Forum: HF, Funk und Felder Wobbel-Gymnastik mit Nordmende SW3330


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von R. K. (r_kohlhammer)


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Hallo,


ich habe mich wieder einmal mit meinem Wobbel-Panzer, Nordmende SW3330, 
auseinandersetzt. Wen es interessiert, hier gibt es wohl ein Manual: 
https://www.rainers-elektronikpage.de/sm-nordmende-electronic

Das Teil ist an sich der Hammer für meine gewöhnlichen Ansprüche. Es 
bietet neben Fixmarken (wahlweise 5,5MHz, 10,7MHz und 38,9MHz) auch noch 
einen variablen Markengeber (u.a. von 7 - 12MHz durchstimmbar). Diese 
Signale stehen dann dem Wobbelsignal zur Verfügung, wenn ich das 
demodulierte Signal durch den interen NF-Markenverstärker jage und das 
Oszilloskop mit diesem Signal füttere.
Letztens ausprobiert am alten Transistor-Superhet, zeigten sich einige 
mysteriöse Dinge, die ich mir nicht erklären kann, für einen Fehler 
halte oder nach denen ich euch endlich fragen will.

Kurz zum Messaufbau: Einspeisung des Wobbelsignals über 100pF an Basis 
des letzten ZF-Verstärker-Transistors eines Transistorradios der 
60er-Jahre. Signalgröße am Wobbler so klein wie möglich. Abnahme des 
Signals am FM-Ratiodetektor mit gewöhnlichem Tastkopf und 10er-Teilung. 
Ratioelko nicht abgetrennt. Frequenzhub maximal, daher 7 - 12 MHz. 
Wobbelfrequenz minimal, ich glaube 8 Hz. Hatte ich vergessen: Ausgang 
immer mit 50R abgeschlossen. Teilweise sind die Angaben von Vrms in den 
Plots falsch, da ich nicht direkt mit dem Tastkopf (geteilt durch 10 wie 
in den Einstellungen), sondern direkt in den Eingang des Oszilloskop 
gemessen habe. Das zu testende Transistorradio ist sehr sauber 
abgeglichen und scheint eine hohe Empfindlichkeit zu haben.

Das augenfälligste Problem ergibt sich z.B., wenn ich eine FM-Ratiokurve 
wobbeln möchte. Schalte ich den variablen Markengeber ein, dann sieht 
man nicht eine, sondern zwei Marken. Abstand vielleicht 100 (?) kHz. 
Siehe Plot #1. Also einmal nur den Markengeber alleine ans Oszilloskop 
gehalten. Siehe Plot #2. Umgeschaltet zum darunterliegenden Bereich (4 
-7 MHz) und nochmal gemessen ergibt Plot #3. Sieht auch nicht so toll 
aus, aber immerhin besser. Wenn beim Oszilloskop die 
Bandbreitenbegrenzung von 20MHz eingeschaltet ist, verschwinden die 
Unsauberkeiten ein wenig. Dann nochmal die die FM-Ratiokurve gewobbelt. 
Nun einmal die Fixmarke eingespeist. Beachte Plot #4. FM-Ratiokurve 
nimmt hohen Rauschpegel (?) an. Zusätzlich auch ein Plot #5 mit Fixmarke 
und variabler Marke, die bei etwa 10,3MHz lag. Dann einmal die Fixmarke 
von 10,7MHz alleine ins Oszilloskop geschickt, nämlich über die 
Träger-Buchse, was sich in Plot #6 ausdrückt. Was kann das sein? Warum 
sind alle Marken erstens doppelt? Warum rauscht zweitens der 
NF-Markenverstärker, wenn die Fixmarke zugeschaltet ist, aber nicht, 
wenn die variable Marke zugeschaltet ist? Wenn der Fixmarkengenerator 
auch kein Rauschen erzeugt und der NF-Markenverstärker nur unter der 
Bedingung, dass die Fixmarke läuft, kann das an der Mischdiode liegen? 
Im Schaltplan des verlinkten PDF-Dokuments auf S. 27, D 500 und D 501, 
zwei Mal AA143.

Mir ist desweiteren aufgefallen, welche Funktion die Taste "Blanking" am 
Gerät hat. Auf Plot #7 sieht man drei FM-Ratiokurven. Eine ist das 
Spiegelbild der anderen. Dann beginnt das Wobbelbild ja wieder von 
neuem, dessen anderer Teil dann nicht mehr zu sehen ist. Wenn ich den 
zweiten Kanal (blau) des Oszilloskops, der mit der Wobbelfrequenz für 
die Triggerung des ersten Kanals (gelb) verwendet wird, einschalte, 
kriege ich den chaotischen Plot #8. Dort ist Taste "Blanking" in der 
Aus-Stellung. Schalte ich sie ein, ändert sich Plot #9. Daher scheint 
der Wobbler bei ausgeschaltetem "Blanking" mit steigendem Rampen-Signal 
die Frequenz aufwärts zu steigern und bei fallendem Rampen-Signal das 
Gegenteil zu tun (#8). Schalte ich nun "Blanking" ein, wobbelt er immer 
nur aufwärts (#9). Wofür soll erstere Funktion gut sein?

So, ich hoffe, dass ich nichts Wesentliches vergessen habe. Ansonsten 
bitte nachfragen.


MfG,
Kohlhammer

: Bearbeitet durch User
von HabNix (Gast)


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Hallo,
es ist schon einige Jahrzehnte her, dass ich das letzte Mal mit einem 
Wobbler/ Sweeper gearbeitet habe. Wichtig ist immer den eingespeisten 
Signalpegel niedrig zu halten, um Übersteuerungseffekte zu verhindern. 
Die Ablenkzeit muss richtig gewählt werden. Ein Ratiofilter lässt sich 
nicht mit angeschlossenem Ratioelko wobbeln. Die Ankopplung des 
Generatorsignals an die Messobjekte kann kritisch sein. Auch der Abgriff 
des Messsignals kann Einfluss auf die Durchlasskurve haben. Eine 
Abgleichanweisung des Herstellers kann Messfehler vermeiden und ist oft 
hilfreich. Der „Invert“-Schalter am Sichtgerät stell das Signal in der 
„richtigen“ Polarität dar.
„Blanking“ ist die Strahlrücklaufaustastung/ Dunkeltastung, die dafür 
sorgt, dass der Elektronenstrahl des Sichtgerätes während des 
Strahlrücklaufs dunkel getastet wird. Dies geschieht, wenn der 
Ablenksägezahn die hintere Flanke durchläuft.
In der ersten Zeit lernt man beim Wobbeln eine ganze Menge an Erfahrung 
dazu. Passende Abgleichstifte sind heute wichtiger als früher, denn 
Ersatzabgleichkerne bzw. Bandfilter sind inzwischen schwer zu bekommen.

Weitere Info siehe z.B.
http://www.jogis-roehrenbude.de/UKW-Projekt/FM-ZF-Abgleich_%20final.pdf

von Christoph db1uq K. (christoph_kessler)


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Oh da gibt es auch ein Handbuch zum "Wobbelgenerator WM 3335"

Ich meine, den hatte Peter DF3IJ damals in den späten Siebzigern in 
seinem Amateur/CB-Funkladen in KA stehen. Meine Studentenbude war zwei 
Straßenecken weiter westlich Richtung Indianerbrunnen. Irgendwo habe ich 
noch ein paar Kopien des Schaltplans.

: Bearbeitet durch User
von R. K. (r_kohlhammer)


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HabNix schrieb:
> Hallo,
> es ist schon einige Jahrzehnte her, dass ich das letzte Mal mit einem
> Wobbler/ Sweeper gearbeitet habe. Wichtig ist immer den eingespeisten
> Signalpegel niedrig zu halten, um Übersteuerungseffekte zu verhindern.
> Die Ablenkzeit muss richtig gewählt werden. Ein Ratiofilter lässt sich
> nicht mit angeschlossenem Ratioelko wobbeln. Die Ankopplung des
> Generatorsignals an die Messobjekte kann kritisch sein. Auch der Abgriff
> des Messsignals kann Einfluss auf die Durchlasskurve haben. Eine
> Abgleichanweisung des Herstellers kann Messfehler vermeiden und ist oft
> hilfreich. Der „Invert“-Schalter am Sichtgerät stell das Signal in der
> „richtigen“ Polarität dar.
> „Blanking“ ist die Strahlrücklaufaustastung/ Dunkeltastung, die dafür
> sorgt, dass der Elektronenstrahl des Sichtgerätes während des
> Strahlrücklaufs dunkel getastet wird. Dies geschieht, wenn der
> Ablenksägezahn die hintere Flanke durchläuft.
> In der ersten Zeit lernt man beim Wobbeln eine ganze Menge an Erfahrung
> dazu. Passende Abgleichstifte sind heute wichtiger als früher, denn
> Ersatzabgleichkerne bzw. Bandfilter sind inzwischen schwer zu bekommen.
>
> Weitere Info siehe z.B.
> http://www.jogis-roehrenbude.de/UKW-Projekt/FM-ZF-Abgleich_%20final.pdf
Hallo,

Danke für die Ausführungen. Diese Unterlage kenne ich bereits - mir sind 
auch die Einflüsse bekannt, die durch die Messanordnung entstehen 
können. Mir ist auch bekannt, dass man für einen wirkungsvollen und 
halbwegs professionellen Abgleich jahrelange Erfahrung braucht. Was mich 
aber nur verwundert, warum bei jeder Frequenzmarkierung, sei sie 
variabel, sei sie fix, doppelte Punkte auftreten. Wozu kann das gut 
sein? Die Markierung dient ja zur eindeutigen Identifikation eines 
bestimmten Punktes der Kurve. Hat da jemand eine Idee, wo der Fehler 
liegen kann? Liegt das daran, dass das Signal, zu sehen auf Plot #2, 
nicht "sauber" genug ist?


MfG,
Kohlhammer

von Marek N. (bruderm)


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Das Teil ist geil! Allein schon die Trommelskala.

von HabNix (Gast)


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Was ist an dem Gerät brünstig? Toller Beitrag!

@  R. K.
Nachdem ich mir deinen Beitrag noch einmal durchgelesen und die Fotos 
vergrößert habe, vermute ich, dass du keinen HF-Tastkopf verwendest.

MfG

von Mohandes H. (Firma: مهندس) (mohandes)


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R. K. schrieb:
> Wobbel-Panzer, Nordmende SW3330

Hallo Kohlhammer,

tolles Gerät! Zu Deiner Frage kann ich nichts beitragen, ich kann mich 
aber noch gut an unsere letzte Diskussion über das Wobbeln erinnern wo 
letztlich Beharrlichkeit bei Dir zum Ziel geführt hat. Bin gespannt wie 
es weiter geht!

von oerks (Gast)


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Wobbel mal ein 16 MHz Quarzfilter.
Und miss die Steilheit der Filterflanken.
Und den Ripple im Durchlassbereich.
Und die Sperrdaempfung 25 kHz neben der Durchlasskurve.

Da wird es dann bei Nordmendes wohl dunkel.

Mitunter ist so altes Zeug eben doch zu nichts zu gebrauchen.
Sofern man nicht an Consumerkost orientiert ist.

P.S.
Meine (Second-Hand) CB-Funke, wo wohl jemand Roulette mit
den Filterkernen gespielt hat, habe ich allein mit einem
externen S-Meter wieder zufriedenstellend abgeglichen.
Damit konnte man dann Bodenwellenpacketradio ueber 100 km
mit veranstalten.

von R. K. (r_kohlhammer)


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HabNix schrieb:
> Was ist an dem Gerät brünstig? Toller Beitrag!
>
> @  R. K.
> Nachdem ich mir deinen Beitrag noch einmal durchgelesen und die Fotos
> vergrößert habe, vermute ich, dass du keinen HF-Tastkopf verwendest.
>
> MfG
Danke! Es ist durchaus ein großes Gerät - knapp zehn Kilo sind schon 
was. Wenn man daran denkt, dass man die meisten (!) Funktionen des 
Wobblers heute längst in einem Mikrocontroller bequem verdichten kann.

Absichtlich habe ich keinen HF-Tastkopf (sondern den gewöhnlichen, vom 
Oszilloskop mitgelieferten) verwendet, da ich ja das Signal bereits am 
FM-Demodulator abgenommen habe.

Mein Problem ist, dass nicht weiß, ob die zwei zuschaltenbaren 
Frequenzmarkierungen - und dabei ist es egal, ob es sich um die Fixmarke 
oder die variable Marke handelt - an der Kurve gewollt sind oder einen 
Fehler darstellen. Meine Vermutung ist, dass es sich dabei um einen 
Fehler handelt. Wirft man nämlich einen Blick in die obenverlinkte 
Beschreibung, findet sich auf S. 20 folgender Hinweis: Die Marken-Form 
des variablen (und offenbar nur für diesen) verändere sich im 
UHF-Bereich so, dass sich die Markenbreite ausdehnt und sich eine 
Spreizung in zwei Markierungen vollzieht. Weiters heißt es, dass sich 
dies in dem betroffenen UHF-Bereich nicht negativ auswirke. Darunter ist 
ein Bild, was man sich unter diesem Effekt vorstellen kann. Diesen 
Bereich nutze ich nie und kann ihn auch nicht nutzen, weil mir die 
Ausrüstung hierfür fehlt.
Dieser besagte Effekt tritt aber bei mir offensichtlich nun schon sehr 
viel früher auf. Nämlich im genannten Bereich der Markierung der 
FM-Ratiokurve, daher 10,7 MHz. Er ist zudem nicht nur auf den variablen 
Markengeber beschränkt, sondern tritt auch bei der Fixmarkierung auf.

Ich kann mir leider absolut keinen Reim darauf machen, wie ein 
Markengebersignal, das bei 10,7MHz mehr oder weniger sauber schwingt 
(siehe bitte Plot #2 für variablen Markengeber und Plot #6 für 
Fixmarkengeber), am Ende auf einer Durchlasskurve zwei Markierungen 
erzeugt, die stets einen festen Abstand von ungefähr 300 (?) kHz 
aufweisen.

Desweiteren sehe ich, dass bei Zuschaltung des Fixmarkengebers die 
Durchlasskurve ein hohes Rauschen annimmt, während der Fixmarkengeber an 
sich sauber oszilliert (siehe bitte Plot #6) und auch der 
NF-Markenverstärker nur bei Benutzung der variablen Marke ebenso kein 
Rauschen hinzufügt (siehe bitte Plot #1).
Im Verdacht habe ich für dieses Problem - wenn es denn eines ist und 
nicht eine Sache, die vielleicht zu akzeptieren ist - die interne 
Diodenmischung. Denn um die Frequenzmarkierungen nutzen zu können, muss 
das vom Messobjekt abgenommene Signal zunächst durch den 
NF-Markenverstärker durchgeschliffen und am selben wieder entnommen 
werden, um dann für das Oszilloskop bereitzustehen. Intern gibt es ein 
recht kompliziertes Misch- und Schaltdiodennetzwerk, das alle Signale 
zusammenführt. Meine Frage ist, kann eine defekte oder "schlappe" 
Mischdiode, z.B. eine AA143 wie im Gerät, ein signifikantes Rauschen 
erzeugen? Der Tausch im Gerät, um das nachzuprüfen, ist nicht ganz 
unkompliziert, da hier alles möglichst HF-Dicht gekapselt wurde.


MfG,
Kohlhammer

von R. K. (r_kohlhammer)


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oerks schrieb:
> Wobbel mal ein 16 MHz Quarzfilter.
> Und miss die Steilheit der Filterflanken.
> Und den Ripple im Durchlassbereich.
> Und die Sperrdaempfung 25 kHz neben der Durchlasskurve.
>
> Da wird es dann bei Nordmendes wohl dunkel.
In Ermangelung eines solchen Quarzfilters kann ich diesen Test leider 
nicht durchführen, aber ich werde es mir notieren.
Was ist dann aber für mein geschildertes Problem daraus zu ersehen bzw. 
abzuleiten?


MfG,
Kohlhammer

von Ralph B. (rberres)


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Das Gerät arbeitet mit Schwebungsmarken.

Es werden Frequenzen aus einen Kammgenerator mit dem HF Ausgangssignal 
gemischt.

Bei der Mischung entstehen Summen und Differenzfrequenzen. Somit 
entstehen auch zwei dicht nebeneinander liegende Marken. Wie breit die 
Marken werden hängt von der oberen Grenzfrequenz des Markenverstärkers 
hinter dem Markenmischer ab. Der Abstand der beiden Marken hängt von der 
unteren Grenzfrequenz ab.
Das Minimum zwischen zwei in ein paar hundert Hz Abstand liegende Marken 
ist dann die richtige Frequenz. Das ist da wo die Differenzfrequenz Null 
wird.

Bei den professionellen Wobbler wie Swob5 ist das genauso.

Das änderte sich erst, wie die Generatoren mit Synthesizern ausgerüstet 
woden sind. Da hat man dann die Marken direkt aus der digitalen 
Frequenzinformation , welche auf den Synthesizer geht gewonnen.


R. K. schrieb:
> am Ende auf einer Durchlasskurve zwei Markierungen
> erzeugt, die stets einen festen Abstand von ungefähr 300 (?) kHz
> aufweisen.

Ich würde mir mal den Markenverstärker hinter dem Mischer anschauen.

Die Bandbreite ist ein Kompromiss zwischen Wobbelgeschwindigkeit und 
Auflösung.

bei 50Hz Wobbelfrequenz muss man schon eine relativ hohe Bandbreite 
wählen, sonst erscheinen die Marken nur sporadisch. Eventuell ist die 
Verstärkung des Markenverstärkers zu hoch.

Nebenbei bemerkt halte ich es für sportlich damit Quarzfilter wobbeln zu 
wollen. Vermutlich sit alleine schon der Störhub des HF Generators zu 
groß.

Die Teile waren in ester Linie als Fernsehwobbler gedacht, um die 
Bild-ZF abzugleichen.

Ralph Berres

: Bearbeitet durch User
von oerks (Gast)


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> Die Teile waren in ester Linie als Fernsehwobbler gedacht, um die
> Bild-ZF abzugleichen.
Ja.
Oberflaechenwellen-ZF-Filter waren dann sogar abgleichfrei.
Eine naechste Generation wurde dann schon nicht mehr gebraucht.

> Nebenbei bemerkt halte ich es für sportlich damit Quarzfilter wobbeln zu
> wollen. Vermutlich sit alleine schon der Störhub des HF Generators zu
> groß.
Ja.

Darauf nimmt aber die anzutreffende Technik keine Ruecksicht.
Die Schlussfolgerungen sollte jeder selber ziehen (koennen).

Und 16 MHz Quarzfilter sind nicht mal seltenen Kandidaten.

von Marek N. (bruderm)


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Die Trommelskala!

von oerks (Gast)


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> Die Trommelskala!

Bei den sicherlich auch damals etwas teuereren Signalgeneratoren,
gab es mit aufwendiger Mechanik auch fuer jeden Bereich lineare
Skalen.
Insoweit kann ich einer Trommelskala nicht viel abgewinnen.
Die zeugt eher von "sparen muessen".
Selbst mein Dipper hat eine lineare Skala und mein UHF-Dipper
ein Zaehlwerk...
Ist das nun schon digital?

von R. K. (r_kohlhammer)


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Hallo,


nach einer etwas längeren Absenz melde ich mich zurück. Ralph Berres' 
Beitrag hat mir sehr geholfen. Danke sehr! Insofern muss ich annehmen, 
dass die Erscheinungen von zwei Frequenzmarkierungen zunächst gewollt 
sind, im betriebstüchtigen Zustand jedoch nicht zu bemerken sind.

Da das Gerät den NF-Markenverstärker über einen OPV (?) mit der 
Bezeichnung ML709A realisiert und es dort leider keine 
Einstellmöglichkeiten gibt, frage ich mich, wie ich dessen 
Funktionstüchtigkeit am besten überprüfe? Und überhaupt, welche 
Bandpasscharakteristik hat so ein NF-Markenverstärker, von welchem 
Frequenzbereich ist hier eigentlich die Rede? Ausgekoppelt wird laut 
Schaltbild auf S. 24 der Beschreibung oben über C459, 16µF, 
Tantal-Kondensator. Möglicherweise ist der nicht mehr ganz frisch, aber 
ich bin mir unsicher, wie sehr eine Filtercharakteristik aufweist, weil 
ich die auftrenden Frequenzen gar nicht erst kenne.

Die Wobbelfrequenz war stets im Mimimum, daher 8 Hz. An sich bedeutet 
das wohl, dass die Durchlasskurve, die ich am Demodulator abgenommen 
habe, in dieser Wiederholungsrate am NF-Verstärker ankommt. Jetzt haben 
aber die Marken sehr viel höhere Frequenzen...
Vielleicht kann mir hier jemand heraushelfen, obwohl ich weiß, dass das 
doch sehr viel verlangt ist.



MfG,
Kohlhammer

von Ralph B. (rberres)


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am Markenverstärker steht die auf 0Hz gemischte Differenzfreqenz 
zwischen der momentanen HF-Wobbelsignal und dem HF Markensignal. Immer 
wenn beide exakt gleich sind entsteht eine Differenzfrequenz von 0Hz Das 
ist die Schwebung zwischen den beiden sichtbaren Marken.
Was man sieht ist, wenn das wobbelsignal ein paar KHz tiefer als das 
Markensignal ist, ( Markensignal - Wobbelsignal = NF Frequenz der Marke,
die Summe ist weit im MHz Bereich und somit nicht sichtbar )

und wenn das Wobbelsignal ein paar KHz höher als das Markensignal ist,
( Wobbelsignal - Markensignal = NF Frequenz der Marke, auch hier liegt 
die Summe im MHz Bereich und ist deswegen nicht sichtbar ).

Es erscheinen also immer zwei Marken, eine oberhalb und eine unterhalb 
der tatsächlichen Frequenz. Wie eng diese beiden Marken zusammenfallen 
hängt von der unteren Grenzfrequenz des NF-Markenverstärkers zusammen.
Die Breite der beiden Marken hängt von der oberen Grenzfrequenz des 
NF-Markenverstärkers zusammen.

Man kann die untere obere NF-Bandgrenze aber nicht zu tief machen, weil 
sonst der NF-Markenverstärker zu lange zum Einschwingen braucht.
Auch hängt das vom Wobbelhub und Wobbelgeschwindigkeit ab, ob sich im HF 
Markenmischer noch eine NF-Marke bilden kann. Wenn sich die HF Frequenz 
zu schnell ändert, dann bilden sich keine niedrige Markenfrequenzen 
mehr.

Ralph Berres

von R. K. (r_kohlhammer)


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Vielen Dank erstmals, Ralph Berres, ich bemerke, dass ich mich hier noch 
tiefer mit der Materie auseinandersetzen muss. Werde mir mal ein 
bisschen Literatur über den technischen Hintergrund des Wobbelns und die 
Funktion der Markenmischung zu Gemüte führen, sofern ich dazu etwas 
finde.


MfG,
Kohlhammer

von Christoph db1uq K. (christoph_kessler)


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Der ML709 dürfte mit dem LM709 oder µA709 identisch sein, ich finde nur 
ein Foto, "ML709 III 70", im runden Metallgehäuse, vermutlich 3. Quartal 
1970.
https://www.eevblog.com/forum/projects/some-historical-op-amps/
Von Micro Linear, gegründet 1983 scheint er nicht zu stammen.

Das Markerprinzip habe ich damals für meinen Spektrumanalysator 
verwendet (UHF-Unterlage 4),  im Prinzip ein Direktmischer, der beide 
Seitenbänder darstellt.

: Bearbeitet durch User
von R. K. (r_kohlhammer)


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Hallo allseits,


wie "versprochen", habe ich einmal die Literatur befragt, die mir im 
Moment zugänglich war. In dem Fall war es von Günther Fellbaum 
"Fernseh-Service-Handbuch" aus dem Jahr 1962. Dort gibt es ein Kapitel 
über das Wobbeln, wo der Vorgang sehr anschaulich beschrieben wird, 
sowie ein Unterkapitel zur Nutzung von Frequenzmarken.

Zwei Dinge sind mir nun klarer geworden bzw. konnte ich vertiefen:
1) Die Frequenz einer entweder durch einen vorgesetzten Tastkopf oder 
geräteinternen Demodulationseinrichtung entstandenen Hüll- bzw. 
Wobbelkurve am frequenzabhängigen Bauteil, z.B. Filter, entspricht der 
Wobbelfrequenz. Daher, wobble ich mit 50Hz und lasse den Wobbler von 
fmin zu fmax laufen und wiederhole dies 50-mal in der Sekunde, so werden 
nach der Demodulation die entsprechenden Punkte entlang der Hüllkurve 
50-mal gezeichnet. Das heißt, ein demoduliertes Wobbelsignal hat stets 
die Frequenz der Wobbelfrequenz.

2) Die Markenmischung VOR dem Bauteil funktioniert, wie Ralph Berres 
bereits beschrieben hat, so, dass die Frequenz des Markensignals, z.B. 
10,7MHz, mindestens einmal genau der des Wobbelsignals entspricht, wenn 
man z.B. von 10 - 11,4 MHz durchwobbelt. Werden diese beiden Signale nun 
gemischt, entsteht genau in diesem Moment der Frequenzgleichheit beider 
Signale die Schwebung. Die Frequenz ist dann 0Hz bzw. es handelt sich um 
Gleichstrom. Es tritt also ein "Loch" oder "Riss" der Kurve an dieser 
Stelle auf. Ganz nah daneben ergeben die Differenzfrequenzen die 
sichtbaren Verwerfungen. Sie sind umso stärker, je näher sie ans 
Schwebungs-Null reichen, und werden schwächer, je mehr sie sich davon 
entfernen. Über einen Tiefpass nach dem Demodulator, sofern dieser nicht 
geräteintern im vorhanden ist, wird dieses gemischte Signal bestehend 
aus Wobbelsignal und Markensignal dann ins Oszilloskop eingespeist.

Im Grunde war dies nur eine Wiederholung von dem Geschrieben von Ralph 
Berres, aber mir ergeben sich nun weitere Fragen. Der fragliche 
Nordmende SW3330 macht es doch, so viel ich das verstanden habe, anders. 
Zuerst wird das Wobbelsignal in das auszumessende Bauteil geschickt, 
danach wird es demoduliert entweder per Tastkopf oder geräteintern, und 
anschließend gelangt es in den NF-Markenverstärker. Und erst dort kommt 
es, wie ich annehme, zur Aufmischung der vielen Marken, um es dann ins 
Oszilloskop zu schicken. Wie kann aber jetzt ein z.B. 50Hz ankommendes 
Wobbelsignal dann mit einem 10,7MHz Markensignal vermischt werden? Beide 
treffen sich ja frequenzmäßig nie, wie kann es nun zur Schwebung kommen? 
Das ist doch nun ein ganz anderer Fall, wo ich bitte eurer Erklärung 
bedarf.

Darüber hinaus wirkt nach der Erklärung der Markenmischung besonders der 
#Plot1 komisch. Nehmen wir an, es handelt sich wirklich nur um eine 
Marke und die sichtbaren Differenzsignale liegen derart weit 
auseinander, dann müsste doch ganz genau in der Mitte das 
Schwebungs-Null zu finden sein. Es sieht aber auf den ersten Blick 
überhaupt nicht danach aus.

Ich werde weiterhin schauen, was ich in anderer Literatur noch finden 
kann.


MfG,
Kohlhammer

von Ralph B. (rberres)


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R. K. schrieb:
> Wie kann aber jetzt ein z.B. 50Hz ankommendes
> Wobbelsignal dann mit einem 10,7MHz Markensignal vermischt werden? Beide
> treffen sich ja frequenzmäßig nie, wie kann es nun zur Schwebung kommen?
> Das ist doch nun ein ganz anderer Fall, wo ich bitte eurer Erklärung
> bedarf.

Das HF-Generatorsignal wird mit dem HF-Markensignal gemischt. Die 
Differenz der beiden HF-Signale ist das NF Markensignal, welches  dem 
demodulierten Signal vom Messobjekt ( also die Hüllkurve ) hinzu addiert 
wird.

Man benötigt also für das Wobbeln einen Diodengleichrichter um das HF 
Signal welches vom Messobjekt kommt gleichzurichten, um die Hüllkurve zu 
bekommen.

50Hz Wobbelfrequenz ist übrigens schon verdammt schnell. Damit kann man 
normalerweise nur Megahertzbreite Objekte gewobbelt werden.

FM ZF Verstärker sind aber meist nur ca. 200KHz breit. Da ist die 
Wobbelfrequenz vermutlich zu schnell, das sich die zu messende Filter 
einschwingen können.

Ralph Berres

von R. K. (r_kohlhammer)


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Hallo,


vielen Dank nochmal für die Tipps, Ralph Berres, nun verstehe ich auch, 
wie die Mischung in diesem Gerät funktioniert.

Habe mal wieder einen Blick in die Kiste geworfen und die wenigen 
Widerstände rund um den OP-Amp gemessen. Die Kondensatoren ließ ich 
außer Acht, sind allesamt keramische Kondensatoren bzw. ein 
Styroflexkondensator. Die werden wohl kaum kaputt gehen. Die 
Widerstandswerte für den IC sind soweit in Ordnung, nur der 
Spannungsteiler für den Transistor T450, ein BC183C, lassen sich nicht 
gut messen. Bei R458 messe ich statt 47k nur 36kOhm. R457 aber spielt 
mir Streiche, der lässt sich nicht vernünftig messen, obwohl an sich 
nichts kritisches im Weg steht. Das Meter läuft beim Messen von ca. 
50kOhm abwärts, als würde irdenwo eine Kapazität geladen werden. Auch 
ein Wechseln der Polarität änderte nichts an dem Verhalten. 
Wahrscheinlich muss man ein Beinchen auslöten, aber dann werden die 
Werte stimmen. Übrigens hat dieser Spannungsteiler doch ohnehin keinen 
Einfluss auf die Bandpasscharakteristik. Kann der 
Tantal-Auskoppelkondensator mit 10µF Probleme machen? Es ist ja bekannt, 
dass die Dinger gerne kaputtgehen und durchleiten, aber angesichts der 
niedrigen Frequenz der Signale stellt dieser sowieso einen Kurzschluss 
dar. Das einzige wäre, dass gleichzeitig mit dem Signal eine 
Gleichspannung auftreten würde. Muss ich mal überprüfen. Wäre es hier 
nicht auch gleich besser, bei einem Tausch gleich einen Elko zu 
verwenden oder hätte der hier schlechtere elektrische Eigenschaften?

Das Gerät bleibt also für mich nach wie vor ein Rätsel. Schade, dass im 
HF-Forum niemand dasselbe Modell hat, so könnte man doch wunderbar 
vergleichen, ob meines wirklich spinnt oder nicht.


MfG,
Kohlhammer

von Christoph db1uq K. (christoph_kessler)


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ML709 war von einem kanadischen Hersteller 1969-1974
https://en.wikipedia.org/wiki/Microsystems_International

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