die Oberfläche leichte Unebenheiten aufweist
Das ist gegenüber der Dicke der aufgetragenen Lotpaste (100-150 µm) 
absolut unerheblich.
Gast
> dass beim HAL Verfahren die Oberfläche leichte Unebenheiten aufweist
Bei Billigtsware aus xyz-stan? Bei meinem Lieferanten (Microcirtec) ist 
da alles glatt und eben.
Gast
Eben noch mal nachgesehen: beim genannten Hersteller bleibt die 
HAL-Schichtdicke (und damit die maximale Unebenheit) unter 10 µm. Für 
jegliches TQFP und bei einer Schablonendicke von 100 µm sehe ich da 
keine Probleme.
Vor ca 20 Jahren gab es in der Tat Leiterplatten mit wild aussehenden 
HAL-Oberflächen. Einer dieser Lieferanten ist vor meinen Augen zumindest 
als Lp-Hersteller untergegangen. Eigene Aussage: "Unsere Maschinen sind 
zu alt, wir geben es auf".

Bei hochpoligen Finepitch-BGA geht HAL dann im Sinne der 
Prozesssicherheit allerdings tatsächlich nicht mehr.
(Firma: Schweigstill IT) Persönliche Seite
Bei Handlötung mag ich HAL sogar wesentlich lieber als ENIG, da die 
kleine Lotmenge beim Ausrichten größerer Bauelemente (TFTP o.ä.) dafür 
ausreicht, einen Pin mit dem Lötkolben kurz anzutippen und damit auf der 
Leiterplatte vorläufig zu fixieren. Außerdem zerfließt Lot auch sofort 
auf dem ganze Pad, wohingegen man bei ENIG oft das Pad noch benetzen 
muss.

Einen zu dicken Lotauftrag habe ich bei HAL schon ewig nicht mehr 
erlebt. Einer der Hersteller, die HAL gut beherrschen, wurde ja schon 
erwähnt: Microcirtec. Irgendwann schwärmte mir nämlich mal ein 
Vertriebler am Telefon vor, dass deren neue (~2011?) Verzinnungsanlage 
so viel Wumms im Gebläse habe, dass dort nichts mehr zurückbleibe.

Der einzige echte Nachteil von HAL sind leicht ungleichmäßige Lotmengen 
in Bohrlöchern, so dass HAL für Einpressverbinder nicht wirklich 
geeignet ist. Für Prototypen habe ich aber auch schon Leiterplatten mit 
etwas größeren Bohrlöchern bestellt und die Einpressverbinder dann eben 
eingelötet.

Früher(tm) hatten HAL-Leiterplatten jedoch tatsächlich so viel Lot, dass 
man sich manchmal beim Bestücken das Lötzinn hätte sparen können. Da 
wäre es unmöglich gewesen, ein TFTP, QFN oder gar BGA zu bestücken.
Gast
Wieso JLCPCB? Für kleinere Stückzahlen und Platinengrössen ist 
aisler.net und oshpark.com mindestens so preiswert - kommt aber mit ENIG 
(und im Falle von aisler auch mit schnellerer Produktions- und 
Lieferzeit)
Gast
> Der einzige echte Nachteil von HAL sind leicht ungleichmäßige Lotmengen
> in Bohrlöchern, so dass HAL für Einpressverbinder nicht wirklich
> geeignet ist.
Einspruch Euer Ehren! Microcirtec bietet auch engere Toleranzen für HAL 
und Einpressverbinder an (also 1,0 +0,1/-0,06 z.B. für DIN 41612). Ich 
hatte zur Erprobung der Einpresserei aber mal eine von den normalen 
Einlötrückverdrahtungen hergenommen und vorher mit Lehrdornen 
(ausgesuchter Spiralbohrer mit 0,97 und Dosiernadel mit 1,05) alle 
Löcher untersucht. Ergebnis: der Spiralbohrer passte immer durch (gut) 
und die Dosiernadel nur in Ausnahmefällen bzw mit Klemmung (gut).
Stichproben an ca 20 weiteren Rückverdrahtungen liefen ebenfalls gut 
durch.
Das hat mich sehr beeindruckt.
Gast
Hallo,
danke für die zahlreichen guten Hinweise.
Also habe eben bei JLCPCB bestellt.
Aber mit den Versandkosten kommem ich nicht zurecht. Siehe Anlage.
Bezahlt habe ich noch nicht und werde stornieren....
Angehängte Dateien:
Gast
Gut, DHL Express macht bei privat sowieso nur mit DDP oder 
Einzugsermächtigung Sinn, anderenfalls freuen sich die Damen und Herren 
darüber dir eine Kapitalbereitstellungsprovision in Rechnung stellen zu 
können.

Europacket scheint ebenfalls DDP zu sein, bloß wird kein einzelnes Paket 
verzollt, sondern eine große Menge an Bestellungen im einem und diese 
mittels eines Verteilers innerhalb Deutschlands einzeln versendet. Ob da 
Zolltechnisch alles korrekt abläuft kann wohl niemand sagen, Fakt ist, 
das keine Probleme mit Zoll zu erwarten sind, weil die Lieferung nicht 
direkt aus China für dich zugestellt wird. Denkbar wäre auch ein Import 
in ein anderes EU-Land mit niedrigeren Einfuhrabgaben als weiteren 
Zwischenschritt.
Dirk F schrieb:
> Hallo,
> danke für die zahlreichen guten Hinweise.
> Also habe eben bei JLCPCB bestellt.
> Aber mit den Versandkosten kommem ich nicht zurecht. Siehe Anlage.
> Bezahlt habe ich noch nicht und werde stornieren....

Solange du noch nicht bezahlst hast passiert da nichts. Wenn du ganz auf 
Nummer sicher gehen möchtest kontaktiere den Support, danach bestellste 
neu mit Europacket.
Gast
Hallo,
habe heute (am Sonntag) eine Antwort vom Support bekommen.
Das klappt schon mal gut.

Bestellung habe ich gelöscht (Das Icon Papierkorb ist echt klein)  und 
habe dann mit Versandoption Europapaket neu bestellt.
Versandkosten ca 9 Euro, das ist OK.
ich versuche wieder schrittweise von ENIG auf HASL umzusteigen
(aktuell versuche ich, wie es beim QFN64 funzt)

Gründe:
weils billiger ist, meist 1AT schneller geht, besser benetzt
Hauptgrund aber die Angst vor black Pads, von denen ich schon einige 
gesehen hab :-(
ENEPIG ist mir zu teuer
unsere waren von ALLPCB lässt aber glaub ich auch bei JLCPCB fertigen.
Aber auch bei MultiCB gabs schon welche.
Ich weiß erst seit ca 1Monat genau was das ist, früher haben wir einfach 
gedacht, Produktionsfehler und nachgelötet.
Gast
Bürovorsteher schrieb:
> Einer dieser Lieferanten ist vor meinen Augen zumindest
> als Lp-Hersteller untergegangen. Eigene Aussage: "Unsere Maschinen sind
> zu alt, wir geben es auf".

War das zufällig Mittelstädt?


Andreas S. schrieb:
> Der einzige echte Nachteil von HAL sind leicht ungleichmäßige Lotmengen
> in Bohrlöchern, so dass HAL für Einpressverbinder nicht wirklich
> geeignet ist. Für Prototypen habe ich aber auch schon Leiterplatten mit
> etwas größeren Bohrlöchern bestellt und die Einpressverbinder dann eben
> eingelötet.

Genau davor (dem Einlöten von Pressverbindern) bin ich mal eindringlich 
von einem bekannten roten Hersteller (u.a. auch von Einpressverbindern) 
gewarnt worden.

Der Grund: Die Verpressung erzeugt eine Kaltverschweißung zwischen 
Verbinder und Cu-Schicht der Leiterkarte mit sehr niedrigem 
Übergangswiderstand. Eine Lötverbindung schafft so geringe 
Übergangswiderstände nicht, und kann in der Folge die Ströme, die für 
den Stecker angegeben sind, nicht mehr tragen.
Gast
Also kurzer aktueller Stand:
Habe 2 Lieferungen von JLVPCB mit HAL verbleit bekommen.
Das Handlöten des TQFP144 hat prima geklappt.
Auch sonst war die Qualität 1A.

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