Hallo,
wie kann man denn den Standardgattern wie z.B. einem UND Gatter die
Geschwindigkeit oder die Slew-Rate aus den Datenblättern entnehmen?
Hintergrund ist, das Gatte mit einem SPI Signal zu verbinden. Allerdings
findet man in den meisten Logikgattern keine Geschwindigkeitsangabe oder
eine Slew-Rate.
Könnte mir da jemand kurz weiterhelfen?
Danke.
Bernd G. schrieb:> Weder Slewrate noch Geschwidigkeit sind interessant, sondern die> Verzögerungszeiten tPLH und tPHL. Und die stehen auch drin.
Angaben zur Flankensteilheit ebenso.
Evo121 schrieb:> Allerdings findet man in den meisten Logikgattern keine> Geschwindigkeitsangabe oder eine Slew-Rate.
Bei den 74er CMOS-Familien hängt das Propagation Delay im unteren
Spannungsbereich auch stark von der Versorgungsspannung ab
(S.2 im Logic Guide von TI, Abb. CMOS Voltage vs. Speed).
https://www.ti.com/lit/sg/sdyu001ab/sdyu001ab.pdf
Bernd G. schrieb:> Verzögerungszeiten tPLH und tPHL.
genau, propagation delay, that's it.
SN74H00 schrieb:> Man koennte ja einfach mal nachmessen.> Das ist immer gutt für eine gesicherte Faktenlage,
Naja, wer keine Datenblätter lesen kann, kommt wohl auch mit einem Scope
nicht zurecht.
Bernd G. schrieb:> Weder Slewrate noch Geschwidigkeit sind interessant, sondern die> Verzögerungszeiten tPLH und tPHL. Und die stehen auch drin.
Aber warum die Verzögerungszeit?
Zu dem Thema gleich die Frage: wenn tPLH z.B. 10ns beträgt und das
signal aber nur 8ns Sekunden anliegt, heißt das dann, dass das High
Signal unter geht oder kommt es nur 10ns später am Ausgang an?
Müsste sich die Übertragungsrate dann nicht aus tP + 2 * tSR bilden,
falls mal beides angegeben ist? Dei Slew Rate geht doch auch mit ein
dachte ich?
Max M. schrieb:> https://homepages.uni-regensburg.de/~erc24492/TTL/TTL.html
Tolle Seite vielen Dank dafür. Daraus kann man mal einige Daten
entnehmen.
> heißt das dann, dass das High> Signal unter geht oder kommt es nur 10ns später am Ausgang an?
It depends. Irgendetwas vergurktes kann durchaus noch durchkommen. Wenn
du es schaltungstechnisch brauchst, kommt garantiert nichts durch. Wenn
dagegen ein störender Glitch durchkommt, bekommst du ihn mit
allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht weg. Die Tücke der ungetakteten
Logik sozusagen.
Evo121 schrieb:> Zu dem Thema gleich die Frage: wenn tPLH z.B. 10ns beträgt und das> signal aber nur 8ns Sekunden anliegt, heißt das dann, dass das High> Signal unter geht oder kommt es nur 10ns später am Ausgang an?
Was willst du in Zusammenhang mit SPI mit 8ns langen Pulsen?
Vielleicht verrätst du einmal etwas genauer, was du vorhast.
Bernd G. schrieb:>> heißt das dann, dass das High>> Signal unter geht oder kommt es nur 10ns später am Ausgang an?>> It depends. Irgendetwas vergurktes kann durchaus noch durchkommen. Wenn> du es schaltungstechnisch brauchst, kommt garantiert nichts durch. Wenn> dagegen ein störender Glitch durchkommt, bekommst du ihn mit> allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht weg. Die Tücke der ungetakteten> Logik sozusagen.
Alles klar vielen dank. Das erklärt dann auch wieso propergation delay
der ausschlaggebende Wert ist.
Wolfgang schrieb:> Evo121 schrieb:>> Zu dem Thema gleich die Frage: wenn tPLH z.B. 10ns beträgt und das>> signal aber nur 8ns Sekunden anliegt, heißt das dann, dass das High>> Signal unter geht oder kommt es nur 10ns später am Ausgang an?>> Was willst du in Zusammenhang mit SPI mit 8ns langen Pulsen?> Vielleicht verrätst du einmal etwas genauer, was du vorhast.
Die 8ns waren nur ein Beispiel um den Wert propergation delay zu
verstehen. Hatte nichts mit meinem Projekt zu tun, sorry hätte ich dazu
schreiben sollen.
Schlussendlich heißt das dann eigentlich, wenn eine rise und fall time
angegeben ist, muss folgendes korrekt gelten:
fmin = 1 / (tr + tPLH + tf + tPHL)
korrekt?
oszi40 schrieb:> Selbst, wenn er schöne Werte findet, könnten die echten Flanken noch> recht verschieden aussehen. __/---\___
Ja, genauso wie bei den Fußballern. :-)
Wolfgang schrieb:> Was willst du in Zusammenhang mit SPI mit 8ns langen Pulsen?
Die hat man schon bei 66 MHz SPI-Takt. Und der ist bei manchen seriellen
Speicherbausteinen durchaus üblich.
Tabelle aus https://www.ti.com/lit/pdf/scya049.
Zur Slew-Rate sagt
https://e2e.ti.com/support/logic-group/logic/f/logic-forum/718814/faq-what-is-the-output-transition-rate-for-a-logic-device:
> The best method to determine the output transition rate is to measure it> using the real device under the same conditions that your system will> operate.> The next best method is to use a signal integrity simulator (such as> Hyperlynx or ADS) together with an IBIS model and your system's> parameters to simulate the output operation. This can give a very> accurate representation for the operation of the device under the given> system configuration.> The least accurate, but also helpful method is to calculate the value> from the given datasheet specifications. This value can easily be> calculated if you know the output drive strength of the device (given> in the datasheet) and the load capacitance of your system. [...]
Evo121 schrieb:> Schlussendlich heißt das dann eigentlich, wenn eine rise und fall time> angegeben ist, muss folgendes korrekt gelten:> fmin = 1 / (tr + tPLH + tf + tPHL)
Nein; tr und tf sind in tPHL und tPLH schon teilweise eingerechnet (weil
tPxx von 50% am Eingang zu 50% am Ausgang misst).
Besser: fmax ≥ 1 / (tPLH + tPHL)
Und die maximale Frequenz ist oft höher als das Ergebnis dieser
Berechnung, weil der Eingang nicht sofort auf den Ausgang wirkt.
Bei vielen Logikfamilien kannst du eine vergleichbare Maximalfrequenz in
dem Datenblatt eines Flip-Flops finden.
H. H. schrieb:> Bernd G. schrieb:>> Weder Slewrate noch Geschwidigkeit sind interessant, sondern die>> Verzögerungszeiten tPLH und tPHL. [...]>> Angaben zur Flankensteilheit ebenso.Bernd G. schrieb:> Sorry, natürlich..
Lieber Bernd, was mich nun noch interessieren würde: Was genau war noch
mal der Unterschied zwischen "Flankensteilheit" und "Slewrate"?
Die Slewrate gilt in einem beliebigen Bereich des Signals, egal ob du
nur 10% oder 80% des max. möglichen Signalhubes ausnutzt und wird damit
eher auf Analogsignale angewendet. Sie gibt an, wie schnell ein Bauteil
maximal ausgenutzt werden k a n n.
Die Flankensteilheit wird zwischen zwei festgelegten Pegelwerten
definiert, z.B. 10% und 90% des Signal zwischen L und H und beschreibt
bereits einen Grenzwert.
Das eine ist ein Spezialfall vom anderen - oder sogar umgekehrt.
Kann sein, dass das alles ohnehin Sachen sind, die niemand so genau
wissen will.
> eine vergleichbare Maximalfrequenz in> dem Datenblatt eines Flip-Flops
Wenn ein 74S112 bei 120 MHz noch toggelt, heisst das fuer
ein logisches Netzwerk mit z.B. 74S00 noch lange nicht, dass das
mit 120 MHz etwas anfangen kann...
> The best method to determine the output transition rate is to measure it> using the real device under the same conditions that your system will> operate.
Das kann man hier wohl so manchem mal raten.
@ Max M.
Naja nicht ganz: die SR wird in V/s angegeben; die Flankensteilheit
üblicherweise in irgendwelchen ns unter der stillschweigenden
Vereinbarung, dass die H- und L-Pegel bereits definiert sind, was die
Angabe für die Praxis überschaubarer macht.
Bernd G. schrieb:> Das eine ist ein Spezialfall vom anderen - oder sogar umgekehrt.> Kann sein, dass das alles ohnehin Sachen sind, die niemand so genau> wissen will.
Könnte auch sein, dass 'mancher' es auch nicht so genau weiss - aber
trotzdem meint, unreflektiert rumtönen zu müssen ...
Aber nochmal: Wieso interessiert die "Flankensteilheit" und die
"Slewrate" nicht - oder, um es mit deinen Worten zu sagen, 'sogar
umgekehrt'?
Wie bereits gesagt: mit der Flankensteilheit, angegeben in ns, kannst du
im Digitalbereich flotter rechnen, als mit mit der SR in V/ns.
Was analog zwischen L und H abläuft und mit der SR berechnet werden
könnte, ist praktischen Leben eher uninteressant.
In ausgedehnten Simulationen darf natürlich auch mit dem Original (der
SR) gerechnet werden.
Die Flankensteilheit ist die vereinfachte Abbildung der SR.
Danke, dass doch noch ein paar sinnvolle Beiträge zustande gekommen
sind. Vielen Dank!
Bernd G. schrieb:> Wie bereits gesagt: mit der Flankensteilheit, angegeben in ns,> kannst du> im Digitalbereich flotter rechnen, als mit mit der SR in V/ns.> Was analog zwischen L und H abläuft und mit der SR berechnet werden> könnte, ist praktischen Leben eher uninteressant.> In ausgedehnten Simulationen darf natürlich auch mit dem Original (der> SR) gerechnet werden.> Die Flankensteilheit ist die vereinfachte Abbildung der SR.
Dann sagst du damit aber auch, dass die SR doch nicht so uninteressant
ist wie du am Anfang gemeint hattest (warscheinlich nur, weil ich es
geschrieben habe)
Aber die Erklärung mit propagation Delay war super danke.
Auch, dass man eher von rise und fall spricht. Danke dafür.
Kein Ding schrieb:> Bernd G. schrieb:>> Verzögerungszeiten tPLH und tPHL.>> genau, propagation delay, that's it.>> SN74H00 schrieb:>> Man koennte ja einfach mal nachmessen.>> Das ist immer gutt für eine gesicherte Faktenlage,>> Naja, wer keine Datenblätter lesen kann, kommt wohl auch mit einem Scope> nicht zurecht.
Sorry, aber in einem Design einer Maschine kann ich mir nicht immer erst
einen Baustein bestellen und dann anschließend daran messen. Vorallem
weil auch toleranzen unter den gleichen Bausteinen existieren. Da Frage
ich mich eher was die Messung für eine Aussage hat. Vorallem wenn man
mehrer einsetzten möchte. Mess ich dann jeden Baustein? Ich denke nicht,
ich weiß ja nicht wie ihr eure Hardware in der Entwicklung designd...
Evo121 schrieb:> Sorry, aber in einem Design einer Maschine kann ich mir nicht immer erst> einen Baustein bestellen und dann anschließend daran messen.
Natürlich nicht.
> Vorallem> weil auch toleranzen unter den gleichen Bausteinen existieren. Da Frage> ich mich eher was die Messung für eine Aussage hat.
Höchstens die, dass der Baustein den vom Hersteller spezifizierten Daten
entspricht. In manchen Branchen hat das gleiche Teil eines anderen
Herstellers deshalb sogar eine eigene interne Teilenummer.
> Vorallem wenn man> mehrer einsetzten möchte. Mess ich dann jeden Baustein?
Wäre Quatsch - bestenfalls noch akzeptabel für ein Einzelstück, das im
Grenzbereich eines Bausteins betrieben werden soll.
> Ich denke nicht,> ich weiß ja nicht wie ihr eure Hardware in der Entwicklung designd...
Nach den Min/Max-Werten aus dem Datenblatt. Sonst hat man irgendwann ein
Problem ...
> Natürlich nicht.
Der TO kann weder messen noch ein Datenblatt deuten.
Statt dessen fantasiert er über eine Slewrate die eine
wirkliche Bedeutung in analogen Schaltungen hat.
Man kann auch keine Schaltung alleine nach Minimum- oder
Maximumwerten eines Datenblattes vernünftig entwerfen, ohne
deren Sinn zu verstehen.
> Design einer Maschine
Wohl ein Maschbauer im Karohemd auf Abwegen.
Bernd G. schrieb:> Die Flankensteilheit ist die vereinfachte Abbildung der SR.
Flankensteilheit und Slew-Rate sind zwei völlig verschiedene Dinge. Die
Flankensteilheit ist eine Zeitangabe und entsteht aus einer begrenzten
Bandbreite, d.h. der Wert ist unabhängig von der Amplitude.
Die Slew Rate entsteht durch begrenzte Ströme, die eine Kapazität
umladen. Die Dauer einer Flanke ist bei gegebener Slew Rate deshalb
proportional zur Amplitude und gehört zur Analogtechnik. In der
Digitaltechnik ist die Amplitude konstant und daher lassen sich hier die
beiden Größen schlecht trennen, es sei denn, der Digitalschaltkreis kann
bei verschiedenen Spannungen betrieben werden.
Evo121 schrieb:> Sorry, aber in einem Design einer Maschine kann ich mir nicht immer erst> einen Baustein bestellen und dann anschließend daran messen.
Auch wenn du das könntest, das nützt nicht viel: du kennst dann die
Verzögerungzeiten des einen Bausteins den du in der Hand hältst, aber
nicht die vom Hersteller garantierten Minimum und Maximum Werte. Die
sind aber bestimmend für die Entwicklung einer Schaltung damit, denn die
muss mit allen in diesem Bereich liegenden Werten funktionieren. Und das
kannst du nur aus dem Datenblatt entnehmen.
Gerade Schaltzeiten können ziemlich stark variieren, leicht mal um 50%.
Georg
Georg schrieb:> du kennst dann die> Verzögerungzeiten des einen Bausteins den du in der Hand hältst
Wenn du einstellig ns mit genügend Auflösung messen kannst.
Die Laufzeit des einzelnen Gatters ist oft auch nicht das Problem,
sondern der Unterschied zwischen Data zu Clock.
Diese ganze Haarspalterei hilft da auch nicht.
Man schaut sich die maximale kombinierte Gatterlaufzeit des am stärksten
verarbeiteten Signales an (nach DB) und verzögert ggf. dazugehörige
Signale so weit das die Timing Anforderungen nicht verletzt werden.
Z.B. die Verwendung von Synchronzählern statt Asynchronzählern bei TDM
Kanalauswahl kann Wunder wirken.