Forum: Ausbildung, Studium & Beruf Firmenwagen auch privat nutzen, wer zahlt den Sprit?


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von Gustav K. (hauwech)


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Hallo,

in einer Sendung berichtete ein Angestellter, dass er seinen Firmenwagen 
für 300 Euro pro Monat auch privat nutzen kann und das sei für ihn eine 
gute Lösung.

Ich gehe mal davon aus, dass ihn Steuer, Versicherung, Reifen, Bremsen, 
Reparaturen usw. nichts angehen.

Wie sieht das dann mit dem Sprit aus? Wird hier irgendwie zwischen 
privatem und geschäftlichem Verbrauch differenziert? Denn der eine fährt 
privat mehr, der andere weniger, da kann ja schon mal ein doppelter oder 
dreifacher Unterschied vorhanden sein.

Einmal voll tanken kostet z.B. bei mir 70 Euro, wenn das einer jede 
Woche macht, wären das alleine schon 300 Euro. Kann ja irgendwie nicht 
hinhauen.

Wer nutzt so ein Modell und kann aufklären?

Gustav

:
von Frank M. (ukw) (Moderator) Benutzerseite


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Kommt darauf an, in der Regel musst Du keinen Sprit zahlen.

In der Praxis müssen die Mitarbeiter häufig Betriebskosten des Fahrzeugs 
selber tragen, so insbesondere Benzinkosten, Wagenpflege, Garagenkosten.

Aber die können dann als Webungskosten wieder abgesetzt werden, siehe 
auch

https://www.lohnsteuer-kompakt.de/steuerwissen/firmenwagen-selbst-gezahlte-benzinkosten-bei-pauschalmethode-abziehbar/

Gilt aber nur, wenn die 1% Regel vereinbart wurde.

Steuern: 
https://www.test.de/Dienstwagen-Wie-Sie-die-private-Nutzung-am-guenstigsten-versteuern-5152332-0/

: Bearbeitet durch Moderator
von Jan H. (j_hansen)


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Gustav K. schrieb:
> Wie sieht das dann mit dem Sprit aus? Wird hier irgendwie zwischen
> privatem und geschäftlichem Verbrauch differenziert?

Ich nutze es (noch) nicht. Ich weiß allerdings, dass bei uns der Sprit 
grundsätzlich bezahlt wird, außer wenn jemand beispielsweise in den 
Urlaub fährt - also bei großem privaten Gebrauch zahlt man den Sprit 
selbst. Ist also Verhandlungssache.

Selbstbehalt bei Schäden oder wenn bei der Leasingrückgabe etwas nicht 
passt zahlt man meines Wissens nach ebenso selbst.

von Oliver S. (oliverso)


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Frank M. schrieb:
> In der Praxis müssen die Mitarbeiter

schlicht den vertragliche festgelegten Regeln folgen. Wenn der 
Arbeitgeber alles zahlt, zahlt der alles, wenn nicht, dann nicht. Ist 
alles möglich. Je weiter oben in der Hierarchie, desto wahrscheinlicher 
ist es, daß alles gezahlt wird.

Rechnen tun sich das entsprechend ganz gut bis gar nicht.

Oliver

von Markus W. (naggusm)


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Ich selber muss den Dienstwagen nur versteuern (1% vom Bruttolistenpreis 
+ 0.03% nochmal für jeden km einfache Pendelstrecke).

Sprit, Autowäsche, AD Blue oder sonstige Pflege für das Auto kann ich 
alles auf die Tankkarte machen.

Es gibt Kollegen, die haben ganze Europaurlaube mit vielen tausenden km 
mit den Firmenautos gemacht und da wurde nie etwas gesagt wegen des 
Sprits.
Nutzen aber nicht alle in der extremen Form. Daher wird es vermutlich 
toleriert.


Bei einem Unfall kommts darauf an, ob die Fahrt geschäftlich oder privat 
war ob ich den Selbstbehalt dann selber zahle oder die Firma.

von Senf D. (senfdazugeber)


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Markus W. schrieb:
> Bei einem Unfall kommts darauf an, ob die Fahrt geschäftlich oder privat
> war ob ich den Selbstbehalt dann selber zahle oder die Firma.

Man kann dann ja schnell einen Grund erfinden, damit es nachträglich zu 
einer dienstlichen Fahrt wird.

Tickets für Falschparken und zu schnelles Fahren werden sicherlich auch 
von der Firma übernommen?

: Bearbeitet durch User
von Rainer Z. (netzbeschmutzer)


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Senf D. schrieb:
> Tickets für Falschparken und zu schnelles Fahren werden sicherlich auch
> von der Firma übernommen?

Falschparken: (auch) Halterhaftung
Geschwindigkeitsverstoß: Fahrer muss büßen

von DANIEL D. (hiege) Benutzerseite


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Ich habe zwar nur diese 0,3 irgendwas Prozent-Regelung mit Weg zur 
Arbeitsstätte. Aber bei uns im Betrieb wird auch der Sprit bezahlt, und 
da wo ich vorher gearbeitet habe wurde das auch so gehandhabt.

Im Übrigens lohnen sich Elektroautos und Hybridautos besonders, weil das 
dann nochmals günstiger wird steuerlich und was weiß ich für den 
Betrieb, und auch das was es monatlich den Angestellten kostet.

Also anstatt 1% sind es wohl beim Hybrid nur 0,5 % es wird auch immer 
der Neuwagenwert genommen für diese Rechnung. Für mich persönlich wäre 
es nichts weil ich ja mit dem Auto arbeiten muss, und deswegen ist es 
voller Werkzeug. Keine Lust ein Privatauto zu haben welches voller 
Werkzeug ist, außerdem fahre ich ja eh nicht so viel Privat herum.

Aber ein Kollege nutzt das voll aus, vollkommen egal wenn er 100 km 
irgendwohin fährt er muss es ja nicht bezahlen.

von Den O. (denon)


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zahle in etwa 200e für meinen firmenwagen.
1% regel und 0.03% für jeden km zur arbeitsstätte.
sprit, wie auch der ganze rest ist dabei inc.

was ich extra zahlen müsste wären strafen wie falsch parken oder zu 
schnell.

alles in allem war es erstmal "komisch" 200e weniger netto zu haben. 
aber klar, relativiert sich sehr schnell. vorher hatte ich schon rund 
150e nur für sprit...

Sprit hab ich aber "nur" bis 20k km pro jahr frei.
danach müsste ich selber zahlen. allerdings benötige ich den firmenwagen 
bei der Arbeit kaum und daher schaffe ich die 20k km eh nicht.

alles in allem hat es viele vorteile.
schätze mal um mit einem privaten das selbe -netto- zu habe bräuchte ich 
knapp 400-500e mehr netto.

e-auto wäre nochmal günstiger gewesen. glaube wäre so auf 125e gekommen. 
hab's aber gelassen weil die lademöglichkeiten einfach noch etwas zu 
unpraktisch sind.
vielleicht in zwei jahren

von Percy N. (vox_bovi)


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von Rainer Z. (netzbeschmutzer)


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Percy N. schrieb:
> Für die Kosten ...

Danke für die Präzisierung und die Links. Ich wusste es bisher 
tatsächlich nicht so. Guter Trick vom Gesetzgeber, so wird der Halter 
nicht für etwas bestraft, was er (möglicherweise) nicht begangen hat, 
aber ggfls. mit Kosten belastet, die das Verwarnungsgeld bei weitem 
übersteigen.

von Percy N. (vox_bovi)


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Gut erkannt!

Hinsichtlich möglicher Verstöße im rollenden Verkehr (Tempo, rote Ampel 
...) könnte Dich vielleicht

https://www.rechtsanwalt-bach.de/verkehrsrecht-leipzig/fahrtenbuchauflage/

interessieren.

von Rainer Z. (netzbeschmutzer)


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Das wiederum kenne ich, alter Hut. Ich weiß, manche Väter wollen ihre 
Töchter sehr schützen und dann kommt die Fahrtenbuchauflage...

von Percy N. (vox_bovi)


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Früher ging das auch noch einigermaßen gefahrlos, da gab es keine 
Kostenüberwäzung, und auch das Fahrtenbuch war an das Fahrzeug gebunden, 
nicht an den Halter ...

Vor etwa 30 Jahren wurde mir im Rahmen einer kleinen Fidulität im 
Kollegenkreis (Einweihung einer neuen Kanzlei) folgende nette kleine 
Fazetie berichtet
Es war einmal - und ist wahrscheinlich noch immer - eine kleine Stadt in 
einem nördlichen Bundesland, nicht allzu weit vom großen Meer gelegen. 
Diet betrieben damals zwei Rechtsanwälte eine Kanzlei in Sozietät. Jeder 
der beiden hatte einen Pkw, nutzte ihn aber nie, sondern fuhr lieber mit 
dem Fahrzeug des Kollegen, der dafür das andere Auto fuhr.
Man fuhr nach Belieben,  und einlazfende Anhörungsbögen wurden vom 
jeweiligen Halter des Kfz mit der Bemerkung zurückgesandt, man sei 
unschuldig und habe keine Kenntnis von dem Vorfall.

Wenn dann irgendwann die Fahrtenbuchauflage kam, war es ohnehin an der 
Zeit,  ein neues Auto zu beschaffen.

Ob das so stimmt, kann ich nicht wissen, aber derjenige, der es damals 
erzählt hat, war Rechtsanwalt und daher unbedingt vertrauenswürdig ...

von Reinhard S. (rezz)


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Bei mir zahlt alles die Firma. Privatnutzung ist aber offiziell auch 
nicht erlaubt. Aber wenn man am Tag schlimmstenfalls 300km runterreihert 
fallen 50km privat auch nicht mehr auf...

von A. S. (achs)


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Percy N. schrieb:
> Man fuhr nach Belieben,  und einlazfende Anhörungsbögen wurden vom
> jeweiligen Halter des Kfz mit der Bemerkung zurückgesandt, man sei
> unschuldig und habe keine Kenntnis von dem Vorfall.

Das machen Paare auch. Bzw. haben sie seinerzeit gemacht.

Bei RA gab es eine andere Masche: Kleine Parkverstöße wurden vom RA 
übernommen, das Verfahren wurde mangels Fahrer-Identifizierung 
eingestellt und der RA über die Prozesskostenhilfe oder sonstwie 
bezahlt.

von Percy N. (vox_bovi)


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A. S. schrieb:
> Kleine Parkverstöße wurden vom RA übernommen, das Verfahren wurde
> mangels Fahrer-Identifizierung eingestellt und der RA über die
> Prozesskostenhilfe oder sonstwie bezahlt.

Faszinierend  ...

von Rainer Z. (netzbeschmutzer)


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Percy N. schrieb:
> A. S. schrieb:
>> Kleine Parkverstöße wurden vom RA übernommen, das Verfahren wurde
>> mangels Fahrer-Identifizierung eingestellt und der RA über die
>> Prozesskostenhilfe oder sonstwie bezahlt.
>
> Faszinierend  ...

Finde ich auch genial. Schön wär's.

von Heinz R. (heijz)


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Reinhard S. schrieb:
> Bei mir zahlt alles die Firma. Privatnutzung ist aber offiziell auch
> nicht erlaubt. Aber wenn man am Tag schlimmstenfalls 300km runterreihert
> fallen 50km privat auch nicht mehr auf...

dann musst aber auch keine Steuer für den geldwerten Vorteil zahlen?

Und Du musst auch für alle Fälle trotzdem privat ein Auto vorhalten?

von Sebastian L. (sebastian_l72)


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Reinhard S. schrieb:
> Bei mir zahlt alles die Firma. Privatnutzung ist aber offiziell auch
> nicht erlaubt. Aber wenn man am Tag schlimmstenfalls 300km runterreihert
> fallen 50km privat auch nicht mehr auf...

Wenn du das hier rausposaunst dann kann das dem Finanzamt auffallen.

Ein ausschließlich für die Firmentätigkeit bestimmter Wagen hat keinen 
geldwertenden Vorteil und ist nicht versteuern.
Bei nur 1 m Privatnutzung liegt ein geldwertender Vorteil vor.
Ganz andere Kiste.

Letzes Wochenende wurden hier an einem Ferienort die steuerlichen 
Gegebenheiten von 99 KFZ überprüft. Es folgen 13 steuerrechtliche 
Ermittlungen.
Wenn der Lambo ein Dienstwagen ohne Privatnutzung ist, sollte man damit 
nicht in der Hochsaison einen Ferienort anfahren.

: Bearbeitet durch User
von Reinhard S. (rezz)


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Heinz R. schrieb:
> Und Du musst auch für alle Fälle trotzdem privat ein Auto vorhalten?

Nein, muss ich nicht. Irgendein anderes Fortbewegungsmittel (und seien 
es die Füße) reicht.

Sebastian L. schrieb:
> Wenn der Lambo ein Dienstwagen ohne Privatnutzung ist, sollte man damit
> nicht in der Hochsaison einen Ferienort anfahren.

Ne, keine Sorge. War der Bugatti... Aber mal ehrlich, wenn Lambo dann 
ein Lamborghini Trattori und nicht so eine Fußhupe.

von Cha-woma M. (Firma: --------------) (cha-ar-196)


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Gustav K. schrieb:
> Ich gehe mal davon aus, dass ihn Steuer, Versicherung, Reifen, Bremsen,
> Reparaturen usw. nichts angehen.
>
> Wie sieht das dann mit dem Sprit aus?
Is auch drin!

Markus W. schrieb:
> Nutzen aber nicht alle in der extremen Form. Daher wird es vermutlich
> toleriert.

Ja, aber nur solange wie das dem Arbeitgeber in den Kram passt.

Senf D. schrieb:
> Markus W. schrieb:
>> Bei einem Unfall kommts darauf an, ob die Fahrt geschäftlich oder privat
>> war ob ich den Selbstbehalt dann selber zahle oder die Firma.
>
> Man kann dann ja schnell einen Grund erfinden, damit es nachträglich zu
> einer dienstlichen Fahrt wird.

Wenn`s auffliegt, kann`s einen den Job kosten.

von Heinz R. (heijz)


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Cha-woma M. schrieb:
> Wenn`s auffliegt, kann`s einen den Job kosten.

ich würde mir schnell einen neuen Job suchen...

von Rainer Z. (netzbeschmutzer)


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Sebastian L. schrieb:
> Letzes Wochenende wurden hier an einem Ferienort die steuerlichen
> Gegebenheiten von 99 KFZ überprüft. Es folgen 13 steuerrechtliche
> Ermittlungen.

Interessant... erzähl mal mehr! Waren da Beamte vom Finanzamt und/oder 
Zoll erschienen und notierten Kennzeichen? Um danach zu überprüfen, ob 
sie auf einen gewerblichen Halter zugelassen sind und für die 
Privatnutzung Steuern abgeführt werden? Oder wurden Leute in der 
Hotelbar interviewt?

Man staunt auch, wie umtriebig sich das Finanzamt bei 
ebay-Privatverkäufern umschaut.

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