Hallo,
sehe eben, dass ein kleiner Bautrupp den Gehweg kreisrund aufbudelt und
ich erkundige mich, was das werden soll. Ich höre, das Kabel zur
Straßenlaterne sei defekt. Ich frage, wieso gerade hier gebuddelt wird.
Antwort: Ein Messtrupp sei hier gewesen, habe die Stelle ermittelt und
ein Kreuz auf den Boden gemalt. Wie das gehen soll, wusste er nicht.
Wie kann man also in ca. 1 Meter Tiefe einen Kabelbruch lokalisieren?
Die üblichen Kabelfinder aus dem Baumarkt schaffen bekanntlich gerade
mal paar cm in der Tiefe.
Wobei mich wundert, wieso ein Kabel in 1 Meter Tiefe so einfach bricht.
So tief sind m.W. keine Mäuse unterwegs.
Axel
Axel H. schrieb:> Wie das gehen soll, wusste er nicht.
Man kann zum Beispiel Kurze Impulse ins Kabel senden und abwarten, bis
das Echo zurück kommt. Denn an der defekten Stelle wird der Impuls
reflektiert.
Funktioniert im Prinzip wie ein Echolot, nur mit Strom statt Schall. Auf
diese Weise habe ich damals schadhafte (auch geknickte) Stellen in Koax
Kabeln gefunden.
Es gibt Geräte welche in das Kabel ein Signal (waren glaub ich etwa
300kHz und man konnte dann auch noch andere Frequenzen auswählen)
einspeisen und dann muss man mit dem Empfänger nur noch oben entlang
laufen und siehst dann wo das Signal schwächer wird, da hört dann die
Leitung auf.
Mike J. schrieb:> Es gibt Geräte welche in das Kabel ein Signal (waren glaub ich etwa> 300kHz und man konnte dann auch noch andere Frequenzen auswählen)> einspeisen und dann muss man mit dem Empfänger nur noch oben entlang> laufen und siehst dann wo das Signal schwächer wird, da hört dann die> Leitung auf.
Ja, aber leider ist das nicht ganz so einfach: desto höher die Frequenz,
desto leichter koppelt das Signal kapazitativ über einen Kabelbruch
hinweg. Oder es koppelt in über längere Strecke parallel laufende Kabel
ein.
Durch diese Effekte kannst Du dann ab der Bruchstelle kein sehr schnell
schwächer werdendes Signal messen, sondern es bleibt noch ein
signifikanter Pegel übrig. Damit wird es schwer die genaue Bruchstelle
zu lokalisieren.
Wenn Du niedrigere Frequenzen nimmst, wird die Wellenlänge größer und
das Peilen dadurch gröber und ungenauer.
Für einen Kabelbruch ist daher Zeitbereichsreflektometrie normal Mittel
der Wahl. Wenn Du natürlich den genauen Verlauf des Kabels nicht kennst,
dann bleibt Dir nichts anderes übrig als mit solchen Methoden zu peilen.
Es bleibt dann noch abzuwarten ob damit wirklich die richtige Stelle
gefunden wurde! Wie oft haben Meß-Trupps schon Falsch-Messungen gebracht
....
Chemie ist das was knallt und stink, Physik ist das was nie gelingt !
;-)
Jemand schrieb:> Es bleibt dann noch abzuwarten ob damit wirklich die richtige Stelle> gefunden wurde! Wie oft haben Meß-Trupps schon Falsch-Messungen gebracht
Solange Du nicht das Meßgerät bedienst, halten sich deren Fehler in
Grenzen.
Ein Problem ist, den passenden Leitungstyp einzustellen, je nach Bauart
des Kabels ergeben sich unterschiedliche Laufzeiten.
Ich kenne solche Dinge von Telefon- und Netzwerkkabeln, das funktioniert
ziemlich gut - wenn man die Meßtechnik korrekt bedienen kann oder Fehler
erahnt.
Bei mir gab es eine gestörte Telefonleitung, da kam die Firma KatiKom im
Auftrag der Telekom und hat gemessen, der Fehler liegt knapp neben dem
Haus. Könnte passen, da ist eine Muffe im Erdreich meiner Einfahrt. Ein
paar Stunden später rief mich der Herr an, "wir müssen nochmal messen
kommen, haben einen Fehler im Kabel unseres Meßgerätes entdeckt". Der
Mann hatte Erfahrung, die neue Messung zeigte um 150 Meter weiter, wo
tatsächlich der Fehler war.
Wer misst misst Mist, aber der Praktiker hat im Daumen, nicht jeden Wert
zu glauben.
Axel H. schrieb:> Wie kann man also in ca. 1 Meter Tiefe einen Kabelbruch lokalisieren?
Die Tiefe ist völlig egal. Gemessen wird die Länge bis zum Kabelende.
Die Messung mittels FDR lässt sich mit jedem VNA durchführen, solange du
die Signalausbreitungsgeschwindigkeit im Kabel kennst.
Jemand schrieb:> Es bleibt dann noch abzuwarten ob damit wirklich die richtige Stelle> gefunden wurde! Wie oft haben Meß-Trupps schon Falsch-Messungen gebracht
Leider konnte ich das nicht mehr in Erfahrung bringen, denn nachmittags
waren die schon nicht mehr da. Die Pflastersteine wieder sauber
eingesetzt, eine Schippe Sand drüber und mit dem Besen in den Ritzen
gekehrt. So sauber ausgeführt, dass ich die Stelle kaum wieder gefunden
habe. Boden aufreißen, Kabelkanal aufmachen, Kabel reparieren, alles
wieder zu machen in 4 Stunden - das fand ich fix.
Schade, denn mich hätte auch interessiert, wieso ein Kabel in 1 Meter
Tiefe reißt - oder was immer da angebrannt ist. Eine Ladesäule an der
Laterne wars jedenfalls nicht, denn soweit sind wir hier noch nicht.
Fehlerursache kann z.B. eine unbemerkte Beschädigung bei Bauarbeiten
sein, oder auch nur ein spitzer Stein, der sich durch den Kabelmantel
gedrückt hat; eindringende Feuchtigkeit sorgt dann für den Rest.
Außer der Zeitbereichsreflektometrie und dem Einsatz von
Trassensuchgenerator und Suchspule gibt es noch eine weitere Methode zum
Aufspüren der Fehlerstelle: Nachdem alle angeschlossenen Verbraucher von
der Leitung getrennt sind (z.B. durch Entfernen der Sicherungen), speist
ein fahrbarer Stoßspannungsgenerator Hochspannungsimpulse in das Kabel
ein; an der Schadensstelle entstehen dann Überschläge, die mit einem
tragbaren Bodenmikrofon aufgespürt werden. Auf eine solche Aktion bin
ich als neugieriger Jugendlicher einmal zufällig gestoßen und durfte
selbst ausprobieren, wie das mit Bodenmikrofon und Kopfhörer
funktioniert. Über der Schadensstelle konnte man das Knacken aus dem
Bürgersteig übrigens auch mit bloßem Ohr hören, wenn man sich etwas
vorgebeugt hat.
Bei uns hatten Sie damals vor 10-15 Jahren auch mal nach nem Fehler im
Niederspannungskabel (Erdkabel) von der Trafostation bis zu unserem Haus
gesucht. Alle Haussicherungen in den Häusern wurden getrennt.
Mir wurde damals gesagt, dass die da eine hohe Spannung auf das Kabel
geben und dann ist einer mit Kopfhörer und einer Sonde dem Kabelverlauf
unterm Gehweg entlanggegangen und hat scheinbar durch Hören nach dem
Kurzschluss gesucht.
Irgendwie sowas wurde mir erzählt. Ob ich das richtig verstanden habe...
Axel H. schrieb:> Die Pflastersteine wieder sauber eingesetzt, eine Schippe Sand> drüber und mit dem Besen in den Ritzen gekehrt. So sauber ausgeführt,> dass ich die Stelle kaum wieder gefunden habe.
Ähnlich ging es mir, als wir neue Fenster bekamen. Solche Vorfälle
erinnern einen daran, wie Wertvoll gute Handarbeit ist und dass man
viele Dinge besser den Fachleuten überlässt. Sie sind ihr Geld wert.