Polystyrol bohren

Gast #6781244
Lesenswert?

Hallo,
Aus Gründen der leichteren und schnelleren Erhältlichkeit bin ich für 
Aufbauten von Plexiglas auf Polystyrol( Bastelglas aus dem Baumarkt) 
umgestiegen.
Nun habe ich festgestellt das kleinere Löcher nach längerer Zeit (nach 
Tagen, auch mal erst nach Wochen) manchmal der Ursprung für Sprünge 
werden die dann über eine große Fläche gehen.
Kleinere Löcher mach ich mit dem Spiralbohrer. Größere Löcher die mit 
dem Schälbohrer gemacht wurden zeigen das Problem nicht.
Auch eine Prüfung mit Polfiltern zeigt das an den Rändern der kleinen 
Löcher Spannungen im Material zu sehen sind, bei den mit dem Schälbohrer 
gemachten nicht.
Nun ist schwierig z.B. 3mm Löcher mit dem Schälbohrer zu machen.
Was wären bessere Bohrer (Holzbohrer??) oder hätte tempern einen Sinn. 
Wenn ja wie lange und bei welcher Temperatur. Hat da jemand schon 
Erfahrung.

Gruß, Thomas
#6781251
Lesenswert?

Es gibt Kunststoff-Spiralbohrer mit angepasstem Schneidwinkel. Ob die 
gehen, müsstest du selbst herausfinden. Normale HSS jedenfalls ziehen 
sich zu aggressiv ins Material, vor allem zum Ende hin. Dann krachen sie 
durch, und zerreißen das Bastlerglas gern mal augenblicklich.

Habe letztens übrigens genau dasselbe gemacht, 3mm Löcher in Bastlerglas 
(5mm). Ging mit sehr kleinem Schälbohrer ganz gut, man muss aber von 
beiden Seiten bohren. Gut, wenn man jetzt ein wirklich zylindrisches 
Loch braucht, ist das natürlich nichts. Hatte nur 3mm Schräubchen 
durchgeführt, mit Muttern verschraubt. Funktionierte super.
Gast #6781263
Lesenswert?

Segelfam schrieb:
> Nun habe ich festgestellt das kleinere Löcher nach längerer Zeit (nach
> Tagen, auch mal erst nach Wochen) manchmal der Ursprung für Sprünge
> werden die dann über eine große Fläche gehen.

Schwierig.
Meine Erfahrung ist erst mal, immer bei Plaste ins volle bohren.
Und haarscharfe Bohrer.
Das weißt du aber sicher.

Mach mal Versuch mit Erwärmung.
Entweder vorher, oder eine Art tempern danach.
Gast #6781382
Lesenswert?

Andreas B. schrieb:
> Handbohren ist schwierig, weil ein Bohrer sich in das Loch
> hineinzieht.

Nur wenn man die falschen Bohrer verwendet. Wie schon ganz am Anfang 
geschrieben wurde haben Spiralbohrer für Kunststoff einen anderen 
Schneidwinkel (um die 80°) als die üblichen HSS-Universalbohrer aus der 
Grabbelkiste (118°).
(Firma: S-C-I DATA GbR) #6781394
Lesenswert?

Flip B. schrieb:
> Das Zeug sucht nur gründe zum springen. PS ist gut für
> einwegverpackungen wie Joghurtbecher, mehr nicht. Nimm PC oder PMMA.

Mal eine mir sehr gefallende Antwort :-)
und nun ein bisschen OT
Obwohl PET oder auch PETG eigentlich gut für Flaschen ist, kann man 
damit sehr gut solche Sachen machen.
PET hat die Eigenschaft nicht dass es sucht nur gründe zum springen 
zeigt.
Ein weiterer Vorteil ist die extrem gute UV Beständigkeit.

Transparente Scheiben auch für LCD's fertige ich gerne aus PETG, da es 
auch nicht so starke Index Änderung(en) auf LCD's (Regenbogen Effekt) 
gibt wie z.B. Plexi (Acrylglas).
Eigentlich kann man mit Polarisationsfilter (aus LCD's) sehr gut solche 
Spannung's-Linien sichtbar machen ;-)

Nachträgliche Bohrlöcher sind auch total Unproblematisch (Wobei bei 
3D-Druck meist nicht nötig).

Nur als Idee.
Gast #6781407
Lesenswert?

Segelfam schrieb:
> Was wären bessere Bohrer (Holzbohrer??)

Scharfe Nutfräser.

> oder hätte tempern einen Sinn.

Eindeutig.

Auch PMMA aka Acrylglas neigt zu Spannungsrissen.

Teo D. schrieb:
> Die Kratzer (Mikrorisse) in der Bohrwand mit Lösungsmittel ein
> ebnen?!

Exakt das fälscheste was man tun kann.

Lösungsmittel dringen in den Kunststoff ein und verstärken die 
Rissbildung.
Gast #6781424
Lesenswert?

Danke für die vielen Ratschläge.
Früher habe ich immer PMMA verwendet und hatte keine großen Probleme. 
Nun ist aber der Händler (Röhm) aus der Stadt gezogen  aber der Baumarkt 
ist gleich nebenan. Deshalb der Versuch mit Polystyrol.
Es ist ja auch nicht so dass die Risse beim Bohren entstehen sondern 
nach Tagen oder Wochen. Unter Umständen dann wenn das Gerät schon beim 
Abnehmer steht.

Fazit, wenn ich das alles lese.

1. auch für kleine Löcher Schälbohrer.
2. spezielle Kunststoffbohrer
3. Versuche mit Schaftfräser (welche Schneiden ?)
4, Tempern, welche Temperatur (kurz vor dem Erweichungspunkt?) und wie 
lange.
5. bringt Alles nix. Doch wieder auf PMMA trotz den längeren 
Lieferzeiten umsteigen

Gruß, Thomas
Gast #6781768
Lesenswert?

Schon witzig, wie die allgemeine Lesekompetenz abgenommen hat:

Die meisten geben Tipps wie man Risse beim Bohren verhindert.

Doch der Thread-Ersteller hat Probleme mit Spannungsrissen, die erst 
nach Wochen entstehen!
Gast #6781780
Lesenswert?

● Des I. schrieb:
> Oder auch mit einem dünnen Bohrer vorbohren
> und dann mit dem gewünschten Durchmesser einmal hinterher.

Bei einem Bohrer mit falschen Schneidwinkel ist das eine Garantie für's 
Ausbrechen. Der Bohrer zieht sich in das vorgebohrte Loch und schneidet 
ein 'Gewinde' das dann mit einer Schlag weggebrochen wird.
#6782457
Lesenswert?

Experte schrieb:
> Schon witzig, wie die allgemeine Lesekompetenz abgenommen hat:
>
> Die meisten geben Tipps wie man Risse beim Bohren verhindert.
>
> Doch der Thread-Ersteller hat Probleme mit Spannungsrissen, die erst
> nach Wochen entstehen!

Ah, der Experte spricht!

Kleine Risse, ohne Lupe unsichtbar und am Rand der Bohrung können Risse
genauso weiterwandern wie bei einer Windschutzscheibe mit Steinschlag...

Also eine Erscheinung mit der Zeit und vor allem auch der Temperatur-
schwankungen, eine "Nachbehandlung" der Ränder mit Lösungsmittel ist
eine "Verschlimmbesserung" die man sich nicht antun sollte...
Gast #6782565
Lesenswert?

Hallo,

aus oben genannten Gründen möchte ich kein anderes Material. Natürlich 
hat Lexan (Polykarbonat)hervoragende Eigenschaften, gibt's aber nicht 
bei mir um die Ecke. Wenn ich schon mein Material bestellen muss dann 
nehme ich wieder PMMA.
Ich werde mir kleine Schälbohrer besorgen. Das konische Loch spielt 
keine Rolle.
Möglicherweise sind auch garnicht die Löcher an den Sprüngen (obwohl man 
wie gesagt mit den Polfiltern Verspannungen sieht)Schuld sondern die 
Schraubenköpfe die auf das Loch drücken. Deswegen werde ich wo möglich 
ist Nylonschrauben oder bei Metallschrauben Kunststoffunterlegscheiben 
verwenden.

Gruß Thomas
Gast #6782621
Lesenswert?

Segelfam schrieb:

> Möglicherweise sind auch garnicht die Löcher an den Sprüngen (obwohl man
> wie gesagt mit den Polfiltern Verspannungen sieht)Schuld sondern die
> Schraubenköpfe die auf das Loch drücken. Deswegen werde ich wo möglich
> ist Nylonschrauben oder bei Metallschrauben Kunststoffunterlegscheiben
> verwenden.

Loriot: Ach?!

Langsam kommt die Ursache zum Vorschein, weshalb der Effekt bei den 
anderen 99 von Hundert nicht auftritt.
Gast #6842965
Lesenswert?

Tja, alle die hier antworten können nat. sofort und gleich Löcher 
perfekt in
alles bohren ohne auch nur kurz nachgedacht zu haben.
Wäre die Frage wer hier Löcher in Diamanten bohren kann kämen auch 
wieder 15
schlaue Typen die damit Erfahrung haben und das besser können als der 
Rest der
Welt. Alle Bereiche werden hier immer von vollkompetenten Nasen 
abgedeckt,
selbst Fragen nach Damenhygiene würden hier erschöpfend behandelt werden 
von
gestandenen Männern die einfach alles können ohne es jemals gemacht zu 
haben.
Gast #6843500
Lesenswert?

Hallo

OsA34 schrieb:
> Tja, alle die hier antworten können nat. sofort und gleich Löcher
> perfekt in...


Ich hoffe das du mit den Beitrag wenigstens etwas Frust abgebaut hast.
Leider bringt deine vollkommen zutreffende Beobachtung, nicht nur in 
diesen Forum aber hier halt besonders auffällig, gar nichts.
Ähnliches habe nicht nur ich vom Grundprinzip auch schon mehrere Male 
angesprochen...

Ergebnis:
Nullkommanichts diese Typen von Menschen verstehen es einfach nicht bzw. 
wollen es nicht verstehen.
Eingebildet bis es nicht mehr geht, manchmal haben sie sogar tatsächlich 
einiges an Wissen in einen speziellen Gebiet, aber dafür keinerlei 
Sozialkompetenz und sind Nerds im schlechtesten Sinne bzw. geistig "alte 
Männer" - wobei das Alter in Jahren eigentlich nicht von Belang ist.
Die "Krankheit" ist im technischen Umfeld und bei uns Männern wohl 
besonders stark vertreten, aber keine Angst:
Auch in anderen Bereichen gibt es diese "Mitmenschen" zur Genüge.

Was bleibt ?

Ignorieren auch wenn es immer wieder schwer fällt (Man hat gegenüber 
sich selbst Ansprüche und weis das man nicht Perfekt ist und alles weiß 
- und geht trotz besseren Wissens davon aus das alle anderen auch diese 
Erkenntnis haben....)
Oder beißende Ironie - wobei diese von den Adressaten nicht verstanden 
wird...

Irgendjemand
Gast #6849410
Lesenswert?

Segelfam schrieb:
> Möglicherweise sind auch garnicht die Löcher an den Sprüngen (obwohl man
> wie gesagt mit den Polfiltern Verspannungen sieht)Schuld sondern die
> Schraubenköpfe die auf das Loch drücken.

Na also. Plexiglas ist eben extrem bruchgefährdet, es ist  SPRÖDE !
Wie die meisten Kunststoffe muß es seeeeeehr vorsichtig bearbeitet 
werden- das betrifft Schneiden, Fräsen, Bohren, Schrauben  ...

Ich schraube häufig an Plastikteilen herum, das erfordert eine eigene 
Technik. Ein bißchen zuviel - und kannste wegwerfen. Schrauben niemals 
mit mehr als zwei Fingern fingerfest festdrehen.


Drehst du deine Schrauben also zu fest, mag sein daß nichts 'springt', 
aber der geringste Druck irgendwo daneben auf die Platte verursacht 
Spannungen, die zu Mikrorissen führen. Aus einem Mikroriß wird ein 
Miniriß und dann gehts schnell. Dann zerbröselt bei einen Schraubenkopf 
das gesamte Loch.

Dasselbe gilt fürs Bohren, Schneiden und 'Fräsen'. Jeglicher Druck ist 
zu vermeiden. Auch jegliche  Wärmeentwicklung. Also -langsam- Bohren. 
Und immer VORBOHREN . Und mit was Anderem als Holzbohrern 
(selbstzentrierend) kannst sowieso nicht 'exakt' bohren.

Ich bohre Plastik zwar oft auch mit normalen Spiralbohrern bis 5mm, 
beginne aber (je nach Exaktheit) mit 1,5mm -> 2,5 -> 4 - 6mm. Und das 
bei geringstmöglicher Drehzahl.
Beides mache ich auch bei Holz und Metall, seit Jahren. Über 1000rpm 
komme ich nicht einmal mit Schleifmops hinaus. Im Gegenzug ist alles 
exakt und präzise.
#6869360
Lesenswert?

Ich verwende für das Bearbeiten von Plexiglas (Drehbank, Bohren und 
Fräsen) ein spezielles auf Pflanzenbasis hergestelltes optimiertes 
Schmiermittel. Risse kommen damit einfach nicht vor und die Werkzeuge 
schälen sich sauber in das Material. Aber auf alle Fälle Alkohol und 
Azeton vermeiden. Auch ziehen sich normal geschliffene Bohrer überhaupt 
nicht in das Material. An sich müssten die Bohrer Schneidewinkel dafür 
optimiert sein.

Die Oberflächenqualität ist nachher so glatt, daß es kaum Arbeit bedarf, 
alles wieder durchsichtig zu bekommen. Kann ich nur wärmstens empfehlen. 
Ob es das Bearbeitungsmittel in D gibt ist mir unbekannt.

P.S. Das Zeug riecht sogar recht gut und erinnert leicht an Gebratenes 
und ist komplett umweltfreundlich und ungiftig.

https://www.busybeetools.com/products/cutting-compound-buttercut-ipt.html
https://aervoe.com/_files/techdata/25040pds.pdf
Gast #6869480
Lesenswert?

Karius schrieb:
> Kann man das Problem mit den Rissen umgehen indem man einfach
> Polycarbonat anstelle von Acrylglas nimmt?

nein, man kann kein Problem lösen, das es nicht gibt (das machen 
höchstens Mathematiker).

Segelfam schrieb:
> Früher habe ich immer PMMA verwendet und hatte keine großen Probleme.
> Nun ist aber der Händler (Röhm) aus der Stadt gezogen  aber der Baumarkt
> ist gleich nebenan. Deshalb der Versuch mit Polystyrol.

Segelfam schrieb:
> Aus Gründen der leichteren und schnelleren Erhältlichkeit bin ich für
> Aufbauten von Plexiglas auf Polystyrol( Bastelglas aus dem Baumarkt)
> umgestiegen.

und für das bestehende Problem ist es keine Lösung:

Segelfam schrieb:
> aus oben genannten Gründen möchte ich kein anderes Material. Natürlich
> hat Lexan (Polykarbonat)hervoragende Eigenschaften, gibt's aber nicht
> bei mir um die Ecke. Wenn ich schon mein Material bestellen muss dann
> nehme ich wieder PMMA.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren