Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Entstörkondensator von Pfaff Nähmaschine kaputt, welches Ersatzteil?


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von Moritz B. (moritzb)


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Hallo,

Mir ist gestern zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate ein Kondensator 
im Fußpedal einer Nähmaschine kaputt gegangen. Bereits im September ist 
dies bei einer alten Privileg Maschine passiert. Da ich zu dem Zeitpunkt 
eh schon eine "neue" gebrauchte Maschine kaufen wollte, störte das 
nicht.
Ich habe dann eine Pfaff 93 gekauft und nun ist mir gestern das gleiche 
wieder passiert. Die Nähmaschine surrte leise, als lief der Motor und 
plötzlich zischte und stank aus dem Fußpedal. Nach aufschrauben zeigte 
sich, dass offensichtlich der Entstörkondensator (korrigiert mich gerne, 
wenn ich falsch liege) kaputt gegangen ist. Ich habe hier im Forum 
bereits gelesen, dass dies nicht unüblich ist. Da ich mich nicht 
sonderlich gut mit solchen Bauteilen auskenne, würde ich gerne wissen, 
mit welchem Ersatzteil ich diesen ersetzen kann. Der beschädigte 
Kondensator hat folgende Werte aufgedruckt: 0,1µF + 2x 2500pF, 250V 2A.
Ich habe folgenden Kondensator im Netz gefunden: 
https://atr-shop.de/kondensatoren/spezial-kondensatoren/264/5-pol-xy-kondensator-2x-2700pf-0-1-f/250vac-6-3a?c=25
Er hat folgende Werte: 0,1µF + 2x 2700pF, 250V 6,3A. Kann ich diesen 
auch als Ersatz verwenden, obwohl der zweite Faradwert und die 
Stromstärke von meinem abweicht? Und wenn nicht, worauf genau muss ich 
achten, wenn ich keinen Kondensator mit den selben Werten finde?

Oder macht es alternativ Sinn, sich ein neues Fußpedal zu kaufen, und 
dort das Kabel anzuschließen? 
(Ebay-Artikel Nr. 300604786134)

Eine dritte Frage, aus Interesse wäre noch: Ist es tendenziell nur 
Zufall, dass mir dies nun bereits zum zweiten Mal passiert, oder kann es 
auch sein, dass ich den Umstand irgendwie begünstigt habe?

Ich würde mich sehr über Hilfe freuen
Viele Grüße
Moritz

von Olaf (Gast)


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> Er hat folgende Werte: 0,1µF + 2x 2700pF, 250V 6,3A. Kann ich diesen
> auch als Ersatz verwenden, obwohl der zweite Faradwert und die
> Stromstärke von meinem abweicht?

Kannst du machen. Die genauen Werte sind egal solange der maximale Strom 
mindestens genauso gross ist wie vom alten.

> Und wenn nicht, worauf genau muss ich
> achten, wenn ich keinen Kondensator mit den selben Werten finde?

Achte vor allem darauf das der neue mechanisch in dein Gehaeuse passt.

Olaf

von Stefan ⛄ F. (stefanus)


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Moritz B. schrieb:
> Ist es tendenziell nur Zufall

Diese Kondensatoren reagieren empfindlich auf Überspannung. Vielleicht 
hast du eine schlecht (oder gar nicht) geschützte Elektroinstallation 
und irgend etwas in der Nähe, das Spannungsspitzen auslöst. Typisch wäre 
z.B ein dicker Motor oder viele Leuchtstoffröhren, wenn sie abschaltet 
werden und nicht ordnungsgemäß entstört sind.

Du kannst ja mal einen Elektriker fragen ob er dir Überspannungs-Schutz 
Elemente in den Sicherungskasten einbaut. Ich meine, das ist bei 
Neuinstallationen und Sanierungen inzwischen Standard.

: Bearbeitet durch User
von Harald W. (wilhelms)


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Stefan ⛄ F. schrieb:

> Diese Kondensatoren reagieren empfindlich auf Überspannung.

Ja, es macht Sinn, einen 275VAC-Kondensator als Eratz zu verwenden,
wenn der auch noch passt.

von MaWin (Gast)


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Moritz B. schrieb:
> Kann ich diesen auch als Ersatz verwenden

Problemlos. Mehr geht immer, wenns baulich teinpasst.

Die Maschine funktioniert auch ohne, stört dann halt mehr.

von oszi40 (Gast)


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Interessant wäre nach mehrfachen C-Austausch die Ursache. Evtl. C 
fehlerhaft, induktive Abschaltspannung oder Spannungsspitze von außen? 
Waren noch weitere Geräte betroffen? Dann wäre ein 
Überspannungsschutz-Adapter die schnelle Vorbeugung.

von Ein Kommentar (Gast)


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> Oder macht es alternativ Sinn, sich ein neues Fußpedal zu kaufen

Enthalten die neuen Fußschalter überhaupt noch das Netzfilter? Eventuell 
musstest du dann zusätzlich für ~10€ ein neues Netzfilter kaufen.

von kawasaki (Gast)


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oszi40 schrieb:
> Interessant wäre nach mehrfachen C-Austausch die Ursache. Evtl. C
> fehlerhaft, induktive Abschaltspannung oder Spannungsspitze von außen?
> Waren noch weitere Geräte betroffen? Dann wäre ein
> Überspannungsschutz-Adapter die schnelle Vorbeugung.

Pfaff 93

Das Ding und sein Kondensator ist Steinalt, aus den 60ern



https://www.naehmaschinenverzeichnis.de/verzeichnis-der-naehmaschinen/pfaff-ab-60er-jahre/


>> im September ist
>> dies bei einer alten Privileg Maschine passiert.

die andere wird ein Vorkriegsmodell gewesen sein ;)

von Christian M. (likeme)


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Solche C´s habe ich in meiner Lehrzeit tonnenweise aus Elektrowerkzeugen 
ausgebaut und erneuert. Die sind quasi Verbrauchsmaterial. Ich war 
damals in der Instandhaltung eines Industriebetriebs. Ein Weglassen 
führte zu enormer Funkenbildung, aber zur Not gings auch. Man konnte das 
Bürstenfeuer dann auch im Radio hören :-)

: Bearbeitet durch User
von Olaf (Gast)


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> Das Ding und sein Kondensator ist Steinalt, aus den 60ern

Yep, und das ist vollkommen normal das die kaputt gehen.
Besonders dann wenn die Maschine irgendwo jahrelang rumstand
und dann erst wieder angeschlossen werden. Ich glaube
die Teile ziehen ueber die Jahre Feuchtigkeit und sabbern
dann ihren Schmodder raus wenn sie wieder am Netz haengen.

Olaf

von g457 (Gast)


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> Yep, und das ist vollkommen normal das die kaputt gehen.

Leider, aber der Tausch ist leicht und die Nähmaschinen sind fast 
unkaputtbar (und, falls jemand die Nase rümpft über "ist ja alt": 
aktuelle vergleichbare Maschinen (mit, zugegeben, ein paar mehr 
unnötigen Featuren), kosten grob vierstellig(!)). Wenn man schon offen 
hat am besten den zweiten Kondensator auch gleich tauschen, der fängt 
gerne an zu lecken (sodass die Maschine ohne Anlasserbetätigung 
losnäht).

von Walter T. (nicolas)


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Moritz B. schrieb:
> Oder macht es alternativ Sinn, sich ein neues Fußpedal zu kaufen

Solltest Du wirklich ein neues kaufen wollen, biete ich Dir 20 € für das 
alte  defekte Pedal. (Bei Interesse schreib mir bitte eine PN.) Ich 
liebe die Fuptik (Haptik für die Füße) der alten Pfaff-Maschinen.

g457 schrieb:
> aktuelle vergleichbare Maschinen (mit, zugegeben, ein paar mehr
> unnötigen Featuren), kosten grob vierstellig(!))

Allerdings nur, wenn man die erste Nachkommastelle mitnimmt. Die alten 
Pfaff sind toll, aber eine aktuelle Singer für ca. 400 Euro ist auch 
kein Spielzeug mehr.

: Bearbeitet durch User
von Moritz B. (moritzb)


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Erst einmal vielen Dank an euch alle für die freundliche und schnelle 
Rückmeldung, das hat mich echt positiv überrascht!

Olaf schrieb:
> Kannst du machen. Die genauen Werte sind egal solange der maximale Strom
> mindestens genauso gross ist wie vom alten.
Perfekt, vielen Dank. Dies werde ich dann vermutlich so machen.

Stefan ⛄ F. schrieb:
> Vielleicht
> hast du eine schlecht (oder gar nicht) geschützte Elektroinstallation
Das kann sehr gut sein, im Haus hier ist die Elektroinstallation nicht 
sonderlich gut.

Harald W. schrieb:
> Ja, es macht Sinn, einen 275VAC-Kondensator als Eratz zu verwenden,
> wenn der auch noch passt.
Da habe ich leider keinen gefunden bisher :(

oszi40 schrieb:
> Waren noch weitere Geräte betroffen? Dann wäre ein
> Überspannungsschutz-Adapter die schnelle Vorbeugung.
Guter Tipp, das werde ich so oder so auf jeden Fall mal machen. Für 
meinen Computer habe ich auch so einen.

MaWin schrieb:
> Mehr geht immer, wenns baulich teinpasst.
Auch in Bezug auf die Farrad-Werte? Oder muss man da in einem gewissen 
Bereich bleiben?

Ein Kommentar schrieb:
> Enthalten die neuen Fußschalter überhaupt noch das Netzfilter?
Gute Frage, da dies wohl der Standard-Fußanlasser auf dem Markt ist, 
wäre ich jetzt von ausgegangen.

g457 schrieb:
> Wenn man schon offen
> hat am besten den zweiten Kondensator auch gleich tauschen
Guter Tipp, Danke!

Walter T. schrieb:
> Solltest Du wirklich ein neues kaufen wollen, biete ich Dir 20 € für das
> alte  defekte Pedal. (Bei Interesse schreib mir bitte eine PN.) Ich
> liebe die Fuptik (Haptik für die Füße) der alten Pfaff-Maschinen.
Das mach ich! Und da hast du Recht, das Pedal ist auch das bisher beste, 
was ich benutzt habe.

g457 schrieb:
> die Nähmaschinen sind fast
> unkaputtbar
Das stimmt! Bis auf das Kondensator-Thema waren alle alten Nähmaschinen, 
die ich benutzt habe, äußerst zuverlässig und robust.

von Martin L. (makersting)


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Falls du eben gemeint hast, das Pedal wegzugeben. Tue es nicht, kaufe 
nicht dieses Nachbauding. Ich hatte so eins aus Unwissenheit gekauft: 
der letzte Scheiß! Billigster Chinakrempel, elektrische Sicherheit 
fragwürdig, mechanisch schlecht.

von Moritz B. (moritzb)


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Martin L. schrieb:
> Falls du eben gemeint hast, das Pedal wegzugeben. Tue es nicht, kaufe
> nicht dieses Nachbauding. Ich hatte so eins aus Unwissenheit gekauft:
> der letzte Scheiß! Billigster Chinakrempel, elektrische Sicherheit
> fragwürdig, mechanisch schlecht.

Achso, hatte ich tatsächlich nicht so gemeint, sondern dass ich mich bei 
Walter melde, falls ich ein neues kaufen würde. Aber danke, dann werde 
ich definitiv die Variante „Reparieren“ machen :)

von Walter T. (nicolas)


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Martin L. schrieb:
> kaufe
> nicht dieses Nachbauding. Ich hatte so eins aus Unwissenheit gekauft:
> der letzte Scheiß! Billigster Chinakrempel, elektrische Sicherheit
> fragwürdig, mechanisch schlecht.

Meine "Victoria" hat ein Pedal, das optisch identisch aussieht, ist aber 
auch schon 15 Jahre alt. Ganz so drastisch ist es dort nicht. Es ist 
brauchbar.

Moritz B. schrieb:
> Achso, hatte ich tatsächlich nicht so gemeint, sondern dass ich mich bei
> Walter melde, falls ich ein neues kaufen würde.

Ich würde den Tausch auch nicht machen - aber Menschen sind 
unterschiedlich. Oft ist es auch die Frau im Haus, die der Meinung ist, 
dass das alte weg muss und etwas Neues her. Also habe ich einfach mal 
den Gegenwert des Ersatzpedals geboten, bevor das Original auf dem 
Schrott landet.

Ich würde zumindest nie das defekte Pedal weggeben, ohne mit dem neuen 
zufrieden zu sein.

von HildeK (Gast)


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Moritz B. schrieb:
> MaWin schrieb:
>> Mehr geht immer, wenns baulich teinpasst.
> Auch in Bezug auf die Farrad-Werte? Oder muss man da in einem gewissen
> Bereich bleiben?

Es heißt Farad. Die Einheit wurde nach Michael Faraday benannt.

Und ja, in dem Bereich solltest du schon bleiben. Die typischen 
Entstörkondensatoren weichen auch nicht grob ab. 20% Toleranz haben die 
schon bei der Auslieferung. Ob jetzt 2500pF oder 2700pF ist wirklich 
egal - zu groß sollten sie jedoch nicht werden.
Auch die 100nF sollten in dem Bereich bleiben; zuviel und die Maschine 
läuft los ohne Fußpedalbetätigung.

Unabhängig davon läuft das Teil auch ohne diesen Kondensator, nur 
produziert es mehr Funkstörungen.
Im Anhang ein Plan einer anderen Pfaff, dürfte bei deiner ganz ähnlich 
sein.

von Peter R. (pnu)


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Größer als 100 nF ist schlecht:

Das Entstörglied liegt vor dem Schalter des Geräte am Netz, da er den 
Geräteschalter beim Schalten sehr beansprucht. Wenn jetzt der Stecker 
bei ausgeschalteter Maschine aus der Steckdose gezogen wird, ist der 
Kondensator schlimmstenfalls (minutenlang) mit û des Netzes geladen.

Hausfrauen klagen dann immer, dass sie beim Wegräumen des Geräts einen 
Schlag am Stecker abbekommen haben.

0,1µ F sind VDE-gemäß, größere Werte könnten gefährlich werden

: Bearbeitet durch User
von Karl B. (gustav)


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Peter R. schrieb:
> Hausfrauen klagen dann immer, dass sie beim Wegräumen des Geräts einen
> Schlag am Stecker abbekommen haben.
>
> 0,1µ F sind VDE-gemäß, größere Werte könnten gefährlich werden

Hi, normalerweise gehört da ein Entladewiderstand noch rein.
Siehe Bild.
Ist aber von Anno Schnüf.
Heute mindestens 275 V~
Besser 310 V~

ciao
gustav

: Bearbeitet durch User

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