Forum: Platinen Neuling mit ersten Erfahrungen: Entlöten? Platinenätzen? Flussmittel? Lötzinndicke?


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von Keks F. (keksliebhaber)


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Hallo,

dieses Thema hat Querbeet einige Fragen. Ich dachte daher es ist 
vielleicht besser, hier im OT-Forum zu fragen.

Kurz zu mir.
Ich habe letzten Monat Arduinos für mich entdeckt. Ich hatte immer ein 
größeres Interesse, aber Elektronik war für mich immer mit einer 
Lernblockade verbunden.
Mangels Zeitvertreib und Dank aktuellem Anwendungsfall konnte ich mich 
jedoch durchsetzen und habe auf dem Breadboard mein erstes "Gerät" 
fertig, mit Software usw., zur Anwendung in meiner Hobbyholzwerkstatt. 
Ich werde davon mindestens 2 Anfertigungen machen. Im Laufe dieser 
Erfahrung bis jetzt habe ich einige Fragen.

1) Entlöten.
Ich habe beim Entlöten einige Schwierigkeiten. Ich habe einmal 
Entlötlitze (was bei mir gar nicht gut funktioniert), dann habe ich 
einmal eine ganz einfache Entlötpumpe. Das geht okay, aber es bleiben 
Reste.
Spezieller Anwendungsfall gerade: Ich habe von meinem Bruder, der mal 
einen "Lötkurs" an der Uni hatte, Hartpapier-Lochrasterplatinen 
stibitzt. Die hatte er von damals mitgehen lassen (dürfen?).
Nachdem ich ungefähr das Layout durchdacht hatte, lötete ich die 
Buchsenleisten auf (Arduino und gewisse andere Komponenten möchte ich 
bei Bedarf gerne abstecken oder dazustecken zwecks Debugging wie bspw. 
ein kleines LCD).
Ich vergas die Platine vorzubereiten. Flussmittel habe ich leider 
keines, bis auf das im Lötzinn enthaltene. Ich habe einfach vergessen, 
kurz mit Essigessenz über die Platine zu gehen. Dadurch haftete das 
Lötzinn an den Pins der Buchse, aber überhaupt gar nicht an dem Kupfer 
der Platine. Resultat war zu viel Lötzinn und kein Kontakt, außer, dass 
ich die Pins wunderbar überbrückt hatte.
Und da ist mein Problem konkret.
Was tue ich, wenn ich zu viel Lötzinn habe?
Mit der Pumpe kriege ich das meiste weg, allerdings bleiben Reste und 
eine Überbrückung.
Ich gucke gerne z.B. TronicsFix auf YouTube. Da und auf anderen Kanälen 
packen die einfach den ganzen Bereich voll mit Flussmittelgel, und gehen 
einfach mit dem fast blanken Kolben kurz rüber. Dann ist der Überschuss 
weg. Das geht bei mir nicht, kein Abtrag. Gut, ich habe auch nicht 
dieses tolle Gel (Frage für gleich).
Manchmal wird dann auch noch Entlötlitze verwendet. Von unten nach oben: 
Lötstelle, Entlötlitze, Lötkolben.
Ich habe damit nie Erfolg gehabt. Die Aufnahme ist immer sehr sehr 
mager, und man sieht, dass die Litze das Lot nicht aufnimmt, sondern das 
Lot einfach draufschwimmt.
Wie arbeite ich auch so sauber?

2) Platinen ätzen, Entsorgungsfrage.
Irgendwo reizt es mich aber auch das Platinenätzen selber 
auszuprobieren. Meine verstorbene Mutter war Chemielaborantin, und ich 
war in dem Bereich immer sehr afin und habe zu Schulzeiten ein Praktikum 
in dem Bereich absolviert.
Gerne würde ich das Platinenätzen mal ausprobieren, ich nehme das 
allerdings sehr ernst. Lohnen wird sich das bei meinem Bedarf eher 
nicht, aber es interessiert mich.
Wie reinige ich die Werkzeuge/Schale nachher von dem Ätzmittel? Mit 
Wasser und in den Abfluss darf ja nichts, weil das EisenIIIChlorid oder 
das Natriumpersulfat dann mit Kupfer gemischt ist, und es damit 
Chemieabfall ist und entsprechend entsorgt werden muss.
Reicht es, wenn ich alles mit Zewa abwische und dieses dann in einen 
Container packe und als Chemieabfall mit entsorge? Oder muss ich noch 
nachspülen? Und kann ich das dann am Waschbecken, oder ist da noch so 
viel Ätzmittel (EisenIIIChlorid greift ja wunderbar Edelstahl an, und 
Hallo Kupferrohre erst), oder zu viel Kupfer mit bei, dass ich das 
Spülwasser auch aufbewahren und entsorgen muss?

3) Flussmittel
Welches Flussmittel brauche ich? Ich möchte "normale" Lötarbeiten wie 
oben beschrieben machen. Seltenst möchte ich mal zu Reparaturzwecken 
versuchen an Endgeräten (Mainboard mit abgerissenem Stecker bspw. oder 
durchgebrannter SMD-Widerstand Dank Blitzeinschlag fällt mir gerade ein, 
weil ich sowas bei mir noch gebunkert habe).
Es gibt ja einmal das grobe Pastenzeug im Döschen, was wohl eher in die 
Kategorie "Rohre und/oder sehr grobes Zeug) passt.
Dann den Flussmittelstift.
Dann das oben genannte Gel. Das interessiert mich sehr. Allerdings 
pappen die in den Videos immer so viel drauf (oder die Makroaufnahmen 
täuschen), und ich finde nur "kleine" 10ml Spritzen. Wie viel brauche 
ich?

Zum Stift und Gel hätte ich gerne Produktempfehlungen.

4) Lötzinn.
Ich habe jetzt bleifreies Lot mit Flussmittelseele. Ich hatte aus dem 
Bestand 1mm dickes, und habe mich jetzt wieder dafür entschieden. Nach 
der Benutzung heute habe ich doch Zweifel, dass das vielleicht zu dick 
ist. Was sind da die Unterschiede?

-Flussmittelseele ist gleich groß, also mehr Flussmittel pro Zinn?
-Kleiner also feiner?
-Dadurch, dass ich weniger Lot aufeinmal einbringe, kann ich besser 
löten, weil die Temperatur an der Lötstelle besser gehalten werden kann?



Ich hoffe mein Beitrag ist nicht zu lang und verständlich.
Ich bedanke mich für alle Leser und für alle Antworten!

Grüße
Ein Keks Liebhaber

: Verschoben durch Moderator
von Lothar M. (lkmiller) (Moderator) Benutzerseite


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Keks F. schrieb:
> Wie arbeite ich auch so sauber?
Üben, üben, üben, üben.

> Zum Stift und Gel hätte ich gerne Produktempfehlungen.
Vergiss den Stift. Das taugt:
https://www.reichelt.de/flussmittelgel-yellow-flash-22-no-clean-10-gr-edsyn-fl-22-yfl-p215275.html

> Wie viel brauche ich?
Gegenfrage: wieviel willst du löten? Aber generell lautet die Antwort: 
nicht allzu viel. Und den Rest hinterher gründlich wegwaschen.

> Und kann ich das dann am Waschbecken
Ja.
> oder ist da noch so viel Ätzmittel (EisenIIIChlorid greift ja wunderbar
> Edelstahl an, und Hallo Kupferrohre erst)
Abwasserrohre sind nicht aus Kupfer. Und was meinst du, welche Säuren 
und Laugen laufend in Form von Abflussreinigern ins Abwasser geschüttet 
werden?

> Von unten nach oben: Lötstelle, Entlötlitze, Lötkolben.
In der Aufzählung fehlt Flussmittel. Mach auf die Entlötlitze was davon.
> Ich habe damit nie Erfolg gehabt.
Üben, üben, ...

Keks F. schrieb:
> Nach der Benutzung heute habe ich doch Zweifel, dass das vielleicht
> zu dick ist. Was sind da die Unterschiede?
Ich nehm zur Not das, was grad noch da ist....
> -Flussmittelseele ist gleich groß, also mehr Flussmittel pro Zinn?
Flussmittel kommt eh' zusätzlich dran.

> -Kleiner also feiner?
Für feine und feinste SMD-Lötereien ist das 0,5er immer noch das Beste.

> -Dadurch, dass ich weniger Lot aufeinmal einbringe, kann ich besser
> löten, weil die Temperatur an der Lötstelle besser gehalten werden kann?
Die Lötspitze sollte DICK und MASSIV sein, damit sie die Wärme an die 
Lötstelle bringt. Wenn du da so einen fisselige feine spitze Lötnadel 
hast, dann kann der Kolben noch so heizen, die Wärme kommt nicht 
dorthin, wo sie gebraucht wird.

In dem Bild dort würde ich die mittlere oder die untere nehmen, aber 
siche nicht die beiden oberen:
https://asset.conrad.com/media10/isa/160267/c1/-/de/002361160PI00/weller-we-1010-loetspitzen-set-langform-konisch-meisselform-flachform-inhalt-5-teile.jpg?x=320&y=320&format=jpg&ex=320&ey=320&align=center

EDIT: meine Spitze ist die kurze dort ganz links:
https://m.media-amazon.com/images/I/61CqC7y3FEL._SL1200_.jpg

: Bearbeitet durch Moderator
von Keks F. (keksliebhaber)


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Hallo,

erst einmal vielen Dank für die Antwort.

Ich lese heraus, dass man gerade für Entlötarbeiten oder 
Nachbearbeitungen viel Flussmittel (extra, und nicht nur als 
Flussmittelseele) braucht damit alles vor und während der Arbeit 
oxidfrei bleibt.
Auch das Übung hier sehr wichtig ist.
Ich danke für die Produktempfehlung.
Achso und um bei dem Lötspitzenbild (dem zweiten) zu bleiben. Keine 
Sorge, hier wird keine Nadel verwendet. Das ist mir schon bewusst, ich 
versuche auch immer die Spitze zu nehmen, die gerade klein genug ist, 
dass ich nicht mehrere Sachen gleichzeitig berühre.
Ich habe selber 1, 2, 5, 9 und 10.
5 benutze ich explizit nur für's Plastikschweißen.
Ich habe es hier mit 2 und 9 probiert.

von Egon D. (Gast)


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Keks F. schrieb:

> 1) Entlöten.
> Ich habe beim Entlöten einige Schwierigkeiten.

Grundsätzlich: Entlöten ist immer mehr oder weniger
Gebastel. In der regulären Fertigung kommt das i.d.R.
nicht vor, sondern konzentriert sich auf Entwicklung,
Reparatur, Hobbylabor.


> Ich habe einmal Entlötlitze (was bei mir gar nicht gut
> funktioniert),

Es scheint da verschiedene Fabrikate mit sehr unterschied-
lichen Eigenschaften zu geben. Entlötlitze verwende(te) ich
auf Arbeit selten, privat nie.

Entlötlitze mit Flussmittel ist m.E. dramatisch besser als
solche ohne.


> dann habe ich einmal eine ganz einfache Entlötpumpe. Das
> geht okay, aber es bleiben Reste.

Das ist m.o.w. normal.
Die größte Herausforderung ist es, bedrahtete Bauteile auf
einer Mehrlagenplatine zu wechseln, ohne die Platine zu
ruinieren -- beispielsweise, weil taube Elkos auf einem
PC-Mainboard ersetzt werden sollen. Das bringt auch geübte
Löter an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.


> Ich vergas die Platine vorzubereiten. Flussmittel habe
> ich leider keines, bis auf das im Lötzinn enthaltene.

Das ist GANZ schlecht. Umgehend ändern.

Meine Empfehlung ist Kolophonium in Alkohol; entweder
dünnflüssig als Löttinktur oder breiartig als Löthonig.
Etwas angedickt ist m.E. besser als ganz dünn, weil es
mehr Kolophonium enthält.


> Ich habe einfach vergessen, kurz mit Essigessenz über
> die Platine zu gehen.

Essigessenz?! Höre ich zum ersten Mal...
Ich glaube nicht, dass das gesund für die Elektronik ist.


> Was tue ich, wenn ich zu viel Lötzinn habe?

Du reinigst zuerst die Lötspitze; sie soll schön zinnblank
aussehen und keine Flussmittelreste mehr aufweisen.

Dann stellst Du die Lötkolbentemperatur vernünftig ein;
Zinn von der Rolle soll zügig schmelzen, aber das Kolophonium
nicht explosionsartig in Qualm verwandelt werden.

Jetzt bringst Du Flussmittel auf die Lötstelle auf.

Nun nimmst Du die Platine in die eine Hand und hältst sie
umgedreht ungefähr in Augenhöhe vor Dich -- also so, dass
die Lötstelle UNTEN ist. Jetzt gehst Du mit dem Lötkolben
schräg von unten an den Lötklecks, den Du entfernen willst.
Das Zinn wird flüssig und läuft, der Schwerkraft folgend,
an die Lötspitze, wo Du es abstreifen oder abschütteln
kannst.

Achtung: Man KANN sich auf die beschriebene Art auch
flüssiges Zinn auf die Hand oder die Hose tropfen, aber
ob das empfehlenswert ist, muss jeder selber wissen... ;)

Alternative zur beschriebenen Prozedur: Entlötlitze MIT
FLUSSMITTEL verwenden.


> Mit der Pumpe kriege ich das meiste weg, allerdings
> bleiben Reste und eine Überbrückung.

FLUSSMITTEL VERWENDEN!


> Ich habe damit nie Erfolg gehabt. Die Aufnahme ist immer
> sehr sehr mager, und man sieht, dass die Litze das Lot
> nicht aufnimmt, sondern das Lot einfach draufschwimmt.
> Wie arbeite ich auch so sauber?

REICHLICH FLUSSMITTEL VERWENDEN!


> 3) Flussmittel
> Welches Flussmittel brauche ich?

Siehe oben: Meine Empfehlung für den Anfang ist und bleibt
Kolophonium in Alkohol. Chemisch gutartig, preiswert und
ergiebig.
Platinen nach Bestückung mit Spiritus und Zahnbürste waschen.


> Es gibt ja einmal das grobe Pastenzeug im Döschen, was
> wohl eher in die Kategorie "Rohre und/oder sehr grobes
> Zeug) passt.

Keinesfalls Klempner-Lötwasser verwenden!

von Egon D. (Gast)


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Keks F. schrieb:

> Achso und um bei dem Lötspitzenbild (dem zweiten) zu
> bleiben. Keine Sorge, hier wird keine Nadel verwendet.
> Das ist mir schon bewusst, ich versuche auch immer die
> Spitze zu nehmen, die gerade klein genug ist, dass ich
> nicht mehrere Sachen gleichzeitig berühre.

Du sagst das so dahin, aber das ist ein wichtiger Punkt
und m.E. Anfängerfehler Nummer zwei: Zu dünne, zu schlanke
Lötspitze. Wird viel zu oft falsch gemacht.

von keksliebhaber (dieses mal als Gast) (Gast)


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Hallo,

ich wollte gerade schreiben, dass die Litze Flussmittel hat, und ich 
extra darauf geachtet habe. Aber verdammt, ich wurde misstrauisch, und 
es ist tatsächlich keine vorhanden. Ich ärgere mich. Kein Wunder, dass 
das gar nicht funktioniert. Ja **** mich doch.
Aber ja, Flussmittel soll da sein, und immer extra drauf.
Das Kolophonium selber zu lösen und so zu verwenden, das habe ich auch 
schonmal gelesen. Ich würde gerne beides ausprobieren, also das Gel und 
das.
Welchen Alkohol verwende ich da? Rein soll er auch sein, nehme ich an? 
Zündtemperatur ist ja kein Problem, die ist bei 400°C.

Das mit der Essigessenz war ein reiner Notbehelf meinerseits. Wenn man 
eine Lochrasterplatine hat und kein Flussmittel mehr, hilft es 
tatsächlich, die einmal kurz überzuwischen.
Gutes Handwerk ist das natürlich nicht.

von Hannes J. (Firma: _⌨_) (pnuebergang)


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Keks F. schrieb:
> 1) Entlöten.
> Ich habe beim Entlöten einige Schwierigkeiten.

https://www.mikrocontroller.net/articles/SMD_L%C3%B6ten#Entl%C3%B6ten_von_SMD-Bauteilen

> Ich habe einmal
> Entlötlitze (was bei mir gar nicht gut funktioniert),

Gammelige Entlötlitze der Flussmittel fehlt?

> dann habe ich
> einmal eine ganz einfache Entlötpumpe. Das geht okay, aber es bleiben
> Reste.

Lötzinn-Reste? Also in den Ursprungszustand bekommst du beim Entlöten 
weder Platine noch Bauteile.

> Ich vergas die Platine vorzubereiten.

Alte Platine? Oxidiert? Wenn sonst nichts besseres da ist mit etwas 
feiner Stahlwolle, altem Topfschwamm o.ä. reinigen. Das gibt verkratzte 
Oberflächen, daher nicht bei wichtigen Platinen.

> Flussmittel habe ich leider
> keines, bis auf das im Lötzinn enthaltene.

Ändern. Jedes Elektronik-Flussmittel ist besser als nichts. Nur keine 
Sachen aus dem Klempner-Bedarf (Lötfett, Lötwasser oder ähnlicher Mist).

> Ich habe einfach vergessen,
> kurz mit Essigessenz über die Platine zu gehen.

Das soll funktionieren?

> Was tue ich, wenn ich zu viel Lötzinn habe?

Mit der sauber abgewischten Lötspitze noch mal ran gehen. Meist bleibt 
genug Lötzinn an der Spitze haften dass es reicht.

> Mit der Pumpe kriege ich das meiste weg, allerdings bleiben Reste und
> eine Überbrückung.

Flussmittel und kurz mit dem Lötkolben ran.

> Ich gucke gerne z.B. TronicsFix auf YouTube.

Da habe ich schon grenzwertige Löt- und Entlötaktionen gesehen.

> Da und auf anderen Kanälen
> packen die einfach den ganzen Bereich voll mit Flussmittelgel, und gehen
> einfach mit dem fast blanken Kolben kurz rüber.

Ob Gel oder Flüssig ist erst mal egal. Hauptsache Flussmittel.

> Dann ist der Überschuss
> weg. Das geht bei mir nicht, kein Abtrag.

Spitze nicht abgewischt?

> Ich habe damit nie Erfolg gehabt. Die Aufnahme ist immer sehr sehr
> mager, und man sieht, dass die Litze das Lot nicht aufnimmt, sondern das
> Lot einfach draufschwimmt.

Gammelige Entlötlitze. Vor Benutzen die Entlötlitze richtig in 
Flussmittel eintauchen.

> Wie arbeite ich auch so sauber?

Üben, üben, üben.

> 2) Platinen ätzen, Entsorgungsfrage.
> Irgendwo reizt es mich aber auch das Platinenätzen selber
> auszuprobieren.

Ehrlich? Ist scheiße!

Ich bin so froh dass ich mich mit dem ganzen Chemikalien-Müll nicht mehr 
rumschlagen muss. Keine Belichtungsreihen mehr aufnehmen. Keine 
stundenlangen Versuche um die richtigen Zeiten zu finden. Kein Ärger mit 
den Vorlagen. Kein Ärger mit fehlender Durchkontaktierung, Lötstopp, 
Bestückungsdruck. Kein Bohren.

Einfach in China bestellen und etwas Geduld haben bis die Platinen da 
sind.

>  aber es interessiert mich.

Es ist nur lästige Fummelarbeit und so lange du an deiner 
Prozesskalibrierung arbeitest einfach rausgeschmissenes Geld.

> Wie reinige ich die Werkzeuge/Schale nachher von dem Ätzmittel? Mit
> Wasser und in den Abfluss darf ja nichts, weil das EisenIIIChlorid oder
> das Natriumpersulfat dann mit Kupfer gemischt ist, und es damit
> Chemieabfall ist und entsprechend entsorgt werden muss.

Danke das du dir Sorgen drüber machst. Wenn man die Selbstätz-Fans fragt 
wie die entsorgen, dann kommen komische bis keine Antworten.

Auch ein Grund warum ich das nicht mehr selber mache. Ja, ich weiß, in 
China wird angeblich alles ungefiltert in den Fluß gekippt. Vielleicht. 
Trotzdem kein Grund es selber zu machen.

> 3) Flussmittel
> Welches Flussmittel brauche ich?

Ein für Elektronik geeignetes. Egal ob aus einem Stift, einer 
Gelspritze, Flasche mit Pipette.

> Es gibt ja einmal das grobe Pastenzeug im Döschen, was wohl eher in die
> Kategorie "Rohre und/oder sehr grobes Zeug) passt.

Genau. Lötfett. Übler Scheißdreck, für Elektronik nicht geeignet.

> Dann den Flussmittelstift.

Geht.

> Dann das oben genannte Gel.

Geht genauso.

> Allerdings
> pappen die in den Videos immer so viel drauf

Lois Rossmann übertreibt es sehr.

> (oder die Makroaufnahmen
> täuschen),

Auch das.

> und ich finde nur "kleine" 10ml Spritzen. Wie viel brauche
> ich?

Eine 10ml Spritze reicht eine ganze Weile. Beim ersten Kauf zusehen dass 
man eine (Plastik)Kanüle und einen Spritzenstempel (Kolben) mit bekommt.

> Zum Stift und Gel hätte ich gerne Produktempfehlungen.

Alles mit Markennamen. Aber leider werden die extrem stark gefälscht. Es 
dürfte mehr gefälschte Kester Flux-Pens und Amtech NC-559 Tuben geben 
als es je echte gab.

Daher von einem vertrauenswürdigen Händler kaufen. Das schützt auch 
nicht 100% vor Fälschungen aber ist mal ein Anfang.

> 4) Lötzinn.
> Ich habe jetzt bleifreies Lot mit Flussmittelseele. Ich hatte aus dem
> Bestand 1mm dickes, und habe mich jetzt wieder dafür entschieden. Nach
> der Benutzung heute habe ich doch Zweifel, dass das vielleicht zu dick
> ist.

1mm ist schon ziemlich fein. Die klassischen Größen für Through-Hole 
gehen eher Richtung 1,5mm bis 2mm. Ich würde vorschlagen nehm mal 
dickeres.

> -Flussmittelseele ist gleich groß, also mehr Flussmittel pro Zinn?

Eben nicht. Grob: Je dünner desto weniger Flussmittel.

Früher(R) hat man gar kein zusätzliches Flussmittel genommen oder 
gebraucht. Das war Übung aber auch weil in dem dickeren Lötzinn genug 
Flussmittel war.

> -Dadurch, dass ich weniger Lot aufeinmal einbringe, kann ich besser
> löten, weil die Temperatur an der Lötstelle besser gehalten werden kann?

Bei normalen Lötstellen auf der Platine und einem normalen Lötkolben 
nicht relevant. Dünner heißt nur feiner dosierbar.

: Bearbeitet durch User
von Wolfgang (Gast)


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Keks F. schrieb:
> Das ist mir schon bewusst, ich versuche auch immer die Spitze zu nehmen,
> die gerade klein genug ist, dass ich nicht mehrere Sachen gleichzeitig
> berühre.

Bei SMT-Bauteilen mit größerer Pin-Anzahl ist das der falsche Weg.
Guck dir mal bei YouTube ein paar Tutorials zu Drag Soldering an. Da 
ziehst du die Lötspitze einfach über alle Pins rüber - abgeschrägte 
Lötspitze, Flussmittelgel und der richtige Winkel (über, üben)

von Egon D. (Gast)


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keksliebhaber (dieses mal als Gast) schrieb:

> ich wollte gerade schreiben, dass die Litze Flussmittel
> hat, und ich extra darauf geachtet habe. Aber verdammt,
> ich wurde misstrauisch, und es ist tatsächlich keine
> vorhanden.

Okay... dann ist das Mysterium ja schonmal geklärt.


> Das Kolophonium selber zu lösen und so zu verwenden, das
> habe ich auch schonmal gelesen. Ich würde gerne beides
> ausprobieren, also das Gel und das.
> Welchen Alkohol verwende ich da?

Ich nehme aus Gründen leichter Verfügbarkeit normalen
Brennspiritus; andere empfehlen Isopropanol. Ob Isoprop
wirklich besser ist, kann ich mangels Vergleich nicht
beurteilen.


> Rein soll er auch sein, nehme ich an?

Naja, "Nordhäuser Doppelkorn" ist vielleicht nicht optimal :)
aber bei Brennspiritus habe ich noch keine negativen Folgen
bemerkt.

Man sollte nur das Fläschchen mit der Löttinktur möglichst
nicht umhauen... das gibt eine fürchterliche Sauerei, das
klebt wie Hexe...


> Das mit der Essigessenz war ein reiner Notbehelf meinerseits.

Ach so, okay. Man lernt doch nie aus.

Ich war nur einigermaßen verwundert, weil ich mal versucht
habe, einen Ansatz für CuCl-Ätzbrühe mit Kochsalz, Essigessenz
und Kupferspänen hinzubekommen. Wie gut es ätzt, weiss ich
nicht, aber die Kupferspäne aus dem Ansatz haben sich zumindest
aufgelöst und eine wunderbar blaugrüne Suppe ergeben. Deshalb
dachte ich mir so, dass Essigessenz auf der Platine vielleicht
kein ganz so brillianter Einfall ist...

von Wolfgang (Gast)


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Egon D. schrieb:
> Ob Isoprop wirklich besser ist, kann ich mangels Vergleich nicht
> beurteilen.

Ist besser - es stinkt nicht so

von grantler (Gast)


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Hannes J. schrieb:
> Ja, ich weiß, in
> China wird angeblich alles ungefiltert in den Fluß gekippt. Vielleicht.

Das glaube ich ehrlich gesagt nicht mal. Die nehmen mit Sicherheit das 
billigste Verfahren, das die geforderte Qualität liefert. Ich weiß 
nicht, aber irgendwie kommt mir das Konzept "Ätzbrühe verbrauchen und 
verklappen" teurer vor als "Ätzbrühe industriell nutzen und 
regenerieren".

Zum Thema:

Als Entlötwerkzeug kann ich die Engineer SS-02 empfehlen. Das ist eine 
Entlötpumpe in hochwertig. Aus Metall, mit flexibler austauschbarer 
Silikonspitze.
Engineer hat übrigens auch schöne Crimpzangen, falls du mal was crimpen 
willst.

Keks F. schrieb:
> Hartpapier-Lochrasterplatinen

Bäh. Nicht mehr benutzen. Hartpapier findet man eigentlich nur noch in 
Massenware, die auf den Zehntelcent kalkuliert wird. Es müffelt, kokelt 
schnell an und das Kupfer löst sich auch schnell.
Wenn schon keine fertigen Platinen, dann wenigstens Epoxy-Platinen. Den 
Unterschied merkst du.
Mir waren übrigens Streifenrasterplatinen lieber als Lochrasterplatinen. 
Die Streifen lassen sich mit einem HM-Bohrer sauber trennen. Dann kann 
man das relativ sauber aufbauen. Unten längs mit den Kupferstreifen, 
oben quer mit Drähten.


Meine eigene Ätzbrühe hat damals das Giftmobil angenommen. Seither kommt 
mein Platinenkram aus China. Teils sogar bestückt. Hier kriege ich für 
den Preis nicht mal das Basismaterial. Dort kriege ich fertige 
zweilagige Platinen mit Lötstopplack, verzinnten Pads und 
Durchkontaktierungen.
Das mit dem Selberätzen würde ich mir nochmal überlegen.

von keksliebhaber (Gast)


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Hallo nochmal und Danke für die Antworten.

Ich versuche auf alles einzugehen.
Danke für die Erfahrungen bzgl. des Ätzens. Ich werde das dann wohl 
seinlassen.
Zwischenfrage. Beim Verwenden einer Lochrasterplatine, gibt es eine 
"Best-Practice" was ich als "Leiterbahnen" verwende? Kupferlackdraht, 
oder einfache Litze oder Draht mit "Gummi"-Isolierung, welches ich an 
den Lötstellen abisoliere?

Genau das meinte ich bzgl. des "Drag Solderings". Danke für den Begriff!

Dass im Elektronikbereich extrem viel gefälschtes aus China kommt, ist 
mir schon aufgefallen. Aber auch Flussmittel? Krass. Danke für den 
Hinweis.

Dass mit den Hartpapier-Platinen werde ich berücksichtigen. Wie gesagt, 
dass waren Restbestände, die ich bei meinem Bruder klauen durfte.
Mir fielen selber sowohl der Gestank auf, als auch, dass sich das Kupfer 
gerne mal löst.

von Uli S. (uli12us)


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Ich hatte mal Versuche mit diversen Flussmitteln gemacht. Das meiner 
Meinung nach beste ist das Kingbo RMA-218. Das zeigte sogar bessere 
Leistung als das vielgelobte, angeblich originale NC-559. Aber knapp 
dahinter war das selbstgemachte aus 4Teilen Vaseline, 3Teilen 
Kolophonium und 3 Teilen Isoalk.
Erst Kolo in Alk lösen und dann dieses zur erwärmten Vaseline geben.

von Schlaumaier (Gast)


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Warum entlötet man ein Teil. ??

Der Grund ist die Antwort auf die beste Taktik.

Variante 1. Bei einer Reparatur = Bauteil ist TOT.

Wenn ich z.b. ein Teil mit Beinchen auslöten muss, gehe ich wie folgt 
vor.

Bei 2 - 3 Beinchen halte ich den Lötkolben abwechseln an jedes Beinchen 
und ziehe am Bauteil bis es raus ist.

Bei mehr Beinchen oder wenn es nicht will, kneife ich das Teil ab, so 
das ich Platz habe. Dann drücke u./o. Ziehe ich die Pins mit den 
Lötkolben und eine feinen Zange heraus.

Das Lötzinn auf der Platine interessiert mich nur, das ich darauf achte, 
das es nicht zu anderen Lötstellen überschwappt. Das kann man aber mit 
diese Spann-Saug-Pumpe (ca. 10 Euro) locker verhindern.

Danach das neue Teil rein, etwas Zusatz-Lötzinn dran und das war's.
In seltenen Fällen muss ich das Loch mit den Bohrer noch etwas runder 
bohren, weil es Lötrückstände gibt.

Variante 2. = Rettet das Bauteil

2. Wenn ich das Bauteil retten will. Das passiert i.d.R. nur sehr 
selten. Der Grund ist das alle Bauteile Materialermüdung unterliegen. 
Besonders Elkos ;)

Also muss die Platine schon sehr neuwertig sein = Reste bei Pollin und 
Co. kaufen wenn man weiß das das Bauteil darauf ist, und viel 
Preiswerter als einzeln.

Dann gehe ich im Prinzip wie am Anfang beschrieben vor, in folgender 
Reihenfolge.

1. Das GROBE Lötzinn wird mit der Pumpe entfernt. Geht i.d.R. sogar ohne 
Flussmittel.
2. Flussmittel (kann auch ruhig die billige Pampe sein) sehr großzügig 
verteilen, besonders auf der Entlötlitze. Dann die Litze mit den 
Lötkolben auf die Stelle drücken. Dank Flussmittel verbindet sich das 
Zinn mit der Litze (Kapillareffekt) und das war's. Notfalls noch das 
Beinchen anwärmen und LEICHT ziehen.

Und das war es.

Es gibt auch noch Variante 3.

Dazu brauchst du Heißluft-Kolben. Die Leute blasen die Teile förmlich 
von der Platine. Was bei SMD-Teilen eindeutig die bessere Variante ist. 
Hab ich leider selbst noch nie gemacht, aber zugeschaut wie ein Freund 
da machte. Und ich war begeistert.



Davon abgesehen solltest du dir dringend ein Arduino-Starterset kaufen. 
Da ist ein Steckboard drin. Damit ist das Leben für die Entwicklung viel 
einfacher. ;)

von Guest (Gast)


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Du erwärmst bestimmt das Kupfer auf der Platine nicht genug. Lötspitze 
zu dünn oder Kolben zu schwach, hilft nur mehr Temperatur und 
Flachhalten des Lötkolbens damit du mehr Kontaktfläche (seitlich) von 
der Lötspitze auf die Platine bekommst. Wenn alles schon heiß ist, 
reicht es wenn du dann ganz kurz Lötzinn dazu gibst und fertig. Mit 
gutem Werkzeug reicht wenig Temperatur. Gutes Werkzeug macht sich 
dadurch bemerkbar das es weniger Temperatur braucht.

Bei der Entlötlitze solltest du darauf achten möglichst feine zu 
bekommen ich gebe da mit einem Haarstift etwas Flussmittel vorne auf die 
Entlötlitze und das funktioniert dann prima. Die Entlötlitze sollte aber 
nicht alt (dunkel/braun/grün) sein.

Ich habe mir folgendes Flussmittel
https://www.tme.eu/de/details/flux-ts8_100/flussmittel/ag-termopasty/art-agt-046/

laut Beschreibung korrodierend und zum Löten von 
Chrom-Nickel-Legierungen und säurebeständigem Stahl geeignet, also genau 
das was man anscheinend braucht ;-) so stark wie Klemptner Lötwasser ist 
aber nicht. Habe das schon bestimmt 5 Jahre und da ist noch keine 
Leiterbahn die ausblüht oder ähnliches.
Das beste Flußmittel was ich bisher hatte gerade wenn man mal ältere 
stumpfe THT Bauteile verlötet...

und es in so einen Stift gegeben
https://aliexpress.com/item/32887514164.html

vorne etwas schräg abgeschnitten damit die Fläche etwas größer wird. 
Läßt sich prima dosieren.

von Schlaumaier (Gast)


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keksliebhaber schrieb:
> Beim Verwenden einer Lochrasterplatine, gibt es eine
> "Best-Practice" was ich als "Leiterbahnen" verwende? Kupferlackdraht,
> oder einfache Litze oder Draht mit "Gummi"-Isolierung, welches ich an
> den Lötstellen abisoliere?

Das ist nicht so einfach zu beantworten.

Aber bei ein Arduino reicht eine normale Litze für alle Aufgaben die er 
DIREKT !!!!! (= Leitung wird von Arduino aus verlegt), erledigen soll 
völlig aus.

Ich persönlich würde dir zu speziellen Lochraster-Platinen raten. Die 
sind den Steckboards nachempfunden. Dann spart man sich viel Arbeit.

https://www.amazon.de/dp/B08F2TS7ZC

So was z.b.  = Rein stecken, Lötkolben und Zinn dran, FERTIG. ;)

von keksliebhaber (Gast)


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Hallo,

so ein Starterset habe ich schon.
Bzgl. "falscher Lötkolben" o.Ä.
Es ist hier schon gesagt worden, dass mir eindeutig das Flussmittel 
fehlt. Darüber hinaus hat auch die Litze keines.
Lötarbeiten gehen bei mir problemlos. Nur beim Entlöten habe ich 
Probleme, und mit dieser Platine. Da ist mir durch die Hilfe hier schon 
klar, dass es daran liegt, dass die Platinen alt sind und dass mir das 
Flussmittel fehlt.
Diese speziellen Lochrasterplatinen kenne ich.
Leider sind die nichts für mich, weil ich bei meinem momentanen Aufbau 
über das ganze Breadboard verteilt bin und darüber hinaus, was ich aber 
nicht möchte.
Mit einer normalen Lochrasterplatine bin ich im 7x7cm Bereich. Was toll 
ist, weil dieses Gerät an bzw. neben den An/Aus-Schaltern meiner 
Holzbearbeitungsmaschinen angebracht werden soll.

Ich bedanke mich dafür, dass alle meine Fragen so ausführlich 
beantwortet worden sind!

von Schlaumaier (Gast)


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keksliebhaber schrieb:
> Bzgl. "falscher Lötkolben" o.Ä.

Es gibt kein GRUNDSÄTZLICH falschen Lötkolben meiner Meinung nach.

Es gibt ÜBER- und Unter-Dimensioniere Lötkolben.

Aber Grundsätzlich machen alle das Selbe. Eine Spitze heiß. !!!!

Ich habe mal zugesehen wie einer mit einer Lötpistole die ich höchstens 
für 230 Volt-Kabel eingesetzt hätte, ein IC ausgelötet hat und ein neues 
eingelötet hat. Der Techniker sagte mir : Muss ich so machen, die 
Platine macht da dauernd Stress und wir bekommen kein Ersatz z.Z.

Ich habe mächtig gestaunt. Glaub's mir. !!

Von daher, kann ich den Mod. oben nur zustimmen.

ÜBEN ÜBEN ÜBEN.

Ich habe mir vor einigen Jahren beim Aufräumen eine meiner ersten 
Lötungen angesehen. Die Lötpunkte kann ich als Mini-Tennisbälle 
verkaufen. ;)

Aktuell bin ich fast so gut wie die Industrie-Platinen die aus der 
VOR-SMD-ZEIT gefertigt wurden.

von keksliebhaber (Gast)


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Ganz vergessen eine letzte Frage noch an Uli S:
Gewichts- oder Volumenanteile? :P
Komplett überflüssige Frage, aber ich komme aus der Backwelt, und wenn 
ich da "Teelöffel" höre, besonders bei Salz, raste ich aus!

Da das vorhin so kunstvoll umschrieben worden ist, wie wäre es denn mit 
einer Lötolympiade im Forum?
So schön mit Punkten, B-Note, etc.

von Wilhelm S. (wilhelmdk4tj)


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Hallo zusammen, hallo keksliebhaber.

Gut, dass du erstmal vom Selbstherstellen von Platinen Abstand genommen 
hast. Als Unerfahrener ist der Weg bis zum sicheren Gelingen doch sehr, 
sehr mühsam. Auch wenn du, wie du schreibst, Laborerfahrung hast, ist 
das Entwickeln und Ätzen nur ein kleiner Teilaspekt.
Bei den Veroboard Platinen, ob Jahre in der Schublade oder direkt aus 
dem Laden, gibt es nur eins: Mit Scheuerpulver (VIM, ATA, AJAX uvam.) 
oder feiner Stahlwolle ordentlich schrubben, bis sie glitzernd blank 
sind. Anschliessend  dünne Kolophoniumlösung mit einem Wattepad o.ä. 
auftragen, trocknen lassen.
Es gibt keine 'Grünspan' Fingerabdrücke und es lässt sich prima löten.
Sieht auch nach Jahren wie neu aus dem Laden aus.

Schlaumaier schrieb:
> Die Lötpunkte kann ich als Mini-Tennisbälle  verkaufen. ;)
Das gibt es nicht mehr.

Noch ein paar Worte zu der Kolophonium Lösung.
Kolophonium gibt es im Net zuhauf, 100gr reichen ewig, aber kaufe 
Kristalle oder Brocken kein Pulver!
Besorge dir in der Apotheke deines Vertrauens eine 20ml Flasche mit 
Giessring und bitte um 2! Drehverschlüsse. In diese Flasche füllst du 
bröseliges Kolophonium ca. 1/4. Darauf I-Prop oder Brennspiritus, ist 
egal.
I-Prop ist eleganter, Brennspiritus billiger, aber stinkt u.U., je 
nachdem womit er vergällt ist. Finger drauf, umschütteln und jetzt kommt 
erst der Drehverschluss drauf. Achtung: den Verschluss nur so gerade 
eben aufschrauben. Im Lauf der Nutzung lässt es sich nicht vermeiden, 
den Rand zu bekleckern. Es klebt wie Harry, geöffnet bekommt man es nur 
noch mit Gewalt (Wasserpumpenzange), aber der Verschluss ist dann hin. 
Das passiert einem aber nur einmal.
Das muss ein paar Tage stehen, vielleicht nochmal umschütteln. (Finger 
drauf!)
Zur Konsistenz: Honig ist zu dickflüssig, aber nicht wie Wasser. Irgend 
etwas dazwischen, muss man probieren, wie es einem am liebsten ist.
Wenn zu dünn -> mehr Krümel rein, zu dick -> Alkohol.
Eine Einmalspritze ist als Gerätschaft durchaus hilfreich.
Das ist mein Flussmittel seit vielen Jahre, ich kaufe nichts Fertiges.

Etwas lang alles, aber ich hoffe, dass sich weitere Fragen erübrigen.

73
Wilhelm

von keksliebhaber (Gast)


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Hallo nochmal,

also ich habe gestern Kolophonium bestellt (in Brocken), Vaseline und 
Brennspiritus hole ich mir auf altmodische Art und Weise.
Ich hoffe niemand protokolliert meine Einkäufe im Drogeriemarkt und in 
der Apotheke.
Werden jetzt Vaseline, Brennspiritus und Katzenleckerlies sein, oh Mann.
Letzteres ist da, weil meine Freigängerkatze eine Diva ist, wenn sie auf 
ihr Klo muss...

Achso, wegen des eingetrockneten Verschlusses.
Ich habe das Problem auch bei Extrakten, die ich selber mache (billiger 
Vodka und dann wahlweise Vanilleschoten, Zitronenschalen, oder 
Orangenschalen).
Umdrehen von unten ins Gewinde etwas Wasser oder Alkohol reintropfen. 10 
Minuten auf dem Kopf stehen lassen.
Es geht auch ohne Wasser oder Alkohol, dann zieht sich das Lösemittel 
des Inhaltes durch Osmose ins Gewinde rein. Das dauert aber länger.

von keksliebhaber (Gast)


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Ah, und nochwas.
Einmalspritzen habe ich zu Hauf.
Tierchen kriegt so ein spezielles Nahrungsergänzungsgelzeug.
Ich schmeiße die Spritzen dann nie weg, die werden gewaschen und 
gelagert.
Sind ohne Kanüle, Ausgang etwas dicker, Spritze auch, 10ml Volumen. 
Passt.

von Wilhelm S. (wilhelmdk4tj)


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Hallo Keksliebhaber,

ich sehe, du bist 'approved' ;-)

Die Sache mit der Vaseline erscheint mir etwas seltsam.
Da ich es nicht kenne, kann ich ja auch zur Konsistenz nichts sagen, 
aber für mich ist Vaseline erstmal 'Pampe', wie auch immer. Ist eine 
flüssige Form, die sich mit einem Q-Tip aufbringen lässt, nicht 
einfacher als etwas Festes, Pastöses(?), das ich mit einem Zahnstocher, 
Spatel oder was auch immer auftragen muss?
Du wirst hoffentlich berichten.

73
Wilhelm

: Bearbeitet durch User
von Uli S. (uli12us)


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keksliebhaber (Gast) 24.01.2022 23:15
Ich hab Gewichtsanteile genommen, ist aber prinzipiell egal, weil das 
alles eine
recht ähnliche Dichte hat von 0,8-1,1. Vor allem bei der Mischung mit 
Vaseline hilft nur experimentieren. Das was mir ideal erscheint, kann 
anderen entweder zu dick oder dünnflüssig erscheinen. Es kommt auch 
drauf an, ob mans in Spritzen abfüllt und mit ner Kanüle verteilt, oder 
lieber ein Döschen hat und dann mit nem kleinen pinsel bzw Zahnstocher 
aufträgt.

Die Vaseline hat den Sinn, das ganze dickflüssiger zu machen, dass es so 
eine ähnliche Konsistenz hat, wie der Löthonig in seinen homöopathischen 
Tübchen, die aber ähnlich viel kosten, als wärs tatsächlich ein solches 
"Medikament"

: Bearbeitet durch User
von Marcello E. (leto)


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Also ich find das mit der Vaseline kritisch.. Hätte da bedenken das es 
nicht ordentlich "verdampft"..
Ich benutze seit je her Kolophonium und Premium Spiritus.. Einfach 
maximal eindicken..
Auftragen mit nen Pinsel (das Kolophonium kristallisiert am Pinsel und 
kann nach benutzung durch biegen abgebröselt werden)..

von keksliebhaber (Gast)


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Hallo!

Das Kolophonium kam vor zwei Tagen endlich an und ich bin seitdem 
fleißig am Löten.
Ich habe es erstmal 1:1 mit Brennspiritus verdünnt.
Aufgetragen wird mit feinem, spitzen Wasserfarbenpinsel. Das 
funktioniert wunderbar.
Vaseline dazumischen habe ich noch gar nicht probiert, ist aber da.
Arbeitet sich jetzt viel viel besser, komplett anders. Logischerweise 
habe ich jetzt keine Probleme mehr mit der Entlötlitze. Außer, dass sie 
mittlerweile alle ist! Empfehlungen gerne angenommen.

Ich habe für eine doch sehr simple Schaltung jetzt bestimmt 10 Stunden 
insgesamt verbracht. Die Adern zu ziehen und abzuisolieren um alles zu 
verbinden, war schon sehr umständlich, vor allem weil ich altmodisch mit 
Cuttermesser abisoliert habe...

Soweit funktioniert alles wunderbar. Bis auf den 433MHz Sender. Der 
sendet nicht mehr.
Leitungen alle überprüft (soweit ich das kann mit Multimeter), soweit 
alles super. Auf dem Breadboard lief auch alles. Habe dann den Sender 
mal vergleichsgemessen mit dem Multimeter und einem zweiten. Kein 
Unterschied feststellbar. Ich werde den morgen mal auswechseln, habe 
aber die Vermutung, dass ich den beim Reinigen mit Brennspiritus gekillt 
haben könnte?
Ich weiß zum Beispiel, dass Relais und Taster nicht gebadet werden 
sollen.
Ich hatte mir extra zum "Komfortbaden" beim Discounter in der 
Grabbelkiste eine Tupperbox mit Glasboden geholt für 2€! Und da dann 
entsprechend Brennspiritus drin. Eigentlich gar nicht nötig die Platinen 
so zu reinigen, aber ich wollte es mal ausprobieren.

Vielleicht weiß ja jemand adhoc, ob ich damit den Sender gekillt habe. 
Ansonsten weiß ich morgen selber mehr.
Es ist ein langweiliger FS1000A.

Nochmals vielen vielen Dank an alle!

von keksliebhaber (Gast)


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Hallo nochmal,

das Problem mit dem 433MHz Modul konnte ich mittlerweile selber lösen.
Da haben sich bei mir zwei Fehler eingeschlichen.

Dafür habe ich aber wieder zwei weitere Fragen:

1.) Bei manchen Bauteilen, wie bspw. diesem Funkmodul, würde ich gerne 
die Pins austauschen (gerade zu gebogen oder umgekehrt). Nun ist mir 
aufgefallen, dass die sich manchmal schlechter Entlöten lassen. 
Vielleicht hat das Lot einen höheren Schmelzpunkt. Kann ich da vorher 
mit bleihaltigem Lot drübergehen, bevor ich entlöte, damit ich den 
Schmelzpunkt senken kann?

2) Ich wollte mir für die Boards (7x9 einseitige FR4-Lochrasterplatine) 
Gehäuse bauen. Es geht um die Befestigungslöcher. Vom Auge her hatte ich 
mir da keine Gedanken gemacht, ich dachte Abstandhalter aus dem 
PC-Bereich würden passen. Da sind aber die Löcher der Platinen einen 
Tick zu klein für.
Was nimmt man da? Und gibt es das auch in kleineren Sets günstig, oder 
müssen das wieder 1000-teilige 15€-Pakete sein?

Vielen Dank!

Der Keksliebhaber

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