Liebe Besserwisser,
moderne NF-Verstärker werden ja meist mit Differenzverstärker als
Eingangsstufe gebaut, teilweise mt Stromspiegel, da muß dann kompensiert
werden und es gibt Schwingneigung.
Angeregt durch einen anderen Beitrag hab ich mir einen symmetrischen
Verstärker ausgedacht, der ohne Kompensation und ohne
Differenzverstärker auskommt. Nicht lachen, die paar Bauelemente mit
Namen waren die im LTSpice grad verfügbaren, bei Mosfets gibts da
tausendfach bessere. Ich wollte nur das Funktionsprinzip simulieren.
Ist das ein praktikabler Ansatz, und wenn ja warum nicht?
Feuer frei..
Helge schrieb:> Feuer frei..
Der Simulator rechnet mit exakten Bauteilen. Im Realen driftet Dir der
Verstärker davon. Das ließe sich aber mit einer zusätzlichen
Rückkopplung mit einer Reaktionszeit von über einer Sekunde beheben.
Das Prinzip der Rückkopplung ähnelt dem der Edwin-Endstufe.
In einem Aufbau gehören natürlich D1+Q1, D2+Q2 usw. dicht zueinander.
Gegenkopplung ist drin über R22 auf 45x.
Bei schaltplänen für Edwin finde ich nur Differenzverstärker.
Helge schrieb:> bei Mosfets gibts da> tausendfach bessere.
Nicht so ohne weiteres.
Die müssen schon für Linearbetrieb geeignet sein.
In Deiner Schaltung ist der Ruhestrom der Endstufe nicht einstellbar.
Die Strombegrenzung in der Endstufe ist für die Katz. Wenn, dann muß da
ein SOA-Schutz rein. Die beiden Dioden MUR460 sind überflüssig wie ein
Kropf.
Der schreckliche Sven schrieb:> Ruhestrom der Endstufe ... Strombegrenzung ... SOA-Schutz
Real bekäme Q5 halt nen Trimmer spendiert.
SOA wär nett. Wie baust das dazu? Clipping is halt einfach zu bauen und
bietet wenigstens etwas Schutz.
Helge schrieb:> SOA wär nett.
Ist aber im Normalfall nicht nötig.
Meistens ist die von den Nachbarn gerufene Polizei schneller da, als die
Lautsprecher durchbrennen können.
Helge schrieb:> Bei schaltplänen für Edwin finde ich nur Differenzverstärker.
Der originale Edwin-Verstärker besteht aus einem Eingangstransistor auf
dessen Emitter vom Ausgang zurückgekoppelt wird.
Nur eine Transistorstufe vor der Brückenstufe, Rückkopplung auf die
Basis:
https://www.dampfradioforum.de/viewtopic.php?f=34&t=7132
Zwei Transistorstufen vor der Brückenstufe, Rückkopplung auf den
Emitter, so wie bei der Black-Devil:
http://www.hifi-forum.de/bild/schaltung-black-devil_471205.html
Rückkopplung nur über R7, dh. den Pfad R8 gibt es dort nicht. Der Pfad
R8 ist eine Besonderheit der Black-Devil.
Alles keine symmetrischen Verstärker. Absicht war auch, pnp und npn im
pos und neg Zweig zu haben, damit sichs alles ausgleicht bei
Bauteilunterschieden.
NB Temperaturverhalten: Aus Klasse AB wird Klasse B, wenns heiß wird.
Das ist gut so.
Helge schrieb:> Alles keine symmetrischen Verstärker.
Es ging dabei darum das Du im Prinzip einen symmetrischen
Edwin-Verstarker bereits ab der Vorstufe im Eingangspost hast.
Helge schrieb:> moderne NF-Verstärker werden ja meist mit Differenzverstärker als> Eingangsstufe gebaut
Ja, und das aus gutem Grund. Bau mal einen vergleichbaren Verstärker mit
komplementären Diffs dazu und schau dir vergleichend die DC-Kennlinien
ohne Gegenkopplung an, dann weißt auch du warum. Im Übrigen wirst du
dabei feststellen, daß der Aufwand nicht höher als bei deiner Version
ist.
Helge schrieb:> da muß dann kompensiert werden und es gibt Schwingneigung.> Angeregt durch einen anderen Beitrag hab ich mir einen symmetrischen> Verstärker ausgedacht, der ohne Kompensation
Die Grundlagen der Frequenzgangkorrektur hast du also auch nicht
verstanden. Auch dein Entwurf braucht eine Frequenzgangkorrektur,
anderenfalls schwingt auch der. Und die ist auch drin, man sieht die nur
nicht, weil die mit den parasitären Kondensatoren der Transistoren
funktioniert. Das kann man problemlos auch mit Verstärkern mit
Diff-Eingangsstufen machen.
Dein Entwurf ist nur ein schaltungstechnischer Rückschritt, wie die
lange Geschichte der Leistungsverstärker immer wieder gezeigt hat, aber
so lernt man das wenigstens ganz gründlich.
Helge schrieb:> SOA wär nett. Wie baust das dazu?
Die einfachste Variante waere ein Temperatursensor am Kuehlkoerper. Bei
Erreichen einer bestimmten Temperatur wird abgeschaltet. Sanfter waere
die Abregelung der Lautstaerke am Eingang.
Elliot schrieb:> Das kann man problemlos auch mit Verstärkern mit> Diff-Eingangsstufen machen.> Dein Entwurf ist nur ein schaltungstechnischer Rückschritt, ...
Wenn man zu dem Grundprinzip die alten Valvo Datenblaetter ansieht,
stimmt das nicht so ganz.
Gegenueber den Verstaerkern mit Diff-Eingangsstufe haben diese einen
niedrigeren Klirrfaktor im oberen Frequenzbereich bis 40kHz. Der Diff
ist nur viel besser im Bereich von 333-1000Hz, wo nach Norm fuer das
Datenblatt gemessen wird.
Dieter schrieb:> im Prinzip einen symmetrischen Edwin-Verstarker
OK jetzt fällt der Groschen.
Simu mit Modellen realer Kleinsignaltransistoren ausgefüllt und ein
wenig angepasst. Temperaturgang Klasse AB-B flacher modelliert mit D6.
open loop gain 0-5kHz: 2.500, 10kHz: 1.500, 20kHz: 750. Reicht das aus?
Nächster Punkt: Modelle für audiogeeignete Mosfets.
Dieter schrieb:> Gegenueber den Verstaerkern mit Diff-Eingangsstufe haben diese einen> niedrigeren Klirrfaktor im oberen Frequenzbereich bis 40kHz. Der Diff> ist nur viel besser im Bereich von 333-1000Hz, wo nach Norm fuer das> Datenblatt gemessen wird.
Du wirfst hier einiges durcheinander. Nämlich die statischen
Übertragungsfunktionen und das Frequenzverhalten unterschiedlicher
Generationen. Ich sprach nicht umsonst von:
Elliot schrieb:> einen vergleichbaren Verstärker mit komplementären Diffs
also mit gleichen Bauteilen und gleichen Arbeitspunkten. Nur so ist das
vergleichbar.
Außerdem ist der Klirrfaktor allein nicht aussagekräftig genug. Das war
das große Thema der 70er. Verstärker mit Klirrfaktoren von 0,00x% aber
scheußlichem Klang.
Dieter schrieb:> Die einfachste Variante waere ein Temperatursensor am Kuehlkoerper
Reicht es, wenn Q5, Q6, Q7 mit am Kühlkörper sitzen? Dann gehts
schneller auf Klasse B und kleinere Strombegrenzung.
Erratum: Temperaturgang Klasse AB-B flacher modelliert mit D9.
Deine beiden Endtransistoren M1 und M2 kannst du niemals voll
aussteuern.
Wenn die voll ausgesteuert werden solln muss das Gate einige Volt ueber
der Versorgungsspannung hinaus angesteuert werden. Bei richtigen MOSFET
Endstufen ist die Versorgungsspannung einige Volt hoeher als die
Betriebsspannung der Endtransistoren. Das ist bedingt durch die einige
Volt betragende UGS Spannung der Mosfets. Bipolartransistoren sind da
einfacher anzusteuern, bei den ist die UBE Spannung rund 0.7V. So
produziert man nur unnuetze Verlustleistung im Transistor.
Notfalls 45V für die Leistung, 50V für die Vorstufen.
Anderswo lese ich IRF9240/IRF240 für Audio, sind aber doch
Schalttransistoren? Oder 2SK134 - 2SJ49 (TO-3)? Alternativen, für die es
ein brauchbares spice-Modell gibt?
Helmut L. schrieb:> Deine beiden Endtransistoren M1 und M2 kannst du niemals voll> aussteuern.
Dagegen gibt es Bootstrapping. Zu solchen Erweiterungen geht es spaeter.
Alles auf einmal wuerde zu viel werden. Es gab auch den Entwurf zu
Mosfet und Transistor parallel um nahezu ohne Bootstrapping auszukommen.
Helge schrieb:> Reicht es, wenn Q5, Q6, Q7 mit am Kühlkörper sitzen?
Auf alle Faelle die zwei bis vier am staerksten Belasteten.
Elliot schrieb:> Das war das große Thema der 70er. Verstärker mit Klirrfaktoren von> 0,00x% aber scheußlichem Klang.
Das waren genau die Diffs mit der Trimmung auf niedrigsten Klirr
zwischen 333....1000Hz.
Dieter schrieb:> Auf alle Faelle die zwei bis vier am staerksten Belasteten.
Belastung sind ein paar mW. Q5/Q6/Q7 beeinflussen clipping und
Betriebsart. Simulation ist dafuer angehaengt, dass man sichs anschauen
kann / eigenen sweep drueberfahren kann.
Der Aussteuerbereich ist jetzt +/-45V. Simu mit +/-46V für Leistung und
+/-51V für Ansteuerung ergibt schon häßliche Effekte bei >10kHz und bei
geringer Übersteuerung.
Hiraga sieht interessant aus.
Die Dioden im Eingang machen überhaupt nix. Der DC-Anteil ist sehr
wesentlich größer als der AC-Anteil (mindestens Faktor 20).
Jegliche Spielerei mit Ansteuerspannung höher als die der
Leistungstransistoren führt sofort zu argen Verzerrungen. Um das zu
verringern, müßte der Querstrom der push pull Treiberstufe mindestens
10x des jetzigen Stromes haben. Der Knackpunkt ist Miller charge.
Ich denke immer noch, durchgängig komplementät push pull ist eine gute
Idee. Wenn ich Zeit habe, schau ich mir am WE mal spice-Modelle für
geeignete Endstufen an.
Sowas hatte ich gesucht. Haben die Modelle Tempersturabhängigkeit? Vom
Cordell hatte ich verschiedene Modelle für verschiedene Temperaturen
gefunden für die gleichen Halbleiter.
Sehr interessant! push-pull mit dual Differenzverstärker und
symmetrischen Stromquellen. Werd ich mir genauer anschauen. Nein, kannte
ich noch nicht.
Scheint einiges an Kompensation drin zu sein, 1. Treiber wirkt zurück
auf Vorstufe, Ausgang auf Treiber und Vorstufe. Dann 3stufiger Ausgang.
Krass.
Hab ja bis jetzt noch die Hoffnung, ohne Kompensation auszukommen und
mit viel weniger Bauteilen.
Helge schrieb:> Hab ja bis jetzt noch die Hoffnung, ohne Kompensation auszukommen und> mit viel weniger Bauteilen.
den Entwurf teilst du uns dann aber wohl mit :-)
Viel Spass trotzdem, Rainer
Dieter D. schrieb:> Das Verhalten kann noch verbessert werden durch NDFL-Technik
er will doch gerade ganz ohne "Verbesserung" ein ordentliches Ergebnis
erreichen ...was ich eben gern sehen möchte...
Gruß Rainer
Selbst wenn ich den ganzen Vorstufenteil um 10V höher setze, die
Gateladung führt zu Verzerrungen. Mosfet-Endstufen scheinen am Gate
wenigstens ca. 8V zur Versorgung zu brauchen, oder einen sehr viel
stärkeren Treiber.
Bootstrapping führt hier zu etwas mehr laut mit viel weniger Klang.
Helge schrieb:> Selbst wenn ich den ganzen Vorstufenteil um 10V höher setze, die> Gateladung führt zu Verzerrungen.
Deshalb speisen bei Treiberstufen die Emitter auf die Gates. Die
Klipping-Stufe reduziert dann das Signal vor der Treiberstüfe.
> Bootstrapping führt hier zu etwas mehr laut mit viel weniger Klang.
Dabei geht es in erster Linie nur um die volle Aussteuerung für mehr
Leistung.