Einwirkung eines statischen Magnetfeldes auf Elektronik

OP (Firma: Raich Gerätebau & Entwicklung) #6719363
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Dass magnetische Wechselfelder Störungen in einer Schaltung verursachen 
können, hat man ja schon oft erlebt. Nun geht es aber um ein statisches 
Magnetfeld eines Ringmagneten. Hintergrund: ich hab einen Drehzahlsensor 
entwickelt,der die Drehzahl mittels 2 Draht 4..20mA Stromschleife 
ausgibt.Nun sollte das Ding mit einem Ringmagnet auf dem Messobjekt 
befestigt werden. Bei Inbetriebnahme des Sensors hörte ich einen hohen 
Ton, der vom Sensor kam. Weiters passte die Versorgungsspannung, die von 
einem Schaltregler erzeugt wird, auch nicht mehr und war plötzlich 
schwankend. Meine Folgerung: der Ringmagnet treibt die kleine Drossel 
des Schaltreglers gnadenlos in die Sättigung, die Induktivität sinkt ins 
bodenlose, womit der Schaltregler nicht mehr klarkommt. Ein 0,5mm dickes 
Weißblech zwischen der Drossel und dem Ringmagneten konnte keine 
Schirmung bewirken. Wohl zu dünn und auch nicht geschlossen. Ich 
fürchte, ich muß da wohl ein massiveres Stahlgehäuse für den Sensor 
bauen, das den Sensor vollständig umschließt. Hat wer noch andere Ideen?
Grüsse
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Gast #6719382
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Gebhard R. schrieb:
> Meine Folgerung: der Ringmagnet treibt die kleine Drossel
> des Schaltreglers gnadenlos in die Sättigung

Wow, das ist mal ein interessantes Problem! Das hätte ich mit Sicherheit 
auch übersehen. Die Sättigungsflussdichten für solche Drosseln sind ja 
beträchtlich (z.B. 300mT), soviel hat man eigentlich so schnell nicht 
zusammen...

Wenn, dann müsste man zur Abschirmung Trafoblech verwenden.
Ansonsten fällt mir nur noch ein entweder zu sehen, ob man Ladungspumpen 
für den Zweck verwenden kann, oder man nimmt eine Luftspule, was wenig 
realistisch sein dürfte...
OP (Firma: Raich Gerätebau & Entwicklung) #6719399
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Lothar M. schrieb:
> Welche denn genau? Ist die magnetisch geschirmt oder seitlich offen?

Nicht geschirmt, aber ob das angesichts der brachialen Feldstärke des 
Ringmagneten hilft?

Lothar M. schrieb:
> Was passiert, wenn du den Ring seitlich anklebst?

Der Einfluß des Magneten ist vernachlässigbar, wenn er sich 
"aufgeklappt" an der Vorderseite (bei rotem Micromatch Stecker) 
befindet.
#6719408
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Bernhard S. schrieb:
> Es gibt lineare Spannungsregler die sehr wenig Ruhestrom ziehen,
> vielleicht wäre das eine Möglichkeit? Zum Beispiel LT3007 zieht 3µA.

Nein, denn der OP MUSS von 12V Eingangsspannung auf 3,3V runter. Und er 
braucht bei 3,3V deutlich mehr als 4mA. Ergo bleibt nur ein 
Schaltregler, nur der kann den Ausgangsstrom im Verhältnis der 
Ein/Ausgangsspannung erhöhen, ähnlich einem Trafo.
#6719421
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Gebhard R. schrieb:
> schwankend. Meine Folgerung: der Ringmagnet treibt die kleine Drossel
> des Schaltreglers gnadenlos in die Sättigung,

Gnadenlos vielleicht nicht, aber teilweise.

> die Induktivität sinkt ins
> bodenlose, womit der Schaltregler nicht mehr klarkommt. Ein 0,5mm dickes
> Weißblech zwischen der Drossel und dem Ringmagneten konnte keine
> Schirmung bewirken. Wohl zu dünn und auch nicht geschlossen.

Zu dünn. Es muss nicht geschlossen sein, es reicht, al magnetischer 
Kurzschluß aus. Probier mal 1-2mm Stahlblech. Außerdem ist vermutlich 
deine Kombination aus Zinkdruckgußgehäuse + Neodymmagnet ungünstig. Denn 
das Gehäuse ist vermutlich nur mäßig magnetisch leitfähig, weshalb ein 
sehr starker Magnet zur Montage genutzt wird.

> Ich
> fürchte, ich muß da wohl ein massiveres Stahlgehäuse für den Sensor
> bauen, das den Sensor vollständig umschließt.

Nein, so schlimm ist es nicht. Versuch erstmal eine deutlich dickere 
Stahlplatte. Und nimm einfachen Stahl, kein Edelstahl oder so! Denn der 
ist meistens nur schwach magnetisch!

> Hat wer noch andere Ideen?

Man könnte

- eine andere Spule nehmen. z.B. komplett geschirmt.
- eine, welche eine andere Lage hat, sprich, die Richtung der 
Spulenachse ändern (horizontal/vertikal).
- die Spule in eine Ecke setzen, wo der Magnet sicher NICHT platziert 
wird. Oder auf die andere Seite deiner Platine, damit noch mehr Abstand 
zwischen Spule und Magnet reinkommt.

Das sollte man alles mal probieren.
Gast #6719436
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Gebhard R. schrieb:
> Der Ringmagnet aus Neodym ist ein Biest...

Natürlich, aber ich  hatte immer im Hinterkopf dass 1T so ziemlich das 
Maximum der Möglichkeiten mit Permanentmagneten repräsentiert. Natürlich 
ist das nur eine Hausnummer, weil ein Spezialist bin ich nicht.
Aber das nur bei einer speziellen Anordnung. Dass man z.B. 200mT 
"einfach so hopplahopp" in 2cm Entfernung zu einem solchen Magneten hat, 
hat mich jetzt von der Größenordnung überrascht.

Wenn ich näher darüber nachdenke:
Ist man sich eigentlich sicher, dass der Kern durch das Feld übehaupt 
komplett in Sättigung geht, oder ist nur der Strom durch einen Offset 
reduziert?
Je nachdem wie groß der Betrag eines solchen Offsets ist, kann man 
eventuell mit einem Derating davonkommen - man nehme eine Drossel mit 
einem höheren Sättigungsstrom. Eventuell kombiniert mit unvollkommenen 
Schirmungsmaßnahmen?

Ich würde mal hergehen und schaun:
Wie sieht denn der Sättigungsstrom denn in der Praxis mit und ohne 
Magnet aus? Kommt man mit einem Derating davon, oder ist es 
hoffnungslos?
OP (Firma: Raich Gerätebau & Entwicklung) #6719437
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Falk B. schrieb:
> Zu dünn. Es muss nicht geschlossen sein, es reicht, al magnetischer
> Kurzschluß aus. Probier mal 1-2mm Stahlblech. Außerdem ist vermutlich
> deine Kombination aus Zinkdruckgußgehäuse + Neodymmagnet ungünstig. Denn
> das Gehäuse ist vermutlich nur mäßig magnetisch leitfähig, weshalb ein
> sehr starker Magnet zur Montage genutzt wird.

Das Gehäuse ist aus dem 3D Drucker -> Kunststoff, keine Schirmung
Ein nicht geschlossenes Schirmblech dürfte nach meiner Vorstellung 
mehrere Stabmagnete bilden. Der bisherige Versuch mit dem 0,5mm Blech 
war vollkommen wirkungslos. Ich schau mal, ob ich mit einer kleinen 
geschlossenen Blechdose das Verhalten verbessern kann. Denke, dass nur 
eine geschlossene Eisen-Struktur genug Schirmwirkung hat.
#6719441
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Man kann auch eine dicke Kunststoffplatte zwischen Magnet und Gehäuse 
testen. Denn das Ziel ist es ja, die "bösen Feldlinien" möglichst vor 
der Platine sich schließen zu lassen. Eine Stahlplatte ist da ggf. sogar 
kontraproduktiv bzw. bringt gar nix.

Man kann auch versuchen, einen anderen Magneten mit anderer 
Magnetisierungsrichtung zu nutzen.

https://www.supermagnete.de/faq/Wie-sind-die-Magnete-magnetisiert-Wo-liegen-die-Pole

Ich würde vermuten, daß dein Magnet axial magnetisiert ist und damit 
sehr viel Streufeld durch das Metallgehäuse auf die Platine dringt. 
Vermutlich ist die diametrale Magnetisierung besser, die gibt es auch 
als Scheibe oder Quader.
OP (Firma: Raich Gerätebau & Entwicklung) #6719443
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jaslödfha schrieb:
> Dass man z.B. 200mT
> "einfach so hopplahopp" in 2cm Entfernung zu einem solchen Magneten hat,
> hat mich jetzt von der Größenordnung überrascht.

Wenn du das Bild ansiehst,ist der Abstand Magnet-Drossel nur etwa 2mm, 
noch dazu liegt die Drossel ziemlich im feldstärsten Bereich des 
Magneten.Von der Geometrie her leider alles maximal ungünstig!
Die Drossel hat ca. 350mA Sättigungsstrom und wird mit etwa 15mA 
betrieben, also großzügig dimensioniert.
#6719450
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Gebhard R. schrieb:
> Wenn du das Bild ansiehst,ist der Abstand Magnet-Drossel nur etwa 2mm,
> noch dazu liegt die Drossel ziemlich im feldstärsten Bereich des
> Magneten.Von der Geometrie her leider alles maximal ungünstig!
> Die Drossel hat ca. 350mA Sättigungsstrom und wird mit etwa 15mA
> betrieben, also großzügig dimensioniert.

Ja, aber unter solchen extremen Umständen reicht das nicht. Finde 
heraus, in welcher Achse die Spule liegt, vermutlich vertikal zur 
Platine, und dreh das Ding mal 90 Grad (horizontal)
Gast #6719463
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Vielleicht kann man mit kleinen Magneten in der Nähe der Induktivität 
das externe Feld abschwächen/kompensieren?
Oder/und eine Induktivität verwenden, die für einen höheren Strom 
ausgelegt ist?
Ladungspumpen-Spannungsteiler+LinRegler geht auch nicht?
Oder ein Blech außen auf das Gehäuse aufkleben, welches dann einen 
schwächeren Haltemagneten ermöglicht?
OP (Firma: Raich Gerätebau & Entwicklung) #6719488
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Falk B. schrieb:
> Muss es denn ein Magnet sein? Muss der sooo stark sein? Vielleicht tut
> es auch ein Saugfuss?

Nein, leider, das Messobjekt vibriert, erwärmt sich, und es soll eine 
Langzeitmessung sein -> zuverlässige Befestigung notwendig.

Falk B. schrieb:
> Ja, aber unter solchen extremen Umständen reicht das nicht. Finde
> heraus, in welcher Achse die Spule liegt, vermutlich vertikal zur
> Platine, und dreh das Ding mal 90 Grad (horizontal)

Ja, das hab ich schon herausgefunden. Wenn die Feldlinien des Magneten 
im Winkel von 90° auf die Feldlinien der Drossel trifft, passiert nix, 
Schaltregler arbeitet normal. Allerdings war der Abstand auch deutlich 
größer.
#6719491
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Teo D. schrieb:
> Frank D. schrieb:
>> Vielleicht eine Ringkerndrossel ausprobieren?
>
> Hatte ich auch dran gedacht. Nur das Material ist halt sehr zerbrechlich
> und das Ding soll glaube ich, für den 'Außeneinsatz' tauglich sein!?

Ja und? Zerbrechen alle Ringkerndrosseln sofort? Das Problem dürfe eher 
sein, eine zu finden, welche klein genug ist, um dort drauf zu passen. 
Ich vermute mal, daß ist die Drossel, siehe Anhang. Nach der Bauform zu 
urteilen, liegt die ungeschirmte Spule senkrecht und das Magnetfeld geht 
da voll längs durch.

Ich würde eine liegende Spule nehmen (1210er Format), die muss auch 
keine 350mA aushalten, wenn nur 15mA am Ausgang rauskommen. Da reichen 
50mA oder so, denn so viel Welligkeit hat so ein Schaltregler nicht.
OP (Firma: Raich Gerätebau & Entwicklung) #6722197
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So, update...
Mit einem Topfmagnet und den Magnetisierungsachsen von Magnet und 
Drossel im rechten Winkel arbeitet der Sensor problemlos. Ganz feldfrei 
ist der Topfmagnet auf der Rückseite auch nicht, würde sagen, etwa 
10-20% der Feldstärke vorne.
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