Forum: Mechanik, Gehäuse, Werkzeug Welches Öl für 3000 Euro Fräsmaschine?


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von Jan (Gast)


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Hallo.

Habe mir ne kleine Bohr-Fräsmaschine gekauft. Im Handbuch steht jetzt 
aber:

"Für den Transport sind die blanken Flächen der Maschine mit einem zähen 
Fett gegen Korrosion geschützt.
Dieses muss, bevor die Maschine in Betrieb gesetzt wird, vollständig 
entfernt werden. Dazu ist entweder Petroleum oder Waschbenzin zu 
verwenden.
Hinweis: Keine Lackverdünner oder Ähnliches verwenden, da sonst die 
Lackierung der Maschine zerstört wird.
Darauf achten, dass keine Lösungsmittel oder Fette an Gummi- und 
Kunststoffteile gelangen.
Nach der Reinigung sind alle blanken Teile mit einem Ölfilm zu 
überziehen."

Kann ich für die Entfernung auch Isopropanol nehmen?

Und was für einen Ölfilm wollen die haben? Welches Öl kann ich da 
nehmen, was nicht verharzt? Ich brauche die Maschine höchstens 2 Mal im 
Jahr.

Kauftipps?

von Sebastian R. (sebastian_r569)


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Jan schrieb:
> Kann ich für die Entfernung auch Isopropanol nehmen?

Vielleicht. Wenn sich das Fett damit lösen lässt und die Lackierung dran 
bleibt (wovon ich ausgehe)...

Jan schrieb:
> Und was für einen Ölfilm wollen die haben?

Ich denke mal, ein gutes Bettbahnöl wäre ein Anfang

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Jan schrieb:
> Kann ich für die Entfernung auch Isopropanol nehmen?

Ja, das sollte funktionieren.

> Und was für einen Ölfilm wollen die haben? Welches Öl kann ich da
> nehmen, was nicht verharzt? Ich brauche die Maschine höchstens 2 Mal im
> Jahr.

Wie Sebastian schon schrieb: ein gutes Gleitbahnöl, bspw. Shell Tonna S2 
M 68. Das verwenden wir auf allen metallischen Gleitführungen seit 
vielen Jahren und haben von den fünf Litern immer noch 90% übrig. Es 
benetzt auch vertikale Flächen sehr gut und langanhaltend.

Das Problem für Dich dürfte eher sein, eine kleine Gebindegröße zu 
finden ;-)

Aber: es tut auch ein zähflüssiges (Sommer)motoröl gute Dienste. Muss 
man vielleicht etwas öfter aufpinseln aber für handbetriebene Maschinen 
reicht das auch.

: Bearbeitet durch Moderator
von Jan (Gast)


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Und das Zeug Shell Tonna S2 M 68 verharzt nicht, wenn man die Maschine 
mal ein halbes Jahr nicht benutzt? Habe da üble Erfahrungen machen 
dürfen....

Wäre das hier auch gut geeignet? Wird als Wundermittel beworben.

https://www.brw.ch/de/mehrzweck-kriechoel-brunox-523200

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Jan schrieb:
> Und das Zeug Shell Tonna S2 M 68 verharzt nicht, wenn man die Maschine
> mal ein halbes Jahr nicht benutzt? Habe da üble Erfahrungen machen
> dürfen....

Nein. Genau für Gleitbahnführungen wurde es ja entwickelt.
Da verharzt nichts. Man kann das auch nach Jahren problemlos abwischen 
und neu auftragen.

> Wäre das hier auch gut geeignet? Wird als Wundermittel beworben.
>
> https://www.brw.ch/de/mehrzweck-kriechoel-brunox-523200

Bei irgendwelchen "Wundermitteln" wäre ich direkt skeptisch. Die gibt's 
meiner Erfahrung nach nicht - nur Öle, die für den entsprechenden Zweck 
eher geeignet sind.

Kriechöl würde ich nicht verwenden. Das ist definitionsgemäß sehr 
dünnflüssig (soll ja in Ritzen etc. kriechen) und würde sehr schnell von 
den Führungen verschwinden.

Gleitbahnöle sind nicht umsonst so zähflüssig!

Wenn nicht vorhanden, dann eben ein zähes Motoröl. Auch das ist 
hauptsächlich für Gleitlager (Kurbelwelle, Stößel) und Gleitbuchsen 
(Kolben) gedacht.

: Bearbeitet durch Moderator
Beitrag #7012022 wurde von einem Moderator gelöscht.
von Xerxes (Gast)


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von Sebastian R. (sebastian_r569)


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Jan schrieb:
> Wäre das hier auch gut geeignet? Wird als Wundermittel beworben.
>
> https://www.brw.ch/de/mehrzweck-kriechoel-brunox-523200

Ein Kriechöl ist aber als Schmiermittel ungeeignet. Du könntest damit 
(ist weitestgehend nur Petroleum) zwar die Maschine reinigen und 
vielleicht auch konservieren, aber es hilft dir halt null bei der 
eigentlichen Maschinenpflge und -schmierung.

Vollmineralische Bettbahnöle neigen auch nicht zur Verharzung und können 
auch der Konservierung dienen. Dafür hat es keine "angenehme Duftnote"

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Xerxes schrieb:
> 
https://wiegeschmiert.de/industrieschmierstoffe/bettbahnoele/14/bett-und-gleitbahnoel-cglp-iso-vg-32#content--description

Ja, so etwas bspw.

VG 68 ist die Viskosität der üblichen "Allround"-Gleitbahnöle.

Selbst von dem einen Liter kannst Du vermutlich noch 90% an Deine Kinder 
vererben ;-)

von MaWin (Gast)


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Jan schrieb:
> Kann ich für die Entfernung auch Isopropanol nehmen?

Nein, das wäre viel mühsamer als mit Petroleum/Diesel, da kannst du es 
auch gleich mit Küchentüchern abreiben.

> Und was für einen Ölfilm wollen die haben? Welches Öl kann ich da
> nehmen, was nicht verharzt?

z.B. Getriebeöl, oder Motoröl, es muss kein extra gekauftes Bettbahnöl 
sein, und fürs Getriebe noch ein anderes.

Jan schrieb:
> Ich brauche die Maschine höchstens 2 Mal im Jahr.

Wenn sie trocken steht, ist eher Staub als Rost ein Problem.

von W.S. (Gast)


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Rente mit 76 schrieb im Beitrag #7012022:
> Teures Öl für eine Billigfräse?

Naja, also 3 k€ für die Fräse halte ich nicht für billig. Und ein Liter 
Gleitbahnöl kostet so etwa 10..15 €. Ist also nicht wirklich teuer.

Aber weil wir ja (fast) alle ein Auto haben, tut es auch ein bereits 
vorhandenes Motoröl ganz ordentlich. Sowas wie "Fahrradöl" oder 
"Haushaltsöl" oder "Nähmaschinenöl" oder so wäre mir hingegen suspekt.

W.S.

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Sebastian R. schrieb:
> Dafür hat es keine "angenehme Duftnote"

Wobei es da wirklich Unterschiede gibt.
Ich habe hier ein Schneidöl, das ist zwar funktionell ok, aber stinkt 
wirklich widerlich. Die 1l-Flasche steht daher schon seit Jahren rum und 
ich arbeite mit Emulsion oder eben Shell Tonna. Das riecht natürlich 
auch typisch nach Öl, aber viel weniger und auch angenehmer.

von Xerxes (Gast)


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Motoröl funktioniert bei meiner Drehbank nur sehr begrenzt. Das habe ich 
mal getestet bevor ich das Bettbahnöl gefunden habe.
Dem Motoröl fehlt. m.W. das Additiv welches Stick-Slip verhindert.
Ein deutlich spürbarer Unterschied beim Handling des Supports. Mit 
Motoröl "hakt" dieser im ersten Moment weil sich der Ölfilm wegdrückt. 
Bettbahnöl verhindert genau diesen Effekt.

von Programmierer (Gast)


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W.S. schrieb:
> Sowas wie "Fahrradöl" oder
> "Haushaltsöl" oder "Nähmaschinenöl" oder so wäre mir hingegen suspekt.

Fahrrad-Kettenöl für nasse Verhältnisse (kein Dry Lube/PTFE) könnte 
gehen. Es ist schmierig, rostschützend, und lässt sich relativ dünn 
verteilen. Es könnte etwas zu schmierig/dickflüssig sein, was zwar 
unangenehm beim anfassen (Sauerei) ist aber nicht wirklich schlimm. 
Vielleicht ist Nähmaschinenöl da doch besser.

von Hans W. (Firma: Dipl.-Ing. Johann Maximilian W) (hans-)


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Habe mir vor jahren so ein 1l Gebinde Bettbahnöl von eBay geholt.

Reicht ewig und kostet nicht die Welt.

Hab' mal geschaut, was das heute so kosten würde:
Der Treffer würde ja schon sehr gut klingen: "Bettbahnöl 1 L 220 z.B. 
für Deckel Fräsmaschine" Preis ist sicher nicht billig, aber bei dem 
minimalen Verbrauch IMHO i.O. :)

73

von Thomas F. (igel)


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Ich habe jahrelang Motoröl oder auch Getriebeöl SAE80 verwendet, was 
gerade im Weg rumstand. Hat funktioniert.

Seit einem Jahr habe ich nun dieses:

https://www.ebay.de/itm/162909571090

Funktioniert auch wieder, einen deutlichen Unterschied merke ich nicht.
Im Hobbybereich reicht 1l normalerweise für ein Jahrzehnt.

von Hermann S. (diphtong)


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Hier gibts 1l Gleitbahnöl, sogar direkt vom Hersteller:
https://kettlitz-medialub.de/gleitbahnoele/medialub-glp-68/?language=de

: Bearbeitet durch User
von michael_ (Gast)


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Extra etwas kaufen für so ein Bohr-/Fräsmaschinchen?
Die meisten Teile sind da wahrscheinlich aus Alu und an den Führungen 
ist doch sowieso etwas Öl.

Den Rest mit etwas Nähmaschinenöl oder Motorenöl einen Hauch verpassen.

von Einer (Gast)


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Hermann S. schrieb:
> https://kettlitz-medialub.de/gleitbahnoele/medialub-glp-68/?language=de

Ja, GLP 68 passt gut. Aber ich darf nicht zuviel davon auf die Haut 
bekommen bzw. muss es gleich abwischen. Ansonsten juckt's.

Aber das dürfte mehr oder weniger für alle Arten dieser Öle gelten, da 
in diesen Ölen eben ein Haufen Zusatzstoffe drinnen ist.

von Jester (Gast)


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Jan schrieb:

> Im Handbuch steht:
> "Dieses [Korrosionschutz] muss, bevor die Maschine in Betrieb gesetzt wird,
> vollständig entfernt werden. Dazu ist entweder Petroleum oder Waschbenzin
> zu verwenden."

> Kann ich für die Entfernung auch Isopropanol nehmen?

Wieso sollte man etwas anderes nehmen, also vom Hersteller empfohlen? 
Wieso sollte man sich nicht generell an die vom Hersteller empfohlenen 
Betriebsstoffe halten? Ich kenne auch niemanden, der statt Bettbahnöl 
(VG68) z.B. Kürbiskernöl an die Gleitflächen ran schmiert.

von Likeme (Gast)


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Ich habe eine ähnlich wertvolle Maschine und reibe die blanken 
Komponenten immer mit dem Motoröl ein was gerade rumsteht, aber auch nur 
dann wenn ich weiß das ich das Teil längere Zeit nicht mehr verwende. 
Schlecht ist Bohr Öl, das ist mit Wasser versetzt emulgatisiert oder so 
ähnlich.

von MaWin (Gast)


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Jester schrieb:
> Wieso sollte man etwas anderes nehmen, also vom Hersteller empfohlen?

Weil die oftmals hier nicht beschaffbar sind. China und die USA haben 
halt andere Ölhersteller

> Wieso sollte man sich nicht generell an die vom Hersteller empfohlenen
> Betriebsstoffe halten?

Weil die teils nur in übergrossen Gebindegrössen verfügbar sind die man 
sein Leben lang nicht verbracht und daher unvernünftig teuer sind.

Mein Auto braucht z.B. Texaco XLC-Frostschutzmittel, das ist extra long 
life und daher orange.
Das nächstentsprechende hier wäre Glysantin G34, kriegst du trotzdem 
nirgends in 1l.
Bleiben nur schlechtere mit als Warnung schon mal anderer Farbe.

von Manfred (Gast)


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MaWin schrieb:
>> Wieso sollte man sich nicht generell an die vom Hersteller empfohlenen
>> Betriebsstoffe halten?
> Weil die teils nur in übergrossen Gebindegrössen verfügbar sind die man
> sein Leben lang nicht verbracht und daher unvernünftig teuer sind.

Man muß gucken, ob man lokal einen freien Mineralölhändler findet. Ich 
war schon viele Jahre nicht mehr bei ihm, Lutz Sagebiel in Braunschweig 
hatte ein recht umfangreiches Lager und z.B. Maschinen-Öle für Fräsbänke 
auch literweise abgefüllt.

Es gibt in meiner Region auch Mineralölhändler von Shell und Texaco, 
aber die wollen nur Fässer schieben.

von Ölmax (Gast)


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Alkohol zur Erstreinigung funktioniert bei mir nie wirklich gut. 
Petroleum, Lampenöl oder das dünne Sprühöl vom Discounter gehen besser.
Wenn die Maschine tatsächlich mehrere Monate unbenutzt rumsteht und 
Staub sammelt, würd ich sowieso jedesmal vor Gebrauch den Ölfilm von 
Gleitflächen abwaschen und neuölen.
Für längerfristigen Korrosionsschutz nehm ich Motorradkettenspray. Hält 
und klebt wie Sau.

von Uwe B. (uwebre)


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Jan schrieb:

> Und was für einen Ölfilm wollen die haben? Welches Öl kann ich da
> nehmen, was nicht verharzt? Ich brauche die Maschine höchstens 2 Mal im
> Jahr.

Bettbahnöl bzw. Gleitbahnöl wurde schon genannt. Betriebe mit 
metallbearbeitenden CNC-Maschinen haben das fassweise zum Befüllen der 
Zentralschmieranlagen der Maschinen vorrätig. Ich bin sicher daß man, 
zumindest in kleineren "Buden", einen halben Liter davon gegen eine 
Kaffekassenspende zapfen kann.

Aber, die besonderen Eigenschaften des Bettbahnöls wie u.a. besseres 
Slip-Stick-Verhalten und Widerstand gegen Emulsion mit dem 
Kühlschmierstoff sollten bei einer kleinen konventionellen Maschine kaum 
eine Rolle spielen.
Besser als der Rest aus dem Motorölkanister ist sicherlich ein modernes 
68er Hydrauliköl. Diese Öle sind harzfrei. Hydrauliköl gibt es auch in 
besseren Baumärkten, bei Landmaschinenhändlern sowiso.

Info zu Bettbahnölen:
www.honnens.de/fileadmin/user_upload/kataloge-prospekte/fuchs-renep-bett 
bahnoele.pdf

Uwe

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