Forum: HF, Funk und Felder Wie funktioniert Anregung von Gasentladung mit EM Strahlung


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von Microwave (Gast)


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Ich habe mal gehört dass Leuchtstoffröhren, oder irgendwelche 
Gasentladungslampen for that matter, leuchten wenn sie mit einem 
Magnetron bestrahlt werden. Noch imposanter und unverständlicher ist es, 
wenn eine Gasentladungslampe, z.B. Leuchtstoffröhre, leuchtet wenn 
absolut berührungsfrei ein sauber fokussiertes Magnetron (mit 
Parabolspiegel o.ä.) darauf schiesst, aus sagen wir mal 1, 2 m 
Entfernung.

Prinzipiell kenne ich es vorallem bei Leuchtstoffröhren einfach, dass 
eine Potentialdifferenz anliegen muss über irgendeinem Teil Delta_l vom 
Gasvolumen damit die Entladung zündet.
Wie aber bildet jetzt die "magische" EM Strahlung, wenn sie auf das Gas 
auftrifft, diese elektrische Spannung aus welche es braucht? Oder ist 
die Anregung dort ganz anders zu verstehen? Ich könnte ja auch die Hand 
dort in den Strahl zwischen herein halten und würde sie zwar innerlich 
verbrennen, aber keinen Stromschlag bekommen.

Kann man interpretieren, dass die extrem schnellen Änderungen vom 
Magnetfeld bei 2.45 GHz genug Spannung induzieren über das begrenzte 
kreisförmig mögliche Gasvolumen, und dieser Vorgang dann an unendlich 
vielen Stellen gleichzeitig passiert?

Wie kann man abschätzen was passieren würde bei 100 MHz und der gleichen 
Leistung? Abgesehen von dass die Abmessungen ein klein bisschen anders 
sind...

Btw, Anfängerfrage: Was "fliegt" denn da eigentlich wirklich durch die 
Luft??

Grüsse - Microwave

von Kurt (Gast)


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Microwave schrieb:
> Btw, Anfängerfrage: Was "fliegt" denn da eigentlich wirklich durch die
> Luft??

Nix.

 Kurt

von Kurt (Gast)


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Microwave schrieb:
> Oder ist
> die Anregung dort ganz anders zu verstehen?

Ziemlich sicher.
Die Anregung bringt Resonanzkörper ins Schwingen.
Diese, deren Wirkungen auf dein Auge, siehst du dann (teileise indrekt 
weil sie sich überwiegend im Bereich UV ereignen und erst in den Bereich 
den wir sehen können, umgesetzt werden)

 Kurt

von npn (Gast)


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Kurt schrieb:
> Resonanzkörper

Ach Kurt!

von Gerald K. (geku)


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Microwave schrieb:
> Btw, Anfängerfrage: Was "fliegt" denn da eigentlich wirklich durch die
> Luft

Im verdünntem Gas gibt es jede Menge freier Elektronen. Diese werden im 
EM-Feld beschleunigt und ionisieren weitere Gasatome. So kommt es zu 
einem Lawieneneffekt. Wichigt ist, dass durch die Verdünnung die 
Abstände zwischenden Atomen größer wird und damit die Anlaufstrecke der 
Elektronen zunimmt bevor sie kollidieren.

Stichwort: freie Weglänge 
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Mittlere_freie_Wegl%C3%A4nge

von Egon D. (Gast)


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Microwave schrieb:

> Prinzipiell kenne ich es vorallem bei Leuchtstoffröhren
> einfach, dass eine Potentialdifferenz anliegen muss
> über irgendeinem Teil Delta_l vom Gasvolumen damit die
> Entladung zündet.

Jein: Es muss eine bestimmte elektrische FELDSTÄRKE
herrschen.
Wenn aus Sicht der Feldtheorie ein Quellenfeld vorliegt,
gibt es dort auch eine Potentialdifferenz. Das ist z.B.
in der Elektrostatik so, oder an der Voltaschen Säule.


> Wie aber bildet jetzt die "magische" EM Strahlung, wenn
> sie auf das Gas auftrifft, diese elektrische Spannung
> aus welche es braucht?

Nu ja... elektromagnetische Wellen bestehen, wie der Name
sagt, aus wechselwirkenden elektrischen und magnetischen
Feldern. Das sind aber feldtheoretische keine Quellenfelder,
sondern Wirbelfelder ("rot E = -B'").
Es gibt zwar elektrische Feldstärke, aber KEINE Potential-
differenz, weil kein Potentialfeld zu Grunde liegt. Spannung
ohne Ladung sozusagen.


> Kann man interpretieren, dass die extrem schnellen Änderungen
> vom Magnetfeld bei 2.45 GHz genug Spannung induzieren über
> das begrenzte kreisförmig mögliche Gasvolumen, und dieser
> Vorgang dann an unendlich vielen Stellen gleichzeitig
> passiert?

So ungefähr, ja.


> Wie kann man abschätzen was passieren würde bei 100 MHz
> und der gleichen Leistung?

Indem man die Maxwellschen Gleichungen bemüht.


> Abgesehen von dass die Abmessungen ein klein bisschen
> anders sind...

Das wird aber die Hauptsache sein: Dieselbe Energie, aber
größeres Volumen wegen längerer Wellenlänge --> geringere
lokale Feldstärke. (Das ist geraten und kann auch falsch
sein.)


> Btw, Anfängerfrage: Was "fliegt" denn da eigentlich
> wirklich durch die Luft??

"Feld". Und es fliegt auch durchs Vakuum...

von Kilo S. (kilo_s)


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Microwave schrieb:
> Wie kann man abschätzen was passieren würde bei 100 MHz und der gleichen
> Leistung?

Ich kann dir zeigen was bei 149MHz und 1-5W passiert.

Siehe Bilder.
Das geht allerdings nur in relativ direkter Nähe zur Antenne. (+/-5cm)

Das geht auch mit einem CB Handfunkgerät und der verkürzten Antenne die 
meist mitgeliefert wird.

von Bennu (Gast)


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Bei mir leuchten Leuchstroffröhren auch bei 475 kHz.
Zum Zünden muss man kurz nahe an die Antenne (halber Meter) und danach 
leuchten sie auch noch in 3-4 meter Entfernung bei ca. 300 Watt 
Sendeleistung.

Unter 50 Hz Hochspannungsleitungen leuchten sie übrigens auch:
http://www.eigenarts.de/portfolio/leuchtstoffroehren/

Beitrag #7117358 wurde von einem Moderator gelöscht.
von Microwave (Gast)


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Danke für eure Antworten.

Gerald K. schrieb:
> Wichigt ist, dass durch die Verdünnung die
> Abstände zwischenden Atomen größer wird und damit die Anlaufstrecke der
> Elektronen zunimmt bevor sie kollidieren.

Das hatte ich nicht unbedingt gemeint, also die Grundlagen wie eine 
Gasentladung an sich funktioniert würde ich meiner Meinung nach 
verstehen. Und dass es das Paschen Law gibt oder so.
Eher hätte mich interessiert wie die Anregung mit RF funktioniert im 
Gegensatz zu HV. Dass es mit HV geht ist klar =)

Kurt schrieb:
> Die Anregung bringt Resonanzkörper ins Schwingen.

Interessante Aussage. Könnte man sich vorstellen wie die Wassermoleküle, 
welche durchgeschüttelt werden, womit Wärme entsteht. Im Gas würden dann 
eben die Elektronen irgendwie auf die höheren Umlaufbahnen geschüttelt 
werden...

Egon D. schrieb:
> Jein: Es muss eine bestimmte elektrische FELDSTÄRKE
> herrschen.

Eeeehh ja, das habe ich eigentlich gemeint, sory xD

Egon D. schrieb:
> Wenn aus Sicht der Feldtheorie ein Quellenfeld vorliegt,
> gibt es dort auch eine Potentialdifferenz. Das ist z.B.
> in der Elektrostatik so, oder an der Voltaschen Säule.

Und das ist eben, was standardmässig passiert in einer nicht 
elektrodenlosen Gasentladungsröhre.

Egon D. schrieb:
> Das sind aber feldtheoretische keine Quellenfelder,
> sondern Wirbelfelder ("rot E = -B'").

Haben das Thema nur gestreift dazumal, aber ja, da ist mal was gewesen..

Egon D. schrieb:
> Indem man die Maxwellschen Gleichungen bemüht.

Wenn man sie anwenden kann =(
Gibt es praxisorientierte Literatur/Internetposts wo wirklich das 
angewendet wird für ähnliche Fragestellungen, schön mit greifbaren 
Zahlenwerten etc.? Also nicht nur Beweise dass es keine magnetischen 
Monopole gibt etc. aber wirklich Zahlenbeispiele mit Ampere und Volt und 
weiss der Gugger was^^

Egon D. schrieb:
> Das wird aber die Hauptsache sein: Dieselbe Energie, aber
> größeres Volumen wegen längerer Wellenlänge --> geringere
> lokale Feldstärke. (Das ist geraten und kann auch falsch
> sein.)

Jaaa das habe ich auch schon irgendwie überlegt. Und der 
Parabol"spiegel" zum bündeln würde auch etwas grösser glaubs...

Kilo S. schrieb:
> Ich kann dir zeigen was bei 149MHz und 1-5W passiert.

Fake news. Nein Spass, das ist ein bisschen über "heftig" drüberheraus. 
Deine Aussage mit dem Handfunkgerät noch mehr! Maximale 
Antennenspannung?
Danke für s posten!

Bennu schrieb:
> Bei mir leuchten Leuchstroffröhren auch bei 475 kHz.
> Zum Zünden muss man kurz nahe an die Antenne (halber Meter) und danach
> leuchten sie auch noch in 3-4 meter Entfernung bei ca. 300 Watt
> Sendeleistung.

Bei mir auch, allerdings fragt sich bei einer Teslaspule (0.Xxx MHz und 
0.X m Abstand hört sich an ein bisschen danach, provokativ gesagt :) ) 
wieviel von der Anregung wirklich wegen der RF ist, und wieviel einfach 
nur wegen den hohen elektrischen Feldstärken (also Quellenfeld). Auch 
wenn das keine Teslaspule ist, was für eine Antennenspannung kannst du 
messen, dort wo sie maximal sein sollte für deine Antenne?

Bennu schrieb:
> Unter 50 Hz Hochspannungsleitungen leuchten sie übrigens auch:

...weil _das_ ist wohl tatsächlich weniger wegen dem Wirbelfeld als 
wegen dem starken E Feld...

Grüsse - Microwave

von Microwave (Gast)


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Microwave schrieb:
> Und das ist eben, was standardmässig passiert in einer nicht
> elektrodenlosen Gasentladungsröhre.

*Wie standardmässig Energie eingekoppelt wird in einer...

von Bennu (Gast)


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Microwave schrieb:
> Auch
> wenn das keine Teslaspule ist, was für eine Antennenspannung kannst du
> messen, dort wo sie maximal sein sollte für deine Antenne?

Gemessen habe ich es nicht, aber es müsste ca. 3 kV sein.

von Michael U. (amiga)


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Hallo,

Microwave schrieb:
> Noch imposanter und unverständlicher ist es,
> wenn eine Gasentladungslampe, z.B. Leuchtstoffröhre, leuchtet wenn
> absolut berührungsfrei ein sauber fokussiertes Magnetron (mit
> Parabolspiegel o.ä.) darauf schiesst, aus sagen wir mal 1, 2 m
> Entfernung.

ein 250kW Impulsradar für Wettersondenverfolgung (russ. Militärtechnik, 
1970) bringt die Leuchtstoffröhren der Zimmerbeleuchtung aus ca. 200m 
Entfernung problemlos zum Leuchten. War manchmal das "Geschenk" des 
Meteorologenh-Zuges wenn sie die Kiste eingemessen haben. Wettersonde 
hing oben aus dem Dachfenster und wenn sie fertig waren wurde eben nicht 
erst abgeschaltet und dann der Spiegel in die Ruheposition gefahren 
sonder mal über die obere Etage gestrichen.

Gruß aus Berlin
Michael

von Energiesparer (Gast)


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Michael U. schrieb:
> ein 250kW Impulsradar für Wettersondenverfolgung (russ. Militärtechnik,
> 1970) bringt die Leuchtstoffröhren der Zimmerbeleuchtung aus ca. 200m
> Entfernung problemlos zum Leuchten.

Bevor wieder die üblichen Idioten auftauchen, die das in Zweifel ziehen:
Ich kann diese Aussage bestätigen, denn ich habe eine solche Station 
gehandhabt.

von DJ Tom (Gast)


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Gerald K. schrieb:
> Im verdünntem Gas gibt es jede Menge freier Elektronen.

So ziemlich alles an dem Beitrag ist Käse aber ein verdünntes Gas werde 
ich mir merken.

von Kilo S. (kilo_s)


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Microwave schrieb:
> Deine Aussage mit dem Handfunkgerät noch mehr! Maximale
> Antennenspannung?
> Danke für s posten!

Uff, geschätzt zwischen 400-600V max. wohl so um 800V.
Das liegt allerdings aktuell weit über meinem messbaren Bereich. 
Allerdings muss ich zum zünden die Antenne nicht berühren. Es reicht bis 
auf 5mm an sie heran zu gehen.

von Harald W. (wilhelms)


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Microwave schrieb:

> Ich habe mal gehört dass Leuchtstoffröhren, oder irgendwelche
> Gasentladungslampen for that matter, leuchten wenn sie mit einem
> Magnetron bestrahlt werden.

Dazu braucht man kein Magnetron, das geht auch mit wesentlich
kleineren Frequenzen. Vor ca. 100 Jahren haben Berliner Lau-
benpieper so Ihre Gärten mit der Energie eines naheliegenden
Rundfunksenders beleuchtet. Dieser Effekt wurde m.W. von einem
gewissen Herrn Tesla entdeckt.

von Microwave (Gast)


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Bennu schrieb:
> aber es müsste ca. 3 kV sein

Ist schon ein bisschen etwas, aber demfall nicht vergleichbar mit einer 
Teslaspule. Zündabstand 0.5 m sieht doch recht weit weg aus für die 
kleine Spannung, nicht schlecht.

Kilo S. schrieb:
> Uff, geschätzt zwischen 400-600V max. wohl so um 800V.
> Das liegt allerdings aktuell weit über meinem messbaren Bereich.

...und weit über meinen Erwartungen. Ich hätte so 100 V erwartet, kenne 
mich aber (noch) nicht wirklich aus mit RF und Antennentechnik. 
Wechselfeld mit 800 Vpk auf 5 mm Entfernung lässt einen halt doch 
irgendwie erwarten dass solche Effekte möglich sein könnten.

Michael U. schrieb:
> ein 250kW Impulsradar für Wettersondenverfolgung (russ. Militärtechnik,
> 1970) bringt die Leuchtstoffröhren der Zimmerbeleuchtung aus ca. 200m
> Entfernung problemlos zum Leuchten.

Frequenz bekannt? Ich habe nicht auf die Schnelle gefunden, welche 
Frequenz das sein könnte, aber ich glaube nicht die 4Xx MHz 
Datenübertragungsfrequenz?

Michael U. schrieb:
> Wettersonde
> hing oben aus dem Dachfenster

Bei dir? Dann hat es vielleicht Energie eingekoppelt bei dir auf diese 
Art? Oder wie hattest du gemeint?

Michael U. schrieb:
> sonder mal über die obere Etage gestrichen.

Michael U. schrieb:
> aus ca. 200m
> Entfernung

So oder so, derartige Aussagen deuten doch stark hin auf 
Fernfeldverhalten (im Gegensatz zu Nahfeldverhalten, was wahrscheinlich 
erscheint bei den anderen Beispielen), und damit eben wirklich auf 
Energieübertragung rein über Strahlung (oder Impuls hier). Hefty...

Harald W. schrieb:
> Vor ca. 100 Jahren haben Berliner Lau-
> benpieper so Ihre Gärten mit der Energie eines naheliegenden
> Rundfunksenders beleuchtet.

Jaaa, das habe ich auch schonmal gehört. Gibt es da genäuere Info bzgl. 
Abstand und Anschluss oder Nichtanschluss von den Röhren? Ev. eine 
Anekdotenwebsite oder so? Das auf, keine Ahnung, 100 m oder so, ohne 
Zuführungsdrähte zu den Leuchtstoffröhren würde schon leicht kriminell 
wirken ab der Strahlungsleistung welche wohl nötig wäre... =D

Grüsse - Microwave

P.S. Ich glaube wirklich, "Fernfeld" war das Wort welches ich such(t)e. 
Die Effekte welche ich meine sollten sich beziehen auf "Fernfeld" 
(far-field).

von Kilo S. (kilo_s)


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Microwave schrieb:
> und weit über meinen Erwartungen. Ich hätte so 100 V erwartet, kenne
> mich aber (noch) nicht wirklich aus mit RF und Antennentechnik.

Das ist eine Magnetic Loop.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Magnetantenne

Solche Spannungen sind sozusagen "Normal" bei diesem Antennen Prinzip.
Je höher die Qualität bei den Materialien und dem Aufbau um so höher 
kann die Spannung werden.
"Gute" erreichen bei 4-5W auch gerne bis über 1KV.

Persönliche Erfahrungen was für Schmerzen das bereitet habe ich auch 
bereits gesammelt, bitte beim senden niemals die Antenne berühren!
HF Verbrennungen heilen sehr langsam.

von Hp M. (nachtmix)


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Microwave schrieb:
> Könnte man sich vorstellen wie die Wassermoleküle,
> welche durchgeschüttelt werden, womit Wärme entsteht. Im Gas würden dann
> eben die Elektronen irgendwie auf die höheren Umlaufbahnen geschüttelt
> werden...

Aber mit Wasser und einer Menge anderer Gase gehts eben nicht.
Mit den Edelgasen He, Ne, Ar, Kr, Xe, sowie Metalldämpfen (meist Hg oder 
Na) hingegen schon.
Ein paar freie Elektronen braucht man anfangs auch noch, die man oft in 
Form einer schwach radioaktiven Substanz hinzufügt.

Das Zauberwort heisst Stossionisation, und die passiert besonders gut in 
einatomigen Gasen, also den genannten Edelgasen oder Metalldämpfen, weil 
zwischen den Atomen und Ionen sowie den im E-Feld beschleunigten 
Elektronen nur elastische Stöße stattfinden können, durch die keine 
Bewegungsenergie verloren geht.
  Zumindest solange die kinetische Energie der Stosspartner nicht für 
eine Ionisation ausreicht. -

Weil die Masse von Elektronen vieltausendfach kleiner ist als die der 
Atome, erreichen sie sowohl bei Stössen als auch im elektrischen Feld 
viel höhere Geschwindigkeiten und kinetische Energie als die Atome und 
Ionen mit denen sie kollidieren. (Unterschied von Impulserhaltung m*v 
und kinetischer Energie 0,5*m*v**2)
Auf diese Weise können manche Elektronen kinetische Energien erreichen, 
die ausreichen um aus einem bislang elektrisch neutralen Atom ein 
Elektron herauszuschlagen, das seinerseits im Feld beschleunigt wird. - 
Eine durch das elektrische Feld angetriebene Kettenreaktion und: Die 
Entladung hat begonnen.

Weil bei realistischen Strömen bei weitem nicht alle Gasatome ionisiert 
werden, stellt sich durch die Stösse eine Geschwindigkeitsverteilung 
ein, bei der nur ein Bruchteil der Elektronen die zur Ionisation eines 
Gasatoms erforderliche Energie erreicht. Für das oftmals zur 
Erleichterung der Zündung beigefügte Quecksilber z.B. beträgt die erste 
Ionisationsenergie ca. 10,5 eV, und liegt damit um einiges unter den 
Werten der gebräuchlichen Edelgase.
Die besonders leicht zu ionisierenden Alkalimetalle erreichen leider bei 
Zimmertemperatur keinen ausreichenden Dampfdruck.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ionisierungsenergie


In mehratomigen Gasen, wie z.B. O2, N2, H2, CO2, H2O,... hingegen werden 
durch die Elektronenstösse Streck- und Biegeschwingungen sowie 
Rotationen der Moleküle angeregt, wodurch die kinetische Energie der 
wenigen anfangs vorhandenen Elektronen als Wärme endet.
Wie jeder Elektriker weiß, kann man mit Gewalt auch in solchen Gasen 
Entladungen erzwingen -Lichtbögen genannt-, die aber mit den 
Glimmentladungen, wie sie Leuchstofflampen stattfinden, nur wenig zu tun 
haben.
Insbesondere sind dort die Ströme und Gastemperaturen viel höher, sodass 
die Moleküle zerreissen und auch selbst schon ionisierende Stöße und 
ionisierende UV-Strahlung hervorbringen können.

von Hp M. (nachtmix)


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Bennu schrieb:
> Bei mir leuchten Leuchstroffröhren auch bei 475 kHz.
> Zum Zünden muss man kurz nahe an die Antenne (halber Meter) und danach
> leuchten sie auch noch in 3-4 meter Entfernung bei ca. 300 Watt
> Sendeleistung.

So gering ist die Feldstärke aber wohl nur in der Nähe des Senders.
Ich weiss, dass man auf dem ganzen 100m x 100m Gelände des NDB "LI" mit 
einer Leuchtstoffröhre in der Hand herumspazieren kann. Ist abends ganz 
praktisch, wenn  keine Taschenlampe zur Hand ist.
Iirc ist das ein 100W Langwellensender, dessen Antennendraht zwischen 
zwei 40m hohen Masten im Abstand von vllt. 60m aufgehängt ist.
Die Zuleitung strahlt natürlich auch, und dort, in der Nähe des Senders, 
sieht man in der Leuchtstofflampe schön die für HF-typischen 
perlschnurartigen Leuchterscheinungen.

Ich bin mir nicht sicher, ob das stehende Plasmawellen sind oder 
akustische Wellen im Füllgas.

von Bernd (Gast)


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Hp M. schrieb:
> Ich bin mir nicht sicher, ob das stehende Plasmawellen sind oder
> akustische Wellen im Füllgas.
Sowas habe ich auch schon bei alternden Leuchtstoffröhren gesehen und 
konnte es mir nicht erklären. Interessanterweise ist der 
Perlschnur-Wandereffekt in verschiedenen Röhren unterschiedlich 
ausgeprägt.

von Thomas R. (thomasr)


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In Frankreich sind in den Hochspannungsfreileitungen in regelmäßigen 
Abständen rot leuchtende „Stäbe“ angebracht. Vermutlich funktionieren 
die ähnlich und speisen sich aus dem 50Hz Feld?

von Kurt (Gast)


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Microwave schrieb:
> Danke für eure Antworten.
>
> Kurt schrieb:
>> Die Anregung bringt Resonanzkörper ins Schwingen.
>
> Interessante Aussage. Könnte man sich vorstellen wie die Wassermoleküle,
> welche durchgeschüttelt werden, womit Wärme entsteht. Im Gas würden dann
> eben die Elektronen irgendwie auf die höheren Umlaufbahnen geschüttelt
> werden...
>

Wärme, die ja nur Bewegung ist, entsteht natürlich auch.
Wenn man von einem Zündvorgang ausgeht dann ist es wohl so dass Chaos, 
also grosse ungeordnete Bewegung, dazu führt, dass viele Gasmoleküle 
dazu angeregt werden Elektronen "hochzubringen" deren Rückkehr zum 
"alten" Platz im Atom dann jeweils eine kurze Lichtschwingung erzeugt. 
Die dabei erzeugte Schwingungsfrequenz(en) ergeben dann die 
Lichtstrahlung welche wiederum mit anderen Molekülen in die gewünschte 
Farbe umgesetzt werden.

Fängt die Röhre ohne "Startvorgang" zu leuchten an dann ist das ein ein 
wenig anderer Vorgang. Es werden keine Elektronen innerhalb des Atoms 
umhergeworfen, sondern die "Resonanzkörper" Atom/Molekül werden direkt 
in einer/mehrere ihrer Resonanzfrequenzen angeregt und erzeugen das 
Licht.
Diese Art von Anregung/Erzeugung ist mit einem Laser 
vergleichbar/verwandt.
Z.B. einem Helium/Neon Laser.
Bei einem solchen wird meisst auf sehr geringe Anregung gezielt (ergibt 
sehr gute Frequenzkonstanz), bei der Leuchtstoffröhre eher auf grosse 
Helligkeitsausbeute.

 Kurt

von Bennu (Gast)


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Hp M. schrieb:
> So gering ist die Feldstärke aber wohl nur in der Nähe des Senders.
> Ich weiss, dass man auf dem ganzen 100m x 100m Gelände des NDB "LI" mit
> einer Leuchtstoffröhre in der Hand herumspazieren kann.

Im Vergleich zu den NDB ist meine Antenne sehr ineffizient (weil viel zu 
niedrig). Von den 300 W Sendeleistung schaffen es bei 475 kHz weniger 
als 1 W ins Fernfeld.

Ich hab's noch im Langwellenband bei 137 kHz versucht, ca. 6 kV 
Antennenspannung.
Da zündet die Lampe in ca. 1,5 m Entfernung und leuchtet bis 7-8 m 
Distanz. In der Nähe von Bäumen, Zaun, Haus erlischt sie recht schnell.

von Rüdiger B. (rbruns)


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Harald W. schrieb:
> Vor ca. 100 Jahren haben Berliner Lau-
> benpieper so Ihre Gärten mit der Energie eines naheliegenden
> Rundfunksenders beleuchtet.

Das wollte ich auch schreiben!

von Hp M. (nachtmix)


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Thomas R. schrieb:
> In Frankreich sind in den Hochspannungsfreileitungen in regelmäßigen
> Abständen rot leuchtende „Stäbe“ angebracht. Vermutlich funktionieren
> die ähnlich und speisen sich aus dem 50Hz Feld?

Ja, wobei sich natürlich in der Nähe des Drahtes die Feldlinien 
konzentrieren und die Feldstärke deshalb sehr hoch ist.

Ich kenne solche Neonstäbe von der Deutschen Welle in Jülich. Dort 
hingen sie an den symmetrischen Speiseleitungen der Antennen.

von Bennu (Gast)


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Kann man sagen bei welcher elektrischen Feldstärke die Leuchstofflampe 
zünden müsste?
Spielt die magnetische Feldstärke eine Rolle?

von Hp M. (nachtmix)


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Bennu schrieb:
> Spielt die magnetische Feldstärke eine Rolle?

Normalerweise nicht. Erst in starken Magnetfeldern werden die Elektronen 
auf ihren mikroskopisch kurzen Wegen bis zur nächsten Kollision mit 
einem Gasatom merklich abgelenkt.

In der Summe kann aber ein deutlicher Effekt entstehen, wie etwa beim 
Hörnerblitzableiter:

https://www.leifiphysik.de/elektrizitaetslehre/induktion-und-transformator/versuche/hoernertrafo
Die Thermik unterstützt hier zwar den Effekt, aber der Versuch 
funktioniert auch, wenn der Lichtbogen nach unten geblasen wird.

von Kilo S. (kilo_s)


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Hp M. schrieb:
> Die Thermik unterstützt hier zwar den Effekt, aber der Versuch
> funktioniert auch, wenn der Lichtbogen nach unten geblasen wird.

Hier mal visuelles Material dazu.

Dort verwende ich einen Zeilentrafo (AC) aus einem alten Schwarz Weiß 
Fernseher.

: Bearbeitet durch User
von Egon D. (Gast)


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Microwave schrieb:

> Michael U. schrieb:
>> ein 250kW Impulsradar für Wettersondenverfolgung (russ.
>> Militärtechnik, 1970) bringt die Leuchtstoffröhren der
>> Zimmerbeleuchtung aus ca. 200m Entfernung problemlos
>> zum Leuchten.
>
> Frequenz bekannt?

Falls es sich um die russischen Stationen handeln sollte,
die zivil unter dem Namen "Meteorit" bzw. "Meteor" bekannt
waren und die mit Radiosonden des Typs RKS2 bzw. RKS5
benutzt wurden: Die Wellenlänge war ca. 17cm, die Frequenz
war 1760MHz plus/minus ein paar Megahertz.

HTH

von Michael U. (amiga)


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Hallo,

Egon D. schrieb:
> Falls es sich um die russischen Stationen handeln sollte,
> die zivil unter dem Namen "Meteorit" bzw. "Meteor" bekannt
> waren und die mit Radiosonden des Typs RKS2 bzw. RKS5
> benutzt wurden: Die Wellenlänge war ca. 17cm, die Frequenz
> war 1760MHz plus/minus ein paar Megahertz.

Frequenz kann ich bestätigen. Unsere Sonden waren DDR-Produkt, bestückt 
mit 2x DF67 und der Bleistifttriode im Oszillator, auch WF-Fertigung.
WIr bekamen dann auch die ersten Sonden mit Transistoren, ich glaube 2x 
SS216 und SF127, Sender war identisch. Konnten wir aber nie nutzen, wir 
hatten die dazu passenden Batterien noch nicht...

Alles schön OT hier, aber interessant, wenn noch Leute aus den alten 
Zeiten auftauchen, die den Kram noch kennen.

Gruß aus Berlin
Michael

von Microwave (Gast)


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Kilo S. schrieb:
> Das ist eine Magnetic Loop.

Danke vielmal, also fast wie die Spule beim Royer Converter wenn er für 
Propelleruhren etc. gebraucht sein soll.

Hp M. schrieb:
> Ich weiss, dass man auf dem ganzen 100m x 100m Gelände des NDB "LI" mit
> einer Leuchtstoffröhre in der Hand herumspazieren kann.

Läuft. Zwar glaubs noch nicht Fernfeld, aber ok :)

Bennu schrieb:
> Ich hab's noch im Langwellenband bei 137 kHz versucht, ca. 6 kV
> Antennenspannung.
> Da zündet die Lampe in ca. 1,5 m Entfernung und leuchtet bis 7-8 m
> Distanz.

Nice! Wie hast du die Röhre gehalten und wie gross ist die Antenne?

Egon D. schrieb:
> Die Wellenlänge war ca. 17cm, die Frequenz
> war 1760MHz plus/minus ein paar Megahertz.

Michael U. schrieb:
> Frequenz kann ich bestätigen.

Also fast ein bisschen ein Impulsmagnetron :O

Danke für eure Info an alle.

Grüsse - Microwave

von Michael U. (amiga)


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Hallo,

Microwave schrieb:
> Michael U. schrieb:
>> Frequenz kann ich bestätigen.
>
> Also fast ein bisschen ein Impulsmagnetron :O

Es war ein Impulsmagnetron, Tastzeiten usw. weiß ich nicht mehr.
Es gab ein aufgesägtes zum Anschauen in der Kompanie...
Getastet wurde es von 2 russ. Leistungstrioden, so ca. 20cm Durchmesser,
Heizung war wohl 26V/25A.

Gerade mal gegoogelt:
http://www.rwd-mb3.de/pages/rms1.htm

Gruß aus Berlin
Michael

: Bearbeitet durch User
von Bennu (Gast)


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Microwave schrieb:
> Nice! Wie hast du die Röhre gehalten und wie gross ist die Antenne?

Die Röhre habe ich in der Hand gehalten.
Die T-Antenne ist 50m lang und nur 6m hoch.

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