Forum: Mechanik, Gehäuse, Werkzeug Abstand zwischen zwei Kunststoffteilen?


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von Niine (Gast)


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Hallo zusammen,

ich möchte ein Gehäuse aus Kunststoff demnächst per Spritzguß 
herstellen.
Es besteht aus zwei Teilen (Oberseite / Unterseite). Diese werden dann 
zusammen mit der Platine verschraubt.

Damit die beiden Kunststoffteile gut ineinander sitzen, wollte ich das 
Unterteil quasi als "Rahmen" für das Oberteil nutzen. Anbei ein Bild wie 
ich mir das vorgestellt habe. Das sieht man ja auch häufig bei 
Kunststoffteilen.

Nun frage ich mich aber wieviel Platz man zwischen der Passung (nennt 
man das so?) lassen muss, damit es schön passt. Ist 0,2mm gut?

Wie nennt man sowas? Gehört das zum  Begriff Passungen? Ich würde mich 
gern weiter dazu bilden, aber mir fehlen dazu einfach die richtigen 
Suchbegriffe.

Vielen Dank,
Niine

von My2cents (Gast)


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Das was du per Design an Luft einplanst ist eher „Spiel“. Da kommt aber 
noch die Tolranz des Spritzteils dazu, die je nach Güte der Form und 
können des Spritzers, ganz vorne aber nach Konstruktion des Teils 
unterschiedlich ist. Vielleicht postest du mal das ganze Teil ob es 
überhaupt Spritzgussgerecht konstruiert ist. An sich ist so ein 
Überlappt eine gute Idee. 0.2mm ist auch in Ordnung.

Ich denke du könntest eher Probleme mit Verzug haben!

von Niine (Gast)


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My2cents schrieb:
> Das was du per Design an Luft einplanst ist eher „Spiel“. Da kommt aber
> noch die Tolranz des Spritzteils dazu, die je nach Güte der Form und
> können des Spritzers, ganz vorne aber nach Konstruktion des Teils
> unterschiedlich ist. Vielleicht postest du mal das ganze Teil ob es
> überhaupt Spritzgussgerecht konstruiert ist. An sich ist so ein
> Überlappt eine gute Idee. 0.2mm ist auch in Ordnung.

Danke :-)
Sonst arbeite ich noch dran, sollte aber Spritzgußgerecht konstruiert 
sein mittlerweile. Ich lese gerade noch das Buch von Rainer Dangel 
"Spritzgießwerkzeuge für Einsteiger", da habe ich schon viele Dinge 
gelernt was ich an dem Teil anwende. Wirklich tricky das gut 
hinzubekommen :-D

My2cents schrieb:
> Ich denke du könntest eher Probleme mit Verzug haben!

Das wird ja dann bei der Werkzeugberechnung / Simulation mit beachtet, 
oder?

Danke dir :-)

von Sebastian S. (amateur)


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Kann Dir Dein Hersteller überhaupt diese Toleranzen garantieren?
Auf dem Papier ist das ja überhaupt kein Problem.

von MaWin (Gast)


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Niine schrieb:
> Ist 0,2mm gut?

0 ist gut.

Der Spritzgussformhersteller kalkuliert die Schrumpfung deines Materials 
bei der angegebenen Dicke ein, macht also sogar -0.1

Wenn es leichte Verwerfungen gibt, ist es ja genau sinnvoll, dass sich 
die beiden Teile passend zueinander hindrücken.

Die innere Schulter darf 0.2 niedriger sein, damit sich aussen 
garantiert kein Spalt bildet.

von Hospitant (Gast)


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Wie groß ist denn Dein Gehäuse insgesamt?
Große ebene Flächen (Deckel und Boden) versucht man aufgrund der 
Verzugsproblematik meist zu vermeiden und bombiert die Flächen daher 
leicht, die Doppelpassung hat MaWin ja bereits angesprochen.

Die Anbindung der Schraubdome an die Wandungen wäre vielleicht noch 
interessant, sowie die Ausführung des Doms an sich. Du möchtest 
sicherlich gewindeformende Schrauben verwenden, nicht dass die Dome dann 
bei der Verschraubung platzen...

von L. H. (holzkopf)


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Hospitant schrieb:
> ...
> Die Anbindung der Schraubdome an die Wandungen wäre vielleicht noch
> interessant, sowie die Ausführung des Doms an sich. Du möchtest
> sicherlich gewindeformende Schrauben verwenden, nicht dass die Dome dann
> bei der Verschraubung platzen...

Oder womöglich beim Oberteil abreißen, weil sie dort nicht massiv
(= hochstegig) genug ausgeführt sind. :)

Die Schraubdome bzw. deren horizontale Flächen können wir letztlich als 
die Fixpunkte verstehen, an denen das Ober- und Unterteil des Gehäuses 
zusammen gezurrt wird.

Wie viele solcher Fixpunkte angedacht sind, wissen wir bisher nicht.

Was wir aber wissen ist, daß Hochstegigkeit in Verbindung mit sie 
aussteifenden Elementen, z.B. Schraubdomen, auch ganz gute Trägheits- 
bzw. Widerstandsmomente erbringen kann.
Besonders dann, wenn (nicht nur hier) Materialverdickungen an 
Stoß-Stellen vorhanden sind.

Weshalb man durchaus auch daran denken könnte, die Stoßstelle nicht wie 
eingangs dargestellt zu gestalten, sondern so, daß der Stoß über die 
volle Materialstärke erfolgt.

Wobei die Zentrierung zwischen Ober- und Unterteil auch dadurch 
realisiert werden kann, daß mittig im Oberteil (außer an allen 
Verschraubungs-Fixpunkten, die flächig sein müssen) eine 60°-Nut 
vorhanden ist, in welche die über das Unterteil mittig herausragende 
"Gegenspitze" beim Verschrauben "einrastet".

Was am Gehäuse-Stoß sozusagen eine Art sich selbst zentrierende 
"Nut-/Feder-Verbindung" wäre, die auch Verzug von Spritzgußteilen 
kompensieren kann.

@Niine:
Die solidesten Gehäuse-Verbindungen (bei Thermoplasten) sind diejenigen, 
bei denen die Verschraubungs-Dome nicht in die Gehäusewand integriert, 
sondern etwas neben ihr nur per Stegen mit ihr verbunden sind.
Wenn Du das bzgl. Einbindung der Platine machen kannst, dann mach es so.

Und wenn Du es richtig gut machen willst, dann mach es so, daß Du beim 
Unterteil am oberen Ende von Domen einen Stützring aus Metall 
überschieben kannst.
Eine kurze Hülse von ca. 3mm Höhe mit Wandstärke von ca. 1mm reicht dazu 
völlig aus.
Metall ist im Prinzip egal, wenngleich St am besten verfügbar ist.

Denn das ist die eigentliche "Schwachstelle" bei allen derartigen 
Gehäuse-Schraub-Verbindungen:
Beim Einschrauben von selbst gewindeschneidenden Schrauben, neigen Dome, 
die keinen Stützring aus Metall haben, beim Anzug der Schrauben zum 
Aufplatzen.

Ist von den allermeisten in Umlauf befindlichen Produkten her bekannt.

Wählst Du die Dome separat angeordnet, kannst Du natürlich auch das 
Nut-/Feder-Verbindungsprinzip am gesamten Stoß-Umfang uneingeschränkt 
und durchgehend realisieren.

Kannst Du die Schrauben, dank Metall-Stützringen auch entspr. 
"anknallen" kannst Du dadurch auch Längsverzug von Spritzgußteilen 
kompensieren.


Anders als bei Duroplasten wirst Du bei Thermoplasten immer einen Spalt 
an den Gehäuseteilen haben.
Aber auch der läßt sich minimieren bzw. kaschieren. ;)

Wobei Deine eingangs angedachte Möglichkeit die schlechteste aller ist:
Wenn überhaupt ein in beide Teile "übergriffiger" Stoß, dann eher doch 
wohl einer, bei dem ein Teil beidseits über das andere 
übergreift/überschiebbar ist. :)

Denk bitte einfach mal darüber nach, wo die Stärken vom Spritzguß bzgl. 
Gestaltungsmöglichkeiten von ihm liegen.
Aus meiner Sicht sind diese unschlagbar gut:
Heißt - Du könntest auch noch daran denken, die Platine zur 
Stabilisierung des Gehäuses mit einzubeziehen.

Evtl. sogar anstatt von Metallstütz-Ringen an den (unteren) Domen der 
Verschraubung.
Wenn die Platine aus Epoxy (1,5mm) ist und Du die Stege der Dome etwas 
weiter nach innen verlegen könntest, taugt auch das hinreichend genug, 
um das Aufplatzen der Dome beim Anzug der Schrauben unterbinden zu 
können.

Das alles sind nur wenige gedankliche Anregungen dazu, was alles möglich 
ist.
Sei Dir bitte nur hauptsächlich dessen bewußt, daß Spritzguß nahezu 
unbeschränkte Freiheitsgrade liefern kann.
Und versuch diese für Dein Vorhaben bestmöglich ALLE nutzbar machen zu 
können.
Karl Valentin:
"Man muß verkehrt herum denken können". :D

von MaWin (Gast)


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L. H. schrieb:
> Die solidesten Gehäuse-Verbindungen (bei Thermoplasten) sind diejenigen,
> bei denen die Verschraubungs-Dome nicht in die Gehäusewand integriert,
> sondern etwas neben ihr nur per Stegen mit ihr verbunden sind

Nö.

Das macht man, damit sich auf der Aussenhaut nicht das Abbild des 
Schraubdoms als Delle abbildet, wegen Schrumpfung der sonst dort 
grösseren Wandstärke..

L. H. schrieb:
> Man muß verkehrt herum denken können

Man sollte vor allem sachlich richtig denken.

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