Hallo,
auf welcher Oberfläche (Alu oder POM) würde das übliche doppelseitige
Spiegelklebeband dauerhaft besser haften? Belastung ist hauptsächlich
auf Zug und zusätzlich leichte Scherung.
Beide Oberflächen wären fein überdreht, sauber und fettfrei.
Was meint die hier versammelte Schwarmintelligenz?
Heiner
POM ist wie Teflon ähnlich. Da hält das Klebeband ganz sicher nicht.
Es gibt aber Lösungen wie schon erwähnt zum beizen sprich vorbereiten
der Klebeflächen. Ist aber meiner Meinung nach nur für flüssige Kleber
gedacht.
Probe kleben und Test belasten ist da immer vorher sinnvoll.
herbert schrieb:> Probe kleben und Test belasten ist da immer vorher sinnvoll.
Aber den Test lange genug machen.
Ich habe mal versucht eine leichte Spiegelkachel mit ungeeignetem
Doppelklebeband an Fliessen zu kleben, die ist dann gaaaaanz langsam
innerhalb mehrerer Tage abgerutscht.
Udo S. schrieb:> herbert schrieb:>> Probe kleben und Test belasten ist da immer vorher sinnvoll.>> Aber den Test lange genug machen.
Genau der Punkt und der zentrale Grund meiner Anfrage. Habe hier Alu und
POM und das Spiegelklebeband klebt auf der fein gedrehten POM-Oberfläche
eigentlich ganz gut. Aber wie sieht das in paar Monaten oder in einem
Jahr aus?
Udo S. schrieb:> ... ist dann gaaaaanz langsam innerhalb mehrerer Tage abgerutscht.
Kenne ich eher anders: Hatte mal einen Winkel für einen superleichten
Tennisschläger an die Seite einer Schrankwand mit Spiegelklebeband
angeklebt. Der Winkel saß bombenfest. Nach paar Wochen lag der Schläger
am Boden. Habe den Winkel dann nochmal stark angedrückt, hielt wieder
bombenfest. Nach paar Wochen lag der Schläger wieder am Boden. Also das
Zeug ist tückisch. Spiegelklebeband war von TESA.
Heiner W. schrieb:> Aber wie sieht das in paar Monaten oder in einem> Jahr aus?
Schlecht (Pumm Klirr)
POM muss wirklich aktiv Oberflächenbehandelt werden, damit eine
dauerhafte Klebung auf die Weise möglich ist.
Selbst im 3D-Druck, nicht so beliebtes Material, weil es gerne
Schichttrennungen aufweist.
Da wäre ASA um klassen besser.
Aber grad bei Alu gibt es Klebbänder die im Klebstoff Substanzen haben,
die das Alu anätzt, da ist dann die Verbindung mehr als dauerhaft,
sprich nach einer zeit kaum mehr trennbar.
Heiner W. schrieb:> Genau der Punkt und der zentrale Grund meiner Anfrage. Habe hier Alu und> POM und das Spiegelklebeband klebt auf der fein gedrehten POM-Oberfläche> eigentlich ganz gut. Aber wie sieht das in paar Monaten oder in einem> Jahr aus?
ganz einfach: schlecht
Patrick L. schrieb:> Aber grad bei Alu gibt es Klebbänder die im Klebstoff Substanzen haben,> die das Alu anätzt, da ist dann die Verbindung mehr als dauerhaft,> sprich nach einer zeit kaum mehr trennbar.
Bei Spiegelklebeband auf Alu sind meine Erfahrungen auch durchweg
positiv. Wenn man so ein Alu-Teil runter reißt, reißt der Schaum
zwischen den beiden Klebeschichten. Dann hat man richtig zu tun, um die
Klebereste am Alu runter zu popeln.
Dann muss ich das Teil aus Alu anfertigen lassen. Hatte mir Vorteile
wegen dem geringeren Gewicht versprochen, denn das Gewicht zieht auch an
der Klebung. Aber mir scheint, eine gute und dauerhafte Klebung ist
wichtiger als etwas mehr Gewicht.
Kleiner Tipp:
Oberfläche von Alu unmittelbar vor dem verkleben kurz anschleifen, da
Alu innerhalb (Je nach Umgebung) von ca 20 Sekunden, Aluoxid entwickelt.
Da reduziert sich bei gewissen Klebern, die Haftung um bis zu 20%.
Gibt auch spezielles Klebeband für schwierige Kunststoffe (also
Materialien mit niedriger Oberflächenenergie), z.B. 3M 4952. Das sollte
auf jeden Fall besser halten als irgendein nicht näher spezifiziertes
"Spiegelklebeband".
Jakob L. schrieb:> ... z.B. 3M 4952. Das sollte auf jeden Fall besser halten als> irgendein nicht näher spezifiziertes "Spiegelklebeband".
Sehr interessant!
Nutze das Spiegelklebeband von TESA (55741). Habe damit bisher gute
Erfahrungen gemacht. Angaben zur Zugfestigkeit o.ä. finde ich auf den
Seiten von TESA keine. Nur die etwas seltsame Angabe auf der Packung von
50kg pro Meter Klebeband (??). Da das Klebeband 19mm breit ist,
entspräche das einer Zugfestigkeit von 0.263kg/cm² (??).
Das 3M 4952 kommt dagegen mit schlappen 5.5kg/cm² daher (Faktor 21).
Da kann was stimmen. Wer findet den Fehler?
@Jakob L.: Das von dir genannte 4952 finde ich bei 3M als 4952,
angeboten wird es ausschließlich als 4952P. Ist dir die Bedeutung des
"P" bekannt?
Heiner W. schrieb:> Das 3M 4952 kommt dagegen mit schlappen 5.5kg/cm² daher (Faktor 21).> Da kann was stimmen. Wer findet den Fehler?
Na, wenn Du richtig gerechnet hast, wird's wohl kein Fehler sein. Das
Band ist ja auch kein klassisches Spiegelklebeband, daß man im Zweifel
wieder rückstands- und zerstörungsfrei entfernt bekommt, sondern ein
Montageband.
Ohne danach gesucht zu haben, würde ich drauf wetten, daß Tesa auch
doppelseitig klebende Montagebänder herstellt, die deutlich mehr als das
übliche Consumer-Spiegelklebeband halten.
Das "P" bei 4952P bedeutet nur dass es eine Rolle 19mm x 3m ist. Gibt
auch andere Abmessungen, die sind aber weniger gut erhältlich.
Zum Vergleich der Werte: Du vergleichst da Äpfel mit Birnen. Bei Tesa
ist die Angabe vermutlich für die (statische) Scherfestigkeit (ist ja
dafür da, etwas an eine Wand zu kleben) und bei 3M ist die
Scherfestigkeit auch deutlich niedriger, 1500g auf 3.23 cm2, also 0.46
kg/cm2 (oder 500g bzw. 0.15 kg/cm2 bei 65 Grad). Und 3M spezifiziert nur
für 10000 Minuten (knapp 7 Tage), da sollte man auch noch einen
Sicherheitsfaktor einrechnen wenn es mehrere Jahre halten soll.
Eventuell ist das bei Tesa schon enthalten.
Jakob L. schrieb:> Du vergleichst da Äpfel mit Birnen. Bei Tesa ist die Angabe> vermutlich für die (statische) Scherfestigkeit ...
Man kann bei Tesa tatsächlich nur vermuten, den die machen in ihren
"Datenblättern" keine Angaben zu Zugfestigkeit oder Scherfestigkeit. Bei
dem Montageband gibt es die Angabe von 50kg für einen Streifen von 1
Meter Länge (seltsame Angabe) und für das Spiegelklebeband die Angabe
eines Spiegels mit 70x70cm aus 4mm Glas (aberwitzige Angabe). Es würde
mich nicht wundern, wenn es sich bei dem Spiegelklebeband und dem
Montageband um ein und das selbe Produkt handelt. So kann man dieses
Klebeband zwei mal verkaufen, die Marketingabteilung lässt grüßen.
Nebenbei: Bei beiden Herstellern (Tesa, 3M) beträgt die Lagerfähigkeit 1
Jahr. Auf der hier vorliegenden Packung von Tesa findet sich aber weder
das Herstellungsdatum, noch das MHD (wird bei 3M nicht anders sein). Wie
kann man sicherstellen, dass man nicht eine total überlagerte Rolle
angedreht bekommt?
M.M.M schrieb:> Ohne danach gesucht zu haben, würde ich drauf wetten, daß Tesa auch> doppelseitig klebende Montagebänder herstellt, die deutlich mehr als das> übliche Consumer-Spiegelklebeband halten.
Wette mal lieber nicht, du könntest die Nase einklemmen.
Udo S. schrieb:> Alu dürfte unproblematischer sein
Seltsamerweise gestaltet es sich jetzt gerade andersrum, POM klebt
super, bei Alu gibt es ziemliche Probleme. Im Bild ein eloxiertes
Aluprofil, darauf habe ich versuchsweise mit 4 Stücken mein Teil
angeklebt.
Die 4 Klebestücke wurden bei Raumtemperatur auf die fein überdrehte und
mit Aceton entfettete Oberfläche meines Drehteils (AW5083) aufgebracht
und mit einer Schraubzwinge angepresst. Das elox. Aluprofil (Bild) wurde
ebenfalls mit Aceton entfettet und das Drehteil mit einer Schraubzwinge
aufgepresst. Danach klebte das Teil ca. 2 Stunden.
Nach 2 Stunden versucht, das Teil abzureißen. Mit einem leisen Schnalz
war es weg, wider Erwarten war die Haftung minimal, zudem sind die
Klebestücke an dem elox. Aluprofil verbleiben (Bild). Das hätte ich
andersrum erwartet, da das elox. Aluprofil Außentemperatur hatte (ca.
0°C), was nicht optimal ist. Denn das Klebeband soll nicht unter 10°C
verklebt werden.
Bisher war es immer so, dass bei einer gewaltsamen Trennung der Schaum
zwischen den beiden Klebeseiten gerissen ist. Ich stehe vor einem
Rätsel.
Um ein überaltertes Klebeband auszuschließen, habe ich mal einen
Zugversuch durchgeführt. Zwei allseits überdrehte Alublöcke aus AW5083
an den mit Aceton entfetteten Stirnflächen (20x24mm) mit dem
doppelseitigen Tesaband verklebt (Bild 1). Dann ebenfalls mit einer
Schraubzwinge gepresst.
Nach ebenfalls 2 Stunden warten dann mit einer Kofferwaage gezogen und
dabei das Display gefilmt. Die Klebung riss bei 21.3 kg. Wie gewohnt ist
der Schaum gerissen, die beiden Klebeseiten hafteten jeweils komplett
und sind sehr schwer ab zu bekommen.
Verkehrte Welt, denn die vermuteten Probleme mit POM gibt es nicht,
dafür gibt es wider Erwarten gewaltige Probleme mit dem Alu. Das
verstehe wer will.
Für die Nachwelt: Will man die max. Zugfestigkeit, muss man einige Tests
fahren. Die Zugfestigkeit hängt von vielen Faktoren ab (u.a. Material
und Oberflächengüte). Erst wenn der Schaum reißt, ist die Haftung
perfekt. Einfach nur anpappen und hoffen ist nicht der richtige Weg.