JLCPCB für 230 VAC überhaupt geeignet?

Gast #6757441
Lesenswert?

Hi!

Schon interessant, was es alles zu wissen gilt, wenn man mit 230 Volt 
arbeiten muss.

CTI. So wie ich das verstanden habe: Kriechstromfestigkeit in Volt. 
Dummerweise gibt es FR4 auch mit CTI 175, was demnach ungeeignet für 230 
Volt ist. Dazu kommt noch die Lötstoppmaske, die den CTI sogar senken 
kann, was wohl mutmasslich der Grund dafür ist, warum ich schon oft 
Platinen gesehen habe, wo der einfach radikal weggelassen wurde.

Direkt mal bei JLCPCB geschaut, was da überhaupt verarbeitet wird. FR4. 
Aha. Nix weiter. Dann muss ich wohl CTI 175 annehmen.

So wie ich das verstanden habe, steigen dadurch die Kriechströme an. 
Dadurch wird das Material karbonisiert und es kommt irgendwann zum 
grossen Knall. Deshalb muss mal wohl für 230 Volt unbedingt CTI 300 
Basismaterial nehmen.

Ist das korrekt, oder bin ich zu paranoid?
Gast #6757582
Lesenswert?

Jan schrieb:
> So wie ich das verstanden habe: Kriechstromfestigkeit in Volt.

Ja, aber pro Distanz.
Doppelte Distanz erlaubt doppelte Spannung.

Die Grundeinheit für CTI kenne ich grade nicht  wohl 1/100" oder so was.

Naturlich geht CTI185 (das normale Epoxy) für 230V (und mehr bei mehr 
Kriechstrecke). Bei CTI300 Epoxy wäre es halt möglich, die 
Leiterbahnabstände etwas zu verringern (fast zu halbieren).

Jan schrieb:
> Durch FR4 mittendurch kommt nix

Er redet auch von Lötstop, die wird kaum mittendrin eingepresst.
Gast #6757875
Lesenswert?

MaWin schrieb:
> Die Grundeinheit für CTI kenne ich grade nicht  wohl 1/100" oder so was.

Nö. 3mm ;p

Zitat aus der englischen Wikipedia: "To measure the tracking, 50 drops 
of 0.1% ammonium chloride solution are dropped on the material, and the 
voltage measured for a 3 mm thickness is considered representative of 
the material performance."

Hier ist ein schönes Video:

https://www.youtube.com/watch?v=Vmd-kKlOZ1k

> Naturlich geht CTI185 (das normale Epoxy) für 230V (und mehr bei mehr
> Kriechstrecke). Bei CTI300 Epoxy wäre es halt möglich, die
> Leiterbahnabstände etwas zu verringern (fast zu halbieren).

Entweder ist das alles einfach nur schlecht erklärt, oder CTI185 hält 
bei 3mm Abstand nur 185 Volt aus. Wobei man jetzt ja nicht unbedingt 
Ammoniumchlorid auf seine PCBs kommen lässt.... Ich find das alles ist 
irgendwie ein seltsames Konstrukt.
#6758183
Lesenswert?

Jan schrieb:
> Lasst ihr den Lötstopplack bei 230V Platinen eigentlich weg? Habe ich
> schon öfters gesehen. Das wird ja kaum eine Kostenfrage gewesen sein.

Dann verzinnst du deine Leiterbahnen. Das kann man machen. Hat aber mit 
dem CTI Wert nichts zu tun. Da geht's eher darum, etwas mehr 
Stromtragfähigkeit aus dem Kupfer zu kitzeln indem man noch dick Zinn 
aufträgt. Da das alles aber sehr undefiniert ist, bin ich persönlich 
kein freund davon.

W.S. schrieb:
> Wer Angst vor Kriechströmen hat, baut in sein Layout ganz einfach
> Fräsungen mit ein, die zum Trennen von derart belasteten Layoutstellen
> sehr nützlich sind.

Das kommt sehr drauf an. Oftmals macht man das, weil man z.B. unter 
einem Bauteil oder zwischen 2 pins zu wenig Platz hat. Dabei übersieht 
man aber gern, dass diese Strecke dann von einem Bauteil überbrückt wird 
welches auch eine Fläche bietet die der Strom entlangkriechen kann... 
Fräsungen sind somit nur sehr selten tatsächlich sinnvoll um aus einer 
Kriech- eine Luftstrecke zu machen
#6758209
Lesenswert?

Christian B. schrieb:
> W.S. schrieb:
>> Wer Angst vor Kriechströmen hat, baut in sein Layout ganz einfach
>> Fräsungen mit ein
>
> Dabei übersieht man aber gern, dass diese Strecke dann von einem
> Bauteil überbrückt wird welches auch eine Fläche bietet die der
> Strom entlangkriechen kann...

Dieses! Theoretisch könnte das Bauteil aus besserem Material sein und 
man würde deshalb ein wenig gewinnen. TI verspricht z.B. für die ISO77xx 
einen CTI von 600, die ADuM22xx haben 400, aber die meisten Optokoppler 
sind mit 175 genauso schlecht wie die Platine!
#6758308
Lesenswert?

MaWin schrieb:
> Fräsungen benutzt man oft

den Zweck würde keine der Fräsungen erfüllen, welche ich bisher gesehen 
habe.

Da trifft schon eher zu, dass man vermeintlich die Kriechstrecke erhöht. 
Ich hab das bei einem ehemaligen Kollegen auch schon selbst gesehen. 
Aber der hat die Platine auch mit Vias zugebombt, weil er die 
Altiumfunktion dafür gefunden hat...
Gast #6758904
Lesenswert?

Pandur S. schrieb:
> Zinn auf Kupfer bringt nahezu gar nichts in Sachen Stromtragfaehigkeit.

Aber es erhöht die thermische Trägheit bis zum Durchbrennen der 
Leiterbahn erheblich, so dass eine z.B. für 16A dimensionierte 
Leiterbahn auch dann bei nachfolgendem Kurzschluss nicht verdampft, wenn 
zu ihrem Schutz erst der 16A LSS auslösen muss und 1s kurz mal 50A oder 
noch kürzer ein paar Millisekunden 350A fliessen lässt.

Nicht alles ist so unbegründet, wie Mäxchen glauben mag
#6758944
Lesenswert?

MaWin schrieb:
> Pandur S. schrieb:
>> Zinn auf Kupfer bringt nahezu gar nichts in Sachen Stromtragfaehigkeit.
>
> Aber es erhöht die thermische Trägheit bis zum Durchbrennen der
> Leiterbahn erheblich

und es kostet oft so gut wie gar nichts extra.

Sehr viele Netzteile haben viele THT-Komponenten wie dicke Elkos und 
Drosseln und Trafos und werden daher mit Wellenlötung hergestellt. Da 
muss man nur den Lötstopplack an der richtigen Stelle und evtl. mit 
Muster freistellen und schon bekommt man das Zinn da ohne extra 
Arbeitsgang auf die Leiterbahnen.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren